In der anhaltenden Diskussion um die Corporate Governance (CG) steht die Verbesserung der Unternehmensleitung und Unternehmensüberwachung im Vordergrund. International haben sich u.a. auf Grund von verschiedenen rechtlichen, kulturellen, sozialen und historischen Rahmenbedingungen unterschiedliche Corporate Governance Systeme durchgesetzt. Allgemein lassen sich das dualistische und monistische Verwaltungssystem unterscheiden.
Die Societas Europaea (SE), als erste supranational-europäische Gesellschaftsform, ermöglicht die Wahl zwischen dem monistischen und dualistischen Verwaltungssystem, somit können diese zum ersten Mal, unter ähnlichen Umweltbedingungen und rechtlichen Rahmenbedingungen innerhalb der Europäischen Union (EU), in direkten Wettbewerb treten. Die resultierenden Veränderungen der Binnenordnung gegenüber einer deutschen Aktiengesellschaft (AG) werfen die Frage der Konsequenzen für die Effizienz, Effektivität und der Beteiligung der Arbeitnehmer bezüglich der Überwachung der Unternehmensführung in der Societas Europaea durch die verschiedenen Systeme auf.
In diesem Zusammenhang verfolgt die vorliegende Arbeit das Ziel zu klären welche Mechanismen, Einflussfaktoren sowie gesetzliche Regelungen eine effiziente und effektive Überwachung in den verschiedenen Systemen gewährleisten können.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
1.1 Problemstellung
1.2 Gang der Untersuchung
2 Entwicklung und Charakteristika der Societas Europaea
2.1 Historische Entwicklung
2.2 Begriff und Merkmale
2.3 Gründung
2.3.1 Gründungsarten
2.3.2 Bedingte Mehrstaatlichkeit
2.4 Unternehmensverfassung
2.4.1 Allgemein
2.4.2 Hauptversammlung
2.4.3 Dualistisches Verwaltungssystem
2.4.3.1 Allgemein
2.4.3.2 Leitungsorgan
2.4.3.3 Aufsichtsorgan
2.4.4 Monistisches Verwaltungssystem
2.4.4.1 Allgemein
2.4.4.2 Verwaltungsrat
2.4.5 Mitbestimmung
2.5 Zwischenfazit und Status-Quo
3 Analyse der Unternehmensüberwachung im Rahmen der verschiedenen Unternehmensverfassungen
3.1 Definition Unternehmensüberwachung
3.2 Theoretische Grundlagen der Unternehmensüberwachung
3.2.1 Neue Institutionenökonomik
3.2.2 Principal-Agent-Theorie
3.3 Aufsichtorgan im dualistischen System
3.3.1 Gestaltung der Überwachung
3.3.2 Mitbestimmung durch Arbeitnehmer
3.3.3 Einflussnahme durch Anteilseigner
3.4 Der Verwaltungsrat im monistischen System
3.4.1 Gestaltung der Überwachung
3.4.1.1 Allgemein
3.4.1.2 Interne geschäftsführende Direktoren (CEO-Modell)
3.4.1.3 Externe geschäftsführende Direktoren
3.4.2 Mitbestimmung durch Arbeitnehmer
3.4.3 Einflussnahme durch Anteilseigner
3.5 Fazit
4 Zusammenfassung und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit analysiert die Mechanismen, Einflussfaktoren und gesetzlichen Regelungen zur Gewährleistung einer effizienten und effektiven Unternehmensüberwachung in der Societas Europaea (SE). Im Fokus steht dabei der Vergleich zwischen dem dualistischen und dem monistischen Verwaltungssystem sowie deren Auswirkungen auf die Kontrolle der Unternehmensführung unter Berücksichtigung der spezifischen deutschen Rechtslage.
- Historische Entwicklung und rechtliche Charakteristika der Societas Europaea
- Differenzierung der Unternehmensverfassungen (monistisch vs. dualistisch)
- Theoretische Fundierung der Unternehmensüberwachung (Neue Institutionenökonomik & Principal-Agent-Theorie)
- Einfluss der Arbeitnehmermitbestimmung auf die Effektivität der Überwachung
- Gestaltungsmöglichkeiten durch Satzungsautonomie in verschiedenen Verwaltungssystemen
Auszug aus dem Buch
3.2.2 Principal-Agent-Theorie
Die Principal-Agent-Theorie beschäftigt sich mit den Problemen, die aus der Trennung von Eigentum und Verfügungsmacht entstehen, die meisten kapitalmarktnotierten Unternehmen werden nicht von den Eigentümern (Principals) geführt, sondern von angestellten Geschäftsführern (Agents). Das Problem als solches besteht darin, dass die Principals die Handlungen der Agents zum einen nicht überprüfen können z.B. durch Informationsasymmetrien und zum anderen es nicht bedingt ersichtlich ist, inwieweit die Handlungen der Agents oder die äußeren Umstande für den Erfolg verantwortlich sind. Im Extremfall kann es dazu kommen, dass die Agents eigene Interessen verfolgen, die von denen der Principals abweichen. Wollen die Principals sicherstellen, dass ihre Interessen angemessen vertreten werden, so entstehen ihnen Kosten, welche auch als „Agency Costs“, die vor allem aus Überwachungs- und Informationskosten bestehen, bezeichnet werden.
Die gesetzlich vorgegebenen Organstrukturen von kapitalmarktnotierten Unternehmen, sollen dazu dienen die „Agency Costs“ zu reduzieren. In der Literatur wird seit langem kontrovers diskutiert, welches Verwaltungssystem besser dazu dient, die Interessen der Eigentümer wahrzunehmen, es ist jedoch eine Annäherung der Systeme im Bezug auf die Trennung von Unternehmensführung und Überwachung zu beobachten. Insbesondere stellt sich die Frage ob es sinnvoll ist, dass verschiedene Interessengruppen in diesen Kontrollorganen tätig sind, mögliche Interessenskonflikte können zu Kontrollvakuen führen, die von den Agents ausgenutzt werden könnten.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung führt in die Problematik der Corporate Governance und Unternehmensüberwachung in der SE ein und erläutert den Aufbau der Untersuchung.
2 Entwicklung und Charakteristika der Societas Europaea: Dieses Kapitel behandelt den historischen Hintergrund, die gesetzlichen Grundlagen und die Organisationsformen der SE.
3 Analyse der Unternehmensüberwachung im Rahmen der verschiedenen Unternehmensverfassungen: Das Hauptkapitel analysiert theoretische Grundlagen sowie die praktische Ausgestaltung der Überwachung im dualistischen und monistischen System.
4 Zusammenfassung und Ausblick: Der Abschluss bewertet die Ergebnisse hinsichtlich der Effektivität der Überwachung und identifiziert den Reformbedarf für das deutsche Gesellschaftsrecht.
Schlüsselwörter
Societas Europaea, Unternehmensüberwachung, Corporate Governance, dualistisches Verwaltungssystem, monistisches Verwaltungssystem, Principal-Agent-Theorie, Arbeitnehmermitbestimmung, Satzungsautonomie, SE-Verordnung, SE-Ausführungsgesetz, Aufsichtsorgan, Verwaltungsrat, Geschäftsführung, Agency Costs, Effektivität.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die Ausgestaltung und Effektivität der Unternehmensüberwachung in der Europäischen Gesellschaft (Societas Europaea) im Vergleich zu herkömmlichen deutschen Rechtsformen.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Im Zentrum stehen die rechtlichen Rahmenbedingungen der SE, die Unterschiede zwischen dem dualistischen und monistischen Verwaltungssystem sowie die Rolle der Mitbestimmung und Satzungsautonomie.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, zu klären, welche Mechanismen, Einflussfaktoren und gesetzlichen Regelungen eine effiziente und effektive Überwachung der Unternehmensführung in den verschiedenen Systemen der SE gewährleisten können.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine rechts- und wirtschaftswissenschaftliche Analyse basierend auf der Verordnung (EG) Nr. 2157/2001 (SE-VO) sowie den deutschen Ausführungsgesetzen (SEAG, SEBG) unter Einbeziehung ökonomischer Theorien wie der Principal-Agent-Theorie.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil analysiert die theoretischen Grundlagen der Überwachung und vergleicht detailliert die Ausgestaltung der Kontrollorgane (Aufsichtsorgan im dualistischen System vs. Verwaltungsrat im monistischen System) unter Berücksichtigung von Mitbestimmung und Anteilseinfluss.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Societas Europaea, Corporate Governance, dualistisches und monistisches Verwaltungssystem, Mitbestimmung sowie Agency Costs.
Wie wirkt sich das monistische Modell auf die Überwachung aus?
Das monistische Modell bietet durch die Integration von Geschäftsführung und Überwachung im Verwaltungsrat neue Gestaltungsmöglichkeiten, birgt jedoch im "CEO-Modell" Risiken durch Personalunion, die eine unabhängige Kontrolle erschweren können.
Welche Bedeutung hat die Mitbestimmung für die SE-Überwachung?
Die Mitbestimmung kann laut Arbeit als Konfliktpotenzial wahrgenommen werden, das die "Agency Costs" erhöht, bietet aber gleichzeitig die Chance, die Überwachung durch eine zusätzliche Perspektive zu bereichern.
- Citation du texte
- Boris Tackmann (Auteur), 2008, Unternehmensüberwachung in der Europäischen Gesellschaft („Societas Europaea“), Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/135168