In dieser Hauptseminarsarbeit wurde Xenophons Oikonomikos als Quelle in den Fokus der Betrachtung gestellt. Untersucht wurde die Arbeitsteilung zwischen Mann und Frau im antiken Griechenland und die spezifischen Rollen von Männern und Frauen. Es wurde teilweise auch mit Sekundärliteratur (Pomeroy, Schnurr-Redford u.a.)gearbeitet, allerdings handelt es sich hier vornehmlich um ein quellenzentriertes Werk.
Inhaltsverzeichnis
I. Einleitung
II.1. Einordnung Xenophons und seines Werks
II.2. Rollen, Räume und Aufgaben der Ehefrau
II.3. Aufgaben des Kyrios im antiken Oikos
II.4. Xenophons Oikonomikos im Spiegel des Faktors Gender
III. Schlussbetrachtung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das im antiken Werk Oikonomikos von Xenophon dargestellte Rollen- und Raummodell von Mann und Frau. Dabei steht die zentrale Forschungsfrage im Mittelpunkt, wie die geschlechtsspezifische Arbeitsteilung innerhalb des antiken Oikos konzeptionell verankert ist und inwieweit diese in den Kontext moderner Gender-Diskurse eingeordnet werden kann, ohne dabei heutige Maßstäbe unkritisch auf die Antike zu übertragen.
- Strukturanalyse des antiken Haushaltsmodells (Oikos)
- Untersuchung der spezifischen Tätigkeitsfelder von Ehefrau und Kyrios
- Interpretation der fiktionalen Lehrgespräche (Sokrates, Kritobulos, Ischomachos)
- Vergleich antiker Rollenmuster mit modernen gendertheoretischen Ansätzen
Auszug aus dem Buch
II.2. Rollen, Räume und Aufgaben der Ehefrau
Zu allererst sollte geklärt werden, was der Begriff Oikos im antiken Griechenland bedeutete, bevor man beginnt, über „Rollen und Räume von Männern und Frauen in Xenophons Oikonomikos“ zu schreiben, in dem schließlich die richtige Hauswirtschaft -im wahrsten Sinne des Wortes- besprochen wird.
Der griechische Oikos umfasste in der Regel nicht das Gebäude, dafür kannte man den Begriff Oikia, sondern es war der Allgemeinbegriff für den kompletten Haushalt, zu dem die Familie, alles bewegliche Gut sowie die Sklaven gehörten.19 Allerdings unterlag der Begriff Oikos nicht rechtlichen Kategorisierungen, was unter Umständen zu Schwierigkeiten bei Auseinandersetzungen und vor Gericht führen konnte.20
Es erscheint an dieser Stelle ebenso wichtig zu erwähnen, dass hier wahrscheinlich ein Idealbild vermittelt wird, welches in der Realität keine Anwendung fand. Es treten im Oikonomikos ausschließlich Figuren auf, die durchaus vermögend sind und die sich in geschlossenen Klassen bewegen. Daher lässt sich vermuten, dass die Verhältnisse im bäuerlichen Milieu von dem oben beschrieben variierten. Ehefrauen einfacher Bauern mit Landstellen konnten es sich höchstwahrscheinlich nicht erlauben, nur Tätigkeiten innerhalb des Hauses zu verrichten. Sie mussten, ebenso wie die Männer, Arbeiten auf dem Feld nachgehen oder landwirtschaftliche Erzeugnisse auf Märkten anbieten. Diese Ansicht teilt auch Pomeroy: Frauen unterer sozialer Schichten seien darauf angewiesen gewesen, einer Tätigkeit außerhalb des Hauses nachzugehen. Diese Frauen waren unter anderem als Wäscherinnen, Wollarbeiterinnen, in der Kleiderherstellung, aber auch als Händlerinnen eigener Produkte tätig.
Zusammenfassung der Kapitel
I. Einleitung: Die Einleitung definiert den Oikonomikos als Quellengrundlage und erläutert die methodische Herangehensweise an den antiken Text sowie die Berücksichtigung moderner Interpretationsansätze.
II.1. Einordnung Xenophons und seines Werks: Dieses Kapitel liefert biographische Informationen zu Xenophon, ordnet den Oikonomikos in das Gesamtwerk ein und analysiert den Charakter des sokratischen Dialogs.
II.2. Rollen, Räume und Aufgaben der Ehefrau: Der Fokus liegt auf der Analyse der häuslichen Verwalterrolle der Frau und der räumlichen Trennung innerhalb des antiken Haushalts.
II.3. Aufgaben des Kyrios im antiken Oikos: Hier wird das Rollenbild des Mannes als Gutsverwalter und Kyrios anhand der Figur des Ischomachos und dessen Interaktion mit Sokrates untersucht.
II.4. Xenophons Oikonomikos im Spiegel des Faktors Gender: Dieses Kapitel überträgt die Erkenntnisse in den Diskurs der Gender Studies und prüft die Behauptung einer männlichen Dominanz im Text.
III. Schlussbetrachtung: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und reflektiert die Problematik der Anwendung moderner Maßstäbe auf antike Geschlechterkonstellationen.
Schlüsselwörter
Xenophon, Oikonomikos, Oikos, Geschlechterrollen, Kyrios, Hauswirtschaft, Gender Studies, Antike, Ischomachos, Sokrates, Arbeitsteilung, Gynaikonitis, soziale Schichtung, Rollenverteilung, Griechenland
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der vorliegenden Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht das Rollen- und Aufgabenbild von Mann und Frau im antiken Griechenland, basierend auf der Analyse von Xenophons Werk Oikonomikos.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Im Zentrum stehen die Konzepte von Hauswirtschaft (Oikonomia), die Rollenverteilung im Oikos, die Bedeutung göttlicher Fügung für Geschlechterrollen und die Abgrenzung von privatem und öffentlichem Raum.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, das im Text vermittelte Idealbild der Geschlechterverhältnisse aufzuzeigen und kritisch zu hinterfragen, ob dieses als Beweis für eine explizite männliche Dominanz gewertet werden kann.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine quellenkritische Textanalyse, die durch die Einbeziehung von Forschungsliteratur (u.a. Föllinger, Foxhall, Pomeroy) ergänzt und in den Kontext der Gender Studies gestellt wird.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Einordnung des Werks, die detaillierte Rollenanalyse der Ehefrau, die Pflichten des Kyrios und eine abschließende geschlechtertheoretische Einordnung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Xenophon, Oikonomikos, Oikos, Geschlechterrollen, Kyrios, Hauswirtschaft, Gender Studies und soziale Arbeitsteilung.
Welche Rolle spielt die Figur des Ischomachos in der Argumentation?
Ischomachos fungiert als Modell für den erfolgreichen, nach göttlichen Prinzipien handelnden Gutsbesitzer, dessen Anleitung seiner Ehefrau als Kontrast zu anderen Figuren im Text dient.
Inwiefern beeinflusst der Begriff "Oikos" die Analyse?
Der Oikos wird nicht nur als Haus, sondern als umfassender Haushalt definiert, der für den wirtschaftlichen Erfolg des Einzelnen und der Gesellschaft essentiell war.
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- Anne-Catherine Steen (Author), 2002, Rollen und Räume von Mann und Frau: Tätigkeitsfelder der Geschlechter in Xenophons "Oikonomikos", Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/135758