Das Nachwuchstraining, speziell das Nachwuchstraining im Schwimmen, bildet die Grundlage dieser Arbeit. Das Ziel der Arbeit ist die Dokumentation des praktischen Schwimmtrainings anhand eines leitfadengestützten Experteninterviews und ein erster Vergleich der Trainingspraxis mit den in der Literatur gegebenen Trainingsempfehlungen.
Dazu wird zunächst der Stand der Literatur recherchiert. Die Formulierung und Analyse des Problems muss zu Beginn der Arbeit theoretisch abgehandelt werden, da zentrale Aspekte des Interviewleitfadens daraus resultieren.
Infolgedessen wird in Kapitel 2 das Nachwuchstraining im Schwimmen in Deutschland anhand einer umfassenden Literaturrecherche dargestellt. Hierbei ist es das Ziel, sowohl die grundlegenden Prinzipien als auch die in der Literatur als unklar dargestellten Punkte zusammenfassend darzulegen.
In Kapitel 3 wird dann kurz auf die grundlegenden Forschungsdesigns empirischer Forschung, der qualitativen und der quantitativen Forschung, eingegangen. Daran anschließend wird das qualitative Paradigma näher erläutert, wobei auf die einzelnen Schritte des Untersuchungsplans, das Erhebungs-, Dokumentations- und Auswertungsverfahren eingegangen wird.
Anschließend daran wird in Kapitel 4 die Methode der vorliegenden Untersuchung dargestellt. Bevor dabei der Ablauf der Untersuchung näher beschrieben wird, wird detaillierter auf die angewendete Untersuchungsmethode eingegangen, da diese im qualitativen Auswertungsparadigma immer individuell an das Forschungsdesign und die Fragestellung der durchgeführten Untersuchung angepasst werden muss.
Nach der Darstellung und Auswertung der Ergebnisse in Kapitel 5 wird noch die Qualität der Studie anhand der allg. Gütekriterine bewertet, bevor die Arbeit mit einer Zusammenfassung und dem Ausblick in Kapitel 7 abgeschlossen wird.
Inhaltsverzeichnis
1 EINLEITUNG
1.1 PROBLEMSTELLUNG UND ZIELSETZUNG DER ARBEIT
1.2 AUFBAU DER ARBEIT
2 GRUNDLAGEN DES NACHWUCHSTRAININGS
2.1 DER LANGFRISTIGE LEISTUNGSAUFBAU
2.2 DAS NACHWUCHSTRAINING IM SCHWIMMEN
2.2.1 Das Grundlagentraining
2.2.2 Das Aufbautraining
2.3 VIELSEITIGKEIT IM NACHWUCHSTRAINING
2.4 KRAFTTRAINING IM NACHWUCHSTRAINING
2.5 ALTERSGEMÄßHEIT IM NACHWUCHSTRAINING
2.6 PERIODISIERUNG IM NACHWUCHSTRAINING
2.7 WETTKAMPF IM NACHWUCHSTRAINING
2.8 INDIVIDUELLE TRAININGSGESTALTUNG IM NACHWUCHSTRAINING
2.9 ZUSAMMENFASSENDE BETRACHTUNG DES NACHWUCHSTRAININGS
3 UNTERSUCHUNGSMETHODE
3.1 GRUNDLAGEN DER QUALITATIVEN SOZIALFORSCHUNG
3.2 DER UNTERSUCHUNGSPLAN
3.2.1 Erhebungsverfahren qualitativer Analysen
3.2.2 Dokumentationsverfahren qualitativer Analysen
3.2.3 Die qualitativen Auswertungsmethoden
3.2.4 Gütekriterien
4 DIE METHODE DER VORLIEGENDEN UNTERSUCHUNG
4.1 DIE SPEZIELLEN FORSCHUNGSFRAGEN
4.2 ERSTELLUNG DES INTERVIEWLEITFADENS
4.3 AUSWAHL DER INTERVIEWPARTNER
4.4 DURCHFÜHRUNG DER INTERVIEWS
4.5 AUSWERTUNG DER INTERVIEWS
4.5.1 Die Transkription der Interviews
4.5.2 Die Paraphrasierung der Interviews
4.5.3 Das Kodieren und der thematische Vergleich der Interviews
4.5.4 Die soziologische Konzeptualisierung
5 AUSWERTUNG UND DARSTELLUNG DER ERGEBNISSE
5.1 EINLEITUNGSFRAGEN
5.2 DIE VIELSEITIGKEIT
5.2.1 Die Rolle der Vielseitigkeit im Kinder- und Jugendtraining
5.2.2 Der Einsatz anderer Sportarten vor und neben dem Schwimmtraining
5.2.3 Der Einsatz anderer sportlicher Aktivitäten im Nachwuchstraining
5.2.4 Andere sportliche Aktivitäten im Jahresverlauf
5.2.5 Nichtschwimmspezifische Übungen im Wasser
5.2.6 Allgemeine und spezielle Inhalte im Kinder- und Jugendtraining
5.2.7 Differenzierung der Athleten in die unterschiedlichen Disziplinen
5.3 DER LANGFRISTIGE LEISTUNGSAUFBAU
5.3.1 Der langfristige Leistungsaufbau in der Praxis
5.3.2 Praktische Probleme bei der Umsetzung des LLA
5.3.3 Inhaltliche Differenzierung zwischen dem Kinder- und Jugendtraining
5.3.4 Das Training der konditionellen Fähigkeiten im Jahresverlauf
5.4 DAS KRAFTTRAINING
5.4.1 Anteil des Krafttrainings am gesamten Trainingsaufbau
5.4.2 Grundsätze des Krafttrainings im Nachwuchsbereich
5.4.3 Krafttraining im Wasser
5.5 DER WETTKAMPF
5.6 DIE ALTERSGEMÄßHEIT
5.6.1 Die Trainierbarkeit im Altersverlauf
5.6.2 Beachtung der Inhomogenität der Trainingsgruppe
5.7 DIE INDIVIDUELLE TRAININGSGESTALTUNG
5.8 DIE PERIODISIERUNG
6 BEWERTUNG DER STUDIE ANHAND DER GÜTEKRITERIEN
7 ZUSAMMENFASSUNG UND AUSBLICK
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht, inwieweit theoretische Trainingsempfehlungen aus der Fachliteratur im praktischen Nachwuchstraining von Schwimmtrainern in Deutschland umgesetzt werden. Ziel ist es, durch eine qualitative Vorstudie einen Einblick in die angewandten Prinzipien, Inhalte und Methoden von Experten zu gewinnen und mögliche Diskrepanzen zwischen Theorie und Praxis aufzuzeigen.
- Grundlagen und Strukturierung des langfristigen Leistungsaufbaus (LLA)
- Prinzip der Vielseitigkeit im Nachwuchstraining
- Anwendung von Krafttraining und dessen Grundsätze im Kinder- und Jugendbereich
- Bedeutung und Gestaltung von Wettkämpfen im Nachwuchssport
- Individualisierung des Trainings und Umgang mit Altersgemäßheit
Auszug aus dem Buch
2.4 Krafttraining im Nachwuchstraining
Krafttraining hat das Ziel, die funktionellen und strukturellen Eigenschaften des Muskels so zu verändern, dass das Kraftniveau gesichert ist, welches für die allgemeinen und sportartspezifischen Bewegungsleistungen nötig ist (Martin et al., 1999, S. 329).
Somit spielt das Krafttraining auch im Bereich des Kinder- und Jugendtrainings eine wichtige Rolle. Aufgrund der engen Beziehung zwischen Kraft, Bewegungsfertigkeiten und den –techniken, ist es unumgänglich schon im Nachwuchstraining mit einem Krafttraining zu beginnen. Ein früher Beginn ist auch notwendig, wenn die individuelle Höchstleistung in den Folgejahren erreicht werden soll. Das Krafttraining dient folglich der Leistungsoptimierung, darüber hinaus jedoch auch der Haltungs- und Verletzungsprophylaxe (Weineck, 2004, S. 376ff). Allerdings ist die Überzeugung, dass Krafttraining auch im Nachwuchstraining einen positiven Effekt hat noch relativ neu. Bis vor einiger Zeit herrschte die Meinung vor, dass Kinder vor der Pubertät vom Krafttraining nicht profitieren. Dass dies nicht der Realität entspricht, ist inzwischen in vielen Studien nachgewiesen worden (Blimkie & Sale, 1998, S. 193ff, Ozmun, Mikesky & Surburg, 1994, S. 510ff). Durch Krafttraining im Kindesalter werden Kraftzuwächse erreicht, welche deutlich über denen des biologischen Zuwachses liegen (Maglischo, 1993, S. 259).
Allerdings gibt es einen wichtigen Unterschied: Während Krafttraining bei Jugendlichen und Erwachsenen zu einem deutlichen Zuwachs des Muskelumfangs führt (Hypertrophie), geschieht dies bei Kindern kaum, was v.a. an dem vergleichsweise niedrigen Testosteronspiegel liegt (Maglischo, 1993, S. 260). Der Kraftzuwachs bei Kindern rührt somit nicht von einer Vergrößerung des Muskelquerschnitts her, sondern von der verbesserten neuromuskulären Aktivation (Bar-Or, 2002, S. 49f), oder in anderen Worten, einer verbesserten intra- und intermuskulären Koordination (Wilke & Madsen, 1993, S. 26). Hier muss noch ergänzt werden, dass die Muskelentwicklung bei Jungen und Mädchen bis ca. zum 13. Lebensjahr ähnlich verläuft. Erst danach kann bei den Jungen eine wesentlich stärkere Zunahme der Muskelmasse verzeichnet werden.
Zusammenfassung der Kapitel
1 EINLEITUNG: Definiert die Forschungsfrage nach der Übereinstimmung von Theorie und Praxis im Schwimm-Nachwuchstraining.
2 GRUNDLAGEN DES NACHWUCHSTRAININGS: Erläutert die theoretischen Konzepte wie LLA, Vielseitigkeit, Krafttraining und Periodisierung auf Basis der aktuellen Fachliteratur.
3 UNTERSUCHUNGSMETHODE: Begründet die Wahl des qualitativen Paradigmas und erläutert die Grundlagen der Experteninterviews sowie der Auswertungsstrategie.
4 DIE METHODE DER VORLIEGENDEN UNTERSUCHUNG: Beschreibt das konkrete Untersuchungsdesign, die Expertenauswahl und die Durchführung der leitfadengestützten Interviews.
5 AUSWERTUNG UND DARSTELLUNG DER ERGEBNISSE: Analysiert die Aussagen der Trainer zu den verschiedenen Themenkomplexen und gleicht diese mit den theoretischen Empfehlungen ab.
6 BEWERTUNG DER STUDIE ANHAND DER GÜTEKRITERIEN: Überprüft die wissenschaftliche Qualität der eigenen Untersuchung anhand von Kriterien wie Verfahrensdokumentation und kommunikativer Validierung.
7 ZUSAMMENFASSUNG UND AUSBLICK: Fasst die Kernergebnisse zusammen und gibt Empfehlungen für weiterführende, interdisziplinäre Forschungsansätze.
Schlüsselwörter
Nachwuchstraining, Sportschwimmen, langfristiger Leistungsaufbau, Trainingslehre, qualitative Sozialforschung, Experteninterview, Vielseitigkeit, Krafttraining, Periodisierung, Wettkampfsystem, Altersgemäßheit, Trainerausbildung, individuelle Trainingsgestaltung, Leistungsentwicklung, Talentsuche.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Diplomarbeit befasst sich mit der Diskrepanz zwischen theoretischen Trainingsempfehlungen der Sportwissenschaft und der tatsächlichen Umsetzung in der Praxis des Nachwuchsschwimmens in Deutschland.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Die Arbeit behandelt schwerpunktmäßig den langfristigen Leistungsaufbau (LLA), das Prinzip der Vielseitigkeit, altersgemäßes Krafttraining, Periodisierung sowie die Wettkampfgestaltung im Schwimmsport.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das primäre Ziel ist es, durch Experteninterviews mit erfolgreichen Schwimmtrainern ein valides Bild über die Anwendung der Trainingslehre in der Realität zu erhalten und Potenziale für die Nachwuchsarbeit zu identifizieren.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wurde eine qualitative Forschungsstrategie gewählt, speziell leitfadengestützte Experteninterviews nach dem Modell von Meuser und Nagel, um explorative Einblicke in die Trainingspraxis zu gewinnen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine fundierte Literaturrecherche zu den Grundlagen des Nachwuchstrainings sowie einen empirischen Teil, in dem die Erfahrungen und Arbeitsweisen von vier hauptamtlichen A-Lizenz-Trainern ausgewertet werden.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zentrale Begriffe sind Nachwuchstraining, langfristiger Leistungsaufbau, Vielseitigkeit, Krafttraining, Experteninterview und qualitative Sozialforschung.
Wie gehen die befragten Trainer mit der Forderung nach Vielseitigkeit um?
Alle befragten Experten bestätigen die hohe Bedeutung der Vielseitigkeit, setzen diese durch ergänzende Sportarten oder unterschiedliche Schwimmstile um, betonen aber, dass die praktische Umsetzung durch zeitliche Begrenzungen und den Fokus auf den Schwimmsport limitiert ist.
Welche Herausforderungen sehen Trainer beim Krafttraining im Kindesalter?
Die Trainer bevorzugen überwiegend Übungen mit dem eigenen Körpergewicht und betonen die Notwendigkeit, Maximalkrafttraining zu vermeiden, um Verletzungen und Wachstumsstörungen bei den jungen Athleten auszuschließen.
Wie bewerten die Trainer den "langfristigen Leistungsaufbau" (LLA)?
Die Trainer sehen den LLA als essenziell an, kritisieren jedoch die oft kurzen Entscheidungsintervalle in der Talentförderung und betonen, dass eine individuelle Anpassung an die biologische Entwicklung der Kinder oft durch den äußeren Druck auf kurzfristige Erfolge konterkariert wird.
- Citation du texte
- Jonas Kurtz (Auteur), 2007, Entwicklung eines Interviewleitfadens für das Nachwuchstraining im Schwimmen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/135415