In meiner Arbeit möchte ich mich konkret mit dem Konzept der Dekategorisierung auseinandersetzen. Ich möchte darstellen und hinterfragen in welcher Form Dekategorisierungsprozesse mit der inklusiven Beschulung vereinbar sind. Einleitend werde ich zunächst die Begriffe Exklusion und Inklusion definieren. Anschließend werde ich das Konzept der Dekategorisierung vorstellen. Weiter werde ich die Perspektiven der Inklusions- und Sonderpädagogik beleuchten. Darauf aufbauend werde ich die inkludierenden und exkludierenden Faktoren, die mit der Forderung nach Dekategorisierung einhergehen, diskutieren. Thematisch schließe ich die Arbeit mit dem Blick auf Dekategorisierung und Inklusion. Mit meinem Fazit plädiere ich für eine Sensibilisierung auf Verwendung von pädagogisch bedeutsamen Kategorien.
Das aktuelle Thema der Dekategorisierung, mit Blick auf Möglichkeiten und Grenzen, wird behandelt. Der ausschlaggebende Punkt ist hier die Kritik an Begrifflichkeiten und Klassifikationen wie 'Behinderung' oder 'sonderpädagogischer Förderbedarf'.
An dieser Stelle ist es von Bedeutung sich zu vergegenwärtigen, dass Klassifikationen für die sonderpädagogische Praxis konstitutiv sind. Neben den medizinischen Klassifikationssystemen, Verfahren der sonderpädagogischen Diagnostik und der Klassifizierung in die unterschiedlichen Förderbereiche (Förderschwerpunkt Lernen, Förderschwerpunkt emotionale und soziale Entwicklung, Förderschwerpunkt körperliche und motorische Entwicklung etc.) wird deutlich, welches Spannungsfeld zwischen der Verwirklichung des Dekategorisierungsansatzes und der Praxis herrscht.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Inklusion und Exklusion
3. Konzept der Dekategorisierung
4. Perspektiven aus der Pädagogik
4.1 Inklusionspädagogik
4.2 Sonderpädagogik
5. inkludierende und exkludierende Faktoren
6. Dekategorisierung und Inklusion
7. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit setzt sich kritisch mit dem Konzept der Dekategorisierung innerhalb der inklusiven Pädagogik auseinander und untersucht das Spannungsfeld zwischen der theoretischen Forderung nach dem Verzicht auf stigmatisierende Etikettierungen und der praktischen Notwendigkeit von Ressourcen-Zuweisungen im Bildungssystem.
- Grundlagen der Begriffe Inklusion und Exklusion
- Das Konzept der Dekategorisierung in der Erziehungswissenschaft
- Die Perspektiven von Inklusions- und Sonderpädagogik
- Diskussion inkludierender und exkludierender Faktoren
- Lösungsansätze zur Vermeidung von Stigmatisierung im Schulalltag
Auszug aus dem Buch
Konzept der Dekategorisierung
Im pädagogischen Kontext meint ‚Kategorisierung‘, dass ein*e Schüler*in in Folge eines Test- und Diagnoseverfahrens einer bestimmten Kategorie und damit einer bestimmten sozialen Gruppe von Menschen zugeordnet wird. So ist der*die Schüler*in dieser Kategorie ‚angehörig‘ und wird beispielsweise dem sonderpädagogischen Förderbedarf ‚Lernen‘ zugeschrieben (Budde et al., 2019).
Auf den ersten Blick scheinen die Kategorisierungen als ein Ordnungsschema zu fungieren. So haben sie die Funktion inne Komplexität zu reduzieren und idealtypische Klassifikationen auszubilden. Demnach bleibt die kategoriale Auffassung von Behinderung als zentraler Bezugspunkt für die (sonder-) pädagogische Theorie und die schulische Praxis bestehen und Abweichung oder Störungen werden im Individuum selbst verortet (Haas, 2012). In dieser Form aber abstrahieren sie die individuellen Eigenschaften von Schüler*innen und setzen diese auf ein verallgemeinerndes Niveau (Haas, 2012). ‚Behinderung‘ als Differenzkonstruktion beruht hier selbst auf dem Akt der Unterscheidung, also letztlich auf Diskriminierung (Dederich, 2010). Folglich werden Differenzen verdeckt, Mehrfachzugehörigkeiten außer Acht gelassen, die mitunter depersonalisierend und deindividualisierend wirken können (Haas, 2012).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die aktuelle Fachdebatte um Dekategorisierung infolge der zunehmenden schulischen Inklusion und definiert das Ziel, das Spannungsfeld zwischen theoretischer Forderung und praktischer Umsetzung zu hinterfragen.
2. Inklusion und Exklusion: Dieses Kapitel arbeitet die Begrifflichkeiten Inklusion als Einschluss und Teilhabe sowie Exklusion als Prozess der Ausgrenzung aus der Mehrheitsgesellschaft theoretisch auf.
3. Konzept der Dekategorisierung: Es wird erläutert, wie durch Test- und Diagnoseverfahren soziale Gruppenzugehörigkeiten konstruiert werden und welche negativen Folgen, wie Stigmatisierung und Depersonalisierung, diese Etikettierungen haben können.
4. Perspektiven aus der Pädagogik: Dieses Kapitel unterteilt sich in die Sichtweisen der Inklusionspädagogik, die Diskriminierung unterbinden will, und der Sonderpädagogik, die trotz des Wunsches nach Dekategorisierung von Ressourcen-Mechanismen abhängig ist.
5. inkludierende und exkludierende Faktoren: Das Kapitel diskutiert, wie der Verzicht auf Behinderungskategorien erreicht werden kann, ohne dabei notwendige Hilfeleistungen und finanzielle Förderressourcen zu gefährden.
6. Dekategorisierung und Inklusion: Hier wird untersucht, wie Unterricht so gestaltet werden kann, dass er der Individualität der Schüler gerecht wird, ohne dabei erneut exkludierende Kategorien zu schaffen.
7. Fazit: Das Fazit stellt fest, dass eine Dekategorisierung möglich ist, wenn eine Sensibilisierung für pädagogisch bedeutsame Kategorien stattfindet und rechtliche Grundlagen eine bedarfsgerechte Ressourcenverteilung sicherstellen.
Schlüsselwörter
Inklusion, Exklusion, Dekategorisierung, Sonderpädagogik, Inklusionspädagogik, Etikettierung, Ressourcen-Dilemma, Bildungsdiskurs, Stigmatisierung, Behinderung, Differenzkonstruktion, soziale Gerechtigkeit, Bildungsrecht, Lehrkraftprofessionalisierung.
Häufig gestellte Fragen
Was ist das zentrale Thema dieser wissenschaftlichen Arbeit?
Die Arbeit untersucht das Konzept der "Dekategorisierung" in der Erziehungswissenschaft, insbesondere wie der Verzicht auf stigmatisierende Etikettierungen (wie "Lernbehinderung") die schulische Praxis beeinflussen kann.
Welches Problem beschreiben die Autoren in Bezug auf die Kategorisierung?
Es besteht ein Spannungsfeld: Während Kategorien helfen, komplexe Phänomene in der Schule zu ordnen, führen sie gleichzeitig zur Stigmatisierung und Depersonalisierung der betroffenen Schüler.
Was ist das Hauptziel der Forschungsarbeit?
Ziel ist es zu hinterfragen, in welcher Form Dekategorisierungsprozesse mit einer inklusiven Unterrichtspraxis vereinbar sind, ohne die notwendige Hilfeleistung für Schüler zu gefährden.
Welche wissenschaftliche Methodik wird primär verfolgt?
Es handelt sich um eine theoretische Arbeit, die auf einer umfassenden Literaturanalyse und der Aufarbeitung erziehungswissenschaftlicher Diskurse basiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine Begriffsklärung von Inklusion und Exklusion, eine Analyse des Konzepts der Dekategorisierung sowie eine Diskussion der pädagogischen Perspektiven und der damit verbundenen bürokratischen Hürden.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am stärksten?
Neben dem zentralen Begriff der Dekategorisierung prägen Worte wie Inklusion, Stigmatisierung, Sonderpädagogik, Etikettierungs-Ressourcen-Dilemma und Differenzkonstruktion die Arbeit.
Was versteht man unter dem in der Arbeit genannten Etikettierungs-Ressourcen-Dilemma?
Dies beschreibt die Problematik, dass sonderpädagogische Hilfen und finanzielle Ressourcen im aktuellen System fast immer an eine offizielle Etikettierung/Kategorisierung des Kindes gebunden sind.
Welche Lösung schlägt die Autorin für die Zukunft vor?
Die Arbeit plädiert für eine Veränderung der Ressourcenzuweisung hin zu einer Kind-Umfeld-Analyse oder einer sozialindex-basierten Ausstattung, um Hilfen vom einzelnen Individuum und seiner Etikettierung zu entkoppeln.
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- Paula Fischer (Author), 2022, Inklusion und Exklusion. Konzept der Dekategorisierung in der inklusiven Pädagogik, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1358692