Nicht erst seit heute muss sich Grammatikunterricht immer wieder die Frage nach seiner Sinnhaftigkeit gefallen lassen. Es ist wohl kaum ein (ehemaliger) Schüler zu finden, der über seine diesbezüglichen Erfahrungen in positiver Weise zu berichten vermag. Oftmals wird dabei auf das stupide Lernen lateinischer Begrifflichkeiten verwiesen oder nach dem Nutzen grammatikalischen Wissens gefragt. Im Laufe der letzten Jahre gab es immer wieder verschiedenste Ansätze, die Grammatik der Schule und vor allem den Lernern dienstbar zu machen.
In diesem Zusammenhang soll auch ein Blick auf die eigentlichen Ziele des Grammatikunterrichts geworfen werden und welche Probleme sich daraus ergeben.
Diese Arbeit soll vor diesem Hintergrund einige dieser Ansätze in einer komprimierten Übersicht vorstellen. Vordergründig werden jedoch die Tempora und deren geeignete Vermittlung in den Fokus gerückt. Dabei sollen auch aufkommende Schwierigkeiten angesprochen und nach Möglichkeit versucht werden, Lösungsansätze dafür zu finden.
Als Grundlage der Vermittlung der Kategorie Tempus wird sowohl dem Lehrplan der verschiedenen Schulstufen und den relevanten Entscheidungen der Kultusministerkonferenz ein Kapitel gewidmet sein.
Der Vollständigkeit halber beschäftigt sich ein Kapitel mit den Tempora als rein grammatisch zu betrachtende Kategorie. In diesem werden die einzelnen Formen hinsichtlich ihrer Bildung und Wirkung kurz besprochen.
Desweiteren werden Unterrichtsvorschläge vorgestellt und diese unter anderem auch auf ihre Tauglichkeit für den Unterricht hin untersucht. Dabei sollen auch Lehrbuchaufgaben näher betrachtet werden und Beispielaufgaben aus Fachzeitschriften, hier Praxis Deutsch, als Vergleichsgrundlage verwendet werden.
Eine kurze Auseinandersetzung mit den mittlerweile in einigen Bundesländern stattfindenden Orientierungsarbeiten erfolgt im abschließenden Kapitel. Der Schwerpunkt wird an dieser Stelle auf die Zeitformen ausgerichtet sein.
Abschließend soll im letzten Abschnitt ein Resümee gezogen werden.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Forschungshintergrund
3. Der Grammatikunterricht
3.1 Allgemeines
3.2 Geschichte des Grammatikunterrichts
3.3 Konzepte
3.3.1 Systematischer Grammatikunterricht
3.3.2 Situativer Grammatikunterricht
3.3.3 Integrativer Grammatikunterricht
3.3.4 Funktionaler Grammatikunterricht
3.3.5 Grammatikwerkstatt
3.4 Die Ziele des Grammatikunterrichts
3.5 Probleme des Grammatikunterrichtes
3.6 Verbindliche Voraussetzungen
3.6.1 Der Lehrplan und die Tempora
3.6.2 Die KMK – Bildungsstandards und „Verzeichnis grundlegender grammatischer Fachausdrücke“
4. Die Tempora
4.1 Übersicht
4.1.1 Allgemeines
4.1.2 Präsens
4.1.3 Präteritum
4.1.4 Perfekt
4.1.5 Plusquamperfekt
4.1.6 Futur I
4.1.7 Futur II
4.2 Didaktische Analyse und Tempora
4.4 Zentrale Kategorien bei der Behandlung der Tempora
4.5 Unterrichtsvorschläge
4.6 Analyse Lehrbuchaufgaben und Vorschläge Praxis Deutsch
4.7 Orientierungsarbeiten
5. Schlussbetrachtung
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht den Stellenwert und die Vermittlung der Tempora im Grammatikunterricht. Ziel ist es, Ansätze für eine sinnvolle, schülerzentrierte Didaktik zu finden, die über das bloße Erlernen grammatischer Formen hinausgeht und die funktionale Einbettung in Textproduktion und Literaturunterricht fördert.
- Entwicklung und Konzepte des Grammatikunterrichts
- Didaktische Analyse und Vermittlung der Zeitformen
- Integration von Sprachbetrachtung und Literaturunterricht
- Analyse von Lehrbuchaufgaben und Orientierungsarbeiten
- Verbindung von produktivem und explizitem Wissen
Auszug aus dem Buch
4.4 Zentrale Kategorien bei der Behandlung der Tempora
Köller bietet ein taugliches Schemata an, welches als Grundkonzept der Unterrichtseinheit herangezogen werden kann. Besagtes Gerüst baut auf einer problemorientierten Auseinandersetzung mit der Zeit als kategorische Einheit auf. Dabei wird den Schülern eine Differenzierung zwischen der chronologisch-astronomischen und erlebnisorientierten Zeiteinteilung bewusst gemacht. Zeit wird messbar durch die Bewegung von Körpern im Raum, diese Tatsache bietet sich für einen fächerübergreifender Unterricht mit dem Fachbereich Physik/Astronomie an. An dieser Stelle können Schüler ihr eigenes Vorwissen in die Unterrichtsgespräche einfließen lassen und werden auf diese Weise möglicherweise eher zur Mitarbeit motiviert. Ausgehend von der Vorstellung, dass Zeit auf einer linear und kontinuierlich fortlaufenden Zeitachse verläuft, gelangt man zu der Möglichkeit, auf dieser beliebige Punkte festzusetzen.
Hier wird dann auf eine Unterscheidung zwischen absoluten (konkrete Daten) und relativen Zeitverweise (Jahreszeiten) hingewiesen. Den Lernern wird das Zeiterlebniskonzept vertrauter vorkommen, weil es anschaulicher und mit konkreten Vorstellungen verbunden ist. Nach dieser Einführung in das zu besprechende Thema kann den Schülern leicht klar gemacht werden, welchen Nutzen Tempora haben und warum sie für unser Zeitverständnis notwendig sind. Die Behandlung der Tempora als solche bietet sich in der Besprechung von jeweils zwei Gegensatzpaaren an, wie oben bereits angedeutet. Das sind vor allem das Präteritum und das Perfekt sowie Präsens und Futur I. Das hat den Vorteil, dass die verschiedenen Tempora für die Schüler zunächst leichter zu überschauen sind.
Hierbei kann die Heranziehung von Texten oder Situationen in denen Tempora eine wichtige Funktion innehaben, beispielsweise in Wetterberichten, die Schüler in ihrem Verstehensprozess unterstützen. Dazu dient auch die Anwendung spezieller Proben, unter anderem die Verabsolutierungsexperimente von Menzel. Die Austauschbarkeit von Perfekt und Präteritum lässt sich am besten durch eigenes Versuchen austesten. Die Schüler werden dabei feststellen, dass einige Sätze zu einer der beiden Formen tendieren „Tim hat heute im Bus seine Tasche vergessen.“
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung thematisiert die allgemeine Sinnhaftigkeit des Grammatikunterrichts und stellt den Fokus der Arbeit auf die Vermittlung der Tempora sowie deren Einbettung in den Unterricht dar.
2. Forschungshintergrund: Dieser Abschnitt beleuchtet die Notwendigkeit einheitlicher Fachbegriffe (KMK-Verzeichnis) und den Wandel von traditionellen zu integrativen Grammatikkonzepten.
3. Der Grammatikunterricht: Es werden die historische Entwicklung, verschiedene didaktische Konzepte wie die Grammatikwerkstatt und die Ziele sowie Probleme des Grammatikunterrichts in den Blick genommen.
4. Die Tempora: Dieses Hauptkapitel bietet eine Übersicht der Zeitformen, didaktische Analysen, Unterrichtsvorschläge sowie eine kritische Auseinandersetzung mit Lehrbuchaufgaben und Orientierungsarbeiten.
5. Schlussbetrachtung: Das Fazit betont, dass Grammatik als alltagsbezogenes Kommunikationsmittel begriffen werden muss und eine Verknüpfung von explizitem Wissen und produktiver Anwendung das Ziel sein sollte.
Schlüsselwörter
Grammatikunterricht, Tempora, Zeitformen, Sprachbewusstheit, Didaktik, Integrativer Grammatikunterricht, Grammatikwerkstatt, Kompetenzorientierung, Präteritum, Perfekt, Textproduktion, Sprachgebrauch, Lernstandserhebung, Zeitkonzepte, Schulgrammatik
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der didaktischen Vermittlung von Zeitformen (Tempora) im Deutschunterricht der Schule.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Neben der theoretischen Einbettung in verschiedene Grammatikkonzepte stehen praktische Unterrichtsansätze und die Analyse von Lehrmaterialien im Mittelpunkt.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, Wege aufzuzeigen, wie Schüler ein tiefgreifendes Verständnis für die Funktion von Zeitformen entwickeln können, anstatt nur isolierte grammatische Regeln zu lernen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine literaturgestützte didaktische Analyse, die Fachliteratur, Lehrpläne und empirische Lehrmaterialien (Schulbücher, Orientierungsarbeiten) kritisch auswertet.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische fundierte Darstellung der Grammatikkonzepte und eine umfassende Untersuchung der Vermittlung der Tempora inklusive konkreter Vorschläge für den Unterricht.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Begriffe sind Grammatikunterricht, Tempora, Didaktik, Integrativer Grammatikunterricht und Sprachbewusstheit.
Warum ist das Verständnis von "Sprechzeit" und "Ereigniszeit" für Schüler so wichtig?
Diese Begriffe helfen den Schülern, den Nutzen und die logische Struktur von Zeitformen zu verstehen, anstatt sie nur als abstrakte, auswendig zu lernende Formen zu betrachten.
Welche Kritik übt die Autorin an den untersuchten Orientierungsarbeiten?
Die Autorin kritisiert, dass diese Tests oft nur prozedurales Wissen (reine Formbildung) abfragen, ohne die Schüler zum Nachdenken über die Funktion der Zeitformen im jeweiligen Kontext anzuregen.
- Quote paper
- Sindy Geißler (Author), 2009, Die Tempora im Grammatikunterricht, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/135862