Anfang des 20-sten Jahrhunderts erlebte die Medizin ein Wandel. Die klassischen Infektionskrankheiten wurden durch degenerative Erkrankungen, so genannten Zivilisationskrankheiten, abgelöst. An die Stelle von Krankheitsursachen rückte der Begriff der Risikofaktoren. Die Medizin richtete sich neu aus und arbeitet fortan vorwiegend präventiv.
Entscheidend für diese Entwicklung waren zum einen die fortschreitende Industrialisierung und damit verbundene einseitige Belastungen des menschlichen Körpers in Arbeit und Freizeit, zum anderen die Entdeckung des Penicillins (1928 von A.Fleming), welches erfolgreich gegen die Verbreitung von Infektionskrankheiten eingesetzt werden konnte.
Die präventive Ausrichtung der Medizin wurde durch die Gründung des Deutschen Sportärztebundes 1912 gestärkt. Körperliche Aktivität, Bewegung und Sport nehmen fortan eine zentrale Rolle in der Präventivmedizin ein. Neben den sehr viel bekannteren Aufgaben der Sportmedizin im Zusammenhang mit Leistungs- und Hochleistungssport (z.B. Doping), ist der primäre Arbeitsbereich der Sportmedizin, gesundheitsfördernde Auswirkungen von Bewegung und Präventivmedizin, in der Öffentlichkeit wenig bekannt. Die Bezeichnung Sportmedizin ist hierbei allerdings auch irreführend, so dass überlegt wird, das Fachgebiet Bewegungs- und Sportmedizin zu nennen. Hierin wird deutlicher, dass versucht werden soll, alle Bewegungs- und Sportbezogenen Maßnahmen zu ergreifen, um die Gesundheit zu fördern und Krankheiten bzw. Unfälle zu vermeiden. (vgl. Banzer et. al., 1998, S. 18 & Knoll, 1997, S. 21-23)
Die Erkenntnisse der Präventivmedizin wurden im Laufe der Zeit in unterschiedlichen Modellen systematisiert. Hierzu zählen die zwei folgenden Modelle.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Phasenmodell einer Bewegungsorientierten Prävention
3 Risikofaktorenmodell
3.1 Grundlagen des Risikofaktorenmodells
3.2 Risikofaktoren
3.3 Risikofaktorenmodell
4 Kritik am Risikofaktorenmodell
5 Zusammenfassung
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht das Risikofaktorenmodell als medizinisches Erklärungsmodell für die Entstehung von Zivilisationskrankheiten sowie dessen Anwendung in der präventiven Sportmedizin und unterzieht es einer kritischen Analyse.
- Historische Entwicklung der Präventivmedizin
- Struktur des Phasenmodells der Prävention
- Klassifizierung und Wirkung von Risikofaktoren
- Kritische Würdigung des Risikofaktorenmodells im gesellschaftlichen Kontext
Auszug aus dem Buch
3 Risikofaktorenmodell
In engen Zusammenhang mit dem Phasenmodell der Bewegungsorientierten Prävention steht das Risikofaktorenmodell.
Das verkehrte Auftreten degenerativer Erkrankungen Anfang des 20-sten Jahrhundert hatte eine Neuausrichtung der Medizin zur Folge. Die Bekämpfung von Infektionskrankheiten trat in den Hintergrund. Stattdessen mussten neue Wege gefunden werden, um die so genannten Zivilisationskrankheiten zu behandeln.
Unter Risikofaktoren versteht man „definierte pathogen wirksame Krankheitsursachen, die einzeln oder multifaktoriell eine Krankheit entstehen lassen“ (Schaefer, 1978, S. 177). Risikofaktoren beeinflussen die Entstehung von Zivilisationskrankheiten. Unter Zivilisationskrankheiten versteht man „Krankheiten, die aufgrund der Lebensweise einer Kultur verstärkt“ (Friedrich, 2003, S. 606) auftreten. Die größte Gruppe machen hierbei die Herz-Kreislauf-Erkrankungen aus.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung beleuchtet den historischen Wandel von Infektionskrankheiten hin zu Zivilisationskrankheiten und die Rolle der Sportmedizin in der Prävention.
2 Phasenmodell einer Bewegungsorientierten Prävention: Dieses Kapitel erläutert die Unterteilung der Gesundheitsprävention in primäre, sekundäre, tertiäre und quartäre Stufen.
3 Risikofaktorenmodell: Hier werden die theoretischen Grundlagen, die Klassifizierung von Risikofaktoren und die Anwendung des Modells im medizinischen Kontext beschrieben.
4 Kritik am Risikofaktorenmodell: Dieser Abschnitt thematisiert methodische Schwächen, die Problematik der individuellen Verantwortungszuschreibung und die mangelnde Übertragbarkeit der Studienergebnisse.
5 Zusammenfassung: Das abschließende Kapitel fasst die Entstehung, die Zielsetzung und die wesentlichen Kritikpunkte des Risikofaktorenmodells zusammen.
Schlüsselwörter
Präventivmedizin, Risikofaktorenmodell, Zivilisationskrankheiten, Bewegungsmangel, Gesundheitsvorsorge, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Sportmedizin, Phasenmodell der Prävention, Risikoverhalten, Salutogenesemodell, Gesundheitsförderung, Epidemiologie.
Häufig gestellte Fragen
Was ist das zentrale Anliegen dieser Arbeit?
Die Arbeit analysiert das Risikofaktorenmodell, welches in der Medizin des 20. Jahrhunderts als wichtiges Konzept diente, um den Zusammenhang zwischen Lebensweise und Zivilisationskrankheiten zu erklären.
Welche Themenfelder werden behandelt?
Die Arbeit behandelt die Entwicklung der Präventivmedizin, das Phasenmodell der Prävention sowie die Definition und Kritik des Risikofaktorenmodells.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, das Risikofaktorenmodell transparent zu machen, seine Funktionsweise zu erklären und seine Grenzen sowie die Kritik daran aufzuzeigen.
Welche wissenschaftliche Methode liegt der Arbeit zugrunde?
Die Arbeit nutzt eine literaturbasierte Analyse und systematische Aufarbeitung medizinischer und sportwissenschaftlicher Modellvorstellungen.
Was steht im inhaltlichen Fokus des Hauptteils?
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung des Phasenmodells der Prävention und die detaillierte Betrachtung des Risikofaktorenmodells sowie eine ausführliche kritische Auseinandersetzung mit diesem Modell.
Welche Schlagworte charakterisieren die Publikation?
Präventivmedizin, Zivilisationskrankheiten, Risikofaktoren, Sportmedizin und Gesundheitsverhalten.
Wie werden Risikofaktoren in der Arbeit kategorisiert?
Risikofaktoren werden in physiologische Faktoren, Merkmale eines gesundheitsriskanten Lebensstils und externe Faktoren wie Arbeitsplatzbelastungen oder soziale Umstände unterteilt.
Warum wird das Risikofaktorenmodell kritisiert?
Kritikpunkte sind unter anderem die einseitige Verantwortung, die dem Individuum zugeschoben wird, die methodische Fragwürdigkeit der Kausalität sowie die mangelnde Berücksichtigung psychosozialer Schutzfaktoren.
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- Daniel Jäger (Autor), 2005, Risikofaktorenmodell, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/135169