Krell greift in ihrem Artikel „Kein Leseverstehen ohne Sprechen und Schreiben!“, die Diskussion in der Schul- und Bildungspolitik um die Bedeutung und Aktualität des Lateinunterrichts auf, um zu bekräftigen, dass neben seiner hohen Bedeutung für die Allgemeinbildung das Lateinische als „Muttersprache Europas“ die Basis zum Erlernen moderner europäischer Fremdsprachen sein kann. Hinzu kommt, das der Lateinunterricht durchaus zu einem verbesserten Umgang mit der Muttersprache führen kann, und durch die damit einhergehende Erweiterung des Wortschatzes auch keinesfalls, wie von vielen behauptet ein Elitefach ist, sondern gerade nicht elitären Schülern beim Erreichen von Chancengleichheit helfen kann.
Im Lateinunterricht werden die Sprachkenntnisse in der Regel über Rezeption und Kognition erworben, wobei der Wortschatz und die Grammatik auf passive Weise beim Übersetzen von Texten erlernt und gefestigt werden.
Das Hauptziel des Lateinunterrichts liegt allerdings nicht, wie beim modernen fremdsprachlichen Unterricht, im aktiven Gebrauch der Sprache, sondern eher darin, eine möglichst effektive Lektürefähigkeit zu erlernen.
Das Problem, welches Krell hierbei sieht, ist, dass eine Sprache nicht allein durch Rezeption und Kognition erlernt werden kann: „Übersetzen lernt man nicht durch ausschließliches Übersetzen, Lesen und Verstehen lernt man nicht durch ausschließliches Lesen.“
Denn es hat sich erwiesen, dass durch diese Methoden allein, sich die Lektürefähigkeit der Schüler nicht besonders stark ausprägt. Natürlich darf hierbei nicht außer Acht gelassen werden, dass lateinische Texte auch aufgrund der differenzierten Syntax und der hohen Sprachökonomie in der Regel freilich schwieriger zu verstehen sind als Texte der modernen Fremdsprachen. Allerdings ist der Grund dafür auch in der unterschiedlichen Unterrichtsgestaltung der verschieden Fremdsprachen zu suchen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Der Lateinunterricht
3. Methoden des neusprachlichen Unterrichts und ihre Anwendung im Lateinunterricht
4. Die praktische Umsetzung im Unterricht
4.1. Die textlinguistische Auswertung eines Lesestücks
4.2. Die Erarbeitung eines Tafelbildes im Klassenverband
4.3. Das gesteuerte Tafelbild
4.4. Lückentext zur Wortschatzarbeit
4.5. Der Lateinische Fragekatalog
4.6. Die gelenkte Textproduktion
5. Schlussbemerkung
Zielsetzung & Themen
Das primäre Ziel der Arbeit besteht darin, die Notwendigkeit eines aktiven Sprachgebrauchs im Lateinunterricht aufzuzeigen, um das Lese- und Sprachverständnis der Schüler signifikant zu verbessern. Die Arbeit untersucht hierbei, wie durch den Transfer neusprachlicher Methoden eine tiefere Auseinandersetzung mit lateinischen Texten erreicht werden kann.
- Bedeutung von aktivem Sprechen und Schreiben für das Leseverstehen
- Methoden der textlinguistischen Auswertung und Wortschatzarbeit
- Einsatz von Tafelbildern zur Visualisierung und Strukturierung
- Praktische Implementierung von Fragekatalogen und gelenkter Textproduktion
- Förderung der Automatisierung sprachlicher Strukturen
Auszug aus dem Buch
4.1. Die textlinguistische Auswertung eines Lesestücks
Krell schlägt vor, die textlinguistische Auswertung der Lektüre mit dem Herausfiltern von Beispielen der aktuellen Grammatik zu beginnen.
Die Elemente werden von den Schülern aus dem Text entnommen und analysiert. Anschließend wird der aktuelle Wortschatz bearbeitet, der im Text in verschiedenen Kollokationen auftritt. So können zum Beispiel die verschiedenen Übersetzungsmöglichkeiten einer lateinischen Form trainiert und verinnerlicht werden. Zur Steigerung dessen können die verschiedenen Kollokationen in Isotopien zueinander in Beziehung gesetzt werden, um den neuen Wortschatz tiefer zu verinnerlichen, Zusammenhänge zwischen den einzelnen Vokabeln zu knüpfen und das Verständnis zu schärfen.
Eine inhaltliche Rekapitulation ist damit bereits verbunden.
Ziele der textlinguistischen Auswertung sind somit die Umwälzung des bereits bekannten Wortschatzes und der gelernten Grammatik, sowie die Analyse der inhaltlichen Aspekte des Textes. Die Aufbereitung von Lektüre mithilfe einer textlinguistischen Auswertung ist eine einfache Möglichkeit, den Schülern einen Einstieg in den aktiven Sprachgebrauch und die dazugehörigen Aufgabenstellungen zu geben.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung begründet die Notwendigkeit aktiven Sprachgebrauchs im Lateinunterricht und stellt die zentrale Fragestellung der Arbeit auf Basis des Artikels von Michaela Krell vor.
2. Der Lateinunterricht: Dieses Kapitel erörtert den Status quo des Lateinunterrichts, der primär auf Rezeption und Kognition basiert, und hinterfragt die Effektivität dieser passiven Herangehensweise für die Lektürefähigkeit.
3. Methoden des neusprachlichen Unterrichts und ihre Anwendung im Lateinunterricht: Es wird untersucht, wie durch Automatisierung und aktive Sprachproduktion syntaktische und semantische Muster besser verinnerlicht werden können, um den Lateinunterricht effizienter zu gestalten.
4. Die praktische Umsetzung im Unterricht: Dieser Abschnitt bietet konkrete didaktische Methoden wie Tafelbilder, Lückentexte und gelenkte Textproduktion an, um die Theorie in die Unterrichtspraxis zu überführen.
5. Schlussbemerkung: Die Arbeit resümiert, dass aktives Sprechen und Schreiben eine lohnenswerte Ergänzung darstellen, sofern sie maßvoll eingesetzt werden, um die Schülermotivation und das Textverständnis zu fördern.
Schlüsselwörter
Lateinunterricht, Leseverstehen, aktiver Sprachgebrauch, Fachdidaktik, Lektürefähigkeit, Sprachautomatisierung, textlinguistische Auswertung, Tafelbild, Wortschatzarbeit, Fragekatalog, gelenkte Textproduktion, Schülermotivation, Sprachverständnis, Kommunikation.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt die Bedeutung eines aktiven Sprachgebrauchs, also das Sprechen und Schreiben in lateinischer Sprache, um das allgemeine Verständnis lateinischer Texte zu verbessern.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Felder umfassen den Vergleich von altsprachlichem und neusprachlichem Unterricht, die didaktische Aufbereitung von Lesestücken und die praktische Umsetzung innovativer Aufgabenformate.
Welches Ziel verfolgt die Autorin?
Das Ziel ist der Nachweis, dass durch Methoden des aktiven Handelns eine höhere Effektivität und ein besseres Verständnis in der Lektürephase des Lateinunterrichts erreicht werden kann.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt die Analyse und Diskussion fachdidaktischer Literatur, insbesondere des Artikels von Michaela Krell, sowie die didaktische Ableitung praktischer Unterrichtsbeispiele.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil konzentriert sich auf die theoretischen Unterschiede zwischen rezeptivem und produktivem Spracherwerb sowie auf die praktische Darstellung von Methoden wie Tafelbildern, Fragekatalogen und Textproduktion.
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich die Arbeit charakterisieren?
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Lateinunterricht, Leseverstehen, Sprachautomatisierung, Fachdidaktik und Unterrichtsgestaltung charakterisieren.
Welchen Stellenwert nimmt die "sprachökonomische" Betrachtung ein?
Da Latein eine hohe Sprachökonomie aufweist, argumentiert die Autorin, dass ein automatisierter Wortschatz durch aktives Sprechen essenziell ist, um komplexe Texte schneller zu erschließen.
Warum warnt die Autorin vor einem zu intensiven Einsatz dieser Methoden?
Sie mahnt zur Vorsicht, da eine Überfrachtung des Unterrichts mit zu vielen verschiedenen Aufgabenformaten das eigentliche Thema demotivierend zerreden könnte.
- Citation du texte
- Anonym (Auteur), 2009, Schreiben und Sprechen im Lateinunterricht zum besseren Leseverständnis, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/135186