Woraus ergibt sich diese Konstruktion von der dominierenden Männlichkeit? Dieser Frage geht sowohl Pierre Bourdieu in seinem Werk "Die männliche Herrschaft" als auch Raewyn Connell in ihrem Werk "Hegemoniale Männlichkeit" nach. Das Ziel dieser Arbeit besteht darin, die Konzepte der Soziolog:innen mit dem Fokus der Konstruktion von Männlichkeit genauer zu untersuchen und im Anschluss die Gemeinsamkeiten und Unterschiede herauszuarbeiten. Eine Verbindung der theoretischen Sichtweisen erscheint dadurch plausibel, da beide Konzepte auf der Annahme der sozialen Konstruktion des Geschlechts durch gesellschaftliche Praxis beruhen.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Bourdieu – „Die männliche Herrschaft“
2.1 Vorstellung des Konzepts
2.2 Männlichkeit bei Bourdieu
3 Connell – Hegemoniale Männlichkeit
3.1 Vorstellung des Konzepts
3.2 Männlichkeit bei Connell
4 Vergleich beider Konzepte
4.1 Gemeinsamkeiten
4.2 Unterschiede
5 Fazit
Zielsetzung & Themen
Ziel dieser Arbeit ist es, die soziologischen Konzepte von Pierre Bourdieu und Raewyn Connell hinsichtlich der sozialen Konstruktion von Männlichkeit vergleichend zu untersuchen, um Gemeinsamkeiten und Unterschiede in ihren theoretischen Annahmen und Analysen herauszuarbeiten.
- Soziale Konstruktion von Geschlecht als Grundlage für Männlichkeit
- Analyse des Konzepts "Die männliche Herrschaft" nach Bourdieu
- Untersuchung des Konzepts der "Hegemonialen Männlichkeit" nach Connell
- Rolle der institutionellen Ehe und symbolischer Gewalt
- Homosoziale und heterosoziale Beziehungsgefüge
Auszug aus dem Buch
Männlichkeit bei Bourdieu
Grundlage der Konzeption von Männlichkeit bei Bourdieu ist seine Position zum Geschlecht als soziale Konstruktion. Die Einteilung der Geschlechter in männlich/ weiblich bezeichnet Bourdieu als „gesellschaftliche[s] Artefakt“ (Bourdieu 2021, 45). Die binäre Geschlechtsstruktur resultiert aus Kategorisierungsprozessen, welche „in vergeschlechtlichten hierarchischen Gegensatzpaaren [bestehen]“ (Schmincke 2021, 80) und anatomische Unterschiede des Körpers überhaupt erst konstruieren (vgl. Bourdieu 2021, 23). Somit erscheint die Einteilung in Geschlechter als objektive Tatsache, woraus sich die „[…] sozialen Hierarchien und die geschlechtliche Arbeitsteilung [legitimieren]“ (Schmincke 2021, 80). Männlichkeit steht der Weiblichkeit somit unhinterfragt als etwas Überlegenes gegenüber. Für Bourdieu können der männliche als auch der weibliche Körper nur in Relation zueinander existieren, indem sich der männliche Körper vom weiblichen unterscheidet und umgekehrt (vgl. Bourdieu 2021, 46).
Die Abgrenzung der Männlichkeit zur Weiblichkeit erfolgt bei den Kabylen schon im Kindesalter durch »Ablösungs-Riten« (Bourdieu 2021, S. 48), durch welche ein Ablöseprozess des Jungen von der Mutter herbeigeführt werden soll (vgl. ebd., 49) und welche „das Überschreiten der »Schwelle« zur Männerwelt markieren […]“ (ebd., 50). Durch begleitete Rituale, wie der erste Haarschnitt oder der erste Besuch auf dem Markt, soll dem Jungen dazu verholfen werden, seine männliche Identität auszubilden (vgl. ebd., 50 f.). Sein Konzept zum klassenspezifischen Habitus erweiterte er in seinem Konzept zur männlichen Herrschaft zum geschlechtlichen Habitus (vgl. Scholz 2014, 204). „Die soziale Existenz ist an einen spezifischen Habitus gebunden, der bestimmte Praxen generiert und andere verhindert“ (Meuser 2006, 117). Ein dem männlichen Habitus entsprechendes Verhalten ist „das [G]egenübertreten, ins Gesicht sehen, und […] [eine] aufrechte Haltung (vgl. Bourdieu 2021, 52) sowie das Beanspruchen von mehr Platz in der Öffentlichkeit“ (vgl. ebd., 54).
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung legt den Fokus auf die patriarchale Dominanz und die Fragestellung, wie Männlichkeit als Konstrukt soziologisch zu untersuchen ist.
2 Bourdieu – „Die männliche Herrschaft“: Dieses Kapitel erläutert Bourdieus Begriffe der symbolischen Gewalt sowie des geschlechtlichen Habitus, die Männlichkeit als soziale Praxis definieren.
3 Connell – Hegemoniale Männlichkeit: Hier wird Connells Konzept vorgestellt, das Männlichkeit als historisch wandelbares Orientierungsmuster und Machtbeziehung begreift.
4 Vergleich beider Konzepte: Dieser Abschnitt kontrastiert die Ansätze, wobei er zentrale Schnittpunkte in der sozialen Konstruktion des Geschlechts und Divergenzen in der Typologisierung von Männlichkeitsformen aufzeigt.
5 Fazit: Das Fazit fasst die theoretischen Gemeinsamkeiten zusammen und unterstreicht die Relevanz der Ansätze für das Verständnis patriarchaler Strukturen.
Schlüsselwörter
Männlichkeit, Pierre Bourdieu, Raewyn Connell, Hegemoniale Männlichkeit, Symbolische Gewalt, Soziale Konstruktion, Habitus, Geschlechterverhältnis, Patriarchat, Paradox der Doxa, Identitätsbildung, Homosozialität, Sozialisation, Machtverhältnisse
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit analysiert und vergleicht die Konzepte der Männlichkeitskonstruktion von Pierre Bourdieu und Raewyn Connell.
Welche zentralen Themenfelder stehen im Mittelpunkt der Untersuchung?
Die zentralen Themen sind das Patriarchat, die soziale Konstruktion von Geschlecht sowie die Mechanismen, durch die männliche Dominanz verfestigt wird.
Was ist das primäre Ziel oder die leitende Forschungsfrage?
Ziel ist es, die Konzepte beider Theoretiker bezüglich der Konstruktion von Männlichkeit zu untersuchen und deren Gemeinsamkeiten sowie Unterschiede in der Analyse gesellschaftlicher Praxis herauszukristallisieren.
Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?
Es handelt sich um eine vergleichende Literaturanalyse soziologischer Schlüsselwerke von Bourdieu und Connell.
Was bildet den inhaltlichen Kern des Hauptteils?
Der Hauptteil gliedert sich in die Vorstellung der beiden Einzelkonzepte und deren anschließende synoptische Gegenüberstellung.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?
Zu den prägenden Begriffen zählen neben der "hegemonialen Männlichkeit" und der "männlichen Herrschaft" vor allem der "Habitus" und das "Paradox der Doxa".
Wie unterscheidet sich Bourdieus Fokus von dem Connells bei der Betrachtung von Männern?
Während Bourdieu primär den männlichen Habitus und das konkurrierende Auftreten in öffentlichen Räumen hervorhebt, differenziert Connell stärker zwischen verschiedenen Ausprägungen von Männlichkeit, wie etwa der komplizenhaften oder marginalisierten Männlichkeit.
Welche Rolle spielt die Institution der Ehe in beiden Konzepten?
Beide Autoren sehen in der Ehe eine Institution, die strukturell zur Festigung der männlichen Dominanz und zur Erweiterung des symbolischen Kapitals des Mannes beiträgt.
- Citar trabajo
- Anonym (Autor), 2023, Männlichkeit und Patriarchat bei Pierre Bourdieu und Raewyn Connell. Ein Vergleich, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1355515