Kameras sind in der Tierforschung nur mit menschlicher Hilfe einsatzfähig und ermöglichen keine genauere Erforschung wildlebender Tiere. Die innovative Erfindung von Greg Marshall, die sogenannte "Crittercam", ermöglicht es, ohne menschlichen Einfluss die authentische Tagesroutine eines Tieres festzuhalten. In der vorliegenden Arbeit wird untersucht, wie sich die Tiere mit einer "Crittercam" verhalten, wie das Rezeptionsverhalten des Menschen zu kategorisieren ist und wie sich diese auf die mediale Erschließung auswirkt.
Des Weiteren gilt es zu fragen, welchen Einfluss die "Crittercam" auf Tierdokumentationen sowie das Verhältnis zwischen Mensch und Tier ausübt. Diese Fragen lassen sich beantworten, indem vorherrschender Lebenswelten bewertet werden und die Narration audiovisueller Aufnahmen von Tierwelten genau analysiert wird.
Zu Beginn werden die historischen Hintergründe der Beziehung zwischen Mensch und Tier skizziert und mit der aktuellen Lage verglichen und zwar im medialen sowie im natürlichen Raum verglichen. Im Zentrum sollen dabei auf wilde Tiere stehen, die ihren Platz in der Natur und nicht in der menschlichen Gesellschaft haben. Somit handelt es sich nicht um alltägliche Begegnungen zwischen Menschen und den Wildtieren.
Die Frage nach dem Verhältnis zwischen Menschen und Wildtier ist in dieser Arbeit ausschließlich anhand von dessen medialer Repräsentation und Rezeption nachzuvollziehen, da es sich überwiegend um Meeressäuger handelt, in deren natürlichem Umfeld Menschen keine eigenen Beobachtungen machen können. Um diesen Zusammenhang erforschen zu können, gilt es zunächst die vermittelte Nähe durch Medien zu kategorisieren und zu verorten. Dafür wird der Fokus auf die Darstellung von Wildtieren innerhalb der Dokumentarfilme gerichtet und die Möglichkeiten, die sich aus dem Einsatz der Crittercam ergeben, mit dem vormaligen Standard verglichen.
Inhaltsverzeichnis
1. EINLEITUNG
2. BEZIEHUNG ZWISCHEN MENSCH UND TIER
2.1 HISTORISCHE HINTERGRÜNDE
2.2 AKTUELLE VERHÄLTNISSE
3. KAMERATECHNIK IN DER BIOLOGIE
3.1 EINSATZ VON CRITTERCAMS
3.2 VIDEOAUFNAHME
3.2.1 WISSENSCHAFTLICHE INFORMATIONEN
3.2.2 ZEITLICHKEIT
3.2.3 AUDITIVITÄT
4. REZEPTION DES MEDIUMS CRITTERCAM
4.1 REZEPTION VON TIERDOKUMENTATIONEN
4.2 NARRATION DES TIERES
5. SCHLUSS
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das komplexe Verhältnis zwischen Mensch und Tier durch die Linse mediengestützter Beobachtung. Das Primärziel liegt darin, zu analysieren, wie die innovative "Crittercam"-Technologie die mediale Erschließung und Rezeption wildlebender Tiere beeinflusst, welche neuen Erkenntnisse sie im Vergleich zu traditionellen Methoden liefert und inwiefern der Einsatz solcher Kameras eine authentische Nähe zum Tier suggeriert oder durch narrative Stilmittel eine anthropomorphe Sichtweise prägt.
- Wissenschaftliche Entwicklung der Tierfotografie und Kameratechnik
- Einsatzmöglichkeiten und Vorteile der Crittercam bei der Erforschung von Meeressäugern
- Analyse der Rezeption von Tierdokumentationen beim Zuschauer
- Narrative Strategien und die Rolle der Personifizierung in Tierfilmen
- Das Spannungsfeld zwischen wissenschaftlicher Authentizität und medialer Inszenierung
Auszug aus dem Buch
3.1 Einsatz von Crittercams
Der Meeresbiologe Greg Marshall hat im Auftrag von National Geographics eine kleine Reihe von Instrumenten miteinander verknüpft und so die ‘Crittercam’ erfunden. Dabei handelt es sich um eine kleine Kamera, die der allseits bekannten GoPro gleicht, die mit Messinstrumenten für Tiefe, Temperatur und Accelerometerwerten kombiniert an Wildtieren befestigt wird. Durch die Crittercam ist es möglich, die alltäglichen Routinen von Tieren in einer Echtzeit-Überwachung zu verfolgen. Laut eigenen Angaben soll der Biologe im Urlaub bei einem Tauchgang in Belize auf die Idee zu einer Erfindung gekommen sein. Bei der Beobachtung eines Hais unter Wasser fiel ihm auf, dass der Saugfisch, der sich auf dem Rücken des Hais befand, eine perfekte Perspektive auf das Leben des Hais haben muss. Diese Erkenntnis brachte ihn auf die Idee, dass es sich um eine Möglichkeit handeln könnte, alle möglichen Wildtiere auf ein unbeeinflusstes Verhalten zu untersuchen könnte.
Denn bislang mussten sich die Forscherteams von National Georgraphics mit ihren Zelten und ihrem Equipment in die Wildbahn begeben müssen und von Weitem Aufnahmen von den Rudeln machen. Dabei blieben sie nicht immer unbemerkt, was die Ergebnisse der Verhaltensforschung beeinflusste. Marshall erhielt durch seine Erfindung der Crittercam Zuschüsse und Stipendien von renommierten Institutionen wie dem American Museum of Natural History, um seine Idee voranzutreiben.
Zusammenfassung der Kapitel
1. EINLEITUNG: Die Einleitung verortet den Einsatz von Medientechnik in der Tierforschung und formuliert die Ziele der Arbeit, insbesondere die Untersuchung der Auswirkungen von Crittercam-Aufnahmen auf das Verhältnis zwischen Mensch und Tier.
2. BEZIEHUNG ZWISCHEN MENSCH UND TIER: Dieses Kapitel betrachtet die historischen Hintergründe der Interaktion zwischen Mensch und Tier sowie die aktuellen gesellschaftlichen Verhältnisse, die durch zunehmende wissenschaftliche Erkenntnisse und ein verändertes Umweltbewusstsein geprägt sind.
3. KAMERATECHNIK IN DER BIOLOGIE: Hier wird die Evolution der Tierfotografie und Kameratechnik von frühen Versuchen bis hin zur modernen Crittercam dargelegt, wobei der Fokus auf dem wissenschaftlichen Fortschritt durch neue Beobachtungsperspektiven liegt.
4. REZEPTION DES MEDIUMS CRITTERCAM: Das Kapitel analysiert die spezifische Wirkung von Crittercam-Aufnahmen auf Rezipienten, vergleicht sie mit klassischen Tierdokumentationsformaten und beleuchtet die Rolle der Narration sowie der Personifizierung.
5. SCHLUSS: Im Fazit wird resümiert, dass die Crittercam maßgeblich zu einem verbesserten Verständnis tierischen Verhaltens beiträgt, wenngleich sie eine spezifische, teils voyeuristische oder anthropomorphe Rezeption induziert.
Schlüsselwörter
Crittercam, Tierforschung, Mensch-Tier-Beziehung, Tierdokumentation, Medienrezeption, Narration, Personifizierung, Authentizität, Verhaltensforschung, Kameratechnik, Anthropomorphismus, Meeressäuger, Wissenschaftskommunikation, Bildsprache, Ökologie.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der technologischen Vermittlung tierischen Verhaltens durch Medien, insbesondere mit der Nutzung der "Crittercam", und wie diese Technik die Wahrnehmung des Menschen gegenüber Wildtieren beeinflusst.
Welche zentralen Themenfelder werden abgedeckt?
Die Themen umfassen die Geschichte der Tierfotografie, die technische Funktionsweise von Wildkameras, die psychologische Wirkung der Rezeption von Tierdokumentationen sowie die philosophischen und ethischen Aspekte der Beziehung zwischen Mensch und Tier.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Die Forschungsfrage konzentriert sich darauf, wie sich die von der Crittercam gelieferten Aufnahmen auf das menschliche Rezeptionsverhalten auswirken und wie diese Technik zur Authentizität und zum besseren Verständnis der Tierwelt beitragen kann.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine Analyse der medialen Repräsentation und Rezeption sowie auf den Vergleich wissenschaftlicher Kameratechniken mit erzählerischen Stilmitteln in Tierdokumentationen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die technische Entwicklung der Kameratechnik in der Biologie, die detaillierte Vorstellung der Crittercam, sowie die Analyse der Rezeptionsbedingungen, Zeitlichkeit und Auditivität in Tierfilmen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind unter anderem Crittercam, Mensch-Tier-Beziehung, Tierdokumentation, Authentizität, Narration und Personifizierung.
Warum spielt die Personifizierung in Tierdokumentationen eine so große Rolle?
Die Personifizierung wird als Stilmittel eingesetzt, um eine emotionale Distanz zum Tier zu überbrücken und beim Zuschauer Vertrautheit durch die Interpretation menschlicher Mimik und Emotionen zu erzeugen.
Wie unterscheidet sich die Crittercam von klassischen Dokumentationskameras?
Im Gegensatz zu stationären Kameras ermöglicht die Crittercam eine direkte Perspektive aus dem unmittelbaren Umfeld des Tieres, was laut Arbeit eine bisher selten erfahrene und authentische Sichtweise bietet.
Kann man bei Crittercam-Aufnahmen von einer zwischenmenschlichen Interaktion sprechen?
Nein, die Arbeit stellt fest, dass, wenn überhaupt, nur eine einseitige parasoziale Beziehung seitens des Menschen aufgebaut wird, da das Tier die Anwesenheit oder den Beobachtungsanspruch des Menschen nicht wahrnimmt.
- Arbeit zitieren
- Anonym (Autor:in), 2019, Rezeption der Crittercam. Veränderungen des Mensch-Tier-Verhältnisses durch die Crittercam, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1352330