Diese Arbeit beschäftigt sich mit der Frage, welche Rolle Kneipen beim Aufstieg der NSDAP spielten. Dabei beziehen sich die Ergebnisse überwiegend auf die späte Weimarer Republik, also die vierte Phase (1929-1933).
Um die Rolle der Kneipe grundsätzlich besser verstehen zu können, wird zunächst auf die Kneipe als sozialen Raum eingegangen und anschließend die Rolle der Kneipe in der Arbeiterbewegung allgemein diskutiert.
Diese Arbeit bezieht sich hauptsächlich auf die städtischen Sturmlokale der SA, deren schnelles Wachstum und die Funktion, welche die Lokale einnahmen. Die schnelle Ausbreitung der Sturmlokale wird in Zusammenhang mit der übergreifenden Strategie der NSDAP und deren „Legalitätskurs“ gesetzt.
Es wird außerdem betrachtet, welche soziale Rolle die Kneipen für Mitglieder der SA spielten. Des Weiteren wird ein kurzer Blick auf die kommunistischen Kneipen geworfen und eine Perspektive der SPD auf die Sturmlokale dargestellt.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Hauptteil
2.1 Die Kneipe
2.1.1 Die Rolle der Kneipe für den Arbeiter
2.1.2 Die Bedeutung der Kneipe für die Arbeiterbewegung
2.2 Sturmlokale in der Weimarer Republik
2.2.1 Wahlkampf und Propagandastrategie der NSDAP
2.2.2 Motive der Wirte
2.2.3 Funktionen der Sturmlokale
2.2.4 Mitglieder der SA als Gäste der Sturmlokale
2.2.5 Die Kneipe als Stabilitätsfaktor und Kampfsymbol der SA
2.2.6 Die Sicht der Sozialdemokraten auf die Sturmlokale – Ein Beispiel
3 Schluss
3.1 Fazit
3.2 Ausblick
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht die Bedeutung von Kneipen als zentralen Stützpunkten beim Aufstieg der NSDAP während der späten Weimarer Republik. Das Hauptziel der Analyse besteht darin, die Funktion dieser sogenannten „Sturmlokale“ innerhalb der parteiinternen Strategie sowie ihre Wirkung auf das soziale Umfeld und die Wahrnehmung durch politische Kontrahenten, insbesondere die Sozialdemokraten, kritisch zu beleuchten.
- Die Kneipe als sozialer Raum und ihre Bedeutung für die Arbeiterbewegung.
- Die Rolle der SA-Sturmlokale bei der Eroberung des öffentlichen Raums.
- Motive der Wirte bei der Umwandlung von Lokalen in Sturmpunkte der SA.
- Soziale Funktionen und Identitätsstiftung für die Mitglieder der SA.
- Die Wahrnehmung und Reaktion der SPD auf die zunehmende Präsenz nationalsozialistischer Lokale.
Auszug aus dem Buch
2.2.1 Wahlkampf und Propagandastrategie der NSDAP
Nach dem missglückten Hitlerputsch 1923 änderte die NSDAP ihre Strategie. Von einer Umsturz-Strategie hin zur Nutzung parlamentarischer Mittel. Dieser Strategiewechsel wird auch als „Legalitätskurs“ bezeichnet. Ziel des Legalitätskurses war nun nicht mehr der Umsturz durch einen Putsch, sondern ein langsames Untergraben der Demokratie. Es ist anzumerken, dass die NSDAP bis 1930 keine besonders erfolgreichen Wahlergebnisse hatte, jedoch stiegen die Ergebnisse von 2,6% im Jahr 1928 auf 18,3% im Jahr 1930. Daraus könnte ein Zusammenhang mit der Weltwirtschaftskrise 1929 geschlossen werden.
Neben der Weltwirtschaftskrise spielten ebenso Faktoren wie die politische Stimmungslage eine Rolle. Der Historiker Siemens beschreibt die Wahlkämpfe in der späten Weimarer Republik (1928-1932) als sehr emotionalisiert. Das Parlament, so schreibt er, und die parlamentarische Arbeit erschiene den Menschen „langweilig“ und „fern“ von ihren Lebensrealitäten, die Straße hingegen wäre ihnen wichtiger als das Parlament. Im Wahlkampf stellten die Nationalsozialisten die Politik der Straße als „aktives Handeln“ gegenüber „passiven Wählen“ dar. Der Wahlkampf war daher weniger mit ein Kampf programmatischer Aussagen, als einer geschürter Emotionen. Ziel der Strategie war es, durch Gewalt Gegengewalt zu provozieren und damit die eigene Gewalt wiederum mit dem Argument der Selbstverteidigung zu legitimieren. Die SA inszenierte den Kampf um die Straße mit Aufmärschen durch ihre Mitglieder als Massendemos. Dabei nahmen sie explizit „rote“ Viertel in den Fokus. Die Gewalt beförderte Angst vor einem bevorstehenden Bürgerkrieg, diese Angst führte dazu, dass Menschen radikalere Parteien wählten, was den Nationalsozialisten zu Erfolgen verhalf.
Zusammenfassend war die Strategie des Legalitätskurses also, dass Gewalt geschürt und Angst verbreitet werden musste, um Stimmen verängstigter Bürger zu erhalten, die nach Ordnung im Land strebten. In dieser Strategie spielte die SA eine entscheidende Rolle, da diese in der Propagandastrategie der NSDAP maßgeblich für das Erobern der Straße verantwortlich war.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung stellt die Forschungsfrage nach der Rolle von Kneipen beim Aufstieg der NSDAP vor und definiert den methodischen Rahmen sowie die Begrifflichkeiten.
2 Hauptteil: Der Hauptteil analysiert die historische Funktion der Kneipe als sozialer Raum für Arbeiter und beschreibt, wie die SA diese als strategische Stützpunkte für ihre politische Agenda instrumentalisierte.
2.1 Die Kneipe: Dieses Kapitel erläutert die traditionelle soziale Bedeutung der Kneipe als Treffpunkt der Arbeiterschaft und ihre Verankerung in der Geschichte der deutschen Arbeiterbewegung.
2.1.1 Die Rolle der Kneipe für den Arbeiter: Es wird dargestellt, inwiefern Kneipen trotz sozialer Segregation als Orte der Inklusion oder soziale Räume funktionierten.
2.1.2 Die Bedeutung der Kneipe für die Arbeiterbewegung: Das Kapitel untersucht die Nutzung von Gaststätten als Orte für politische Agitation und Versammlungen der Arbeiterbewegung.
2.2 Sturmlokale in der Weimarer Republik: Hier wird der Fokus gezielt auf die „Sturmlokale“ der SA und deren Einbettung in die nationalsozialistische Strategie gelegt.
2.2.1 Wahlkampf und Propagandastrategie der NSDAP: Es wird analysiert, wie die NSDAP durch den „Legalitätskurs“ und die Bespielung der Straße das politische Klima beeinflusste.
2.2.2 Motive der Wirte: Dieses Kapitel beleuchtet, welche ökonomischen und politischen Hintergründe Wirte dazu bewegten, ihre Lokale der SA zur Verfügung zu stellen.
2.2.3 Funktionen der Sturmlokale: Es werden die vielfältigen Rollen der Lokale beschrieben, von Versammlungsorten bis hin zu Stützpunkten für militante Aktionen.
2.2.4 Mitglieder der SA als Gäste der Sturmlokale: Das Kapitel widmet sich der sozialen Motivation der SA-Mitglieder, die in den Kneipen Gemeinschaft und eine Art Ersatz-Zuhause fanden.
2.2.5 Die Kneipe als Stabilitätsfaktor und Kampfsymbol der SA: Es wird dargelegt, wie die Präsenz der Sturmlokale zur Eroberung des Raumes beitrug und als Symbol innerer Stärke diente.
2.2.6 Die Sicht der Sozialdemokraten auf die Sturmlokale – Ein Beispiel: Anhand von Berichten des „Vorwärts“ wird die Wahrnehmung der Sturmlokale durch die SPD und deren teilweise Fehleinschätzung der Gefahr aufgezeigt.
3 Schluss: Der Schlussteil fasst die zentralen Ergebnisse der Untersuchung zusammen und reflektiert deren historische Bedeutung.
3.1 Fazit: Das Fazit resümiert, dass Sturmlokale für die SA zentrale Netzwerkknoten waren, die über die bloße Agitation hinaus die interne Kohäsion stärkten.
3.2 Ausblick: Der Ausblick identifiziert Forschungslücken und zieht Parallelen zur heutigen Bedeutung von digitalen Räumen als Orte der politischen Radikalisierung.
Schlüsselwörter
NSDAP, Weimarer Republik, Sturmlokale, SA, Arbeiterbewegung, Legalitätskurs, Straßenterror, Propaganda, Soziale Segregation, Politische Agitation, Radikalisierung, Gastgewerbe, Weltwirtschaftskrise, Sozialdemokratie, Öffentlicher Raum
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht die strategische Funktion und soziale Bedeutung von sogenannten „Sturmlokalen“ für den Aufstieg der NSDAP in der späten Weimarer Republik.
Welche zentralen Themenfelder stehen im Mittelpunkt der Untersuchung?
Zentrale Themen sind die Rolle der Kneipe als sozialer Begegnungsort, die Propagandastrategie der NSDAP im öffentlichen Raum und die sozioökonomischen Motive, die zur Etablierung von SA-Stützpunkten führten.
Welches primäre Forschungsziel verfolgt die Autorin?
Das Ziel ist es, nachzuweisen, wie die Nationalsozialisten Kneipen gezielt nutzten, um Macht im städtischen Raum zu demonstrieren, Mitglieder zu binden und politische Gegner einzuschüchtern.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zur Anwendung?
Es handelt sich um eine historische Analyse, die auf Literaturrecherche, der Auswertung historischer Quellen sowie der Untersuchung zeitgenössischer Presseberichte (insbesondere der SPD-Zeitung „Vorwärts“) basiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit inhaltlich behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung allgemeiner Kneipenkultur in der Arbeiterbewegung sowie eine spezifische Analyse der SA-Sturmlokale bezüglich ihrer Wahlkampfstrategien, Wirte-Motive und internen Funktionen.
Welche Schlagworte charakterisieren die Arbeit am besten?
Neben NSDAP und SA sind Begriffe wie Sturmlokale, Legalitätskurs, Arbeiterbewegung und politische Agitation essentiell für das Verständnis der Arbeit.
Welche Bedeutung hatten die Wirte für den Erfolg der SA-Kneipen?
Die Motive der Wirte waren vielfältig: Sie reichten von finanzieller Not und Druck durch die SA bis hin zu politischer Sympathie, was die Etablierung dieser Orte als Stützpunkte erst ermöglichte.
Wie reagierten die Sozialdemokraten auf die Etablierung dieser Sturmlokale?
Die Arbeit zeigt auf, dass die SPD die Gefahr der stetig wachsenden Anzahl an SA-Lokalen oft unterschätzte und die Vorfälle eher als jugendlichen Blödsinn abtat, statt die strategische Bedrohung zu erkennen.
Welche Funktion hatten die Lokale für das SA-Mitglied im Alltag?
Sie dienten als soziale Stützpunkte, boten Verpflegung, Gemeinschaft und ein Gefühl von Zugehörigkeit („Ersatz-Zuhause“), was die Bindung an die Organisation festigte.
- Arbeit zitieren
- Eileen Brown (Autor:in), 2020, Die Rolle der Kneipen beim Aufstieg der NSDAP, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1355928