Die Sprache der Juristen wird unter anderem aufgrund ihrer Komplexität, Präzision und Fachtermini häufig negativ konnotiert und führt nicht selten zu Verständnisproblemen, besonders unter Laien. Auch für Deutsch als Fremdsprache Lernende, unabhängig davon, ob sie mit Rechtswissenschaften in ihrer Muttersprache vertraut sind, stellt dies häufig ein großes Problem dar.
Im Folgenden werden daher Gesetzestexte zunächst allgemein auf ihre strukturellen und insbesondere sprachlichen Besonderheiten untersucht; hierbei wird absteigend von der Textebene über die Satzebene hin zum einzelnen Wort vorgegangen. Danach werden die allgemeinen Theorien auf konkrete Paragraphenbeispiele aus dem Strafgesetzbuch angewendet, um zu überprüfen, ob es gewisse „Kernmerkmale“ der juristischen Fachsprache gibt, welche in der Regel häufiger in Gesetzestexten vorkommen als andere. Abschließend wird auf generelle Didaktisierungsvorschläge zu Gesetzestexten eingegangen und ein konkreter Vorschlag zur Didaktisierung eines zuvor analysierten Paragraphen vorgestellt. Als Quellen dienen sowohl ältere als auch neuere Untersuchungen der juristischen Fachsprache; sie helfen zu zeigen, dass Gesetzestexte einige strukturelle und sprachliche Besonderheiten aufweisen, welche für den Muttersprachler sowie den Nicht-Muttersprachler bei der Lektüre erhebliche Probleme darstellen können.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Strukturelle Besonderheiten von Gesetzestexten
2.1 Textexterne Merkmale
2.2 Textinterne Merkmale
3. Sprachliche Besonderheiten von Gesetzestexten
3.1 Grammatikalische Merkmale
3.2 Lexikalische Merkmale
4. Beispielanalysen der Paragraphen 239, 239a, b und c des Strafgesetzbuches
5. Didaktisierung von Gesetzestexten im DaF-Unterricht
5.1 Generelle Anmerkungen zur Didaktisierung von Gesetzen
5.2 Vorschlag zur Didaktisierung des Paragraphen 239a des Strafgesetzbuches
6. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die strukturellen und sprachlichen Besonderheiten juristischer Gesetzestexte, um die häufig auftretenden Verständnisprobleme bei Laien und Deutsch als Fremdsprache (DaF)-Lernenden zu analysieren und didaktische Lösungsansätze zu entwickeln.
- Strukturelle Analyse von Gesetzestexten (Textexterne und textinterne Merkmale)
- Sprachliche Charakteristika der juristischen Fachsprache (Syntax, Genitive, Passiv)
- Empirische Anwendung der Theorien am Beispiel des Strafgesetzbuches (StGB §§ 239-239c)
- Methodische Didaktisierungsvorschläge für den DaF-Unterricht
Auszug aus dem Buch
2.1 Textexterne Merkmale
Die Textsorte „Gesetzestext“ wird, neben Verordnungen, Vorschriften, Verfügungen und anderen, zu der Textklasse der „Juristischen Normtexte“ gezählt und ist aufgrund ihrer Gebundenheit an die Institution Recht „Grundlage und Orientierungspunkt juristischer Entscheidungen“ (Kühn 2001: 586). Gesetzestexte weisen einige signifikante Merkmale auf: Busse bezeichnet Normtexte als „situationslose Texte“, das heißt, dass sie aufgrund ihrer Konzeption auf viele Situationen anwendbar sind und sich nicht spezifisch auf eine konkrete Situation beziehen (1992: 263).
Darüber hinaus weisen Gesetzestexte in der Regel „keinen persönlichen Autor“ auf; in den meisten Fällen werden sie sogar im Laufe der Zeit mehrfach überarbeitet und haben folglich genau genommen mehrere Verfasser (Jaspersen 1998: 128). Jaspersen sieht darin das Problem struktureller Unübersichtlichkeit, da häufige Überarbeitungen den ursprünglichen Stil und die inhaltliche Strukturierung partiell verändern, und daraus ein erschwertes Verstehen für den Leser folgt. Ein ebenso wichtiges Merkmal von Gesetzen ist ihre Unterteilung, eine „Parzellierung“, in Paragraphen, welche normalerweise zuerst aus einem allgemeinen einführenden Paragraphen zu dem Thema bestehen und dann in einzelne spezifischere Unterparagraphen unterteilt sind; sämtliche Paragraphen werden in der Regel durch eine Überschrift eingeführt und sind grafisch deutlich als abgegrenzte Einheit gekennzeichnet (Jaspersen 1998: 128-29). Die Kennzeichnung eines Paragraphen erfolgt vielmehr auch unmissverständlich durch das ausschließlich hierfür vorbehaltene Symbol „§“, welches somit ein charismatisches „Textsortensignal“ darstellt (Pfeiffer et al. 1989: 20). Außerdem sind Gesetzestexte mehrfachadressiert, „an eine unbestimmte Anzahl von Personen“, sowohl fachkundige Juristen als auch Laien, woraus sich alles andere als ein homogener Adressatenkreis ergibt (Jaspersen 1998: 127-28).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung benennt die Problemstellung bezüglich der Schwierigkeiten von Laien und Deutschlernern beim Verstehen juristischer Texte und skizziert das methodische Vorgehen.
2. Strukturelle Besonderheiten von Gesetzestexten: Hier werden Merkmale wie die situative Ungebundenheit, die fehlende Autorenschaft sowie die grafische Parzellierung in Paragraphen analysiert.
3. Sprachliche Besonderheiten von Gesetzestexten: Das Kapitel beleuchtet komplexe sprachliche Strukturen, wie hohe Satzlängen, Nominalstil, Passivkonstruktionen und Fachtermini.
4. Beispielanalysen der Paragraphen 239, 239a, b und c des Strafgesetzbuches: Die theoretischen Erkenntnisse werden konkret auf die Paragraphen des StGB zur Freiheitsberaubung angewendet.
5. Didaktisierung von Gesetzestexten im DaF-Unterricht: Es werden praxisorientierte Ansätze für den Fremdsprachenunterricht vorgestellt, um Gesetzestexte zugänglicher zu gestalten.
6. Fazit: Die Arbeit fasst zusammen, dass die juristische Fachsprache in ihrem Kontext vermittelt werden muss, um Verständnisprobleme abzubauen.
Schlüsselwörter
Gesetzestexte, juristische Fachsprache, Deutsch als Fremdsprache, Kohäsion, Kohärenz, StGB, Freiheitsberaubung, Didaktisierung, Textsorte, Juristische Normtexte, Sprachbarrieren, Syntax, Nominalstil, Intertextualität, Fachtermini.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der linguistischen und didaktischen Untersuchung von Gesetzestexten und deren Verständnisproblemen bei Laien sowie DaF-Lernenden.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentral sind die strukturellen und sprachlichen Eigenschaften juristischer Texte, sowie die Möglichkeiten, diese im DaF-Unterricht erfolgreich zu vermitteln.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, die spezifischen Merkmale der juristischen Fachsprache zu identifizieren, die den Zugang erschweren, und konkrete Methoden für den Unterricht zu erarbeiten.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine linguistische Textanalyse (absteigend von der Text- zur Wortebene) sowie die Anwendung dieser Theorien auf konkrete Paragraphenbeispiele aus dem Strafgesetzbuch.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert strukturelle Merkmale (z.B. Paragraphenstruktur), sprachliche Besonderheiten (z.B. Satzkomplexität, Passiv) und wendet diese exemplarisch auf die §§ 239–239c StGB an.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Charakteristisch sind Begriffe wie juristische Fachsprache, Kohäsion, Komposita, StGB und Didaktisierung.
Warum sind gerade Gesetzestexte für Deutschlerner so schwierig?
Gesetzestexte sind geprägt von einer hohen Satzkomplexität, Nominalstil, Fachtermini und einer speziellen Textsortentradition, die von der Alltagssprache stark abweicht.
Wie lässt sich die Kohärenz in juristischen Texten sicherstellen?
Kohärenz ergibt sich oft erst durch den Zugriff auf das gesamte Gesetzbuch, da Einzelparagraphen häufig stark auf andere Paragraphen oder Abschnitte verweisen.
Welchen Stellenwert hat das „Wir-Gefühl“ der Juristen?
Die kanzleisprachliche Ausdrucksweise dient als Jargon zur Abgrenzung und erzeugt innerhalb der Fachgruppe ein spezielles Zusammengehörigkeitsgefühl, was die Ausgrenzung von Laien verstärkt.
Was empfiehlt die Arbeit für den Unterricht?
Die Arbeit empfiehlt die Arbeit mit authentischen Texten und induktiven Übungen, um die Texte als Gesamtzusammenhang und nicht nur als isolierte Lexeme zu begreifen.
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- Anonym (Autor), 2009, Gesetzestexte – für den DaF-Lerner unverständlich?, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1360128