Die Bundeswehr befindet sich seit Beginn dieses Jahrtausends in einem Transformationsprozess. Die Bundeswehr versteht darunter einen fortlaufenden Veränderungsprozess, der sich durch eine Vielzahl von Einzelmaßnahmen auszeichnet. Dieser Reformbedarf resultiert aus der Dynamisierung des Umfeldes, sowie aus dem allgemeinen Modernisierungsdruck für öffentliche Verwaltungen aufgrund stagnierender Budgets.
Das veränderte Aufgabenspektrum der Bundeswehr, welches im zunehmenden Maße durch multinationale Einsätze und eine veränderte, asymmetrische Weltsicherheitslage geprägt ist (wechselnde Sicherheitslagen), machte einen kontinuierlichen Erneuerungsprozess „von Grund auf“ unabdingbar. Der Modernisierungsdruck verlangt eine Neuausrichtung der Bundeswehr als Organisation, die Überprüfung und Optimierung traditioneller Prozesse, und die Nutzung moderner Methoden des Managements und der Steuerung für mehr Effizienz beim Handeln. Ein wesentlicher Aspekt bei der Etablierung neuer Steuerungsinstrumente ist die Sicherstellung des Wirtschaftlichkeitsprinzips bei Entscheidungen über gegenwärtige und zukünftige Sachverhalte.
Während eine Kostenrechnung im privatwirtschaftlichen Bereich nicht mehr wegzudenken ist, ist sie im öffentlichen Bereich eine noch relativ „junge“ Erscheinungsform und wird mehr oder weniger erfolgreich mit unterschiedlichen Kostenrechnungssystemen umgesetzt. Auch die Bundeswehr hat sich wie eine Vielzahl anderer öffentlicher Organisationen entschieden, dieses Instrument einzusetzen. Nach der Einführung verschiedener Vollkostenrechnungsansätze wurde im Jahr 2004 eine Neuausrichtung der Kostenrechnung beschlossen. Künftig soll in der Bundeswehr unter Nutzung einer ERP-Standardsoftware die Betrachtung von Einzelkosten die Kostenrechnung dominieren. Dazu soll die sog. relative Einzelkostenrechnung als Variante der Teilkostenrechnung eingeführt werden, ohne den Aspekt der Vollkostenrechnung völlig zu vernachlässigen.
Die vorliegende Arbeit untersucht aufbauend auf der Einleitung folgende Inhalte und ermöglicht dadurch eine stringente Vorgehensweise bei der Untersuchung:
•Theoretische Betrachtung der relativen Einzelkostenrechnung,
•Betrachtung der Rahmenbedingungen für die Kostenrechnung in der Bundeswehr,
•Betrachtungen zur bisherigen Ausgestaltung bzw. zum Umsetzungskonzept der relativen Einzelkostenrechnung in der Bundeswehr,
•Zusammenfassung der wichtigsten Ergebnisse einschließlich eines Ausblicks als abschließende Betrachtungen.
Inhaltsverzeichnis
Kapitel 1: Einführung in die behandelte Thematik
1.1 Betrachtungsgegenstand der Untersuchung
1.2 Zielsetzung und Aufbau der Arbeit
Kapitel 2: Die relative Einzelkostenrechnung in der theoretischen Betrachtung
2.1 Einordnung der Kostenrechnung in das Rechnungswesen
2.2 Aufgaben der Kosten- und Leistungsrechnung
2.3 Beschreibung relevanter Kosten- und Leistungsbegriffe
2.4 Überblick über die wesentlichen Kostenrechnungssysteme
2.5 Beschreibung der relativen Einzelkostenrechnung
2.5.1 Einordnung des Ansatzes in die Systeme der Teilkostenrechnung
2.5.2 Charakteristika der relativen Einzelkostenrechnung
2.5.3 Kritik am Ansatz der relativen Einzelkostenrechnung
2.6 Zwischenfazit
Kapitel 3: Rahmenbedingungen für die Kostenrechnung in der Bundeswehr
3.1 Die Bundeswehr im Kontext betriebswirtschaftlicher Herausforderungen
3.2 Einflüsse des Rechnungswesens auf Bundesebene
3.3 Vorgaben für die Kostenrechnung in der Bundeswehr
3.3.1 Bisherige Kostenrechnungsansätze
3.3.2 Entscheidung zur Neuausrichtung der KLR
3.4 Zwischenfazit
Kapitel 4: Umsetzung der relativen Einzelkostenrechnung in der Bundeswehr
4.1 Vorbemerkungen zur Umsetzung
4.2 Wahl der Bezugsobjekte
4.2.1 Kostenarten
4.2.2 Kostenstellen
4.2.3 Kostenträger
4.3 Ausgestaltung der Grundrechnung
4.4 Möglichkeiten für Auswertungsrechnungen
4.5 Veränderungsmanagement
4.6 Zwischenfazit
Kapitel 5: Abschließende Betrachtung
5.1 Die wichtigsten Ergebnisse der Untersuchung
5.2 Ausblick
Zielsetzung & Themen
Das Hauptziel dieser Arbeit besteht darin, die Möglichkeiten und Grenzen der relativen Einzelkostenrechnung anhand der praktischen Umsetzung in der Bundeswehr zu analysieren und theoretische Erkenntnisse mit den Erfahrungen aus dem Transformationsprozess zu spiegeln.
- Analyse des Ansatzes der relativen Einzelkostenrechnung nach Paul Riebel
- Evaluation der Anforderungen an das Rechnungswesen im öffentlichen Sektor
- Untersuchung der Implementierung unter Nutzung von ERP-Standardsoftware (SAP)
- Diskussion von Herausforderungen bei der Integration von Controlling-Instrumenten
- Ableitung von Erfolgskriterien für eine entscheidungsorientierte Kostenrechnung
Auszug aus dem Buch
2.5.2 Charakteristika der relativen Einzelkostenrechnung
Um den im vorherigen Abschnitt bereits angedeuteten kausalen Zusammenhang zwischen Entscheidung und Maßnahme bei der Gegenüberstellung von Kosten und Leistungen deutlicher herausstellen zu können, wurde im Zuge der relativen Einzelkostenrechnung das Identitätsprinzip entwickelt. Dieses Prinzip ist vollständigkeitshalber bereits in Abschnitt 2.4 aufgeführt, und löst das Verursachungsprinzip in diesem Konzept ab bzw. verschärft es. Es definiert aufbauend auf dem Prinzip der Verursachungsgerechtigkeit, dass entstandene Leistungen und Güterverzehr nur dann eindeutig gegenüberstellbar sind, wenn sie „… gekoppelte Wirkungen ein und desselben Kausalprozesses sind.“ D. h. sie müssen auf die gleiche Ursache-Wirkungs-Beziehung zurück zu führen sein, und somit letztendlich auf die gleiche Entscheidung bzw. Entscheidungskette als deren Auslöser.
Die Fokussierung auf den Ursache-Wirkungs-Zusammenhang geht mit dem Gedanken einher, dass Entscheidungen den Betriebsprozess beeinflussen sollen. Aus diesem Grund sind für die Vorbereitung von Entscheidungen und die Kontrolle deren Umsetzung auch nur Elemente (hier Kosten und Leistungen) relevant, die durch den Verantwortlichen direkt beeinflusst werden können. Die Kontrollierbarkeit setzt wiederum voraus, dass der mengenmäßige Verzehr auch tatsächlich gemessen wird Der Anspruch der Beeinflussbarkeit und Kontrollierbarkeit beinhaltet auch, dass Zufälle eigentlich nicht betrachtet werden dürfen. Außer bestimmte Erscheinungen treten in einer ausreichend großen Anzahl auf, so dass Zufallsschwankungen wieder ausgeglichen werden. Dann können auch diese Sachverhalte berücksichtigt werden.
Zusammenfassung der Kapitel
Kapitel 1: Einführung in die behandelte Thematik: Zusammenfassung der Ausgangslage der Bundeswehr im Transformationsprozess und Einordnung des Forschungsgegenstandes.
Kapitel 2: Die relative Einzelkostenrechnung in der theoretischen Betrachtung: Theoretische Herleitung der relativen Einzelkostenrechnung als entscheidungsorientiertes Konzept im Rechnungswesen.
Kapitel 3: Rahmenbedingungen für die Kostenrechnung in der Bundeswehr: Analyse der haushaltsrechtlichen und strukturellen Bedingungen für die Einführung einer Kosten- und Leistungsrechnung im Verteidigungsressort.
Kapitel 4: Umsetzung der relativen Einzelkostenrechnung in der Bundeswehr: Beschreibung der praktischen Anwendung und technischen Ausgestaltung (SAP-Integration) des Konzepts in der Bundeswehr.
Kapitel 5: Abschließende Betrachtung: Zusammenführung der Ergebnisse und kritische Würdigung des Ansatzes in der Verwaltungspraxis.
Schlüsselwörter
Relative Einzelkostenrechnung, Bundeswehr, Kosten- und Leistungsrechnung, Rechnungswesen, Identitätsprinzip, Deckungsbeitragsrechnung, ERP-Standardsoftware, SAP, Controlling, öffentliche Verwaltung, Transformation, Bezugsgrößenhierarchie, Wirtschaftlichkeit, Haushaltsrecht, Entscheidungsorientierung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Master-Thesis grundlegend?
Die Arbeit untersucht, wie die relative Einzelkostenrechnung nach Paul Riebel als Steuerungsinstrument in einer großen öffentlichen Organisation – am Beispiel der Bundeswehr – konzeptionell und technisch implementiert werden kann.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Die Arbeit behandelt die theoretischen Grundlagen der relativen Einzelkostenrechnung, die spezifischen Rahmenbedingungen des öffentlichen Haushaltswesens sowie die praktische Software-Implementierung mittels SAP.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, die Vor- und Nachteile sowie die Möglichkeiten und Grenzen dieses speziellen Kostenrechnungsansatzes im Kontext der Modernisierungsbemühungen der Bundeswehr aufzuzeigen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Der Autor wählt einen deduktiven Ansatz, der bei allgemeinen theoretischen Kostenrechnungsprinzipien beginnt und diese auf die spezifischen Bedürfnisse und Strukturen der Bundeswehr überträgt.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Fundierung des Konzepts, eine Analyse der bundeswehrspezifischen Rahmenbedingungen und eine detaillierte Darstellung der Umsetzungsprozesse inklusive der IT-Struktur.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?
Wesentliche Begriffe sind die relative Einzelkostenrechnung, das Identitätsprinzip, die Prozessorientierung in der Bundeswehrverwaltung sowie die Integration von Finanzbuchhaltung und Kostenrechnung.
Warum wird in der Bundeswehr nicht einfach eine klassische Vollkostenrechnung genutzt?
Die Arbeit argumentiert, dass eine Vollkostenrechnung durch die Schlüsselung von Gemeinkosten zu verzerrten Daten führen kann, die für eine echte entscheidungsorientierte Steuerung ungeeignet sind.
Welche Rolle spielt das Projekt SASPF für die Kostenrechnung?
SASPF bildet das technische Rückgrat, da durch den Einsatz einer einheitlichen SAP-Software die zentrale Erfassung und prozessübergreifende Auswertung von Kosten- und Leistungsdaten erst ermöglicht wird.
Inwiefern beeinflusst das Haushaltsrecht die KLR?
Das Haushaltsrecht zwingt zu einer Integration in kameralistische Strukturen, was die praktische Ausgestaltung der KLR komplex macht, da sie sowohl den Anforderungen der Haushaltsüberwachung als auch des Controllings genügen muss.
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- Dipl.-Kfm. Univ., MBA Torsten Jörres (Author), 2009, Möglichkeiten und Grenzen der relativen Einzelkostenrechnung am Beispiel der Bundeswehr, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/135762