Innerhalb eines privatwirtschaftlich geprägten Gesundheitssystems wird die Gesundheitsversorgung und somit das Produkt ‚Gesundheit‘ zu einer Dienstleistung, die gegen Entgelt in Anspruch genommen werden kann. In Zeiten von reformbedürftigen Sozialversicherungssystemen und einer stetigen Verknappung öffentlicher Gelder steigen auch die Kosten für die Gesundheitsversorgung explosionsartig an. Besonders innerhalb des US-amerikanischen Gesundheitswesens wird seit Jahren für ein ganzheitliches Kostendämpfungsprogramm hinsichtlich der Gesundheitsversorgung plädiert. Allerdings wurde erst seit den 1980er Jahren mit dem Programm des Managed Care eine geeignete Möglichkeit gefunden, die steigenden finanziellen Belastungen zu kontrollieren. Trotz alledem hat gegenwärtig ein nicht unbeachtlicher Teil der US-amerikanischen Bevölkerung keinen Zugang zu einer medizinischen Grundversorgung im eigenen Land und gilt als „unversichert“ . Das US-amerikanische Gesundheitswesen wird von mehreren Quellen als teuer und lückenhaft bezeichnet. Eine Reformbedürftigkeit ist nicht von der Hand zu weisen, und die Unzufriedenheit eines Großteils der Bevölkerung ist allbekannt.
Ein Land das weltweit die höchsten pro Kopf Ausgaben anteilig am Bruttoinlandsprodukt für das Gesundheitswesen vorweist, jedoch der eigenen Bevölkerung keine ausreichende Gesundheitsfürsorge bieten kann, sollte kritisch beobachtet werden. Diese vorliegenden Gegebenheiten fördern das Aufkommen des Medizintourismus genauso wie der Wertewandel der Gesellschaft, das zunehmende Gesundheitsbewusstsein, die demographische Entwicklung und die gesteigerte Mobilität der Bevölkerung dazu beitragen. Anhand des US-amerikanischen Marktes sollen die Besonderheiten der medizintouristischen Bewegung von US-amerikanischen Patienten innerhalb des Grenzraumes genauer betrachtet werden.
Am Beispiel von zahnmedizinischen Behandlungen lassen sich die Grenzen des Systems sowie die Konsequenzen für die Bevölkerung und die Wirtschaft aufzeigen: Eine transnationale medizintouristische Bewegung lässt sich seit einigen Jahren ausweisen. Durch die einmalige Stellung der USA hinsichtlich ihrer gegenwärtigen Gesundheitsorganisation und dem Aufbau des Systems sowie der unmittelbaren Nähe zum südlichen Nachbarn Mexiko, werden Rahmenbedingungen geschaffen, die es US-Patienten ermöglichen einen medizinischen Grenztourismus zu betreiben, der wirtschaftlich nicht unbedeutend ist.
Inhaltsverzeichnis
1 Einführung in die Thematik
1.1 Problemstellung und Zielsetzung der Arbeit
1.2 Aufbau der Arbeit
1.3 Vorgehensweise und Methodik
2 Die Geschichte und Entwicklung des Medizintourismus
2.1 Die Vorläufer - Geomedizin und Medizinische Geographie
2.2 Die Entwicklung des Gesundheitstourismus
2.3 Die neuen Formen - Wellnesstourismus und Medizintourismus
3 Gesundheitssysteme im Überblick
3.1 Typen von Gesundheitssystemen
3.2 Das US-amerikanische Gesundheitssystem
3.2.1 Aufbau und Entwicklung des US-amerikanischen Krankenversicherungswesens
3.2.2 Reformbedürftigkeit und kritische Betrachtung des amerikanischen Gesundheitswesens
3.2.2.1 Kritikpunkt: Gesundheitsausgaben
3.2.2.2 Kritikpunkt: Die Anzahl der nicht-versicherten Bevölkerung
3.2.2.3 Kritikpunkt: Unterschiedliche Regionale und demographische Verteilung des Krankenversicherungsschutzes
4 Rahmenbedingungen des Medizintourismus
4.1 Die Formen von Medizintourismus
4.2 Trendbeeinflussende Faktoren - Pro Medizintourismus
4.2.1 Kostenunterschiede
4.2.2 Service/Qualität
4.2.3 Globalisierung
4.2.4 Demographischer Wandel
4.2.5 Wertewandel in der Gesellschaft - Der sechste Kondratieff
4.3 Barrieren des Medizintourismus
4.3.1 Fehlende Standardisierung
4.3.2 Uneinheitliche Versicherungsgrundlagen
4.3.3 Ungeklärte Nachversorgung
4.3.4 Fehlende lokale wirtschaftliche und soziale Auswirkungen
5 Medizintouristische Destinationen
5.1 Asien
5.2 Afrika
5.3 Europa
5.4 Amerika
6 Medizintourismus in den USA
6.1 Strukturen und Formen des US-amerikanischen Medizintourismus
6.1.1 Abgehender Medizintourismus (Outbound Medical Tourism)
6.1.2 Eingehender Medizintourismus (Inbound Medical Tourism)
6.1.3 Binnentouristischer Medizintourismus (Intrabound Medical Tourism)
6.2 Der typische amerikanische Medizintourist
6.3 Die beliebtesten Destinationen der US-Amerikaner
7 Der Grenzbereich Mexiko-USA
7.1 Der US-mexikanische Grenzraum - Eingrenzung und Definition
7.1.1 Die Geographie der Grenze
7.1.2 Tourismus und die Grenze
7.1.3 Bevölkerungswachstum und demographische Verteilung in der Grenzregion
7.1.4 Wirtschaftliche Grundlagen
7.2 Die Stadtgeschichte der Grenzstädte
8 Touristisches Potential Mexikos
8.1 Touristische Rahmenbedingungen bzw. touristisches Angebot Mexikos
8.2 Betrachtung der ökonomischen Bedeutung des Tourismus nach Mexiko
8.3 Jüngere Entwicklungen - Fokus: Der Medizintourismusmarkt
8.3.1 Das Medizinische Produkt
8.3.2 Nachfragegruppen und Tourismusformen des mexikanischen Medizintourismus
8.3.3 Dentaltourismus
8.3.4 Erwerb von Pharmazeutischen Produkten
8.3.5 Augenbehandlungen
9 Auswertung und Interpretation der Ergebnisse der empirischen Untersuchung
9.1 Die methodische Vorgehensweise
9.2 Ergebnisbewertung der Zielgruppenuntersuchung der US-amerikanischen Patienten
9.3 Ergebnisbewertung der Zielgruppenuntersuchung der mexikanischen Zahnärzte
10 Schlussfolgerungen und Handlungsbedarf
11 Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Diplomarbeit untersucht die Angebots- und Nachfragestrukturen des Medizintourismus im US-mexikanischen Grenzraum, wobei der Fokus insbesondere auf dem Dentaltourismus liegt. Ziel ist es, die Beweggründe für grenzüberschreitende medizinische Reisen aufzuzeigen und das touristische Potential sowie die damit verbundenen Herausforderungen für die Grenzregion zu analysieren.
- Analyse des US-amerikanischen Gesundheitssystems und dessen Defizite als Push-Faktor.
- Untersuchung der Rahmenbedingungen für Medizintourismus in Grenzregionen.
- Empirische Fallstudie zum Dentaltourismus an der US-mexikanischen Grenze.
- Erfassung der Motivationen US-amerikanischer Patienten und der Perspektiven mexikanischer Zahnärzte.
- Ableitung von Handlungsalternativen für die dentaltouristische Anbieterstruktur.
Auszug aus dem Buch
Die neuen Formen - Wellnesstourismus und Medizintourismus
Das Segment Wellnesstourismus resultiert aus der Veränderung des Körper-, Gesundheits- und Fitnessmarktes der 1990er Jahre. Der deutsche Kurmarkt sah sich damals durch Einschränkungen im staatlich finanzierten Kurbereich und durch die darauf folgende Kurkrise gezwungen sich weg von der klassischen Kur neu zu profilieren (vgl. KÖRBER 2001, S. 1). Eine genaue Definition des Begriffes Wellness scheint problematisch, da kaum zwei Autoren den Begriff gleich definieren.
Es kann gesagt werden, dass eine umfassende Gesundheit sowohl eine physische, als auch eine mentale Komponente besitzt. Die mentale wird durch den Begriff Wellness angesprochen. Wellnesstourismus wird durch MÜLLER/LANZ KAUFMANN als Unterkategorie des Gesundheitstourismus wie folgt definiert:
„Wellness tourism is the sum of all the relationships and phenomena resulting from a journey and residence by people whose main motive is to preserve or promote their health. They stay in a specialized hotel which provides the appropriate professional know-how and individual care. They require a comprehensive service package comprising physical fitness/beauty care, healthy nutrition/ diet, relaxation/meditation and mental activity/education.” (MÜLLER/LANZ KAUFMANN 2001, S. 7).
Die folgende Abbildung zeigt eine Zusammenstellung verschiedener gesundheits- sowie wellnesstouristischer Teilgebiete der letzten Jahre, in welche sich auch der medizinische Gesundheitstourismus einordnen lässt. Es gibt zwei verschiedene Konzentrationen innerhalb des medizinischen Gesundheitstourismus: Ein gesundheitlich motivierter Tourismus mit eher therapeutischen oder chirurgischen Elementen. Im Hinblick auf die Schwerpunktsetzung der vorliegenden Arbeit, wird vor allem dem medizinisch-chirurgischen Gesundheitstourismus Beachtung geschenkt.
Zusammenfassung der Kapitel
Einführung in die Thematik: Dieses Kapitel erläutert die Problemstellung und Zielsetzung der Arbeit, die sich mit der zunehmenden medizintouristischen Bewegung über die US-mexikanische Grenze beschäftigt.
Die Geschichte und Entwicklung des Medizintourismus: Hier wird der historische Kontext des Gesundheitstourismus dargelegt und die Entwicklung bis hin zum Medizintourismus als neue Nische aufgezeigt.
Gesundheitssysteme im Überblick: Das Kapitel bietet eine systematische Darstellung des US-amerikanischen Gesundheitswesens und analysiert dessen Reformbedürftigkeit sowie die Unterschiede zu anderen Systemen.
Rahmenbedingungen des Medizintourismus: Es werden die fördernden und hemmenden Faktoren des Medizintourismus diskutiert, wie Kostenunterschiede, Globalisierung und demographischer Wandel.
Medizintouristische Destinationen: Ein Überblick über die global wichtigsten medizintouristischen Destinationen und deren touristische Ausrichtung wird gegeben.
Medizintourismus in den USA: Fokus auf die spezifischen Strukturen des Medizintourismus innerhalb der USA sowie eine Profilierung des typischen amerikanischen Medizintouristen.
Der Grenzbereich Mexiko-USA: Eine detaillierte geografische, demografische und wirtschaftliche Analyse der Grenzregion zur Einordnung des Fallbeispiels.
Touristisches Potential Mexikos: Untersuchung der Rahmenbedingungen und der ökonomischen Bedeutung des Tourismus für Mexiko sowie die spezifische Entwicklung des Marktes für medizinische Dienstleistungen.
Auswertung und Interpretation der Ergebnisse der empirischen Untersuchung: Dieses Kapitel wertet die durchgeführte Online-Befragung von US-Patienten und mexikanischen Zahnärzten aus und interpretiert die Ergebnisse.
Schlussfolgerungen und Handlungsbedarf: Zusammenführung der Ergebnisse, SWOT-Analyse der Situation und Ableitung von Handlungsempfehlungen für Zahnarztpraxen.
Fazit: Eine abschließende Synthese der wichtigsten Erkenntnisse und Antworten auf die eingangs formulierten Leitfragen der Arbeit.
Schlüsselwörter
Medizintourismus, Dentaltourismus, US-mexikanische Grenze, Gesundheitssystem, Managed Care, Gesundheitsökonomie, grenzüberschreitender Tourismus, Patientenmotivation, Gesundheitswesen, Zahnärztliche Versorgung, Mexiko, USA, Dienstleistungssektor, Demographischer Wandel, Marketingstrategien.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Diplomarbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht das Phänomen des Medizintourismus, insbesondere den Dentaltourismus, im US-mexikanischen Grenzraum, wobei der Schwerpunkt auf den Angebots- und Nachfragestrukturen liegt.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die zentralen Themen umfassen die Gesundheitssysteme der USA und Mexikos, die wirtschaftlichen Auswirkungen der Grenze, touristische Rahmenbedingungen sowie die empirische Analyse von Patientenbedürfnissen und Anbieterstrategien.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Ziel der Arbeit ist es, die Besonderheiten der medizintouristischen Bewegung der Patienten innerhalb des US-mexikanischen Grenzraums zu analysieren, Forschungsbedarf aufzuzeigen und Handlungsalternativen für Zahnarztpraxen in der Region abzuleiten.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Neben einer umfangreichen Literatur- und Sekundärquellenanalyse führte die Autorin eine quantitative Primärforschung in Form von standardisierten Online-Befragungen bei US-amerikanischen Patienten und mexikanischen Zahnärzten durch.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in theoretische Grundlagen zu Gesundheitssystemen und Medizintourismus, die geographische und wirtschaftliche Analyse des Grenzraums sowie eine empirische Untersuchung zum Dentaltourismus inklusive Auswertung der Ergebnisse.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit zeichnet sich durch Begriffe wie Medizintourismus, Dentaltourismus, US-mexikanische Grenze, Gesundheitsökonomie und Patientenmotivation aus.
Wie bewerten mexikanische Zahnärzte ihr Geschäft durch den Medizintourismus?
Die befragten Zahnärzte bewerten ihr Geschäft grundlegend positiv und sehen Wachstumspotential, berichten jedoch von Herausforderungen durch die instabile politische Lage, Grenzkontrollen und die mediale Berichterstattung.
Welche Rolle spielt die Qualität der Behandlung in der Wahrnehmung der Patienten?
Die Patienten schätzen die Preis-Leistungs-Verhältnisse sehr hoch ein und bewerten die Qualität der in Mexiko erfahrenen zahnärztlichen Behandlungen im Allgemeinen positiv, wobei sie dies mit dem US-Standard vergleichen.
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- Katja Schnee (Author), 2009, Medizintourismus im US-mexikanischen Grenzraum, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/135736