„Sie sagen, dass wir Fotografen bestenfalls eine blinde Rasse sind; dass wir lernen, selbst in die schönsten Gesichter gerade so zu schauen, als seien sie nur Licht und Schatten; dass wir selten bewundern und niemals lieben. Das ist ein Hirngespinst, mit dem ich gerne aufräumen würde – wenn ich nur eine junge Dame fotografieren könnte, die meinen Schönheitsidealen entspricht ....“(Kleinspehn, Thomas,1997, S. 94)
Dieses Zitat verdeutlicht wie fasziniert Charles Lutwidge Dodgson zu seiner Zeit von dem neuen Medium Fotografie war.
Hinter dem Namen Charles Lutwidge Dodgson, besser bekannt unter seinem Künstlernamen Lewis Carroll, verbirgt sich ein sehr facettenreicher und talentierter Mann, der sowohl als Schriftsteller als auch als Mathematiker und Fotograf fungierte.
Er ist Autor der erfolgreichen Bücher Alice’s Adventures in Wonderland (1865), Through the Looking-Glass, and What Alice Found There (1871) und dem Buch The Hunting of the Snark (1876). Seine Werke sind geprägt von Wortspielen, Fantasie, Logik und weltweit erfolgreich.
Lewis Carroll wurde am 27. Januar 1832 in England geboren und wuchs gemeinsam mit seinen zehn Geschwistern in Daresbury auf. 1846 begann Carroll an der Rugby School seine Schulausbildung und machte im Jahr 1854 seinen Abschluss am Christ Church College in Oxford.
Im Jahre 1856 begann er zu experimentieren mit der neuen Kunst Fotografie. Seine Begeisterung für Technik und für das neue Medium Fotografie war er seiner Zeit weit voraus. In der folgenden Arbeit soll es genau um diese neue Leidenschaft gehen, die Lewis Carroll im Jahre 1856 entwickelte. Um auf dieses Thema intensiver eingehen zu können, ist es von Nöten auf die Entstehungsgeschichte der Fotografie zurückzublicken. In den darauffolgenden Kapiteln wird dann speziell auf das Thema Lewis Carroll als Fotograf und auf seine Werke eingegangen. Es wird des weiteren auf die Entwicklungen seiner Motive und auf die Veränderungen eingegangen, die sich in Carrolls Karriere als Fotograf abspielten.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Die Geschichte der Fotografie
3 Fotografie als neues Medium
4 Lewis Carroll als Fotograf
5 Zusammenfassung
Zielsetzung und Themen
Diese Arbeit untersucht die Leidenschaft von Lewis Carroll für die Fotografie, deren Anfänge er 1856 entwickelte. Dabei wird der historische Kontext der Fotografie beleuchtet und Carrolls Arbeitsweise, seine bevorzugten Motive sowie die Entwicklung seiner fotografischen Karriere analysiert.
- Die historische Entwicklung der Fotografie im 19. Jahrhundert
- Fotografie als neues künstlerisches Medium
- Lewis Carrolls technisches Interesse und fotografische Praxis
- Die Bedeutung von Porträtaufnahmen, insbesondere von Kindern
- Der Einfluss von Carrolls Persönlichkeit auf sein fotografisches Werk
Auszug aus dem Buch
Lewis Carroll als Fotograf
Schon als Kind zeigte Lewis Carroll großes Interesse an technischen Erfindungen und Geräten. Dieser Wissensdurst nach dem Mechanischen und Technischen hielt sein ganzes Leben an. Viele technische Geräte kannte er durch seinen Onkel Skeffington Lutwidge. Ganz besonders angetan war er von der Fotografie. Deshalb fragte er seinen Onkel im Jahre 1856, ob er ihm eine Kamera besorgen könnte.8 Zu dieser Zeit befand sich Kunstform Fotografie noch in der Anfangszeit und es gab erst seit einigen Jahren Kameras für die breite Bevölkerung käuflich zu erwerben. Ein guter Fotograf brauchte nicht nur ein besonderes Auge für Motive und Kenntnisse über den Aufbau eines Bildes, sondern in erster Linie sehr viel Geduld, da das Entwicklungsverfahren sehr zeitintensiv und äußerst komplex war. Als er zum Besitzer einer Kamera wurde, begann er zunächst mit zahlreichen Experimenten, die mit einigen Misserfolgen verbunden waren. Anfangs war er zunächst nur über die technische Seite der Kamera fasziniert, doch um so mehr er sie beherrschte, interessierten ihn seine Modelle.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung führt in die Faszination Lewis Carrolls für das Medium Fotografie ein und umreißt den inhaltlichen Aufbau der Arbeit.
2 Die Geschichte der Fotografie: Dieses Kapitel gibt einen Überblick über die technischen Anfänge der Fotografie von Niepce bis zur Entwicklung des Rollfilms durch George Eastman.
3 Fotografie als neues Medium: Hier werden die gesellschaftlichen Möglichkeiten der Fotografie im 19. Jahrhundert sowie die zwei künstlerischen Hauptrichtungen der Porträtfotografie beschrieben.
4 Lewis Carroll als Fotograf: Dieses Hauptkapitel analysiert Carrolls Einstieg in die Fotografie, seine bevorzugten Motive und die Beziehung zu seinen Modellen, insbesondere zu den Liddell-Töchtern.
5 Zusammenfassung: Das Fazit fasst die Bedeutung von Carrolls fotografischem Schaffen zusammen und ordnet die kritische Auseinandersetzung mit seinen Werken in den historischen Kontext ein.
Schlüsselwörter
Lewis Carroll, Fotografie, Kameratechnik, Porträtfotografie, Viktorianisches Zeitalter, Alice Liddell, Daguerreotypie, Kalotypie, Kunstform, Kinderporträts, Fotopionier, Bildkomposition, Motivwahl, Experimentierfreude, 19. Jahrhundert.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit primär?
Die Arbeit befasst sich mit der fotografischen Tätigkeit von Lewis Carroll, der über 25 Jahre hinweg intensiv als Amateurfotograf tätig war und eine Vielzahl von Aufnahmen schuf.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die Untersuchung umfasst die technische Geschichte der frühen Fotografie, die ästhetische Einordnung der Fotografie als Medium sowie Carrolls spezielle Arbeitsweise und Motivwahl.
Welches Ziel verfolgt die Forschungsarbeit?
Das Ziel ist es, Carrolls Leidenschaft für die Fotografie zu dokumentieren und die Entwicklung seiner fotografischen Karriere sowie die Veränderung seiner Motive zu analysieren.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Es handelt sich um eine literaturwissenschaftliche Analyse, die historische Quellen, Tagebucheinträge und zeitgenössische theoretische Ansätze zur Fotografie auswertet.
Welche Inhalte werden im Hauptteil schwerpunktmäßig behandelt?
Der Hauptteil widmet sich der historischen Entwicklung der Fotografie, der Rolle der Fotografie als neues Medium im viktorianischen Zeitalter sowie detailliert Lewis Carrolls Werdegang als Fotograf.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Fotografie, Lewis Carroll, Kindheitsdarstellung, Technikgeschichte und künstlerische Fotografie geprägt.
Warum spielt die Person Alice Liddell eine so große Rolle für Carrolls Werk?
Alice Liddell war eines der zentralen Lieblingsmodelle Carrolls; seine Beziehung zu ihr und die Art, wie er sie fotografierte, spiegeln sein fotografisches Ideal von Unschuld und Schönheit wider.
Wie reagierte Carroll auf die Einschränkungen bei seinen Fototerminen?
Carroll reagierte oft empfindlich auf Anforderungen von Eltern, etwa die Anwesenheit einer Anstandsdame, was letztlich zu seinem plötzlichen Abbruch der fotografischen Tätigkeit im Jahr 1880 beitrug.
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- Ina Göllnitz (Author), 2008, Lewis Carroll und seine Leidenschaft zur Fotografie, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/135526