„Die Frage, auf welche Quellen sich die Medien stützen und welche Bezugsgruppen bei der Medienkommunikation wirksam werden, hat schon früh die Neugier der Kommunikationsforschung geweckt“. Schon 1910 sprach Max Weber beim 1. Deutschen Soziologentag von der „‘Stoffbeschaffung’“ im Zeitungswesen, nachdem die Nachrichtenagenturen bei Zeitungen vermehrt zu „‘Journalismus aus zweiter Hand’“ geführt hatten. Bis heute haben Nachrichtenagenturen als Informationslieferanten für Zeitungen und andere Massenmedien an Bedeutung hinzu gewonnen. Denn ungefähr 800 bedruckte Zeitungsseiten mit Agenturmeldungen erreichen eine große deutsche Tageszeitung täglich aufgrund moderner Technik, die zu noch schnellerer Übermittlung von noch umfangreicherem Textmaterial führt als damals. Immerhin stehen in Deutschland fünf große Nachrichtenagenturen und weitere Spezialagenturen mit gesonderten Themengebieten für die Informationsbeschaffung zur Verfügung. Zusammen mit anderem Nachrichtenmaterial, wie z.B. Pressemitteilungen, sorgen die Agenturen also für eine regelrechte Informationsflut in den Zeitungsredaktionen. Und es ist Aufgabe der Redakteure, die Masse von Informationen zu selektieren und zu bearbeiten. Dabei bleibt offen, inwieweit die eigene Recherchetätigkeit der Journalisten darunter zu leiden hat oder gar gelähmt wird, wie Barbara Baerns behauptet: „Da Informationen ohnedies, mediengerecht, geliefert werden, fehlt es am »äußeren« Zwang, Motivation mit Sachkompetenz und Ressourcen auszustatten und in die Form von Handlungen zu übersetzen“.
Daher erscheint es mir aus Sicht der Nachrichtenforschung interessant zu untersuchen, wieviel „Fremdbeiträge“ zu Lasten der Beiträge, die von eigenen Journalisten geschrieben werden, nun tatsächlich in den Tageszeitungen abgedruckt werden. Die vorliegende Studie soll am Beispiel der Süddeutschen Zeitung und des Münchner Merkurs darüber Aufschluss geben.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Forschungsfrage
3 Anlagen zur Untersuchung
3.1 Methode
3.2 Anmerkungen zu Grenzen und Gültigkeit der Methode
3.3 Hinweise zur verwendeten Literatur
4 Ergebnisse
4.1.1 Quellenangaben der Zeitungsbeiträge
4.1.2 Quellenangaben in den Ressorts
4.2 Agenturpräferenzen
4.2.1 Agenturpräferenzen der SZ und des Münchner Merkurs
4.2.2 Agenturpräferenzen in den Ressorts
5 Zusammenfassung und Fazit
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht quantitativ die Abhängigkeit der Süddeutschen Zeitung und des Münchner Merkurs von Nachrichtenagenturen im Vergleich zu selbst verfassten Berichten. Die Forschungsfrage fokussiert sich darauf, woher die Zeitungen ihre Inhalte beziehen und wie sich die jeweiligen Redaktionen in ihrer Quellennutzung unterscheiden.
- Analyse des Anteils von Eigenberichten gegenüber Agenturbeiträgen
- Untersuchung der verwendeten Nachrichtenagenturen und deren Auswahl
- Vergleich der Redaktionspraxis zwischen einer überregionalen Qualitätszeitung und einer Lokalzeitung
- Ressortspezifische Auswertung der Informationsquellen
- Einfluss von ökonomischen Ressourcen und Korrespondentennetzen auf die Berichterstattung
Auszug aus dem Buch
3.1 Methode
Der oben beschriebenen Fragestellung möchte ich im Folgenden in einer quantitativen Inhaltsanalyse nachgehen. Untersuchungsgegenstand dieser Analyse sind die Münchenausgabe der Süddeutschen Zeitung und der Münchner Merkur. Bei beiden handelt es sich um Abonnementzeitungen, die aber aufgrund ihrer unterschiedlichen Auflagenhöhe, ihrer Verbreitung und Qualität verschiedene Merkmale aufweisen, die mir für die Untersuchung bzgl. der Fragestellung interessant erschienen. So gilt die SZ als überregional verbreitete Qualitätszeitung (mit regionalem/lokalen Schwerpunkt) und hat mit 547209 Exemplaren eine wesentlich höhere Auflage als der lokal/regional verbreitete Münchner Merkur (Auflage: 309768). Als Stichprobe dienten jeweils die drei Ausgaben der SZ und des Münchner Merkurs vom 19.2. bis zum 21.2.2003.
Innerhalb dieser Ressorts wurden alle Artikel – gemeint sind alle thematisch abgegrenzten Beiträge – auf ihre jeweilige Quellenangabe hin untersucht. Dazu wurde zuerst die Anzahl aller Beiträge erfasst. Anschließend wurden die Beiträge verschiedenen Kategorien zugeordnet. Die Kategorien entsprachen den spezifischen Quellenangaben der Beiträge, die sich aus der Kennzeichnung in der Kopfzeile (Byline) bzw. am Anfang oder am Ende eines Textes ergaben. Unterschieden wurden die Kategorien „Eigener Bericht“, „Agentur“, „2-3 Agenturen“, „ohne Angabe“ und „Sonstige“. Die Berichte, welche mit dem Autorennamen, dessen Kürzel oder dem Namen der Zeitung gekennzeichnet waren, wurden in die Kategorie „Eigener Bericht“ eingeteilt, diejenigen, welche mit dem Kürzel einer Nachrichtenagentur bzw. eines Pressedienstes versehen waren, in die Kategorien „Agentur“ oder „2-3 Agenturen“ (wenn zugleich 2 oder 3 Agenturen als Quelle angegeben waren).
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Einführung in die Thematik der Stoffbeschaffung im Journalismus und die Bedeutung von Nachrichtenagenturen.
2 Forschungsfrage: Definition der zentralen Fragestellung zur Herkunft der Zeitungsbeiträge bei der SZ und dem Münchner Merkur.
3 Anlagen zur Untersuchung: Erläuterung der quantitativen Inhaltsanalyse, der Stichprobenauswahl und der methodischen Limitationen.
4 Ergebnisse: Detaillierte Auswertung der Quellenangaben auf Artikel- und Zeilenebene sowie Analyse der Agenturpräferenzen in verschiedenen Ressorts.
5 Zusammenfassung und Fazit: Synthese der Ergebnisse und Bestätigung der Annahmen über die Abhängigkeit von Agenturmaterial in Abhängigkeit der Verlagsressourcen.
Schlüsselwörter
Journalismus, Nachrichtenagenturen, Quellenforschung, Süddeutsche Zeitung, Münchner Merkur, Inhaltsanalyse, Agenturmeldungen, Eigenbericht, Medienqualität, Korrespondenten, Presseberichterstattung, Nachrichtenwert, Redaktionspraxis, Stoffbeschaffung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht, wie Zeitungen ihre Inhalte gewinnen und in welchem Umfang sie dabei auf externe Nachrichtenagenturen angewiesen sind.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Im Zentrum stehen die redaktionelle Arbeitsweise, die Quellenwahl und der Vergleich zwischen einer überregionalen und einer lokalen Tageszeitung.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, den Anteil an Agenturmaterial gegenüber eigenständig recherchierten Artikeln quantitativ zu bestimmen und Qualitätsunterschiede in der Quellenwahl aufzuzeigen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine quantitative Inhaltsanalyse, bei der Beiträge nach Quellenangaben und Umfang (Zeilen) kategorisiert wurden.
Was wird im Hauptteil analysiert?
Der Hauptteil gliedert sich in eine allgemeine Quellenanalyse und eine detaillierte Untersuchung der Agenturpräferenzen, aufgeschlüsselt nach verschiedenen Ressorts wie Politik, Wirtschaft und Sport.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Neben Journalismus und Nachrichtenagenturen sind dies insbesondere Quellenforschung, Medienqualität und Redaktionspraxis.
Warum unterscheidet sich die Nutzung von Agenturen zwischen SZ und Merkur?
Die Untersuchung legt nahe, dass dies primär auf die unterschiedlichen finanziellen Mittel und die Größe der Korrespondentennetze zurückzuführen ist.
Welche Bedeutung hat die dpa im Vergleich zu anderen Agenturen?
Die dpa fungiert als Marktführerin und wird aufgrund ihrer Themenbreite und Zuverlässigkeit von beiden untersuchten Zeitungen am häufigsten genutzt.
- Quote paper
- Constanze Fuchs (Author), 2003, Die Quellen der Zeitungsartikel. Journalismus aus zweiter Hand?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/13582