„Ich mache mir die Welt, wie sie mir gefällt!”
Dieses Zitat, ausgesprochen durch die Figur Pippi Langstrumpf, charakterisiert nicht nur die Grundeinstellung ihrer Schöpferin Astrid Lindgren, über die im Folgenden gesprochen werden soll, sondern verdeutlicht außerdem deren freiheitlichen Appell zum Leben, welchen sie stark den Charakteren ihrer Literaturfiguren verliehen hat.
Zu einer Zeit, in der Zucht und Ordnung als die zwei zu befolgenden Maximen gelten, setzt Lindgren durch ihre Figuren, Freiheit, Kindesrechte und das emanzipierte Kind als etwas Selbstverständliches voraus und stößt damit auf Widerspruch und Ablehnung. Sie erreicht jedoch mit ihren Figuren Aufsehen, Diskussionen und ein Überdenken der bis dahin geltenden gesellschaftlichen Regeln. Somit schafft Astrid Lindgren nicht nur eine Veränderung in der moralischen Grundhaltung der Gesellschaft selbst, sondern hinterlässt mit ihren Figuren Spuren in der gesamten Welt.
Exemplarisch aufgezeigt an den beiden Mädchenfiguren Pippi Langstrumpf und Ronja Räubertochter, wird sich diese Arbeit mit der Analyse ausgewählter Szenen beschäftigen. Dies geschieht in Hinblick auf den Akt der Emanzipation des Kindes, sowie auf die Analyse der fantastischen Figuren der Lindgrenschen Literatur, um die Besonderheit, Neuheit und Einzigartigkeit ihrer „Kinder” aufzuzeigen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Vorstellung von Autorin und der zu behandelnden Romanfiguren
2.1 Astrid Lindgren – vom einfachen Bauernmädchen zur Revolutionärin
2.2 Pippi Langstrumpf und Ronja Räubertochter
3. Analyse
3.1 Lindgrens Figuren unter zeitgeschichtlichen Aspekten
3.2 Ausgewählte Szenen zur Verdeutlichung des emanzipierten Kindes in der Lindgren-Literatur
3.3 Kinder damals, Kinder heute: Hat die Emanzipation des Kindes tatsächlich statt gefunden?
4. Schlusswort
5. Literaturverzeichnis
1. Primärliteratur:
2. Sekundärliteratur:
3. Internetquellen
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das Thema der Emanzipation des Kindes in den Werken von Astrid Lindgren. Anhand der Analyse ausgewählter Szenen aus den Romanen „Pippi Langstrumpf“ und „Ronja Räubertochter“ wird aufgezeigt, wie die Autorin durch ihre fantastischen Romanfiguren traditionelle Erziehungsnormen hinterfragt, kindliche Autonomie einfordert und den Mut zur Rebellion gegen starre gesellschaftliche Konventionen thematisiert.
- Die Biografie von Astrid Lindgren und ihr Einfluss auf ihr literarisches Schaffen.
- Die Analyse der Figuren Pippi Langstrumpf und Ronja Räubertochter als Symbole für Emanzipation.
- Die Darstellung und Bedeutung von Grenzen und deren Überschreitung in der Lindgren-Literatur.
- Zeitgeschichtliche Einordnung der Erziehungsansichten im 20. Jahrhundert im Kontrast zu Lindgrens Figurenwelten.
- Kritische Reflexion über die heutige Umsetzung von Kinderrechten und die Rolle der fantastischen Literatur.
Auszug aus dem Buch
3.1 Lindgrens Figuren unter zeitgeschichtlichen Aspekten
Die unterschiedlichen Haltungen und Positionen der Kindeserziehung, die in der gesamten Welt Anfang des 20. Jahrhunderts herrschten, aufzuzeigen, würde bei Weitem den Rahmen dieser Arbeit überschreiten und ist schier unmöglich zu erfassen. Auf Grund dessen wird an dieser Stelle nur ein äußerst grobes Bild der Mentalitätsstimmung in Europa wiedergegeben, um die Emanzipationsrevolte der Lindgrenschen´ Figuren zu verdeutlichen.
Die Anfang des 20. Jahrhunderts in Italien aufkommende Montessori-Pädagogik, entwickelt von der gleichnamigen Maria Montessori, zeigt ein zu diesem Zeitpunkt untypisches und neues Bild vom Kind. Dieses besitzt die Freiheit und Fähigkeit, sich selbst zu helfen. Der Erwachsene ist folglich nicht mehr als Erzieher, sondern als Begleiter des Kindes zu betrachten, der diesem einen Weg aufzeigt, sich selbst zu helfen. Montessori schlägt durch diesen pädagogischen Ansatz eine neue und untypische Richtung ein, die ihrer zeit weit voraus, noch nicht auf ganz Europa übertragbar ist. Das Machtverhältnis zwischen Kindern und Erwachsenen weist weitgehend eher eine starke Unausgeglichenheit auf und entspricht nicht der eben erwähnten italienischen Pädagogik, sondern rührt eher von einer konservativen Grundeinstellung.
Ein Kind wird als ein kleiner, noch nicht voll entwickelter, Mensch gehandelt, der die eigene Meinung erst noch bilden muss, um über Recht und Unrecht entscheiden zu können. Die Erwachsenen beherrschen die Welt und geben den Kindern die Vorschriften, wie sie ihr Leben und die Welt zu sehen und zu gestalten haben. Die Meinung eines Kindes gelten zu lassen liegt fern.
Kinderbücher sind zur Zeit der Jahrhundertwende vor allem für die Vermittlung moralisch-religiöser Einstellungen und der guten Sitten verantwortlich. Nur wenige Schriftsteller befassen sich mit dem Kind selbst und schreiben Bücher, die der kindlichen Seele entsprechen.
Zacharias Topelius, Gösta Knutssons, Tove Jannsson und eben Astrid Lindgren bilden eher eine kleine Auswahl von Schriftstellern, die sich den harmlosen Kindergeschichten gegenüberstellen und dadurch aus dem vorherrschenden Schema herausfallen und für Aufruhr sorgen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in das Wirken von Astrid Lindgren ein und skizziert die Fragestellung der Arbeit bezüglich der kindlichen Emanzipation anhand der Figuren Pippi Langstrumpf und Ronja Räubertochter.
2. Vorstellung von Autorin und der zu behandelnden Romanfiguren: Dieses Kapitel bietet biografische Einblicke in das Leben von Astrid Lindgren und stellt die zentralen Protagonistinnen Pippi Langstrumpf und Ronja Räubertochter vor.
2.1 Astrid Lindgren – vom einfachen Bauernmädchen zur Revolutionärin: Es wird der Lebensweg Lindgrens von ihrer Kindheit auf dem Bauernhof bis hin zu ihrem schriftstellerischen Erfolg und gesellschaftlichen Engagement beleuchtet.
2.2 Pippi Langstrumpf und Ronja Räubertochter: Die Charaktereigenschaften und die Rollen der beiden Mädchenfiguren als eigenständige, rebellische Kinder werden detailliert beschrieben.
3. Analyse: Der Hauptteil der Arbeit widmet sich der Untersuchung der Lindgrenschen Figuren hinsichtlich Emanzipation und zeitgeschichtlicher Aspekte.
3.1 Lindgrens Figuren unter zeitgeschichtlichen Aspekten: Hier wird das zeitgenössische Erziehungsverständnis des frühen 20. Jahrhunderts dem emanzipierten Bild der Lindgren-Figuren gegenübergestellt.
3.2 Ausgewählte Szenen zur Verdeutlichung des emanzipierten Kindes in der Lindgren-Literatur: Anhand konkreter Textbeispiele aus „Ur-Pippi“ und „Ronja Räubertochter“ wird die Rebellion der Kinder gegen Erwachsene analysiert.
3.3 Kinder damals, Kinder heute: Hat die Emanzipation des Kindes tatsächlich statt gefunden?: Das Kapitel reflektiert kritisch über den tatsächlichen Fortschritt der Kinderrechte und das heutige Verhältnis zwischen Erwachsenen und Kindern.
4. Schlusswort: Das Schlusswort resümiert die Erkenntnisse der Arbeit und betont die Bedeutung von Astrid Lindgrens Werk für das kindliche Selbstverständnis.
5. Literaturverzeichnis: Hier werden alle verwendeten Primär- und Sekundärquellen sowie Internetquellen aufgeführt.
Schlüsselwörter
Astrid Lindgren, Emanzipation, Pippi Langstrumpf, Ronja Räubertochter, Kinderrechte, Erziehung, Kindheit, Literaturanalyse, Gesellschaftskritik, Autorität, Rebellion, Kindeswohl, Fantastische Literatur, Zeitgeschichte, Pädagogik.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Rolle und der Emanzipation des Kindes in ausgewählten Werken von Astrid Lindgren, insbesondere anhand der Figuren Pippi Langstrumpf und Ronja Räubertochter.
Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?
Zentrale Themen sind der Kampf um Kinderrechte, die Hinterfragung von Erziehungsmethoden, die Bedeutung von Freiheit und Autonomie für Kinder sowie die Funktion fantastischer Literatur als Medium für gesellschaftliche Kritik.
Welches primäre Ziel verfolgt die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es aufzuzeigen, wie Lindgren durch ihre Figuren die Konventionen ihrer Zeit durchbrach, Kindern Mut zur eigenen Meinung zusprach und die Notwendigkeit einer gewaltfreien Erziehung unterstrich.
Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?
Die Arbeit nutzt eine literaturwissenschaftliche Analyse, bei der ausgewählte Szenen aus den Originaltexten interpretiert und in einen zeitgeschichtlichen Kontext zur Kindeserziehung gesetzt werden.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil analysiert die historischen Erziehungshaltungen des 20. Jahrhunderts, untersucht konkrete Schlüsselszenen der Rebellion in Lindgrens Werken und reflektiert über den aktuellen Stand der Emanzipation von Kindern in der heutigen Gesellschaft.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?
Schlüsselwörter sind u.a. Astrid Lindgren, Emanzipation, Kinderrechte, Rebellion, Erziehung, Pippi Langstrumpf und Ronja Räubertochter.
Wie unterscheidet sich Ronja Räubertochter von Pippi Langstrumpf in ihrer Art der Rebellion?
Während Pippi durch ihre äußere Unabhängigkeit und humorvolle Ignoranz gegenüber Regeln auffällt, kämpft Ronja stärker für ihre eigenen moralischen Werte und tritt aktiv gegen die verfeindeten Strukturen der Erwachsenenwelt ein.
Welche Rolle spielen die "Parallelwelten" in Lindgrens Geschichten?
Lindgren nutzt fantastische Welten, um Identifikationsmöglichkeiten für Kinder zu schaffen, die es ihnen ermöglichen, sich gedanklich gegen autoritäre Strukturen der Realität aufzulehnen und das Vertrauen in ihre eigene Kraft zu stärken.
Inwieweit kritisiert die Autorin der Arbeit das heutige Bildungssystem?
Sie kritisiert, dass trotz offizieller Lippenbekenntnisse zur Förderung von Kindern oft eine "Massenabfertigung" stattfindet, die die individuellen Bedürfnisse vernachlässigt und den Kindern das Gefühl gibt, gegenüber Erwachsenen machtlos zu sein.
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- Finja Christin Wrocklage (Author), 2008, Astrid Lindgrens fantastische Figuren im Hinblick auf die Erneuerung moralischer Grundhaltungen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/135755