Die Polizei als ein hierarchisch strukturiertes und komplexes Verwaltungssystem, ist für eine effiziente Aufgabenerfüllung auf die funktionierende Zusammenarbeit ihrer Mitarbeiter in sehr starkem Maße angewiesen. Eine zentrale Arbeitsform der polizeilichen Organisation stellt die Teamarbeit dar, die für aufgabengerechte Abläufe und den internen Zusammenhalt sorgt. Obwohl für Polizeibeamte Konflikte und deren Handhabung zum Alltagsgeschehen gehören und sie berufsbedingt für das Konfliktmanagement der Gesellschaft mit zuständig sind, kommt es wie in anderen Lebensbereichen auch, häufig zu organisationsinternen Konflikten, vor allem zu Teamkonflikten und Konflikten zwischen Führungs- und Mitarbeiterebene. Die notwendige Bewältigung dieser Konflikte nimmt einen großen Anteil der Arbeitszeit in Anspruch. Folglich hat die Polizei bereits vor etwa zwanzig Jahren damit begonnen, ein polizeiinternes Konfliktmanagementsystem aufzubauen. Häufig konnten Konflikte mit bisherigen Strategien allerdings nicht zufrieden stellend gelöst werden, so dass in verschiedenen Bundesländern die Mediation als Konfliktlösungsstrategie Einzug gefunden hat. So verfügt die Polizei Baden-Württemberg bereits über ausgebildete Mediatoren und in Nordrhein-Westfalen arbeiten die Konfliktberater in zahlreichen Seminaren mit mediativen Elementen. Nach Ansicht der befragten Konfliktberater in Baden-Württemberg und Nordrheinwestfalen habe die Mediation Selbsterkenntnis und Verständnis bewirkt und in der Folge hätten Konfliktursachen erkannt und ausgeräumt werden können. Letztendlich habe die Mediation zu einer verträglichen Zusammenarbeit und einer dauerhaften Konfliktlösung geführt. Als Fazit dieser Arbeit kann herausgestellt werden, dass die Mediation unter Berücksichtigung bestimmter Voraussetzungen neben anderen Konfliktlösungsstrategien eine Alternative für die nachhaltige Konfliktbewältigung darstellt.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
1.1 Problemstellung und Zielsetzung
2. Grundlagen der Sozialpsychologie
2.1 Entstehung, Wirkung und Behandlung von Konflikten
2.1.1 Konfliktbegriff
2.1.2 Konfliktentstehung und Konfliktursachen
2.1.3 Konfliktarten
2.1.4 Auswirkungen des Konflikts
2.1.5 Konflikthandhabung
2.1.6 Modelle der Konfliktlösung
2.2 Interaktion und Kommunikation
2.2.1 Bedeutung von sozialer Interaktion und Kommunikation
2.2.2 Psychologische Grundlagen der Kommunikation
2.2.3 Entstehung und Ablauf der Kommunikation
2.2.4 Fehlerquellen der Kommunikation
2.3 Der Konflikt und die Gruppe
2.3.1 Rollen- und Machtstruktur
2.3.2 Gruppendynamik und Konfliktentstehung
3. Grundlagen der Mediation
3.1 Geschichte der Mediation
3.2 Ziele der Mediation
3.3 Anwendungsfelder der Mediation
3.4 Rolle des Mediators
3.5 Kommunikation in der Mediation
3.6 Planung und Ablauf der Mediation
3.7 Das Harvard-Konzept
4. Innerbehördliche Mediation in der Polizei
4.1 Gründe für die Entwicklung eines innerbehördlichen Konfliktmanagementsystems der Polizei
4.2 Konflikthandhabung, Gesprächsführung und Interventionsstrategien innerhalb der Polizei
4.3 Erwartungen an Mediation
4.4 Aus- und Fortbildung der Mediatoren
4.5 Individuelle und strukturelle Voraussetzungen mediativen Konfliktmanagements
4.6 Grenzen und Konsequenzen innerbehördlicher Mediation
5. Zur Durchführung der eigenen Befragung
5.1 Ziel der Befragung
5.2 Gewählte Methodik
5.3 Ergebnisse der Befragung
5.3.1 Kenntnisse über Mediation und Qualifikation zur Durchführung der Mediation
5.3.2 Eignung und wesentliche Voraussetzungen für eine nachhaltige Konfliktlösung
5.3.3 Einschätzung der Akzeptanz, bei einem Konflikt Hilfe in Anspruch zu nehmen
5.3.4 Erfahrungen mit Mediation
5.3.5 Negative Auswirkungen ungelöster Konflikte
5.3.6 Kriterien die ein Mediator erfüllen muss für die Eignung als Konfliktvermittler
6. Eignung der Mediation als Konfliktlösungsstrategie bei der Polizei
7. Zusammenfassung und Ergebnis
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht die Einsatzmöglichkeiten und die Eignung der Mediation als Verfahren zur Konfliktlösung innerhalb der Polizeiorganisation, um die teils ineffiziente und belastende Handhabung organisationsinterner Konflikte zu verbessern.
- Sozialpsychologische Grundlagen der Konfliktentstehung und -dynamik
- Theorie und Praxis der Mediation als Instrument der Konfliktbeilegung
- Analyse der innerbehördlichen Situation und Konfliktkultur in der Polizei
- Empirische Befragung zur Akzeptanz und Qualifikation von Konfliktberatern
- Diskussion der Eignung der Mediation als Strategie für polizeiliche Organisationen
Auszug aus dem Buch
2.1.1 Konfliktbegriff
In seinem Handbuch zur Diagnose und Behandlung von Konflikten bietet Friedrich Glasl (2008) eine kommentierte Auswahl wissenschaftlicher Definitionen von sozialen Konflikten an. So ist nach Berlew (1977) „ein Konflikt gegeben, wenn man untereinander eine Uneinigkeit hat“. Eine weitere Umschreibung des Konfliktbegriffs und keine wirkliche Analyse oder Definition stammt von Dahrendorf (1961). Demnach soll der Konfliktbegriff zunächst jede Beziehung von Elementen bezeichnen, die sich durch objektive (latente) oder subjektive (manifeste) Gegensätzlichkeit auszeichnet; die Kriterien für diese Gegensätzlichkeit bleiben ungeklärt.
Nach Rosenstiel (1980) liegt ein interindividueller, so genannter sozialer Konflikt dann vor, wenn zwischen Konfliktparteien, die jeweils aus zumindest einer Person bestehen, unvereinbare Handlungstendenzen beobachtet werden. Seine eigene Definition sieht Glasl als den Versuch einer umfassenden Synthese: Demnach ist ein sozialer Konflikt eine Interaktion zwischen Aktoren, wobei wenigstens ein Aktor Unvereinbarkeiten im Denken, Vorstellen, Wahrnehmen und/oder Fühlen und/oder Wollen mit dem anderen Aktor in der Art erlebt, dass im Realisieren eine Beeinträchtigung durch einen anderen Aktor erfolgt (Glasl, 1990). Nach Glasl beruht ein Konflikt also auf Unvereinbarkeiten, die wenigstens von einer Seite so empfunden werden müssen. Zu dieser Unvereinbarkeit muss aber noch ein entsprechendes Interaktionshandeln einer Seite hinzutreten, dass von der anderen Seite als eine Beeinträchtigung eigener Ziele, Interessen, Gefühle oder Vorstellungen empfunden wird.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Darstellung der Problemstellung hinsichtlich organisationsinterner Konflikte bei der Polizei und Festlegung der Forschungsfragen.
2. Grundlagen der Sozialpsychologie: Erläuterung der Entstehung, Wirkung und Handhabung von Konflikten sowie psychologischer Grundlagen der Kommunikation und Gruppendynamik.
3. Grundlagen der Mediation: Überblick über Geschichte, Ziele, Anwendungsfelder sowie die Rolle des Mediators und das Harvard-Konzept.
4. Innerbehördliche Mediation in der Polizei: Untersuchung der spezifischen Erfordernisse, Erwartungen und Rahmenbedingungen für Mediation innerhalb der Polizeiorganisation.
5. Zur Durchführung der eigenen Befragung: Methodische Darlegung und Auswertung einer Befragung von Konfliktberatern zur Praxis der Mediation.
6. Eignung der Mediation als Konfliktlösungsstrategie bei der Polizei: Diskussion und Bewertung der Mediationsstrategie basierend auf Befragungsergebnissen.
7. Zusammenfassung und Ergebnis: Abschließende Betrachtung der Erkenntnisse über die Eignung der Mediation als Alternative zur Konfliktbewältigung.
Schlüsselwörter
Mediation, Konfliktmanagement, Polizei, Konfliktlösung, Sozialpsychologie, Kommunikation, Gruppenprozesse, Organisationsentwicklung, Konfliktberatung, Harvard-Konzept, Konflikthandhabung, Führung, Mitarbeiterzufriedenheit, interpersonelle Konflikte, Konfliktprävention.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Magisterarbeit untersucht das Potenzial und die praktische Eignung der Mediation als Verfahren zur Lösung organisationsinterner Konflikte innerhalb der Polizei.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Die Themenfelder umfassen sozialpsychologische Grundlagen (Konflikte, Kommunikation, Gruppendynamik), die theoretischen Ansätze der Mediation, die Anwendung in der Polizei sowie eine empirische Befragung von Konfliktberatern.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist herauszufinden, ob Mediation ein geeignetes und akzeptiertes Instrument zur Bewältigung von Konflikten bei der Polizei darstellt, um die Leistungsfähigkeit und das Arbeitsklima zu fördern.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse sowie einer formalisierten empirischen Befragung von zehn hauptamtlichen Konfliktberatern des LAFP in Münster.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in theoretische Grundlagen zu Konflikten und Mediation sowie die detaillierte Darstellung und Diskussion der eigenen Befragungsergebnisse.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den zentralen Begriffen zählen Mediation, polizeiliches Konfliktmanagement, organisationsinterne Konflikte, Kommunikation und soziale Interaktion.
Warum sind innerbehördliche Konflikte in der Polizei besonders problematisch?
Aufgrund der hierarchischen Struktur und des hohen physischen sowie psychischen Belastungsprofils können ungelöste Konflikte zu Leistungsverlusten, Burn-out oder Abwanderung führen.
Welches Ergebnis liefert die Befragung der Konfliktberater?
Die Mehrheit der befragten Berater stuft die Mediation als positiv und geeignet ein, sieht jedoch die Notwendigkeit, Akzeptanz und Wissen darüber in den Dienststellen weiter zu verbreiten.
- Citar trabajo
- Nicole Klappert (Autor), 2009, Chancen der Mediation als Verfahren zur Konfliktlösung innerhalb der Polizei, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/135440