In dieser Arbeit soll exemplarisch anhand einer Lehrmittelanalyse untersucht werden, inwiefern das Arbeitsbuch einer örtlichen Berufsfachschule zur Etablierung der einleitend erwähnten Sachkompetenz beiträgt. Dazu werden Ausschnitte des Materials aus fachwissenschaftlicher und fachdidaktischer Sicht beurteilt und analysiert. Dies umfasst auch die Betrachtung, inwieweit das Material mit Blick auf den Lernprozess und die Vorwissensbestände plausibel aufgebaut und angeordnet ist. Abschließend werden begründete Verbesserungsvorschläge beziehungsweise Alternativen skizziert. In einem Fazit werden die zentralen Erkenntnisse dieser Arbeit zusammengefasst und für die spätere Berufspraxis reflektiert.
"Der Schüler kann auf der Wortebene […] grundlegende Regeln der Groß- und Kleinschreibung […] sicher anwenden", heißt es im Lehrplan für Berufsfachschulen in Thüringen. Es handelt sich dabei um eine Zielstellung, die es seitens der Lehrkraft zu verfolgen gilt. Die Entwicklung einer solchen Sachkompetenz bei Schülerinnen und Schülern (nachfolgend SuS) ist jedoch alles andere als ein leichtes Unterfangen. Die satzinterne Großschreibung gehört "zu den schwieriger zu lernenden Bereichen der deutschen Orthographie", weshalb es wenig überraschend ist, dass jener Bereich auch als der fehleranfälligste der Rechtschreibung gilt. Granzow-Emden folgend ergibt sich daraus nicht nur für die SuS eine Herausforderung, sondern auch für die Lehrkräfte, welche den Unterricht unter Berücksichtigung von Lernvoraussetzungen und zahlreichen Kontextfaktoren zu planen haben. Zu jenen Kontextfaktoren zählen auch die Lehrmittel, welche seitens der Schule zur Verfügung stehen. Deren Einsatz ist jedoch keinesfalls ein Selbstläufer, sodass sich eine ungeprüfte Verwendung im Unterricht verbietet.
Inhaltsverzeichnis
0. Einleitung
1. Hauptteil
2. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die fachwissenschaftliche und fachdidaktische Eignung eines Lehrwerks für Berufsfachschulen im Hinblick auf die Vermittlung der satzinternen Großschreibung. Ziel ist es, aufzuzeigen, inwieweit das verwendete Arbeitsbuch zur Etablierung der geforderten Sachkompetenz bei den Lernenden beiträgt und wo kritische Defizite im didaktischen Aufbau bestehen.
- Kritische Analyse des wortartbasierten Vermittlungsansatzes in Lehrmitteln
- Evaluation der in den Lehrwerken verwendeten Signalwortstrategien
- Die Problematik vager Regeln und didaktisch fragwürdiger Übungsanordnungen
- Darstellung alternativer, syntaxorientierter Vermittlungswege wie das Treppengedicht
- Reflexion des Spannungsfeldes zwischen deklarativem Regelwissen und mentaler Grammatik
Auszug aus dem Buch
1. Hauptteil
Im Lehrwerk wird Grammatik und Orthografie unter der Rubrik ‚Sprachbetrachtung‘ thematisiert. Diese beginnt mit der Bestimmung von Wortarten (siehe Anhang Abb. 1), was auf den nachfolgenden Seiten immer wieder als grundlegend dargestellt und durch Verweise auf jene Seite unterstrichen wird. Zweifelsohne hat diese Rubrik eher Wiederholungscharakter, da bis zur Berufsfachschule wesentliche grammatische sowie orthographische Grundlagen (in der Theorie) bereits vermittelt wurden. Im Folgenden soll kurz der erste Abschnitt dieser Grundlagenseite (siehe Anhang Abb. 1) mit Blick auf die später folgende Großschreibung analysiert werden, damit auch der Querverweis im Lehrwerk angemessen berücksichtig wird.
Äußerst unglücklich erscheint direkt die Übersetzung des Fachterminus ‚Nomen‘ zu ‚Hauptwort‘ und die Arbeit mit diesem Begriff. Während das Verzeichnis grundlegender grammatischer Fachausdrücke um eine Vereinheitlichung der Termini bemüht ist, die sich auch in der Konzeption von Lehrwerken wiederfinden soll (vgl. Kultusministerkonferenz 2019: 1), läuft das hier analysierte Lehrwerk mit der vorgenommenen Begriffswahl dieser Bemühung zuwider.
Anhand der ‚Testfragen‘ kann (neben der Überschrift ‚Wortarten‘) ein traditioneller Zugang zur Thematik identifiziert werden, der auch als wortartbezogener oder semantisch-lexikalischer Ansatz bezeichnet wird (vgl. LiLApedia: „Vermittlungsansätze der satzinternen Großschreibung/ Ansätze und ihre Einschränkungen“). Drei dieser ‚Testfragen‘ sollen nachfolgend genauer in den Blick genommen werden. Die zweite ‚Testfrage‘ beinhaltet beispielsweise eine allgemein-lexikalische Perspektive, indem sie Artikel und eine unklare Anzahl an weiteren Wörtern als typische Erweiterung eines Substantivs darstellt. Dadurch werden jedoch problematische Signalwortstrategien etabliert und die Großschreibung von attributiven Adjektiven provoziert (vgl. Rautenberg 2017: 269).
Zusammenfassung der Kapitel
0. Einleitung: Die Einleitung steckt das Problemfeld der satzinternen Großschreibung im Deutschunterricht an Berufsfachschulen ab und erläutert die Relevanz der Untersuchung des Spannungsfeldes zwischen Lehrplanvorgaben und der Umsetzung in aktuellen Lehrmitteln.
1. Hauptteil: Der Hauptteil analysiert kritisch die didaktische Aufbereitung der Rechtschreibregeln im Lehrwerk, deckt die Schwächen des wortartbasierten Ansatzes sowie unzureichender Übungsmodelle auf und skizziert syntaxorientierte Alternativen.
2. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und bewertet das untersuchte Lehrmaterial aufgrund der didaktischen Defizite und der mangelnden Förderung echter Handlungskompetenz als für den Unterricht ungeeignet.
Schlüsselwörter
satzinterne Großschreibung, Lehrmittelanalyse, Berufsfachschule, Rechtschreibdidaktik, Regelvermittlung, Signalwortstrategie, fachdidaktische Transformation, Syntax, mentale Grammatik, Nominalisierung, fachwissenschaftlicher Diskurs, Wortarten, Schreibkompetenz
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit einer kritischen Analyse eines spezifischen Lehrmittels für Berufsfachschüler und untersucht dessen Wirksamkeit bei der Vermittlung von Regeln zur satzinternen Großschreibung.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Im Zentrum stehen der fachwissenschaftliche Geltungsbereich von Rechtschreibregeln, die didaktische Aufbereitung dieser Regeln in Arbeitsbüchern sowie die Frage, wie Lernende durch gezielte Übungen echte Schreibkompetenz erlangen können.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, inwieweit das eingesetzte Lehrmaterial dazu geeignet ist, die im Lehrplan geforderte Sachkompetenz bei den Schülern tatsächlich zu fördern und wo Diskrepanzen zwischen Theorie und didaktischer Umsetzung liegen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine exemplarische Lehrmittelanalyse, bei der Ausschnitte aus dem Material aus fachwissenschaftlicher und fachdidaktischer Sicht beurteilt und auf ihren theoretischen Hintergrund sowie ihren praktischen Nutzen hin geprüft werden.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die konkrete Untersuchung der „Sprachbetrachtung“ im Lehrwerk, die Kritik am wortartbasierten Ansatz, die Beleuchtung problematischer Übungsformate sowie die Herleitung alternativer, syntaxorientierter Vermittlungswege.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Untersuchung?
Die Arbeit wird unter anderem durch Begriffe wie satzinterne Großschreibung, Signalwortstrategie, didaktische Transformation, mentale Grammatik und syntaxorientierte Vermittlungswege geprägt.
Warum wird der Begriff „Hauptwort“ im Lehrwerk kritisiert?
Der Begriff „Hauptwort“ gilt als veraltet und steht im Widerspruch zu aktuellen Bemühungen der Kultusministerkonferenz, grammatische Fachtermini zur besseren Vergleichbarkeit und Klarheit im Bildungswesen zu vereinheitlichen.
Was verbirgt sich hinter dem „syntaxorientierten Ansatz“ als Alternative?
Dieser Ansatz schlägt vor, den Fokus von isolierten Wortarten weg auf die Satzstruktur zu lenken, indem Sätze zum Beispiel um das finite Verb herum in Gruppen gegliedert werden, was ein intuitiveres Verständnis der Großschreibung ermöglicht.
- Citar trabajo
- Anonym (Autor), 2023, Lehrmittelanalyse zur satzinternen Großschreibung. Untersuchung eines Arbeitsbuches einer örtlichen Berufsfachschule, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1359153