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Zwischen Bild und Bildlegende. Eine Untersuchung der Intermedialität und Rezeptionsästhetik in Goyas 'Caprichos'

Título: Zwischen Bild und Bildlegende. Eine Untersuchung der Intermedialität und Rezeptionsästhetik in Goyas 'Caprichos'

Tesis de Máster , 2021 , 151 Páginas , Calificación: 2

Autor:in: Petra Pirklhuber (Autor)

Arte - Gráfico / Ilustración / Imprenta
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Charakteristisch für Francisco Goyas "Caprichos" ist, dass die 80 grafischen Bilder mit den dazugehörigen Bildlegenden eine komplexe intermediale Einheit bilden. Vorliegende Masterarbeit verfolgt das Ziel einer systematischen Untersuchung des Zusammenspiels von Grafik und Bildlegende.

Obwohl darauf in der Forschung regelmäßig hingewiesen wurde, steht eine systematische Untersuchung dieses Zusammenspiels bislang aus. Die vorliegende Masterarbeit verfolgt das Ziel, diese Forschungslücke im Rahmen einer rezeptionsästhetischen Studie zu füllen. Im Zentrum der zu erörternden Relationen steht der/die Betrachter*in, dessen/deren Interpretation sich in einem intermedialen Prozess realisiert, an dem auch werkexterne Texte, wie Goyas Verkaufsanzeige im "Diario de Madrid" und die zahlreichen handschriftlich verfassten Kommentare beteiligt waren und sind. Ein besonderes Augenmerk wird auf die Rahmen und Ränder der "Caprichos" gelegt, auf denen die Bildlegenden und Blattnummern zu lesen sind und die zugleich als Vermittlungsinstanzen zwischen Bild und der/die Betrachter*in fungieren. Die Untersuchung führt zu dem Ergebnis, dass sowohl im Bild als auch in der Bildlegende jeweils miteinander konkurrierende rezeptionsästhetische Mittel angelegt sind, die zu Ambiguitäten auf der Deutungsebene führen.

Extracto


Inhaltsverzeichnis der Masterarbeit

Einleitung

1.Das Bildfeld

1.1 Ausschnitt und Fokus

1.1.1 Fokussierung I

1.1.2 Fokussierung II

Exkurs

1.2 Deixis

1.2.1 Der Blick

1.2.1.1 Der Blick in Capricho 1

1.2.1.2 Der negative Blick

1.2.2 Zeiger und Gesten

1.2.3 Die Aquatinta

1.2.4 Mechanismus mit Spiegel

2. Der Rand

2.1 Das Parergon

2.2 Leerstellen

2.3 Die Schwelle

3. Der Text

3.1 Der „implizite Betrachter“ im Kontext

3.2 Werkextern: Die Leerstelle

3.3 Werkintern: Die Sequenz

3.3.1 Die Dialoge

Conclusio

Zielsetzung und thematische Ausrichtung

Die vorliegende Masterarbeit untersucht die rezeptionsästhetischen Faktoren in Francisco Goyas Caprichos-Serie unter besonderer Berücksichtigung der intermedialen Bild-Text-Einheit, um durch eine systematische Zusammenstellung ikonischer und linguistischer Mittel eine Forschungslücke in der aktuellen Goya-Rezeption zu schließen.

  • Analyse der Betrachteraktivierung durch Bildfeld, Rand und Text.
  • Untersuchung der "impliziten Betrachter"-Struktur innerhalb der Caprichos.
  • Dekonstruktion der Interdependenz von Bildinhalt und Legende.
  • Evaluation des Einflusses zeitgenössischer Kommentare auf die Rezeption.
  • Topologische Untersuchung der Bildgrenzen (Rahmen, Marge, Schwelle).

Auszug aus dem Buch

1.1.1 Fokussierung I

Die Wahl des Formats spielt bei der Fokussierung eine entscheidende Rolle, denn dieses trägt wesentlich zur Qualität der Bildwahrnehmung bei. Die hochrechteckigen Bildfelder der Caprichos zeigen einen Ausschnitt – ein Fragment – eines größeren Bildgeschehens. Diese Präsentation des Ausschnitts bezeichnet jene Vorgehensweise, die bereits Leon Battista Alberti beschreibt, wenn er das Festlegen einer Bildfläche mit der Metapher eines geöffneten Fensters in Deckung bringt. Das Bild im Hochformat repräsentiert einen Raum, der einem größeren Raum entnommen worden zu sein scheint. Diese „Substraktion, […] der Schlag aus einem Kontinuum“ wäre demnach einem Verfahren in den Neuen Medien vergleichbar, dem Cut in der Fotografie oder Filmtechnik. Das Hochformat ist das Ergebnis eines herauslösenden Verfahrens, während das Querformat ein diametral entgegengesetztes beschreibt, nämlich ein hinzusetzendes. Das Querformat wird somit als das ‚natürlichere‘ Format ‚erlebt‘, da sich die dominierende Richtung der Horizontalen im Bildfeld parallel zur Erdoberfläche orientiert und sich analog zu unseren Sehgewohnheiten verhält. Die Betrachter*in erhält den Eindruck einer leicht nachvollziehbaren, weil überblickbaren Bildsituation, was ihr das Gefühl von mehr ‚Bewegungsspielraum‘ vor dem Bild vermittelt.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Das Bildfeld: Dieses Kapitel ergründet die ästhetischen Aussagen der Bildszenen und analysiert, wie die Themenwahl sowie die spezifische Bildnarration ("innere Kommunikation") die Betrachter*in ansprechen.

2. Der Rand: Die Untersuchung befasst sich mit der Randzone der Radierungen, die als Vermittler zwischen dem fiktiven Bildinnenraum und dem realen Betrachteraußenraum agiert.

3. Der Text: Es werden die verschiedenen Textmodi – Bildlegenden, Zeitungsanzeige und handschriftliche Kommentare – analysiert, um deren Rolle für die intermediale Struktur und als rezeptionsästhetische Lenkungsinstrumente zu definieren.

Schlüsselwörter

Goya, Caprichos, Rezeptionsästhetik, Bild-Text-Einheit, Aquatinta, Radierung, impliziter Betrachter, Leerstelle, Bildfeld, Intermedialität, Betrachteraktivierung, Kunstgeschichte, Bildhermeneutik, Deixis, Bildlegende

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Masterarbeit grundlegend?

Die Arbeit analysiert die rezeptionsästhetischen Bedingungen der Caprichos von Francisco de Goya, indem sie die komplexe intermediale Beziehung zwischen Bildradierung und Bildlegende systematisch untersucht.

Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?

Zentrale Themen sind die Bild-Text-Einheit, die Rolle der Randzonen und Rahmen, die Steuerung der Betrachteraktivität durch deiktische Mittel sowie der Einfluss externer zeitgenössischer Kommentare.

Welches primäre Ziel verfolgt die Arbeit?

Das Ziel ist es, die in der bisherigen Capricho-Forschung vernachlässigte systematische Analyse der rezeptionsästhetischen Faktoren und ihrer topologischen Verhältnisse innerhalb der Bild-Text-Einheit zu schließen.

Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?

Die Arbeit nutzt eine kunsthistorische und rezeptionsästhetische Methodik, orientiert an der Konstanzer Schule (Wolfgang Iser, Hans Robert Jauß) sowie dem Instrumentarium von Wolfgang Kemp zur Betrachtersteuerung.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung des Bildfeldes (Fokussierung/Deixis), die Analyse des Randes als "Parergon" oder Schwelle sowie die Erforschung der Textmodi und ihrer performativen Wirkungsweise.

Welche Schlagworte charakterisieren das Werk?

Die Arbeit fokussiert auf Kunstgeschichte, intermediale Gefüge, Bilddeixis, Betrachterlenkung und die spezifische aquatinta-basierte Bildgestaltung Goyas.

Warum ist das "Schuss-Gegenschuss"-Prinzip für die Interpretation wichtig?

Es dient dazu, die psychologische Interaktion zwischen Bildfiguren und dem Rezipienten zu verdeutlichen, insbesondere im Kontext der Selbstporträts, die als "Metabilder" fungieren und den Betrachter aktiv miteinbeziehen.

Welche Bedeutung kommt der Aquatinta-Technik zu?

Über die rein künstlerische Gestaltung hinaus wird die Aquatinta als deiktisches Mittel identifiziert, das durch Lichtführung und Tondifferenzen den Betrachterblick lenkt, ablenkt oder bewusst Irritationen erzeugt.

Final del extracto de 151 páginas  - subir

Detalles

Título
Zwischen Bild und Bildlegende. Eine Untersuchung der Intermedialität und Rezeptionsästhetik in Goyas 'Caprichos'
Universidad
University of Vienna  (Kunstgeschichte - Historisch-Kulturwissenschaftliche Fakultät)
Calificación
2
Autor
Petra Pirklhuber (Autor)
Año de publicación
2021
Páginas
151
No. de catálogo
V1359985
ISBN (PDF)
9783346880680
ISBN (Libro)
9783346880697
Idioma
Alemán
Etiqueta
Francisco de Goya Los Caprichos Rezeptionsästhetik Grafik Aquatinta Intermedialität
Seguridad del producto
GRIN Publishing Ltd.
Citar trabajo
Petra Pirklhuber (Autor), 2021, Zwischen Bild und Bildlegende. Eine Untersuchung der Intermedialität und Rezeptionsästhetik in Goyas 'Caprichos', Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1359985
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