Die folgende Ausarbeitung thematisiert das Okzitanische als Minderheitensprache in Italien, wobei das Augenmerk auf der Sprachpolitik liegt. Der erste Teil erläutert die Begriffe Sprachpolitik sowie Regional- und Minderheitensprachen. Im Anschluss wird die Geschichte der okzitanischen Sprache aufgezeigt und das Sprachgebiet sowie die dialektale Aufgliederung werden erklärt. Darüber hinaus werden Sprecher:innenzahlen genannt. Der nachfolgende Teil beschäftigt sich mit der Lage und den geographischen Fakten der okzitanischen Täler und anschließend wird die Sprachsituation dargestellt. Es folgt eine Gegenüberstellung der Sprachpolitik in Frankreich und Italien. Nach der Präsentation eines historischen Abrisses der Sprachpolitiken wird der Fokus nun auf die allgemeine Situation der Minderheitensprache in den jeweiligen Ländern gelegt. Der letzte Teil geht auf die ergriffenen Maßnahmen zur Sprachförderung des Okzitanischen ein. Dabei werden die Sprachpflege sowie die Kodifizierung beschrieben.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Theoretische Grundlagen und Begriffserklärungen
2.1. Sprachpolitik
2.2. Regional- und Minderheitssprachen
3. Das Okzitanische
3.1. Geschichte
3.2. Sprachname
3.3. Sprachgebiet und dialektale Aufgliederung
3.4. Sprecher:innenzahlen
4. Die okzitanischen Täler
4.1. Lage und geographische Fakten
4.2. Sprachsituation
5. Darstellung der Sprachpolitik in Frankreich und Italien
5.1. Italiens Sprachpolitik
5.1.1. Wichtige Eckdaten der Sprachpolitik in Italien
5.1.2. Allgemeine Situation der sprachlichen Minderheiten in Italien
5.2. Frankreichs Sprachpolitik
5.2.1. Die Entwicklung der Sprachgesetzgebung im Hexagon
5.2.2. Allgemeine Situation der Minderheitensprachen in Frankreich
6. Maßnahmen zur Sprachförderung des okzitanischen
6.1. Die Sprachpflege des Okzitanischen
6.2. Kodifizierung
7. Fazit
8. Bibliografie
Zielsetzung & Themen
Ziel der Arbeit ist es, die aktuelle Situation des Okzitanischen als Minderheitensprache in Italien und Frankreich unter Berücksichtigung der jeweiligen Sprachpolitik zu analysieren und Möglichkeiten sowie Hindernisse für den Erhalt der Sprache aufzuzeigen.
- Vergleichende Analyse der Sprachpolitik in Frankreich und Italien
- Soziolinguistische Untersuchung der okzitanischen Sprachsituation
- Untersuchung der Geschichte und dialektalen Gliederung des Okzitanischen
- Analyse praktischer Maßnahmen zur Sprachpflege und Kodifizierung
- Beurteilung der Zukunftsaussichten unter den gegebenen gesetzlichen Rahmenbedingungen
Auszug aus dem Buch
3.1. Geschichte
Um das Jahr 1000 wurde die okzitanische Sprache, die zu den romanischen Sprachen gehört und sich aus dem Vulgärlatein entwickelte, erstmals erwähnt. Das Okzitanische stieg im 12. und 13. Jahrhundert zur führenden Literatursprache des Mittelalters im romanischen Raum auf. Wesentlich dazu beigetragen haben die sogenannten Troubadours, die als Dichter und Komponisten die okzitanische Sprache von Europa bis nach England verbreiteten. Mit der Eroberung der südlichen Provinzen durch die Könige des Nordens im 13. Jahrhundert erklärte der König François 1er zur Vereinheitlichung des Justiz- und Verwaltungswesens mit dem Edikt von Villers-Cotterêts Französisch zur Amtssprache. Bis zu diesem Zeitpunkt wurden offizielle Dokumente in Latein und im Süden in Okzitanisch verfasst. Im Süden wurde Okzitanisch dennoch von der Bevölkerung jahrhundertelang gesprochen.
Französisch als Sprache der Machthaber und Symbol des sozialen Aufstiegs lernte vor allem die Elite. Zum Niedergang des Okzitanischen trug die Französische Revolution wesentlich bei, denn zur Verbreitung von Ideen, war eine Einheitssprache notwendig. Um in der Verwaltung arbeiten zu können, musste die französische Sprache beherrscht werden. An republikanischen Schulen war das Sprechen des Okzitanischen im späten 19. Jahrhundert auf dem Schulhof verboten. Okzitanisch galt nunmehr als patois beziehungsweise ländlich grober Dialekt. Allerdings erhielt Frédéric Mistral, der der literarischen Bewegung félibrige des 19. Jahrhunderts angehörte, im Jahr 1904 den Nobelpreis für sein in okzitanischer Sprache verfasstes Gedicht Mirèio. In den 1950er Jahren erlaubte man erstmals wieder den Gebrauch von Regionalsprachen, wie bretonisch, baskisch, elsässisch, korsisch und okzitanisch im Unterricht (vgl. Cichon 2002: 9f).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet den Beitritt der Gemeinde Rifreddo zum Schutz der okzitanischen Minderheit und skizziert den Aufbau sowie die Forschungsabsicht der Arbeit.
2. Theoretische Grundlagen und Begriffserklärungen: Dieses Kapitel definiert zentrale Termini wie Sprachpolitik, Regional- und Minderheitensprachen sowie Sprachplanung und -pflege als theoretisches Fundament.
3. Das Okzitanische: Hier wird die historische Entwicklung, Benennung, dialektale Gliederung sowie die Problematik der Sprecher:innenzahlen des Okzitanischen erörtert.
4. Die okzitanischen Täler: Der Fokus liegt auf der geografischen Lage der piemontesischen Täler und der dortigen Triglossie-Situation, die durch den Sprachkontakt mit dem Italienischen und Regionalen geprägt ist.
5. Darstellung der Sprachpolitik in Frankreich und Italien: Ein Vergleich der historischen und aktuellen sprachpolitischen Rahmenbedingungen beider Länder hinsichtlich des Schutzes von Minderheitensprachen.
6. Maßnahmen zur Sprachförderung des okzitanischen: Das Kapitel beschreibt konkrete Institutionen, Initiativen zur Sprachpflege und Bemühungen zur sprachlichen Standardisierung (Kodifizierung).
7. Fazit: Die Arbeit schließt mit einer zusammenfassenden Bewertung der prekären Lage des Okzitanischen und der Bedeutung regionaler Erhaltungsmaßnahmen.
8. Bibliografie: Verzeichnis der herangezogenen wissenschaftlichen Literatur und Quellen.
Schlüsselwörter
Okzitanisch, Minderheitensprache, Sprachpolitik, Sprachplanung, Sprachpflege, Frankreich, Italien, piemontesische Alpentäler, Soziolinguistik, Kodifizierung, Spracherhalt, Troubadours, Regionalsprachen, Sprachgesetzgebung, Mehrsprachigkeit.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der vorliegenden Arbeit im Kern?
Die Arbeit befasst sich mit dem Status und der Entwicklung des Okzitanischen als Minderheitensprache, wobei der Fokus auf den unterschiedlichen sprachpolitischen Rahmenbedingungen in Italien und Frankreich liegt.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Zentrale Themen sind die Geschichte der Sprache, der soziolinguistische Status in den sogenannten okzitanischen Tälern des Piemonts, die Sprachgesetzgebung in Frankreich und Italien sowie praktische Fördermaßnahmen.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Ziel ist es, die Möglichkeiten und Herausforderungen beim Schutz der okzitanischen Sprache zu untersuchen und zu bewerten, inwiefern regionale Bemühungen dem drohenden Sprachtod entgegenwirken können.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Die Ausarbeitung basiert auf einer vergleichenden Analyse von sprachpolitischen Dokumenten, Gesetzesgrundlagen und einer Auseinandersetzung mit soziolinguistischer Fachliteratur.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in theoretische Grundlagen, die historische Herleitung, die Darstellung der aktuellen Sprachsituation im Piemont, einen Ländervergleich der Sprachpolitik sowie eine Untersuchung konkreter Erhaltungsinitiativen.
Was kennzeichnet die Arbeit in Bezug auf Schlüsselwörter?
Die Arbeit charakterisiert sich durch Begriffe wie Sprachpolitik, Minderheitenschutz, Kodifizierung und die spezifische soziolinguistische Situation in den grenznahen Tälern zwischen Frankreich und Italien.
Welche Rolle spielt die Gemeinde Rifreddo für die Argumentation?
Rifreddo dient als aktuelles Fallbeispiel für die Bemühungen, das Okzitanische durch den Beitritt zu offiziellen Schutzprogrammen auf regionaler Ebene zu fördern und zu stärken.
Warum ist das Okzitanische heute eine besonders gefährdete Sprache?
Laut der Studie führt eine Kombination aus dem Verlust von Sprecher:innen, dem Fehlen einer verbindlichen überregionalen Norm und der starken Dominanz der jeweiligen Nationalsprachen zu einer massiven Einschränkung der Funktionsbereiche des Okzitanischen.
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- Anonym (Author), 2023, Das Okzitanische in Italien. Eine Minderheitensprache mit Zukunft?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1359740