Wie wirken sich Emotionsregulationsstrategien insgesamt auf die akademische Leistung bei Jugendlichen aus und welche Rolle spielt dabei das Konzept der Selbstwirksamkeit? Ziel der vorliegenden Arbeit ist es, diesen Fragen nachzugehen, indem der Prozess der Emotionsregulation aufgezeigt und das Konstrukt „Selbstwirksamkeit“ beschrieben wird. Schließlich werden zwei Untersuchungen zu deren Effekten auf die akademische Leistung bei Jugendlichen veranschaulicht und miteinander verglichen.
Kinder und Jugendliche empfinden ihren Schulalltag in den letzten Jahren als zunehmend belastend. Zur Untersuchung der psychischen Belastung durch den Schulalltag für Kinder und Jugendliche in Deutschland liegen eine große Anzahl an Untersuchungen wie etwa die “Health Behaviour in School-aged Children 2017/18“ vor. Es handelt sich hierbei um eine im Auftrag der World Health Organization (WHO) durchgeführte Erhebung, in der 25 Prozent der befragten Kinder und Jugendlichen angegeben hatten, sich „einigermaßen stark“ oder „sehr stark“ durch die schulischen Anforderungen belastet zu fühlen. Die effektive Bewältigung dieser Anforderungen stärkt das eigene Gefühl, akademischen Herausforderungen gewachsen zu sein, steigert das eigene Selbstwirksamkeitsgefühl und erhöht die Wahrscheinlichkeit für die Erbringung akademischer Leistungen, was wiederum beim Eintritt ins Erwachsenenleben mit gelungener Integration auf dem Arbeitsmarkt in Form einer Berufsausbildung oder eines Hochschulstudiums einhergehen kann.
Neben Ursachen wie beispielsweise sozioökonomischer Status, Geschlecht oder Migrationshintergrund liefern vielfältige wissenschaftliche Untersuchungen Hinweise für das Vorliegen eines Zusammenhangs zwischen schulischer Leistung und der Emotionsregulation bei Heranwachsenden.
In früheren Jahren konnte bereits gezeigt werden, dass Lernvorgänge und Emotionen miteinander konnotiert sind, so wiesen etwa Reinhard Pekrun, Stephanie Lichtenfeld, Herbert W. Marsh, Kou Murayama und Thomas Goetz in ihrer wissenschaftlichen Arbeit einen Zusammenhang zwischen Emotionen und der Lernleistung bei Schüler*innen nach.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Theoretische Grundlagen
2.1 Emotion
2.2 Emotionsregulation
2.3 Gross und Thompson‘s Prozessmodell der Emotionsregulation (2007)
2.4 Selbstwirksamkeitsüberzeugung und akademische Leistung
3 Emotion, Emotionsregulation und Lernen
3.1 Studie „Investigating the relationship between emotion regulation strategies and self‐efficacy beliefs among adolescents: Implications for academic achievement“ (2021)
3.2 Studie „Emotional Regulation and Academic Performance in the Academic Context: The Mediating Role of Self-Efficacy in Secondary Education Students“ (2021)
4 Diskussion
Zielsetzung & Themen
Das Ziel der vorliegenden Arbeit besteht darin, den Zusammenhang zwischen Emotionsregulationsstrategien und akademischer Leistung bei Jugendlichen zu untersuchen und dabei die vermittelnde Rolle des Konzepts der Selbstwirksamkeit zu ergründen.
- Grundlagen der Emotionsdefinition und -regulation
- Das Prozessmodell der Emotionsregulation nach Gross und Thompson
- Selbstwirksamkeitsüberzeugungen im akademischen Kontext
- Empirische Analyse zweier aktueller Studien aus dem Jahr 2021
- Diskussion der Auswirkungen von Emotionsregulation auf die Schulleistung
Auszug aus dem Buch
2.3 Gross und Thompson‘s Prozessmodell der Emotionsregulation (2007)
Das Prozessmodell der Emotionsregulation nach Gross und Thompson (2007) umfasst fünf Regulierungsstrategien, die das Individuum unbewusst oder bewusst einsetzt. Es gehört zu den am meist verbreiteten ER-Theorien.
1. Es wird eine Auswahl der Situation vorgenommen, indem Personen, Orte oder Begebenheiten bestimmt werden, mit denen negative Emotionen einhergehen, um diese zu umgehen oder um positive Emotionen zu erhöhen.
2. Proaktive Handlungen verfolgen die Absicht, Situationen durch Beeinflussung und Kontrolle zu modulieren.
3. Indem sich auf die einzelnen Bestandteile einer Situation konzentriert wird, erfolgt die fokussierte Gedankensteuerung.
4. Einer Situation eine neue Bedeutung beizumessen, offenbart sich in der kognitiven Neubewertung (Reappraisal), indem das Individuum eine Begebenheit absichtsvoll umdeutet und sie unter anderen Gesichtspunkten sieht.
5. Strategien zur Modifizierung von Reaktionen umfassen das Unterdrücken (Suppression) oder Maskieren von Emotionen, sobald sie auftreten.
Die ersten vier Prinzipien beziehen sich auf die Zeit vor der vollständigen Ausprägung der Emotion und gehören damit zu den sogenannten antezedenzfokussierten Vorgehensweisen. Das fünfte Prinzip konzentriert sich auf Reaktionen in Momenten, in denen Emotionen unmittelbar gespürt werden (In-Albon et al., 2013, S. 20).
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Dieses Kapitel skizziert die zunehmende psychische Belastung durch den Schulalltag und begründet das wissenschaftliche Interesse am Zusammenhang zwischen Emotionsregulation, Schulleistung und Selbstwirksamkeit.
2 Theoretische Grundlagen: Hier werden zentrale Begriffe wie Emotion und Emotionsregulation definiert sowie das Prozessmodell von Gross und Thompson und das Konstrukt der Selbstwirksamkeit erläutert.
3 Emotion, Emotionsregulation und Lernen: In diesem Kapitel werden zwei spezifische Korrelationsstudien aus dem Jahr 2021 analysiert, die den Zusammenhang zwischen Emotionsregulation, akademischer Leistung und dem Mediator Selbstwirksamkeit untersuchen.
4 Diskussion: Das Kapitel vergleicht die Ergebnisse der beiden untersuchten Studien, kritisiert methodische Aspekte wie die Selbstbericht-Erfassung und diskutiert die bildungspolitische Relevanz der Befunde.
Schlüsselwörter
Emotionsregulation, akademische Leistung, Selbstwirksamkeit, Jugendliche, Gross und Thompson, kognitive Neubewertung, Unterdrückung, Lernverhalten, Schulnoten, Korrelationsstudie, Reappraisal, Suppression, Bildungskontext, psychische Belastung, Mediationsanalyse.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht, welchen Einfluss die Fähigkeit zur Emotionsregulation auf die akademische Leistung von Jugendlichen hat und welche Rolle die Selbstwirksamkeitsüberzeugung dabei spielt.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Die Arbeit deckt die Definition von Emotionen, verschiedene Strategien der Emotionsregulation sowie die Bedeutung von Selbstwirksamkeit für den schulischen Erfolg ab.
Was ist das primäre Ziel der Forschung?
Das Hauptziel ist es, aufzuzeigen, wie unterschiedliche Emotionsregulationsstrategien mit der akademischen Leistung korrelieren und ob Selbstwirksamkeit als vermittelnde Variable (Mediator) fungiert.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Die Autorin verwendet eine Literaturanalyse und vergleicht zwei spezifische empirische Korrelationsstudien aus dem Jahr 2021, um den Forschungsstand zusammenzuführen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in theoretische Grundlagen und die detaillierte Vorstellung zweier 2021 publizierter Studien, die Emotionsregulation und Selbsteffizienz bei Jugendlichen analysieren.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Untersuchung?
Zentrale Begriffe sind Emotionsregulation, Selbstwirksamkeit, akademische Leistung, Jugendliche sowie die Strategien "Reappraisal" und "Suppression".
Welche Rolle spielt die "kognitive Neubewertung" in diesem Kontext?
Die kognitive Neubewertung (Reappraisal) ist eine antezedenzfokussierte Strategie, bei der eine Situation absichtsvoll umgedeutet wird, um die emotionale Reaktion erfolgreich zu beeinflussen.
Warum kritisieren die Autoren die Messung der akademischen Leistung?
Die Autoren kritisieren die Verwendung von selbstberichteten Noten, da diese anfällig für Verzerrungen und soziale Erwünschtheit sind und plädieren für die Nutzung offizieller Schulnotendurchschnitte.
- Citar trabajo
- Anonym (Autor), 2023, Auswirkung der Emotionsregulation auf die akademische Leistung bei Jugendlichen und die Rolle der Selbstwirksamkeit, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1353321