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Die Entwicklung der psychiatrischen Versorgung in Deutschland

Sind die Betroffenen in der Gesellschaft angekommen? Arbeit als Weg aus der Isolation

Titel: Die Entwicklung der psychiatrischen Versorgung in Deutschland

Diplomarbeit , 2009 , 75 Seiten , Note: 2,0

Autor:in: Marcus Thomsen (Autor:in)

Soziale Arbeit / Sozialarbeit
Leseprobe & Details   Blick ins Buch
Zusammenfassung Leseprobe Details

Durch meinem Zivildienst in einer teilstationären Betreuungseinrichtung für Menschen mit psychischen Störungen, meinem Praktikum in der Therapeutischen Arbeitsstätte, einer Einrichtung auf dem Gelände des Universitätsklinikums in Eppendorf in Hamburg, welche jenen Personenkreis mit Arbeitsdiagnostik und anschließende Wege zur Rehabilitation berät und durch meine derzeitige Arbeit in einem Wohnhaus für Menschen mit einer chronischen psychischen Störung habe ich viele Erfahrungen mit eben diesem Personenkreis machen können.
Mir sind diese Menschen oft sehr einsam vorgekommen. Ich habe selten von Treffen mit Freunden, Hobbys, die sie mit anderen Menschen gemeinsam teilen, gehört. Außerdem war ein großer Teil der Menschen ohne Beschäftigung, teils weil es ihre Störung ihnen nicht mehr ermöglicht hatte, oder aber, weil ihre Möglichkeiten auf dem Arbeitsmarkt ebenfalls auf Grund ihrer Störung stark eingeschränkt sind. Wenn diese Menschen von Freunden berichteten waren diese häufig Menschen, die sie aus einem der vielen Krankenhausaufenthalte kannten, sprich dass sie ebenfalls psychisch erkrankt waren. Dabei habe ich während meines Studiums häufig gehört, dass eine Integration dieser Menschen schon seit mehreren Jahrzehnten, beginnend mit der Psychiatrie Enquete, gefordert wurde. Deshalb habe ich mir oft die Frage gestellt, ob diese Menschen denn in der Gesellschaft angekommen sind, oder ob sie immer noch eine Randexistenz mit wenig Kontakt zur „normalen“ Welt darstellen.
Mit dieser Diplomarbeit versuche ich der Frage auf den Grund zu gehen, inwiefern Menschen mit einer psychiatrischen Diagnose in der Gesellschaft integriert sind. Ich versuche herauszufinden, wo die Menschen heutzutage in der Gesellschaft stehen und in welcher Weise den Menschen geholfen wird, den Anschluss an die Gesell- schaft nicht zu verlieren.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Geschichte der klinischen Psychiatrie

2.1 Von der Jahrhundertwende zu Weimarer Republik

2.2 Psychiatrie im dritten Reich

2.3 Psychiatrie in der Nachkriegszeit bis 1975

2.4 Die Psychiatrie Enquete und die Entstehung der Sozialpsychiatrie

2.5 Das sozialpsychiatrische Versorgungssystem am Beispiel Hamburgs

2.5.1 Psychiatrische Abteilungen in den Krankenhäusern

2.5.2 Tageskliniken

2.5.3 ambulante Betreuung am Beispiel der personenbezogenen Hilfen für psychisch kranke Menschen

2.5.4 Betreutes Wohnen am Beispiel Wohnheim

2.5.5 Der Sozialpsychiatrische Dienst (SpD)

2.6 Psychiatrie in der DDR

3. Was ist eine psychische Störung

3.1 Ursachen psychischer Störungen

3.1.1 Biologische Ursachen psychischer Störungen

3.1.1.1 Neurobiologische Faktoren

3.1.1.2 Theorie der Vererbung

3.1.2 Soziale Ursachen psychischer Störungen

3.1.2.1 Das Diathese-Stress-Modell

3.1.2.2 Die Doublebindtheorie

3.1.3 Psychologische Ursachen psychischer Störungen

3.1.3.1 Das psychodynamische Modell

3.1.3.2 Die Lerntheoretie

3.1.4 Das biopsychosoziale Modell

3.2 Beispiele schwerer psychischer Störungen

3.2.1 Psychotische Störungen am Beispiel der paranoiden Schizophrenie (F20.0)

3.2.2 Persönlichkeitsstörung am Beispiel der Emotional instabilen Persönlichkeitsstörung: Borderline-Typ (F60.31)

3.2.3 Neurotische Störungen am Beispiel der leichten und mittleren depressiven Episode (F32.0 und F32.1)

3.3 Einengung des Personenkreises. Wer ist betroffen?

4. Was bedeutet Arbeit für den Menschen?

5. Sind die Betroffenen in der Gesellschaft angekommen?

5.1 Das Ansehen psychisch kranker Menschen in der Gesellschaft

5.2 Empirische Befunde der Lebenswelt der Betroffenen

5.3 Das schwierige Verhältnis zwischen psychischer Erkrankung und Arbeit

6. Konzepte zur Integration der Betroffenen in die Gesellschaft

6.1 Der IBRP

6.2 Die Therapeutische Arbeitsstätte am UKE

6.2.1 Arbeitsprinzipien, Zielsetzung und Zielgruppe der Einrichtung

6.2.2 Stationäre, teilstationäre und ambulante Behandlung

6.2.3 Arbeitsformen der Einrichtung

6.2.3.1 Das Soziale Kompetenz Training (SKT)

6.2.3.2 Treffpunkt Job

6.2.3.3 Reha Klärung

6.2.3.4 Weitere sozialpsychiatrische Unterstützung

6.3 Community Living

6.4 Weitere Beispiele beruflicher Rehabilitationseinrichtungen

Zielsetzung & Themen

Die Diplomarbeit untersucht die gesellschaftliche Integration von Menschen mit psychiatrischen Diagnosen, mit besonderem Fokus auf die Rolle der Arbeit als Mittel gegen Isolation. Die Forschungsfrage widmet sich der Problematik, ob Betroffene trotz psychiatrischer Reformen wie der Psychiatrie-Enquete tatsächlich in der Gesellschaft angekommen sind oder weiterhin eine Randexistenz führen.

  • Historische Entwicklung der psychiatrischen Versorgung und des Anstaltswesens in Deutschland.
  • Medizinische und soziale Ursachenmodelle psychischer Störungen.
  • Die fundamentale Bedeutung von Arbeit für die psychische Stabilität und soziale Teilhabe.
  • Empirische Analyse der Lebenswirklichkeit Betroffener und bestehender Integrationsbarrieren.
  • Vorstellung praktischer Rehabilitationskonzepte wie IBRP, therapeutische Arbeitsstätten und "Community Living".

Auszug aus dem Buch

2.1 Von der Jahrhundertwende zur Weimarer Republik

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts fand die Behandlung psychisch erkrankter Menschen überwiegend in psychiatrischen Anstalten statt. Diese Behandlungsmethode wurde von Emil Kraepelin, einer der wichtigsten Persönlichkeiten im Bereich der psychiatrischen Forschung, in die Wege geleitet und hat den Begriff klinische Psychiatrie entscheidend geprägt. (vgl. Schott, 2006: 116) Kraepelin hatte eine differenziertere Diagnostik im Bereich der psychotischen Störungen entwickelt. Diese unterteilte er in die Bereiche der Schizophrenien auf der einen Seite und den affektiven Psychosen, wie zum Beispiel manische Depressionen auf der anderen Seite. Zur Behandlung dieser sah es Kraepelin als bestes Mittel an, die Menschen unter Aufsicht in Anstalten zu verwahren und so Veränderungen im Krankheitsverlauf zu beobachten. (vgl. Schott, 2006: 117) Interessant ist zu erwähnen, dass Kraepelin wichtige Untersuchungen im Bereich der Arbeitspsychologie gemacht hatte.

Kraepelin hat den Begriff der Arbeitskurve geprägt. In dieser wird diagnostiziert inwiefern der Proband „welche Menge und Güte einer Arbeit (z.B. im Kraepelin´schen Rechentest) in einer bestimmten Zeit wiedergibt; sie ist abhängig von Motivation, Aufmerksamkeit und Übung, aber auch von Ermüdung und pharmakologischen Einflüssen.“ (Schott, 2006: 120)

Kraepelin hat erkannt, dass eine gewisse sinnvolle Beschäftigung der Bewohner psychiatrischer Anstalten sich positiv auf die Behandlung und sogar auf die Genesung auswirken kann. Allerdings wurden seine Erkenntnisse zu dieser Zeit wenig bis gar nicht angewendet. Parallel zu den Anstalten entwickelten sich zunehmend die psychiatrische Fakultäten und deshalb auch psychiatrische Abteilungen in den Universitätskrankenhäusern. Während die Anstalten eher chronisch erkrankte Menschen versorgten, häufig ihr Leben lang, waren die Universitätskrankenhäuser eher für Akutfälle zuständig.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Arbeit beleuchtet die persönlichen Erfahrungen des Autors mit der psychiatrischen Versorgung und leitet die Forschungsfrage über den Integrationsstatus psychisch Kranker ab.

2. Geschichte der klinischen Psychiatrie: Dieses Kapitel skizziert die Entwicklung vom Anstaltswesen des frühen 20. Jahrhunderts über die Zeit des Nationalsozialismus bis hin zur Psychiatrie-Enquete und den daraus resultierenden modernen Versorgungsstrukturen.

3. Was ist eine psychische Störung: Hier werden verschiedene Erklärungsmodelle (biologisch, sozial, psychologisch, biopsychosozial) für psychische Störungen diskutiert und Beispiele für schwere Störungen wie Schizophrenie oder Borderline aufgeführt.

4. Was bedeutet Arbeit für den Menschen?: Das Kapitel erörtert die zentrale Rolle von Arbeit als sinnstiftende Tätigkeit und Grundlage für die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben.

5. Sind die Betroffenen in der Gesellschaft angekommen?: Hier wird die Kernfrage der Arbeit untersucht, indem empirische Befunde zur Lebenswelt und die Diskriminierungserfahrungen der Betroffenen gegenübergestellt werden.

6. Konzepte zur Integration der Betroffenen in die Gesellschaft: Das Kapitel stellt konkrete Rehabilitations- und Inklusionskonzepte wie den IBRP, die therapeutische Arbeitsstätte am UKE und Community Living vor.

Schlüsselwörter

Psychiatrie-Enquete, Sozialpsychiatrie, Psychiatrische Versorgung, Psychische Störung, Integration, Rehabilitation, Arbeitstherapie, Teilhabe, Stigmatisierung, Chronifizierung, Biopsychosoziales Modell, Community Living, Soziale Arbeit, Arbeitsrehabilitation, Lebensweltorientierung

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Diplomarbeit primär?

Die Arbeit untersucht die gesellschaftliche Integration von Menschen mit psychischen Erkrankungen und hinterfragt, inwieweit diese trotz sozialpsychiatrischer Reformen tatsächlich in der Mitte der Gesellschaft angekommen sind.

Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?

Die Themen umfassen die historische Entwicklung der Psychiatrie, die Ursachen psychischer Störungen, die Bedeutung von Arbeit für den Menschen und konkrete Ansätze zur beruflichen und sozialen Rehabilitation.

Was ist die Forschungsfrage der Arbeit?

Die Arbeit geht der Frage nach, ob Menschen mit psychiatrischen Diagnosen in Deutschland integriert sind oder ob sie weiterhin eine Randexistenz führen, und welche Rolle Arbeit dabei als Weg aus der Isolation spielt.

Welche wissenschaftliche Methode nutzt der Autor?

Der Autor führt keine eigene Studie durch, sondern wertet vorhandene Fachliteratur und empirische Befunde aus, um den aktuellen Status der psychiatrischen Versorgung und soziale Bedingungen zu analysieren.

Was behandelt der Hauptteil der Arbeit?

Der Hauptteil setzt sich aus einer historischen Aufarbeitung, theoretischen Ursachenerklärungen psychischer Störungen, der Analyse der Bedeutung von Erwerbsarbeit sowie der Vorstellung konkreter Integrationskonzepte wie IBRP und Community Living zusammen.

Welche Begriffe beschreiben die Arbeit am besten?

Wichtige Begriffe sind Psychiatrie-Reform, Soziale Inklusion, Arbeitsrehabilitation, Teilhabe am gesellschaftlichen Leben und die Vermeidung von Stigmatisierung durch Arbeit.

Warum spielt die Arbeit eine so wichtige Rolle für Betroffene?

Der Autor betont, dass Arbeit neben der Sicherung des Lebensunterhalts vor allem Struktur, soziale Kontakte, Anerkennung und Selbstwert vermittelt, was für die Stabilität bei psychischen Erkrankungen essenziell ist.

Was ist das "Rehabilitationsparadoxon", das der Autor beschreibt?

Das Paradoxon bezeichnet den Umstand, dass Menschen, die eine Integrationsmaßnahme zur Stabilisierung dringend bräuchten, den Zugang dazu oft verwehrt bekommen, weil sie aufgrund ihrer instabilen Verfassung als "nicht ausreichend erfolgreich" oder "nicht geeignet" eingestuft werden.

Ende der Leseprobe aus 75 Seiten  - nach oben

Details

Titel
Die Entwicklung der psychiatrischen Versorgung in Deutschland
Untertitel
Sind die Betroffenen in der Gesellschaft angekommen? Arbeit als Weg aus der Isolation
Hochschule
Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg
Note
2,0
Autor
Marcus Thomsen (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2009
Seiten
75
Katalognummer
V135766
ISBN (eBook)
9783640421770
ISBN (Buch)
9783640421435
Sprache
Deutsch
Schlagworte
sozialpsychiatrie psychiatrie rehabilitation psychiatrie-enquete Doublebindtheorie Diathese-Stress-Modell IBRP Community Living
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Marcus Thomsen (Autor:in), 2009, Die Entwicklung der psychiatrischen Versorgung in Deutschland, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/135766
Blick ins Buch
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Leseprobe aus  75  Seiten
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