Die Westbindung der Bundesrepublik ist untrennbar verknupft mit Konrad Adenauer. Seine Kanzlerschaft ist gepragt ist von einer relativen konstanten Zusammenarbeit auf transatlantischer Ebene. Eine Abkehr selbst bei strittigen Fragen ware fur die Regierung
auch wenig sinnvoll gewesen. Die USA galten als eine Art "
Ersatzvaterland", das die moralisch zerbrochene Republik in den Nachkriegsjahren einte, weltanschaulichen Halt auf der Gegenseite der "Kommunisten" bot und diese Position politisch und militarisch
zu verteidigen versprach. Einem Umdenken der Bundesrepublik vor allem auch in der Deutschlandpolitik mussten daher Veränderungen im Bündnisklima vorausgehen.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Die Ostpolitik aus transatlantischer Sicht
2.1 Zweifel am amerikanischen Partner
2.2 Neue Wege unter Brandt und Bahr
2.3 Die Reaktion der USA
3 Ein amerikanischer Machtverlust?
3.1 Das Ende von Bretton Woods
3.2 Die Krise von 1973
3.3 Innenpolitische Herausforderungen
4 Höhepunkt und Verfall der Beziehungen
4.1 Das Verhältnis Schmidt/Ford
4.2 Der Idealist aus Georgia
4.2.1 Brasiliengeschäft und deutsche Wirtschaftskraft
4.2.2 Militärpolitische Unterschiede
4.2.3 Der NATO-Doppelbeschluss
4.3 Offene Gegensätze
4.3.1 Die zweite Ölkrise
4.3.2 Der sowjetische Einmarsch in Afghanistan
5 Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht, inwieweit die Ostpolitik der sozialliberalen Koalition unter Willy Brandt und Helmut Schmidt eine Belastung für die transatlantischen Beziehungen zu den USA darstellte und inwiefern dieser Zeitraum als Wendepunkt im deutsch-amerikanischen Verhältnis betrachtet werden kann.
- Die Entwicklung der deutschen Ostpolitik und deren Wahrnehmung durch die USA
- Die Auswirkungen der globalen wirtschaftlichen und machtpolitischen Veränderungen auf die USA
- Der persönliche und politische Kontrast zwischen Helmut Schmidt und Jimmy Carter
- Die Zunahme deutscher Eigenständigkeit und Emanzipation im Bündnisgefüge
Auszug aus dem Buch
2.3 Die Reaktion der USA
Die Bundesrepublik hatte sich durch die Ostverträge ihr außenpolitisches Parkett poliert und ein erhebliches Maß an Agilität und Selbstständigkeit gewonnen. Brandt und Bahr hatten Möglichkeiten und Notwendigkeiten der weltpolitischen Entspannung genutzt und wahrgenommen. Theoretisch passte dies in doppelter Hinsicht in das außenpolitische Konzept Richard Nixons. Nicht nur wurde der Ost-West-Dialog verbessert - es geschah zwar vieles unter US-amerikanischer Obhut, die Initiativen aber gingen von der Bundesrepublik selbst aus. Im Hinblick auf die 1969 verkündete Nixon-Doktrin, die als Reaktion auf den Vietnam-Krieg eine Auffächerung des globalen Mächteverhältnisses forderte, um die USA von Verantwortung zu entlasten (siehe Abschnitt III), scheint sich Deutschland unter Willy Brandt retrospektiv perfekt einzugliedern in ein multipolares Weltgefüge. Allerdings muss beachtet werden, dass Europa- und Weltpolitik aus amerikanischer Sicht verschieden bewertet wurden. Zwar waren die atlantischen Partner von der Nixon-Doktrin nicht ausgenommen, diese galt jedoch mehr der gesamteuropäischen Struktur als einzelnen Mitgliedsstaaten. Der Alleingang Deutschlands erschien also zunächst die Beziehung zu belasten. Man befürchtete einen Wettlauf um Moskau, der zur Belastung der NATO bzw. sogar von sowjetischer Seite zur Unterwanderungen des Transatlantikpaktes genutzt werden könnte. Die Ostpolitik konnte aber keineswegs unerwartet gekommen sein. Ein Jahrzehnt Entspannungsversuche von amerikanischer Seite hatten ein Nachziehen Westdeutschlands unausweichlich gemacht.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung stellt die Forschungsfrage nach dem Stellenwert der sozialliberalen Regierungszeit für die deutsch-amerikanischen Beziehungen und der Emanzipation der Bundesrepublik.
2 Die Ostpolitik aus transatlantischer Sicht: Dieses Kapitel behandelt die Entspannungspolitik unter Brandt und Bahr sowie die anfänglichen Zweifel und Reaktionen seitens der US-Administration.
3 Ein amerikanischer Machtverlust?: Hier wird der Prozess der finanziellen und machtpolitischen Schwächung der USA analysiert, geprägt durch das Ende von Bretton Woods und die Krisen der 1970er Jahre.
4 Höhepunkt und Verfall der Beziehungen: Das Kapitel kontrastiert die pragmatische Zusammenarbeit unter Schmidt und Ford mit den Spannungen während der Amtszeit Carters und beleuchtet spezifische Konfliktfelder wie das Brasiliengeschäft und Afghanistan.
5 Fazit: Das Fazit resümiert, dass die transatlantischen Spannungen ein Resultat der fortschreitenden deutschen Emanzipation waren, ohne jedoch das westliche Bündnis prinzipiell in Frage zu stellen.
Schlüsselwörter
Sozialliberale Koalition, Willy Brandt, Helmut Schmidt, Ostpolitik, Transatlantische Beziehungen, USA, Jimmy Carter, Nixon-Doktrin, Bretton Woods, Ölkrise, Emanzipation, Entspannungspolitik, Kalter Krieg, NATO-Doppelbeschluss, Bundesrepublik Deutschland.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die deutsch-amerikanischen Beziehungen während der Ära der sozialliberalen Koalition zwischen 1969 und dem Ende der Amtszeit von Jimmy Carter.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die zentralen Themen umfassen die Ostpolitik, die wirtschaftliche Emanzipation der Bundesrepublik, den Wandel der amerikanischen Machtrolle und das schwierige Verhältnis zwischen Helmut Schmidt und Jimmy Carter.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, zu klären, ob die Ostpolitik eine tatsächliche Belastung für das Bündnis war und ob die Koalitionszeit einen Wendepunkt in den deutsch-amerikanischen Beziehungen markierte.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer zeithistorischen Analyse unter Einbeziehung von Fachliteratur, Memoiren und Dokumenten der Außenpolitik.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil behandelt die diplomatischen und wirtschaftlichen Entwicklungen, angefangen bei der Ostpolitik über die Krisen des internationalen Finanzsystems bis hin zu den konkreten Spannungen unter der Carter-Administration.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den wichtigsten Begriffen gehören Ostpolitik, Transatlantik, Emanzipation, Sozialliberale Koalition und Machtverschiebung.
Welche Rolle spielte das "Brasiliengeschäft" in den Beziehungen?
Das Brasiliengeschäft war ein zentraler Konfliktpunkt, da Carter die deutsche Kernkraftwerkstechnologie als Gefahr für die Non-Proliferation sah, während Bonn primär wirtschaftliche Interessen verfolgte.
Warum war das Verhältnis zwischen Schmidt und Carter so schwierig?
Das Verhältnis war geprägt von charakterlichen Gegensätzen, unterschiedlichen gesellschaftlichen Hintergründen und der Diskrepanz zwischen Schmidts Fokus auf Kontinuität und Carters Anspruch auf moralischen Wandel.
- Quote paper
- Anton Brosam (Author), 2008, Die deutsch-amerikanischen Beziehungen während der sozialliberalen Koalition, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/135400