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Die moderne Erzählproblematik am Beispiel von Max Frisch: Stiller

Title: Die moderne Erzählproblematik am Beispiel von Max Frisch: Stiller

Term Paper (Advanced seminar) , 2004 , 32 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: M.A. Dorothee Hermanni (Author)

German Studies - Modern German Literature
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„Das ist die erschreckende Erfahrung dieser Untersuchungshaft: ich habe keine Sprache für meine Wirklichkeit!“ (Stiller, S. 84). Diese Erkenntnis ist immer wieder Anlass dafür, dass der Tagebuchschreiber alias „White“ in seinen Aufzeichnungen nach seiner eigenen Wirklichkeit und Sprache jenseits von Rollenzuweisungen und Klischeedenken sucht, mit denen er von seinen Bekannten konfrontiert wird. Durch andere sprachliche Darstellungsmöglichkeiten will er einer eindeutig fixierbaren Lebensgeschichte und Identität entgehen.
Dass sich der Prozess der Selbstfindung innerhalb zahlreicher Lebensmöglichkeiten der modernen Gesellschaft äußerst schwierig gestaltet, hat Max Frisch sowohl philosophisch als auch romantheoretisch als Sprach- und Identitätsproblematik immer wieder thematisiert.
Diese Arbeit möchte sich der für „Stiller“ charakteristischen Identitätsproblematik unter diesem sprachphilosophischen und romantheoretischen Blickwinkel nähern und sich nicht einer eingehenden Analyse des Inhaltlichen und der problematischen Beziehungskonstellationen der Figuren widmen. Vielmehr soll untersucht werden, mit welchen sprachlichen und strukturellen Mitteln das Grundgefühl der Romanfigur: „Ich bin nicht ihr [!] Stiller“ (St, S. 49) als hintergründige „Realität“ des Textes hervorscheinen und sich entwickeln kann. Angesichts des umfangreichen Romans mit seiner komplexen Struktur ist man anfangs geneigt, in der multiperspektivisch angelegten Erzählung mit ihren zusätzlichen „Geschichten“ eine adäquate Form vorzufinden, die eine scheinbar vielseitige Betrachtung der Identität Stillers ermöglicht. Dass dies in der Tat die einzig mögliche sprachliche Darstellungsform von „Realität“ ist, jedoch nicht im Sinn einer scheinbar objektivierbaren Annäherung an die Person, soll anhand der Romangestaltung gezeigt werden. Nach einer Skizze der gesellschaftlichen und romantheoretischen Dimension von Max Frischs Wirklichkeitserleben und seiner Sprachskepsis soll die Roman- und Sprachgestaltung thematisiert werden, die gerade im „Nichtbenennen“ auf die andere Identität Whites – auf Stiller selbst hinweist. Ausgehend von der Romanorganisation auf struktureller Ebene soll von den größeren sprachlichen Einheiten (Geschichten) auf die Ebene der Reflexionen und Sprechhandlungen übergegangen werden, um die Gestaltung des Romans als Ganzes zu verdeutlichen, der in seiner Gesamtheit eine Imitation von Realität verhindert und gerade so der Thematik gerecht werden kann.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

Einleitung

I. Die Identitätsproblematik als Kennzeichen der Moderne

I.1 Prägende Gesellschaftsstrukturen und Probleme

I.2 Die Sprach- und Realitätsskepsis bei Max Frisch

II. Die Erzählverfahren als Darstellung von Identitätssuche

II.1 Strukturierende Elemente des Romans

II.1.1 Die Fragmentarisierung der Zeitebenen und Perspektiven

II.1.2 Das „uneigentliche Sprechen“ durch einzelne strukturelle Romanelemente

II.2 Sprach- und Stilverwendung als „Spannung zwischen diesen Aussagen“

II.2.1 Gedanken über den Realitätsgehalt von Sprache

II.2.2 Die mehrdeutige Semantik der Tagebuchaufzeichnungen

Schlussbemerkungen

Zielsetzung & Themen

Diese Arbeit untersucht die moderne Erzählproblematik in Max Frischs Roman „Stiller“, wobei der Fokus auf den sprachlichen und strukturellen Mitteln liegt, mit denen die Identitätssuche der Romanfigur dargestellt wird. Ziel ist es zu analysieren, wie Frisch durch eine fragmentierte Erzählstruktur, den Einsatz verschiedener Perspektiven und eine spezifische Sprachverwendung – das sogenannte „uneigentliche Sprechen“ – die Unfassbarkeit von Identität und die Unmöglichkeit der Realitätsdarstellung thematisiert.

  • Die Identitätsproblematik im Kontext der modernen Gesellschaft.
  • Sprachskepsis und die Problematik des erzählbaren Ichs.
  • Strukturelle Analyse der Romanorganisation (Fragmentarisierung, Perspektivwechsel).
  • Die Funktion von „Geschichten“ und Leitmotiven als „uneigentliches Sprechen“.
  • Die reflektierte Sprach- und Stilverwendung im „Tagebuch als Kunstform“.

Auszug aus dem Buch

Die Identitätsproblematik als Kennzeichen der Moderne

Im Gegensatz zur Situation der Literatur in der Schweiz konzentriert sich die Nachkriegsliteratur in Deutschland zunächst mehr auf allgemein gehaltene Themen statt Problemfelder des Individuums in der Moderne, wie sie noch vor 1933 thematisiert worden sind. Verbindende Erfahrungen für beide Gesellschaften ist jedoch die nach dem Zweiten Weltkrieg rasch entstehende Konsumgesellschaft, die weiter die negativen Tendenzen der Massengesellschaft, wie sie in den Zwanziger Jahren entstanden sind, forcieren: Entfremdung des Menschen durch technisierte Lebensformen, die mediale Übermacht der Bilder und Nachrichten sowie die zunehmende Anonymisierung und Fragmentarisierung des Lebens. Aus der Verdrängungsmentalität und dem empfundenen Werteverlust erwächst die Besinnung auf traditionelle Werte und eine materialistische Sichtweise der neuen Wohlstandsgesellschaft. Die kritische Haltung gegenüber der neuen Formalisierung und Reduzierung des Menschen auf bestimmte Rollen und vorgefertigte Erfahrungsmuster im „Zeitalter der Reproduktion“ (St, S. 186) ist somit auf wenige Schriftsteller und Künstler beschränkt. Auch sie teilen zwar die Erfahrung der geistigen Orientierungslosigkeit und Angst in einer übermächtig gewordenen Umwelt als Grunderfahrung der Moderne, wie sie schon in den Zwanziger und Dreissiger Jahren literarisch verarbeitet worden ist.

Zusammenfassung der Kapitel

Einleitung: Die Einleitung führt in die zentrale Problematik der Identitätssuche und die Sprachskepsis bei Max Frisch ein und skizziert die methodische Ausrichtung der Arbeit.

I. Die Identitätsproblematik als Kennzeichen der Moderne: Dieses Kapitel beleuchtet den gesellschaftlichen Kontext der Nachkriegszeit sowie die theoretischen Grundlagen des Sprachzweifels und der Identitätskrise.

I.1 Prägende Gesellschaftsstrukturen und Probleme: Hier werden die negativen Begleiterscheinungen der Konsum- und Massengesellschaft, wie Entfremdung und Rollenzwänge, analysiert.

I.2 Die Sprach- und Realitätsskepsis bei Max Frisch: Dieses Kapitel vertieft den Zusammenhang zwischen dem Sprachproblem und der Unmöglichkeit, Identität authentisch darzustellen.

II. Die Erzählverfahren als Darstellung von Identitätssuche: Hier wird untersucht, wie strukturelle Mittel des Romans die Identitätsthematik formal umsetzen.

II.1 Strukturierende Elemente des Romans: Dieses Unterkapitel analysiert die Romanorganisation und ihre Wirkung auf die Darstellung der Identitätsfrage.

II.1.1 Die Fragmentarisierung der Zeitebenen und Perspektiven: Hier wird erörtert, wie die Zersplitterung von Zeit und Sichtweisen Identifikation verhindert und die Komplexität von Wirklichkeit unterstreicht.

II.1.2 Das „uneigentliche Sprechen“ durch einzelne strukturelle Romanelemente: Dieses Kapitel erläutert, wie durch Montage und symbolische Geschichten die Grenzen der erzählbaren Realität ausgelotet werden.

II.2 Sprach- und Stilverwendung als „Spannung zwischen diesen Aussagen“: Dieses Kapitel widmet sich der konkreten Spracharbeit im Roman.

II.2.1 Gedanken über den Realitätsgehalt von Sprache: Hier wird der kritische Umgang mit Sprache als Instrument der Wahrheitsfindung kritisch reflektiert.

II.2.2 Die mehrdeutige Semantik der Tagebuchaufzeichnungen: Das abschließende Kapitel analysiert die subtile Brechung der Sprache und die Unbeabsichtigtheit des Erzählens als Mittel der Wahrheitsdarstellung.

Schlussbemerkungen: Die Schlussbemerkungen fassen die wesentlichen Erkenntnisse über das „Umschreiben“ von Identität und die schriftstellerische Leistung von Max Frisch zusammen.

Schlüsselwörter

Max Frisch, Stiller, Identitätsproblematik, Moderne, Sprachskepsis, Erzählverfahren, Fragmentarisierung, Rollenhaftigkeit, Entfremdung, Tagebuchform, Uneigentliches Sprechen, Realität, Fiktionalität, Schreibakt, Identitätssuche.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert die spezifische Identitätsproblematik im Roman „Stiller“ von Max Frisch und untersucht dabei, wie der Autor die Krise des Individuums und die Unzulänglichkeit der Sprache mittels komplexer Erzählstrukturen gestaltet.

Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?

Die Schwerpunkte liegen auf der Moderne-Erfahrung, dem Spannungsfeld zwischen Identität und Rollenzuschreibung, der philosophischen Sprachskepsis sowie der Analyse der Romanstruktur als Mittel der Wirklichkeitsdarstellung.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Ziel ist es aufzuzeigen, mit welchen sprachlichen und erzähltechnischen Mitteln Max Frisch die Unaussprechlichkeit menschlicher Identität im Roman „Stiller“ thematisiert und warum er die traditionelle Realitätsimitation ablehnt.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit stützt sich auf eine tiefgehende strukturelle und poetologische Analyse des Romantextes unter Einbeziehung von Max Frischs Romantheorie und existenzialphilosophischen Einflüssen.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung der gesellschaftlichen Grundlagen der Identitätskrise sowie eine detaillierte Analyse der Erzählverfahren, insbesondere des Perspektivwechsels, der Fragmentarisierung und der sprachlichen Reflexion.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Wichtige Begriffe sind Identitätssuche, Sprachskepsis, Fragmentarisierung, Rolle, Entfremdung, uneigentliches Sprechen und die Montage von fiktionalen und realen Elementen.

Wie unterscheidet die Arbeit zwischen der Rolle „White“ und der Person „Stiller“?

Die Arbeit untersucht, wie das Ich als „White“ versucht, der Identitätsfestlegung durch „Stiller“ zu entfliehen, und wie diese Konstruktion durch den Erzählvorgang selbst kontinuierlich brüchig wird.

Welche Bedeutung kommt der Tagebuchform im Roman zu?

Die Tagebuchform wird als „Kunstform“ verstanden, die es dem Erzähler ermöglicht, Realität nicht direkt abzubilden, sondern durch ein „Umschreiben“ anzunähern und die Unfähigkeit zur definitiven Identitätsdarstellung offen zu legen.

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Details

Title
Die moderne Erzählproblematik am Beispiel von Max Frisch: Stiller
College
University Karlsruhe (TH)  (Institut für Literaturwissenschaft)
Course
Hauptseminar: Max Frisch: Stiller
Grade
1,0
Author
M.A. Dorothee Hermanni (Author)
Publication Year
2004
Pages
32
Catalog Number
V135123
ISBN (eBook)
9783640431908
ISBN (Book)
9783640431816
Language
German
Tags
Erzählproblematik Beispiel Frisch Stiller
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
M.A. Dorothee Hermanni (Author), 2004, Die moderne Erzählproblematik am Beispiel von Max Frisch: Stiller, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/135123
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