Eine der bedeutendsten Figuren des kirchlichen Widerstands gegen das NS-Regime war Dietrich Bonhoeffer, ein evangelischer Theologe und Priester. Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit der Rolle der Evangelischen Kirche während der Zeit des Nationalsozialismus und der Frage, ob die Rezeption von Bonhoeffer durch die Kirche instrumentalisiert wird, um ihre eigene Rolle im Widerstand gegen das NS-Regime besser darzustellen. Dabei werden sowohl Bonhoeffers konkreter Widerstand als auch die Rolle der Kirche selbst untersucht, um ein abschließendes Fazit zu ziehen.
Inhaltsverzeichnis
I. Einleitung
II. Die evangelische Kirche in der Zeit des Nationalsozialismus
III. Dietrich Bonhoeffer in der Frühphase des Nationalsozialismus
III. a. Dietrich Bonhoeffers Weg in die Illegalität
IV. Die Rezeption Dietrich Bonhoeffers
IV a. Die Rezeption der evangelischen Kirche nach dem Zweiten Weltkrieg
V. Fazit
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Das Hauptziel dieser Arbeit ist es, die Rolle der evangelischen Kirche während des Nationalsozialismus kritisch zu beleuchten und zu untersuchen, ob die Rezeption Dietrich Bonhoeffers instrumentalisiert wurde, um die eigene Rolle der Kirche im Widerstand besser darzustellen. Die zentrale Forschungsfrage fokussiert sich darauf, wie konkret der Widerstand Dietrich Bonhoeffers aussah, welche Haltung die Kirche selbst einnahm und inwieweit diese durch die moderne Rezeption interpretiert oder verzerrt wird.
- Die evangelische Kirche zwischen "Thron und Altar" und der NS-Ideologie
- Dietrich Bonhoeffers Weg vom Priester zum aktiven Widerständler
- Kritische Analyse der Rolle der "Bekennenden Kirche"
- Die Instrumentalisierung von Bonhoeffers Erbe in der Nachkriegszeit
- Konfliktlinien zwischen kirchlicher Anpassung und christlicher Gewissensfreiheit
Auszug aus dem Buch
III. Bonhoeffer in der frühen NS-Zeit
Um die Frage beantworten zu können, ob die evangelische Kirche die Widerstandshandlungen Dietrich Bonhoeffers für eine bessere Selbstdarstellung instrumentalisiert, ist es notwendig festzustellen, welche konkreten Handlungen dieser gegen das nationalsozialistische Regime durchgeführt hat. Diese Beschreibung der Widerstandshandlungen Bonhoeffers soll Gegenstand des nachfolgenden Kapitels sein. Die Informationen darüber stammen überwiegend aus der Biografie Bonhoeffers von Christiane Tietz, die eine exzellente Darstellung über Bonhoeffers Leben verfasste, welche auch originale Textausschnitte aus den Werken Dietrich Bonhoeffers verwendet.
Bereits während der Frühphase des NS-Regimes übte der evangelische Priester Bonhoeffer Kritik an der nationalsozialistischen Politik, diese war zwar von der Seite des Staates unerwünscht, aber per se nicht illegal. Bereits zwei Tage nachdem Hitler durch den Reichspräsidenten Paul von Hindenburg zum Reichskanzler ernannt wurde, hielt Bonhoeffer einen Rundfunkvortrag mit dem Thema „Der Führer und der Einzelne in der jungen Generation“. Darin kritisiert er die Demagogie Hitlers, besonders im Hinblick auf die Jugend und bemerkt, dass Hitler eine Vorbildfunktion für junge Menschen habe und dieser gerecht werden muss. Dieser Vortrag war bereits seit längerem geplant, was verdeutlicht, dass Bonhoeffer bereits vor Hitlers Ernennung das gefährliche Potenzial seiner Person erkannte.
Zusammenfassung der Kapitel
I. Einleitung: Die Einleitung führt in die historische Person Dietrich Bonhoeffers ein und stellt die zentrale Forschungsfrage nach der Instrumentalisierung seiner Rezeption durch die evangelische Kirche.
II. Die evangelische Kirche in der Zeit des Nationalsozialismus: Dieses Kapitel behandelt die traditionelle Nähe der Kirche zum Staat und den beginnenden Konflikt durch die Gleichschaltungspolitik der Nationalsozialisten.
III. Dietrich Bonhoeffer in der Frühphase des Nationalsozialismus: Der Fokus liegt auf Bonhoeffers früher Kritik am NS-System, beginnend mit seinem Rundfunkvortrag bis hin zur Auseinandersetzung um den Arierparagrafen.
III. a. Dietrich Bonhoeffers Weg in die Illegalität: Hier wird der Prozess beschrieben, wie Bonhoeffer zunehmend in den Widerstand und schließlich in die Illegalität gedrängt wurde, insbesondere nach dem Verbot von Predigerseminaren.
IV. Die Rezeption Dietrich Bonhoeffers: Dieses Kapitel analysiert, wie das Bild Bonhoeffers in der Nachkriegszeit geformt wurde und wie sich die wissenschaftliche Betrachtung im Laufe der Jahrzehnte wandelte.
IV a. Die Rezeption der evangelischen Kirche nach dem Zweiten Weltkrieg: Diese Sektion untersucht das Schuldgeständnis der Kirche und deren Versuch, Bonhoeffer als "Feigenblatt" für ihr eigenes Versagen während der NS-Zeit zu nutzen.
V. Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass die Kirche Bonhoeffer heute als Symbol für Zivilcourage verwendet, während dieser in der NS-Zeit von der kirchlichen Führung eher isoliert wurde.
Schlüsselwörter
Dietrich Bonhoeffer, Nationalsozialismus, Evangelische Kirche, Widerstand, Bekennende Kirche, Instrumentalisierung, NS-Regime, Arierparagraf, kirchliche Opposition, Rezeptionsgeschichte, Kirchenkampf, Zivilcourage, NS-Diktatur, Glaubensbekenntnis.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die historische Rolle der evangelischen Kirche im Nationalsozialismus sowie die Art und Weise, wie heute die Person Dietrich Bonhoeffer rezipiert und von der Kirche als Identifikationsfigur genutzt wird.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Felder sind der kirchliche Widerstand bzw. die fehlende Opposition, Bonhoeffers ethische Haltung zur Zeit der NS-Diktatur und die kritische Analyse der kirchlichen Selbstdarstellung in der Nachkriegsära.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist es, herauszufinden, ob die evangelische Kirche Dietrich Bonhoeffers Wirken instrumentalisiert, um ihr eigenes, teils ambivalentes Verhalten während des Dritten Reiches zu rechtfertigen oder zu beschönigen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse, die insbesondere auf biografische Werke wie die von Christiane Tietz sowie auf offizielle kirchliche Erklärungen und Publikationen zurückgreift.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert Bonhoeffers konkrete Widerstandsschritte, die Gründung der Bekennenden Kirche sowie die Wandlung der kirchlichen Rezeption von einer anfänglichen Ignoranz bis zur heutigen Heldenverehrung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Nationalsozialismus, Bekennende Kirche, Kirchenkampf, Widerstand und Instrumentalisierung.
Warum wird Bonhoeffer als "Feigenblatt" bezeichnet?
Der Begriff beschreibt die kritische These, dass die evangelische Kirche den mutigen Widerstand Bonhoeffers heute nutzt, um von der Tatsache abzulenken, dass sie als Institution während des NS-Regimes weitgehend angepasst und konform war.
Was war die Rolle der Bekennenden Kirche?
Die Bekennende Kirche bildete eine innerkirchliche Opposition gegen die nationalsozialistische Beeinflussung, wobei ihre Widerstandskraft jedoch durch interne Uneinigkeit und staatlichen Druck begrenzt blieb.
Wie bewertet die Arbeit die heutige kirchliche Aufarbeitung?
Die Arbeit erkennt an, dass kirchliche Repräsentanten heute offener Schuldgeständnisse ablegen, weist aber zugleich auf die Gefahr hin, dass diese Aufarbeitung weiterhin durch eine selektive Wahrnehmung geprägt sein kann.
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- Anonym (Author), 2021, Instrumentalisierung durch die Evangelische Kirche? Zur Rezeption des Widerstands Dietrich Bonhoeffers, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1351692