Weltwirtschaft in der Finanzkrise: Krisenverstärkung durch Anreizsysteme und/bzw. fehlerhaftes Regelwerk der Aufsicht, d.h. gibt es staatliches Überwachungsversagen?


Seminararbeit, 2009

17 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis:

Darstellungsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die Prinzipal-Agenten-Theorie: Basis für Anreizsysteme

3. Sinnhafte Ausgestaltung von Anreizsystemen

4 Die Bedeutung von Anreizsystemen im Kontext der Finanzkrise

5. Die Rolle der Aufsicht in der BRD

6. Schlussbetrachtung

Literaturverzeichnis

Darstellungssverzeichnis

Dar. 1: Systematisierung der Agency-Probleme

Quelle: Entnommen aus: Drobetz (2008, S. 4)

Dar. 2: Spannungsfeld zwischen engen und weiten Messgrößen

Quelle: In Anlehnung an: Hall (2002, S. 9)

1. Einleitung

Seitdem sich die Weltwirtschaft in der Finanzkrise befindet, suchen Ökonomen, Unternehmen, Institutionen sowie Politik nach Gründen und Lösungsansätzen für diese historisch einmaligen Geschehnisse. Seit der Weltwirtschaftskrise in den 1930`er Jahren, hat es nicht mehr derartige makroökonomische Verwerfungen gegeben. Allerdings sind die Krisen nur schwer miteinander zu vergleichen, da der Grad der Globalisierung und damit die Vernetztheit der einzelnen Volkswirtschaften exponentiell zugenommen haben. Darüber hinaus haben die Wirtschaftsakteure innovative Formen des Risikotransfers kreiert. Durch den Einsatz von derivativen Finanzinstrumenten entstand ein Leverage-Effekt, der die Weltwirtschaft nun vor eine enorme Zerreißprobe stellt. In Krisenzeiten ist es normal die Situation an Schuld tragenden festmachen zu wollen. Niemand hat mehr an Respekt eingebüßt als die Zunft der Banker und Investmentmanager. In guten Zeiten waren sie das Aushängeschild eines Systems, das die Renditemesslatte nicht hoch genug legen konnte. Für das Erreichen der Ziele wurden sie oft fürstlich belohnt. Nun sind sie Symbol des Niedergangs und werden für ihre Verfehlungen an den öffentlichen Pranger gestellt.

Diese Arbeit verfolgt das Ziel, die Anreizsysteme, in denen sich die relevanten Entscheidungsträger befinden und agieren, bzgl. ihrer Krisenrelevanz zu analysieren. Im ersten Schritt wird ein Teil der Neuen Institutionenökonomik, namentlich die Agenturtheorie, zu Hilfe genommen, um die Legitimation von Anreizsystemen herzuleiten. Im darauf folgenden Kapitel werden die Parameter dargelegt und analysiert, die eine sinnhafte Anreizsystematik ausmachen. Anschließend findet eine Auseinandersetzung zwischen Krise und Anreizen der Subjekte statt. Abschließend wird erörtert, ob und inwiefern es ein Überwachungsversagen des Staates gegeben hat.

2. Die Prinzipal-Agenten-Theorie: Basis für Anreizsysteme

Dieses Kapitel behandelt Bestandteile der Agenturtheorie, die für die Existenz von Anreizsystematiken bedeutend sind. Grundlage der Ausführungen ist die Veröffentlichung von Picot, Dietl und Franck (1999, S. 85-94).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Dar. 1: Systematisierung der Agency-Probleme

Quelle: Entnommen aus: Drobetz (2008)

Agency-Probleme entstehen dann, wenn ein Auftraggeber (Prinzipal) eine Tätigkeit an einen Auftragnehmer (Agent) delegiert, dieser jedoch nicht vollumfänglich für die Konsequenzen verantwortlich zeichnet. In diesem Rahmen ist eine der Grundannahmen, dass beide Vertragsparteien eigene, und damit einhergehend divergierende, Interessen verfolgen und diese jeweils versuchen zu maximieren. Zielkonflikte sind somit meist unausweichlich. Eine weitere Kernannahme ist die Existenz von Informationsasymmetrien. Für den Prinzipal besteht in der Regel die Schwierigkeit, die Handlungen des Agenten zu beobachten bzw. zu beurteilen. Dieser Informationsvorteil wird vom Agenten dazu gebraucht, seinen eigenen Nutzen zu maximieren. Wenn sich die Möglichkeit des Opportunismus bietet, so wird diese ausgenutzt. Die vorhandene Informationsdivergenz wird von der jeweils anderen Partei als Verhaltensunsicherheit wahrgenommen.

Für Anreizsysteme gibt es zwei relevante Unterteilungen, die sich auf die zeitliche Abfolge beziehen. Es wird zwischen pre- und postkontraktuellen Zeitpunkten der Problementstehung unterschieden (vgl. Darstellung 1). Bevor ein Vertrag zu Stande gekommen ist, besteht ein Adverse Selection Problem.

Beispielsweise könnte man sich vorstellen, dass der Aufsichtsrat eines Unternehmens einen vakanten Vorstandsposten zu besetzen hat. Es besteht bzgl. der Leistungsfähigkeit des potentiellen Managers eine ex-ante Qualitätsunsicherheit. Um diese Unsicherheit zu reduzieren, könnte der Bewerber verschiedene Strategien wählen. Für den Untersuchungskontext ist hier nur eine Möglichkeit relevant, die so genannte Self-Selection. Man nehme an, dass der Aufsichtsrat dem Kandidaten mehrere Vertragsentwürfe zur Auswahl vorlegt. Diese befinden sich im Spannungsfeld zwischen fixen und variablen[1] Vergütungsbestandteilen. Die Theorie geht davon aus, dass ein „guter“ Agent einen mit Risiken behafteten Vertrag wählt, da er von seiner eigenen Leistungsbereitschaft überzeugt ist. Je pro aktiver sich der Agent hinsichtlich einer Risiko behafteten Vertragsausgestaltung zeigt, desto stärker ist das Signal zu werten.

Haben die Vertragsparteien ein postkontraktuelles Agency-Problem zu lösen, so spricht man von Moral Hazard. Kernstück dieses Parts ist die eingeschränkte oder nicht vorhandene Möglichkeit des Prinzipals, die Handlungen des Agenten zu beobachten oder zu bewerten. Anreizsysteme setzen bei dem Aspekt der Beobachtung an. Mittels variabler Vergütung kann ein Interessensangleich bewirkt werden, was - perfekte Anreizwirkung vorausgesetzt - auch den positiven Nebeneffekt haben kann, dass sich die Kosten des Monitorings[2] reduzieren. Jedoch stellt sich immer die Frage, ob der Prinzipal das Ergebnis seiner Tätigkeit endogen zu verantworten hat oder ob exogene Faktoren zu einem Zufallsergebnis führen. D.h., Ergebnis und Verhalten des Agenten können, müssen jedoch nicht miteinander korreliert sein. Je nachdem wie die erwartete Risikoverteilung aufgebaut ist, ist zu erwarten, dass der Agent gegenüber dem Prinzipal einen Risikoaufschlag für die Übernahme von Risiken verlangt.

Da die Risikopräferenz von Auftraggeber und Auftragnehmer nicht zwingend identisch sein muss und auch Agenten untereinander differierende Präferenzen haben, ist das Austauschverhältnis von fixer und variabler Komponente nicht unbedingt proportional. Es besteht somit ein Trade-off zwischen Risikoallokation und Anreizwirkung.

In diesem Zusammenhang sollte eine Experimentstudie von Falk und Kosfeld Erwähnung finden (2004). Sie stellten fest, dass Kontrolle von Seiten des Prinzipals die Motivation des Agenten, zu Gunsten des Auftraggebers zu agieren, reduzieren kann. Direkte Anreize führten - mehrheitlich - zu negativen Effekten, wohingegen Vertrauen zu einer höheren Performance führte. Insbesondere die Existenz einer Minimum-Performanceschranke signalisierte dem Agenten den potentiellen Erwartungswert des Prinzipals. Dies könnte leistungsmindernd wirken wenn der Erwartungswert des Prinzipals unter dem Erwartungswert des Agenten liegt. Intrinsisch motivierte Mitarbeiter wurden besonders stark beeinflusst. Sie machten 42-64 % der Probanden aus. Jedoch sprachen 20-37 % mit einer positiven Reaktion auf die Kontrolle an (extrinsisch Motivierte). Interessant ist auch, dass der Level der expliziten Anreize für das Ergebnis bzgl. Kontrolle ausschlaggebend war. Die extrinsisch motivierten sprachen also überproportional auf die Anreize an. Wenn man also schon Leistungsanreize setzt, dann sollten sie gewichtig sein, damit die Kosten des Vertrauensverlusts überkompensiert werden. Man kann die Ergebnisse somit nicht verallgemeinern. Vielmehr kommt es auf die Verteilung innerhalb der Agentengruppe an und ob man als Prinzipal Informationen darüber zur Verfügung hat.

3. Sinnhafte Ausgestaltung von Anreizsystemen

„Since you get what you reward, and reward what you measure, you get what you

measure.“

(Brealey & Meyer, 2002, S. 279)

Das Eingangszitat zeigt sehr deutlich die Stoßrichtung dieses Kapitels auf. Anreizsysteme können ein zweischneidiges Schwert sein, wenn es darum geht Zielerreichung zu belohnen. Um Leistungsziele und damit einhergehend Anreizziele zu definieren, genügt eine grobe Analyse des Sachverhalts keinesfalls.

[...]


[1] Zur Vereinfachung werden hier unter diesem Begriff auch Aktien und Aktienoptionen eingeordnet, weil sie im Endeffekt auch eine Art der variablen Vergütung darstellen, da sie mit Varianz behaftet bzw. mit dem Residualanspruch korreliert sind.

[2] Unter diesem Begriff kann man sämtliche Überwachungstätigkeiten des Prinzipals subsumieren. Als Beispiel bei einer Aktiengesellschaft wäre die Hauptversammlung zu nennen.

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Weltwirtschaft in der Finanzkrise: Krisenverstärkung durch Anreizsysteme und/bzw. fehlerhaftes Regelwerk der Aufsicht, d.h. gibt es staatliches Überwachungsversagen?
Hochschule
Universität Hamburg  (Institut für Außenhandel und Wirtschaftsintegration)
Veranstaltung
Seminar „Weltwirtschaft in der Finanzkrise“
Note
2,0
Autor
Jahr
2009
Seiten
17
Katalognummer
V135198
ISBN (eBook)
9783640427895
ISBN (Buch)
9783640424863
Dateigröße
455 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Schlagworte
Finanzkrise, Weltwirtschaft, Krisenverstärkung, Anreizsysteme, Aufsicht, Überwachungsversagen, Prinzipal-Agenten-Theorie, Prinzipal, Agent, Vergütung, Bonus, Adverse Selection, Hypotheken, Immobilienkrise, Immobilienblase, Bonusbank, variabel, Investmentbanker, Individualismus, Laissez faire, Goldman Sachs, Bear Stearns, Investmentbank, Finanzinnovationen, Derivate, Mortage, Backed, Securities, Rainmaker, Boni, Bundesbank, Bafin, Corporate, Governace, Kodex, Finanzdienstleistungsaufsicht, Bankenaufsicht, Vergütungssysteme, Anreize, Fehlanreize, Vorstände, Manager, Anreizsystematik
Arbeit zitieren
Sascha Krüger (Autor), 2009, Weltwirtschaft in der Finanzkrise: Krisenverstärkung durch Anreizsysteme und/bzw. fehlerhaftes Regelwerk der Aufsicht, d.h. gibt es staatliches Überwachungsversagen?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/135198

Kommentare

  • André Chahil am 16.8.2010

    Hat mir sehr gefallen, aufgrund dieser Arbeit konnte ich mein Wissen vertiefen. Vielen Dank !

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