Der Energieverbrauch steigt weltweit stetig an. Ein erheblicher Teil dieser Energie wird dabei aus fossilen Energieträgern wie Kohle, Erdöl und Erdgas gewonnen. Doch diese Ressourcen stehen nur begrenzt zur Verfügung. Nach einer Bildungsdauer mehrerer Millionen Jahre werden die fossilen Energielieferanten infolge des zunehmenden Energieverbrauchs in wenigen Generationen erschöpft sein. Ein weiterer negativer Faktor der nicht-erneuerbaren Energielieferanten ist die Beeinflussung des Klimas. Durch die Verbrennung dieser Energieträger wird das Treibhausgas Kohlendioxid kurzfristig in die Atmosphäre freigesetzt. Klimaschutz ist zu einem wichtigen Thema geworden, dass täglich diskutiert wird. Nahezu täglich ist in den Medien von Erderwärmung, globale Erwärmung, Steigen des Meeresspiegels, Schmelzen des Eises, Überschwemmungen und Hitzewellen die Rede. Doch dies sind nur einige Szenarien die in Folge der Verbrennung der fossilen Energieträger auf die Menschheit zukommen können.
Auch Atomkraftwerke können nur noch einige Jahrzehnte zur Energiegewinnung eingesetzt werden, denn das dazu benötigte Uranvorkommen ist ebenfalls nur begrenzt. Ferner bergen diese durch den entstehenden Atommüll langfristige Gefahren.
Um die genannten und viele weitere Folgen abzuwenden und die Erde weiterhin zu erhalten, setzten sich Forscher und Politik seit zwei Jahrzehnten für erneuerbare Energielieferanten ein. So sollen Konjunkturmaßnahmen für den Klimaschutz genutzt werden, ständig werden neue Gesetze für den Umweltschutz verabschiedet und es werden laufend neue Technologien für die Nutzung alternativer Energien entwickelt.
Solche Technologien finden sich in der immer weiter verbreiteten Nutzung sogenannter Bioenergien. Diese sind Holz, Wind, Wasser, Sonne sowie Biomasse aus Landwirtschaft, Forst, Haushalten und Industrie. Sie können kombiniert eingesetzt werden und auf diese Weise ganze Gemeinden mit Wärme und Strom versorgen.
In meiner Arbeit werde ich auf solche Bioenergiedörfer eingehen, beginnend mit einigen Definitionen, Technologien und Gründe für ein Bioenergiedorf. Daraufhin werde ich Aspekte erläutern, die bei der Planung eines Bioenergiedorfes beachtet werden sollten, um anschließend auf die Wirtschaftlichkeit einzugehen. Zuletzt erfolgt ein Resümee einschließlich zukünftiger Perspektiven von Bioenergiedörfern.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Bioenergiedörfer
2.1 Definitionen
2.2 Abgrenzung
2.2.1 Ausgewählte Biobrennstoffe
2.2.2 Ausgewählte Technologien
2.3 Gründe für Bioenergiedörfer
3. Planungsaspekte
3.1 Voraussetzungen für ein Bioenergiedorf
3.1.1 Bereitstellung von Rohstoffen
3.1.2 Einschätzung der Dorfeignung
3.1.3 Rechtliche Rahmenbedingungen
3.2 Informationen und Öffentlichkeitsarbeit
3.3 Gründung einer Betreibergesellschaft
3.4 Anschluss- und Lieferverträge mit Wärmekunden sowie Lieferverträge mit Land- und Forstwirtschaft und Planung der Bereitstellung der Biomasse
3.5 Auswahl und Einarbeitung der Beschäftigten
3.6 Bauantrag und Bauphase
4. Kosten und Wirtschaftlichkeit eines Bioenergiedorfes
4.1 Investitionskosten
4.2 Betriebskosten
4.3 Gestehungskosten
4.4 Einnahmen des laufenden Betriebes
4.5 Ermittlung der Wirtschaftlichkeit des Projektes Bioenergiedorf anhand ausgewählter Methoden
4.6 Finanzierung und Förderung
5. Schlussbetrachtung und zukünftige Perspektiven
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit analysiert die planungsrelevanten Aspekte sowie die ökonomischen Faktoren, die für die erfolgreiche Umsetzung und Wirtschaftlichkeit von Bioenergiedörfern maßgeblich sind, um eine nachhaltige Energieversorgung auf lokaler Ebene zu prüfen.
- Methodische Definition von Bioenergiedörfern und Abgrenzung der Energieträger.
- Detaillierte Planungsschritte von der Standortanalyse bis zur rechtlichen Absicherung.
- Umfassende Kosten-Nutzen-Analyse und Bewertung der Investitions- und Betriebskosten.
- Prüfung von Finanzierungsmodellen und Fördermöglichkeiten für Betreibergesellschaften.
- Erörterung der wirtschaftlichen Vorteilhaftigkeit durch spezifische Kalkulationsmethoden.
Auszug aus dem Buch
3.1.2 Einschätzung der Dorfeignung
Nach einem ersten Überblick über den Zugang zu Biomasse, muss sich das Dorf genauer angeschaut werden. Dies erfolgt am besten durch Gründung einer Aktivengruppe. Die Aktivengruppe setzt sich aus Mitstreitern für das Projekt Bioenergiedorf zusammen, die die ersten grundlegenden Schritte zur Realisierung des Konzepts überprüfen. Die Einschätzung des Dorfes erfolgt anhand von drei Schritten: Dorfstruktur, Land- und Forstwirtschaft sowie Dorfgemeinschaft.
Dorfstruktur. Die Dorfstruktur umfasst Aspekte wie Einwohnerzahl, Anzahl Haushalte, Jahr der letzten Ortserneuerung und Straßensanierung, beabsichtigte Neubaugebiete einschließlich Anzahl Bauplätze sowie das Vorhandensein von größeren Wärmeabnehmern wie Schule, Schwimmbad, Unternehmen, Verwaltungen. Schließlich ist auch zu überprüfen, ob in dem Ort ggf. ein relativ neues Erdgasnetz besteht. Dies könnte viele Einwohner zurückhalten sich der Umstellung der Energieversorgung durch Biomasse anzuschließen, insbesondere wenn für das Erdgasnetz Aufwendungen getätigt worden sind.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die globale Notwendigkeit einer Energiewende weg von fossilen Brennstoffen hin zu erneuerbaren Bioenergien.
2. Bioenergiedörfer: Dieses Kapitel definiert den Begriff Bioenergiedorf, grenzt wichtige Biobrennstoffe ab und stellt technologische Verfahren zur Energiegewinnung vor.
3. Planungsaspekte: Hier werden die wesentlichen Schritte von den Voraussetzungen über rechtliche Rahmenbedingungen bis hin zur Gründung der Betreibergesellschaft detailliert erläutert.
4. Kosten und Wirtschaftlichkeit eines Bioenergiedorfes: Das Kapitel analysiert Investitions- und Betriebskosten, Einnahmequellen sowie mathematische Methoden zur Ermittlung der wirtschaftlichen Vorteilhaftigkeit.
5. Schlussbetrachtung und zukünftige Perspektiven: Die Arbeit schließt mit einer zusammenfassenden Bewertung des Zukunftscharakters von Bioenergiedörfern und der Bedeutung für den ländlichen Raum.
Schlüsselwörter
Bioenergiedorf, Biomasse, Biogasanlage, Holzhackschnitzel, Wirtschaftlichkeitsanalyse, Investitionskosten, Betriebskosten, Nahwärmenetz, EEG, Erneuerbare Energien, Strukturwandel, Kraft-Wärme-Kopplung, Standortplanung, Betreibergesellschaft, Kapitalwertmethode
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die theoretischen und praktischen Grundlagen für die Planung, Umsetzung und wirtschaftliche Bewertung von Bioenergiedörfern.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die zentralen Felder umfassen die Bereitstellung von Biomasse, die technische Auslegung der Energieanlagen sowie die betriebswirtschaftliche Kalkulation von Investitionen.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, unter welchen planungsrelevanten und ökonomischen Bedingungen ein Bioenergiedorf erfolgreich und wirtschaftlich betrieben werden kann.
Welche wissenschaftliche Methode wird zur Wirtschaftlichkeitsberechnung verwendet?
Es werden klassische Investitionsrechnungsverfahren wie die Kapitalwertmethode und die Annuitätenmethode herangezogen, um die ökonomische Vorteilhaftigkeit zu bestimmen.
Was wird schwerpunktmäßig im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden sowohl die organisatorischen Schritte – wie die Gründung einer Betreibergesellschaft – als auch die detaillierte Kostenstruktur inklusive Betriebskosten und Finanzierung thematisiert.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Biogasanlage, Nahwärmenetz, Wirtschaftlichkeitsanalyse, Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) und Strukturwandel geprägt.
Warum spielt die Dorfgemeinschaft bei der Realisierung eine zentrale Rolle?
Ein Bioenergiedorf ist ein Gemeinschaftsprojekt; die Akzeptanz und Mitarbeit der Bürger sind entscheidend, da sie oft sowohl Wärmekunden als auch Anteilsinhaber der Anlage sind.
Welche Auswirkung hat die Wahl der Rechtsform auf das Projekt?
Die Wahl der Rechtsform bestimmt die Haftungssituation der Akteure und das unternehmerische Risiko, wobei für Bioenergiedörfer vor allem Formen mit Haftungsbeschränkung wie GmbH & Co KG oder Genossenschaften in Betracht kommen.
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- Annika Jaeger (Author), 2009, Planungsaspekte und Wirtschaftlichkeitsanalyse von Bioenergiedörfern, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/135300