Traditionelle Controllingsysteme beziehen sich in der Regel überwiegend auf etablierte Unternehmen. Sie sind jedoch nicht in der Lage den gründungsspezifischen Anforderungen gerecht zu werden. Die vorliegende Arbeit eruiert verschiedene Merkmale und Anforderungen neu gegründeter Unternehmen und leitet daraus eine geeignete Controllingkonzeption ab. Auf gesamtwirtschaftlicher Ebene wird jungen, innovativen Unternehmen vor allem in
Bezug auf die Schaffung neuer Arbeitsplätze und die Beschleunigung des
strukturellen Wandels eine hohe Bedeutung beigemessen. In Anbetracht dieser
Tatsache wiegt es besonders schwer, dass ein Drittel aller in Deutschland
abgewickelter Insolvenzen auf junge Unternehmen in den ersten vier Jahren nach
ihrer Gründung zurückzuführen sind1 (sh. Anlage 1). Empirische Studien haben
gezeigt, dass ein wesentlicher Faktor für ein solches Scheitern in fehlenden
Planungs- und Kontrollsystemen und damit in einem Mangel an Controlling
begründet liegt2. Dies deutet darauf hin, dass Controlling in neu gegründeten
Unternehmen ein Untersuchungsproblem von herausragender Relevanz ist
(sh. Anlage 2). Jedoch beschränkt sich die Auseinandersetzung mit Controlling in
Theorie und Praxis auch heute zumeist auf etablierte Unternehmen. Daher gilt es,
eine den Anforderungen an Neugründungen entsprechende Controllingkonzeption zu
entwickeln3. Die vorliegende Arbeit betrachtet zunächst das neu gegründete
Unternehmen als solches und stellt heraus, welche controllingrelevanten
Charakteristika es aufweist. Nach einer Definition des Controllingbegriffs, wird im
Folgenden herausgestellt, welche gründungsspezifischen Anforderungen sich
hieraus ergeben. Abschließend wird eine sich aus den zuvor gewonnenen
Erkenntnissen erschließende Controllingkonzeption für neu gegründete Unternehmen
erörtert.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Neu gegründete Unternehmen
2.1 Begriffsbestimmung
2.1.1 Unternehmensgründung
2.1.2 Entwicklungsphasen
2.2 Controllingrelevante Charakteristika
2.2.1 in Bezug auf Unternehmensmerkmale
2.2.2 in Bezug auf Unternehmensziele
2.2.3 in Bezug auf unternehmerische Kernaufgaben
2.3 Controllingbedarf
3 Controlling als Erfolgsfaktor
3.1 Begriffsbestimmung
3.2 Gründungsspezifische Anforderungen und Charakteristika
3.2.1 in Bezug auf Unternehmensmerkmale
3.2.2 in Bezug auf Unternehmensziele
3.2.3 in Bezug auf unternehmerische Kernaufgaben
4 Spezifische Controllingkonzeption für neu gegründete Unternehmen
4.1 Controllingziele
4.2 Controllingaufgaben
4.2.1 Planung
4.2.2 Information und Kontrolle
4.3 Instrumente des Controllings
4.3.1 Planungsinstrumente
4.3.2 Informationsinstrumente
4.3.3 Kontrollinstrumente
5 Schlussbetrachtung
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die Relevanz und Ausgestaltung eines Controllings in neu gegründeten Unternehmen, um diesen bei der Bewältigung spezifischer Gründungsrisiken als Instrument der Führungsunterstützung zu dienen und Insolvenzgefahren durch fehlende Planungs- und Kontrollsysteme zu minimieren.
- Analyse controllingrelevanter Charakteristika von Neugründungen
- Definition einer auf Gründungsphasen zugeschnittenen Controllingkonzeption
- Identifikation und Bewältigung kritischer Führungsprobleme
- Einsatz effizienter Planungsinstrumente wie dem Businessplan
- Liquiditätssicherung und Controlling als Rationalitätssicherung
Auszug aus dem Buch
2.1.1 Unternehmensgründung
In der Literatur existieren unterschiedliche Unternehmensgründungsformen, die sich durch zwei wesentliche Merkmalsausprägungen beschreiben lassen4: Hinsichtlich der Strukturexistenz werden originäre und derivative Gründungen unterschieden. Während bei ersteren eine völlig neue Wirtschaftseinheit entsteht handelt es sich bei zweiteren um zuvor bereits in anderer Form existente Unternehmungen, die lediglich in eine neue Unternehmenseinheit überführt werden. Das zweite wesentliche Merkmal, der Selbständigkeitsgrad, bezieht sich auf den angestrebten Selbständigkeitsstatus der Gründerperson. So genannte selbständige Gründungen erfolgen dabei zum Aufbau einer selbständigen, unternehmerischen Existenz durch eine in einem selbständigen Arbeitsverhältnis stehende Gründerperson. Unselbständige Gründungen hingegen erfolgen im Rahmen einer abhängigen Beschäftigung des Gründers für eine bereits existierende Organisation. Die sich durch Kombination dieser Ausprägungen ergebenden Gründungsformen sind in nachstehender Abbildung aufgeführt:
Im Rahmen dieser Arbeit soll die originäre, selbständige Gründung den Begriff des neu gegründeten Unternehmens umschreiben, da das hier typischerweise eingeschränkte Wissens- und Erfahrungspotential der Gründerperson gepaart mit fehlenden, bestehenden Unternehmensstrukturen die speziellen Problemfelder von Gründungsvorhaben besonders deutlich widerspiegelt.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die hohe Insolvenzrate bei jungen Unternehmen und postuliert den Mangel an Controlling-Systemen als wesentlichen Scheiterungsfaktor.
2 Neu gegründete Unternehmen: Dieses Kapitel definiert den Untersuchungsgegenstand, analysiert die Gründungsphasen und erarbeitet controllingrelevante Charakteristika sowie den spezifischen Controllingbedarf.
3 Controlling als Erfolgsfaktor: Es wird das Controllingverständnis als Sicherstellung der Führungsrationalität etabliert und die Anforderungen an das Controlling bei Neugründungen konkretisiert.
4 Spezifische Controllingkonzeption für neu gegründete Unternehmen: Dieses Kapitel ausgestaltet die Controllingziele, -aufgaben und -instrumente (Planung, Information, Kontrolle) für die spezielle Situation junger Firmen.
5 Schlussbetrachtung: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und fordert weitere praxisnahe Forschung, um Barrieren bei Gründern abzubauen und deren Controlling-Kompetenz zu fördern.
Schlüsselwörter
Controlling, neu gegründete Unternehmen, Unternehmensgründung, Businessplan, Führungsunterstützung, Rationalitätssicherung, Liquiditätssicherung, Gründungsphase, Planung, Kontrolle, Information, Gründungsrisiko, Unternehmensziele, Unternehmensführung, Finanzplanung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Notwendigkeit und konkrete Ausgestaltung von Controlling-Systemen in der Gründungsphase von Unternehmen, um die hohe Insolvenzgefahr durch bessere Führungsentscheidungen zu reduzieren.
Welche zentralen Themenfelder behandelt der Autor?
Die zentralen Themen sind die Definition von Neugründungen, die Analyse controllingrelevanter Merkmale junger Unternehmen, die Festlegung von Controlling-Zielen sowie die Auswahl geeigneter Instrumente für die Planung und Kontrolle.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage der Arbeit?
Das Ziel ist es, eine Controllingkonzeption zu entwickeln, die spezifisch auf die Bedürfnisse und eingeschränkten Ressourcen neu gegründeter Unternehmen zugeschnitten ist, um deren Erfolgschancen zu erhöhen.
Welche wissenschaftliche Methode verwendet der Autor?
Der Autor führt eine theoretische Auseinandersetzung und Analyse auf Basis der bestehenden Fachliteratur durch, um ein anwendungsorientiertes Controlling-Konzept für Neugründungen abzuleiten.
Was genau wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Bestimmung des Controlling-Bedarfs, die theoretische Definition eines Controllings als Erfolgsfaktor und die detaillierte Ausgestaltung von Planungsinstrumenten wie dem Businessplan und Informationsinstrumenten wie dem Rechnungswesen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?
Zu den Kernbegriffen zählen Controlling, neu gegründete Unternehmen, Businessplan, Führungsunterstützung, Liquiditätssicherung und Rationalitätssicherung.
Warum ist das Controlling laut der Arbeit gerade für Gründer so schwierig?
Gründer verfügen oft über keine Vergangenheitsdaten für Planungen, haben meist einen eher technologischen Hintergrund mit kaufmännischen Defiziten und leiden unter einer starken Ressourcenknappheit sowie psychologischen Barrieren.
Welche Rolle spielt der Businessplan in diesem Controlling-Konzept?
Der Businessplan dient als zentrales Instrument, da er nicht nur extern der Kapitalakquisition dient, sondern intern eine kritische Auseinandersetzung mit der Geschäftsidee ermöglicht und eine ganzheitliche Planungsgrundlage schafft.
Wie unterscheidet sich die Planung in der Gründungsphase von der in etablierten Unternehmen?
Im Gegensatz zu etablierten Firmen fehlen Neugründungen historische Daten; daher erfordert die Planung einfache, verständliche und formalisierte Instrumente, die zudem ein hohes Maß an Vorsicht und Risikobewusstsein widerspiegeln.
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- Stefan Krogmann (Author), 2008, Controlling als Erfolgsfaktor neu gegründeter Unternehmen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/135872