Grin logo
de en es fr
Boutique
GRIN Website
Publier des textes, profitez du service complet
Aller à la page d’accueil de la boutique › Sociologie - Généralités et Théories

Handeln durch politische Zeugenschaft. Was verbindet Hannah Arendt und Esther Bejarano?

Titre: Handeln durch politische Zeugenschaft. Was verbindet Hannah Arendt und Esther Bejarano?

Texte Universitaire , 2021 , 25 Pages , Note: 1,0

Autor:in: Anonym (Auteur)

Sociologie - Généralités et Théories
Extrait & Résumé des informations   Lire l'ebook
Résumé Extrait Résumé des informations

Am 10. Juli 2021 verstarb die Aktivistin und Auschwitz-Überlebende Esther Bejarano im Alter von 94 Jahren in Hamburg. Als Überlebende der Shoah kämpfte sie, Zeit ihres Lebens, gegen das Vergessen und gab immer wieder Einblicke in die grausame Realität der Verbrechen des Nationalsozialismus. Sie nutzte ihre Zeugenschaft für politische Zwecke. Während Esther Bejarano im Mädchenchor des Konzentrationslagers Auschwitz-Birkenau sang, war die heute weltbekannte Philosophin Hannah Arendt auf der Flucht vor den Nationalsozialisten und schließlich im Exil in den Vereinigten Staaten. In Arendts Hauptwerk, "Vita Activa oder vom tätigen Leben" erklärt sie unter anderem das Handeln, eine menschliche Grundtätigkeit, welches für sie äußerst politisch geprägt ist. Hier stellt sich folgende Forschungsfrage: "Inwieweit ist politische Zeugenschaft "Handeln" nach Hannah Arendt?"

Um diese Frage zu beantworten, soll zuerst durch verschiedene soziologische Perspektiven auf Zeugenschaft eingegangen werden, welche den Grundstein für die anschließende Betrachtung der politischen Zeugenschaft bilden. Bevor der Fokus auf Hannah Arendt und die Grundtätigkeiten des Menschen gelegt wird, eröffnet ein Essay Arendts, "Wahrheit und Politik", eine Kontroverse bezüglich der Unvereinbarkeit von Zeugenschaft und Politik. Daraufhin folgt das "Handeln" im Verständnis von Hannah Arendt. Dieses wird erklärt durch Nutzung verschiedener primärliterarischer Quellen. Hiernach wird auch das Handeln in besagtes Kategoriensystem destilliert und beide Begriffe miteinander verglichen. Die Forschungsfrage wird final in einem Fazit beantwortet, wie auch im Fazit erneut Bezug genommen werden soll, auf die scheinbare Unvereinbarkeit von Zeugenschaft und Politik. Ebenfalls wird Stellung dazu genommen, welche Rolle das Handeln in der scheinbaren Unmöglichkeit der politischen Zeugenschaft spielt.

Extrait


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Zeugenschaft

2.1 Theorien der Zeugenschaft

2.2 Das politische Zeugnis

2.2.1 Das politische Zeugnis in Kategorien

2.3 Die Unvereinbarkeit von Politik und Zeugenschaft

3. Hannah Arendt

3.1 Das politische Handeln

3.1.1 Das politische Handeln in Kategorien

4. Gegenüberstellung

5. Fazit

Zielsetzung und thematische Schwerpunkte

Die vorliegende Arbeit untersucht das Spannungsfeld zwischen politischer Zeugenschaft und Hannah Arendts Handlungsbegriff, um zu klären, inwiefern politische Zeugenschaft als eine Form politischen Handelns verstanden werden kann. Dabei wird analysiert, ob Arendts These der Unvereinbarkeit von Wahrheit, Politik und Zeugenschaft aufrechtzuerhalten ist oder ob eine diskursive, handlungsorientierte Auffassung von Zeugenschaft neue Perspektiven eröffnet.

  • Soziologische und ethisch-politische Perspektiven auf den Begriff der Zeugenschaft
  • Strukturierung politischer Zeugenschaft in ein operationalisierbares Kategoriensystem
  • Detaillierte Analyse des Hannah Arendtschen Begriffs des "politischen Handelns"
  • Systematischer Vergleich und Synopse der Konzepte "politische Zeugenschaft" und "politisches Handeln"

Auszug aus dem Buch

2.2 Das politische Zeugnis

Um sich dem Begriff des politischen Zeugnisses anzunähern, bedarf es der Betrachtung des politischen Zeugen. Der Begriff „politischer Zeuge“ wirkt zunächst widersprüchlich: zum einen das Politische, das Partei ergreift, überzeugen möchte, subjektiv ist. Andererseits der Zeuge, der eine Wahrheitskrise lösen möchte, möglichst nah an der Realität bleibt und seine Aussagen objektiv formulieren soll. Laut Sybille Schmidt aber „erscheint [Zeugenschaft] heute mehr denn je als eine Form ethischen und politischen Engagements“. Relevant hierfür ist Zeugenschaft generell als dialogisch zu betrachten, so Schmidt, denn das Zeugnis sei häufig nur Antwort auf eine Frage und diese Frage bestimmt Form und Funktion des Zeugnisses. Ebenfalls nicht zu vernachlässigen sind normative Grundannahmen, die jeder Zeuge in sich trägt und die dessen Aussagen formen sowie die individuellen, normativen Grundannahmen die jeder und jede Rezipient*in inhärent hat und die deren Aufnahme und Interpretation des Gesagten formen.

Da viele Rezipient*innen eine juridische Sichtweise oder Interpretation auf beziehungsweise von Zeugenschaft haben, entsteht die eben genannte scheinbare Paradoxie des politischen Zeugen. Die Erwartung an neutrale, faktische und nicht-emotionale Aussagen kann vom politischen Zeugen, der sich von seinem Erlebten nicht losmachen kann und seine normativen Grundhaltungen und Einstellungen, die zum Teil aus dem Erlebten resultieren nicht ablegen kann, nicht erfüllt werden. An dieser Stelle sei jedoch noch einmal die Unterscheidung zwischen dem Augenzeugen und dem politischen Zeugen hervorgehoben. Der Augenzeuge wird gemeinhin verstanden als „Aufzeichnungsapparat“ was aber defizitär sei, denn in der Subjektivität des Zeugen steckt seine politische Bedeutung. Der abstrakte Idealtyp des politischen Zeugen kann sich von seiner Subjektivität nicht befreien und soll dies auch nicht, denn in der Subjektivität liegt der Wert der Aussage, die sie vom faktischen Beweis zum Teil politischer und ethischer Dimensionen der Gesellschaft werden lässt.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Einleitung exponiert die Forschungsfrage nach dem Zusammenhang zwischen Hannah Arendts „Handeln“ und dem Phänomen der politischen Zeugenschaft und skizziert das methodische Vorgehen.

2. Zeugenschaft: Dieses Kapitel erarbeitet soziologische Grundlagen der Zeugenschaft, kategorisiert verschiedene Typen und operationalisiert den Begriff des politischen Zeugnisses.

2.1 Theorien der Zeugenschaft: Der Abschnitt beleuchtet Zeugenschaft als wissenspraktische Tätigkeit sowie die ethisch-politischen Dimensionen, geprägt durch die Aufarbeitung der Shoah.

2.2 Das politische Zeugnis: Hier wird der politische Zeuge als Akteur ethischen und politischen Engagements eingeführt, der Subjektivität als konstitutives Element für gesellschaftliche Wirkung nutzt.

2.2.1 Das politische Zeugnis in Kategorien: In diesem Teil wird die politische Zeugenschaft zur Schaffung von Vergleichbarkeit in ein Kategoriensystem (Öffentlichkeit, Macht, Handeln, Diskurs, Subjektivität) überführt.

2.3 Die Unvereinbarkeit von Politik und Zeugenschaft: Dieser Abschnitt thematisiert Hannah Arendts theoretische Abgrenzung, in der sie Zeugenschaft als Wahrheitsspeichern tendenziell als unvereinbar mit der kontingenten Sphäre der Politik betrachtet.

3. Hannah Arendt: Das Kapitel bietet eine biografische Einordnung der Philosophin und ihrer zentralen Denkmotive vor dem Hintergrund ihrer Fluchterfahrung und Systemkritik.

3.1 Das politische Handeln: Hier werden Arendts Grundtätigkeiten – Arbeiten, Herstellen und Handeln – definiert, wobei Handeln als Voraussetzung für Politik und Freiheit hervorgehoben wird.

3.1.1 Das politische Handeln in Kategorien: Das Kapitel überträgt Arendts Handlungsbegriff auf das vorab entwickelte Kategoriensystem, wobei „Diskurs“ durch „Freiheit“ als zentrale Kategorie ersetzt wird.

4. Gegenüberstellung: Die Arbeit vergleicht die Begriffe „politische Zeugenschaft“ und „politisches Handeln“ anhand der festgelegten Kategorien, um Gemeinsamkeiten und Differenzen herauszuarbeiten.

5. Fazit: Das Fazit resümiert die Analyseergebnisse und kommt zum Schluss, dass politische Zeugenschaft zwar Ähnlichkeiten zu Arendts Handeln aufweist, aber nicht vollkommen mit ihm gleichzusetzen ist.

Schlüsselwörter

Politische Zeugenschaft, Hannah Arendt, Handeln, politische Partizipation, kollektives Gedächtnis, Subjektivität, Öffentlichkeit, Macht, Diskurs, Tatsachenwahrheit, Pluralität, Widerstand, Shoah, Transitional Justice, Gesellschaftliche Normen.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht das theoretische Verhältnis zwischen der politischen Zeugenschaft und dem Handlungsbegriff der Philosophin Hannah Arendt, um zu bestimmen, ob politische Zeugenschaft als eine Form politischen Handelns klassifiziert werden kann.

Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?

Die Untersuchung bewegt sich an der Schnittstelle von politischer Theorie und Soziologie, wobei Themen wie die ethisch-politische Bedeutung von Zeugenaussagen, die Rolle von Macht und Öffentlichkeit sowie die Auseinandersetzung mit historischer Wahrheit im Fokus stehen.

Was ist das primäre Ziel der Forschungsfrage?

Das Ziel ist die theoretische Operation und Vergleichbarkeit: Es soll geklärt werden, ob politische Zeugen – wie die Auschwitz-Überlebende Esther Bejarano – nach Arendts Kriterien als politisch Handelnde gelten können, oder ob Arendts eigene Konzepte dies ausschließen.

Welche methodische Vorgehensweise wird verwendet?

Die Autorin nutzt eine theoretische Operationalisierung: Beide Begriffe werden in ein identisches Kategoriensystem destilliert, um sie anschließend analytisch vergleichen zu können.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Fundierung der Zeugenschaft, eine detaillierte Arendt-Exegese sowie einen systematischen Vergleich der beiden Konzepte unter Berücksichtigung von Kategorien wie Macht, Öffentlichkeit und Subjektivität.

Welche Schlagworte charakterisieren diese Arbeit am besten?

Die Arbeit ist geprägt durch Begriffe wie Politische Zeugenschaft, Handeln nach Arendt, Pluralität, Machtverhältnisse und Subjekttransformation vom Opfer zum Akteur.

Wie unterscheidet sich laut Arbeit die Macht bei Arendt von der weberianischen Definition?

Während die Arbeit bei der politischen Zeugenschaft klassische Machtstrukturen (Über- und Unterordnung nach Max Weber) erkennt, interpretiert Arendt Macht als ein kollektives Phänomen, das rein zwischenmenschlich durch gemeinsames Handeln entsteht.

Welchen Stellenwert nimmt die Subjektivität in der Arbeit ein?

Die Subjektivität ist für die politische Zeugenschaft zentral, da sie beim politischen Zeugen eine Transformation vom reinen „Opfer“ zum „politischen Akteur“ ermöglicht, während sie bei Arendts Handlungsbegriff stärker in den Kontext der Gemeinschaft eingebettet ist.

Fin de l'extrait de 25 pages  - haut de page

Résumé des informations

Titre
Handeln durch politische Zeugenschaft. Was verbindet Hannah Arendt und Esther Bejarano?
Université
http://www.uni-jena.de/
Note
1,0
Auteur
Anonym (Auteur)
Année de publication
2021
Pages
25
N° de catalogue
V1355349
ISBN (PDF)
9783346868626
ISBN (Livre)
9783346868633
Langue
allemand
mots-clé
Bejarano Arendt Zeugenschaft Handeln
Sécurité des produits
GRIN Publishing GmbH
Citation du texte
Anonym (Auteur), 2021, Handeln durch politische Zeugenschaft. Was verbindet Hannah Arendt und Esther Bejarano?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1355349
Lire l'ebook
  • Si vous voyez ce message, l'image n'a pas pu être chargée et affichée.
  • Si vous voyez ce message, l'image n'a pas pu être chargée et affichée.
  • Si vous voyez ce message, l'image n'a pas pu être chargée et affichée.
  • Si vous voyez ce message, l'image n'a pas pu être chargée et affichée.
  • Si vous voyez ce message, l'image n'a pas pu être chargée et affichée.
  • Si vous voyez ce message, l'image n'a pas pu être chargée et affichée.
  • Si vous voyez ce message, l'image n'a pas pu être chargée et affichée.
  • Si vous voyez ce message, l'image n'a pas pu être chargée et affichée.
  • Si vous voyez ce message, l'image n'a pas pu être chargée et affichée.
Extrait de  25  pages
Grin logo
  • Grin.com
  • Expédition
  • Contact
  • Prot. des données
  • CGV
  • Imprint