Diese Arbeit widmet sich Stephen Cranes "Maggie: A Girl of the Streets." Besonders betrachtet wird die Tiermetaphorik.
Dabei ist es wichtig, zunächst einmal den Ausdruck ‘animalism‘ genauer zu beleuchten, was er meint und wie er sich in "Maggie: A Girl of the Streets" äußert. Im Anschluss wird dann die darwinsche Vorstellung von einem ‘survival of the fittest‘ anhand von Maggies Familie, den Johnsons, als prototypisches Beispiel näher examiniert. Um die tierischen Züge der Menschen darzustellen, greift Crane, häufig auch ironisch, auf Metaphern und Vergleiche mit Tieren jeglicher Art – überwiegendes Spenderfeld konstituieren jedoch Raubtiere – zurück. Hierbei erscheint es besonders sinnvoll situationsweise vorzugehen, da Menschen in Maggie häufig als Kollektiv gesehen werden; besonders eignet sich der Streit in der Familie Johnson, der Kampf zwischen den Kindern der Devil’s Row und Rum Alley, Jimmie bei seiner Arbeit als Kutscher und der Kampf zwischen Jimmie und Pete.
Werden die Menschen bei einer solchen Darstellung überhaupt noch als Menschen mit individuellen humanen Zügen angesehen?
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. ‘The Survival of the Fittest‘: Die Darstellung der Bowery als Dschungel
2.1 ‘Animalism‘
2.2 Die Johnsons als prototypisches Beispiel
3. Menschen als Tiere: Tiermetaphern und -vergleiche
3.1 Der alltägliche Streit in der Familie Johnson
3.2 Der Kampf zwischen den Kindern aus der Devil’s Row und Rum Alley
3.3 Jimmie bei seiner Tätigkeit als Fahrer einer Kutsche
3.4 Der Kampf zwischen Jimmie und Pete
4. Fazit
5. Literaturverzeichnis
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die naturalistische Darstellung der Bowery in Stephen Cranes Roman "Maggie: A Girl of the Streets" und analysiert, wie die Bewohner durch Tiermetaphern und Darwinistische Konzepte wie "survival of the fittest" entmenschlicht und durch ihr Umfeld determiniert werden.
- Die Bowery als Dschungel-Metapher in einem naturalistisch geprägten Roman.
- Analyse des Begriffs 'Animalism' und der Darwinistischen Determinierung der Figuren.
- Die Familie Johnson als Fallbeispiel für sozialen Überlebenskampf.
- Systematische Untersuchung von Tiermetaphern, Vergleichen und lautmalerischen Begriffen.
- Die Rolle von Gewalt und instinktgesteuerten Verhaltensmustern bei Kindern und Erwachsenen.
Auszug aus dem Buch
Die Bedrohlichkeit des Dschungels
Die Bedrohlichkeit des Dschungels äußert sich auch in der Darstellung von Gebäuden und Gegenständen als lebendige Bedrohung, wie Graff auch plausibel erläutert: „Place and objects thus become an extension of the inhabitants“ (426). Das zeigt sich zum Beispiel in der folgenden Passage: „The building quivered and creaked from the weight of humanity stamping about in its bowels“ (MAG: 6). Die Tatsache, dass das Gebäude Eingeweide hat, untermalt die These. Begiebing stellt plausibel fest, „the novel’s animism expresses the city’s threatening tumult“ (52), was sich noch in weiteren bedrohlichen Merkmalen normalerweise lebloser Objekte äußert: So hat zum Beispiel ein Gebäude einen „open mouth“, über den gesagt wird, dass er „called seductively to passengers to enter and annihilate sorrow or create rage“ (MAG: 33). Andere Gebäude bedrohen Maggie: „she felt their eyes grimly upon her“ (MAG: 51). Im Dschungel ist es in der Regel ähnlich – die dicht bewachsene Umgebung ist Heim für viele gefährliche Tiere oder fleischfressende Pflanzen, die anderen schwächeren Tieren auflauern. Häufig sind in der Dunkelheit nur gefährliche Augen zu erkennen, ohne zu wissen, zu welchem Tier sie wirklich gehören. So scheint es auch Maggie in dieser Situation zu ergehen. Kurze Zeit später hat sie ein ähnliches Gefühl: „The structures seemed to have eyes that looked over her, beyond her, at other things“ (MAG: 53); es fällt ihr schwer die genaue Gefahrenquelle auszumachen und es bleiben ihr somit nur ungefähre Vermutungen. Zusätzlich zu Augen haben sie auch noch Lippen: „The shutters of the tall buildings were closed like grim lips“ (MAG: 53), was die Bedrohung noch einmal erhöht.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in die naturalistische Interpretation von Cranes Roman ein und erläutert die zentrale These der Darstellung der Bowery als Dschungel, in dem die Bewohner wie Tiere um ihr Überleben kämpfen.
2. ‘The Survival of the Fittest‘: Die Darstellung der Bowery als Dschungel: Dieses Kapitel definiert den 'Animalism' im Roman und untersucht anhand der Familie Johnson, wie die Darwinistische Theorie des Überlebens des Stärkeren die sozialen Verhältnisse und die Familiendynamik determiniert.
3. Menschen als Tiere: Tiermetaphern und -vergleiche: Das zentrale Analyseteil beleuchtet die sprachliche Gleichsetzung der Charaktere mit Raubtieren und Insekten, um ihre Entmenschlichung und Einbindung in ein instinktgeleitetes Dschungel-Szenario zu verdeutlichen.
4. Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass Crane die städtische Umgebung als determinierende, zerstörerische Kraft darstellt, wobei die permanente Tiermetaphorik eine soziale Distanzierung zwischen Leser und Figuren bewirkt.
5. Literaturverzeichnis: Auflistung der verwendeten Primär- und Sekundärliteratur zur Unterstützung der Analyse.
Schlüsselwörter
Stephen Crane, Maggie: A Girl of the Streets, Naturalismus, Bowery, Dschungel, Survival of the fittest, Animalism, Tiermetaphorik, Entmenschlichung, Determinismus, soziale Gewalt, Raubtiere, Insekten, Literaturanalyse, Darwinismus
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit im Kern?
Die Arbeit analysiert die naturalistische Darstellung der Bewohner der Bowery in Stephen Cranes Roman „Maggie: A Girl of the Streets“ und zeigt auf, wie diese durch Tiermetaphern als entmenschlichte, rein instinktgesteuerte Lebewesen charakterisiert werden.
Welche zentralen Themenfelder behandelt der Text?
Die zentralen Themen umfassen den sozialen Determinismus, die Wirkung der städtischen Armut, die Darwinistische Theorie des Überlebenskampfes und die sprachliche Ebene der Tier-Metaphorik und -vergleiche.
Was ist das wissenschaftliche Ziel oder die Forschungsfrage?
Ziel ist es aufzuzeigen, wie Crane durch die gezielte Verwendung einer tierischen Bildsprache seine Figuren ihrer Individualität beraubt und sie als Opfer ihrer dschungelhaften Umwelt darstellt, ohne dabei die negativen Einflüsse der Slums zu billigen.
Welche wissenschaftliche Methode wird zur Untersuchung herangezogen?
Die Arbeit kombiniert eine literaturwissenschaftliche Analyse von Metaphern und onomatopoetischen Begriffen mit einer werkimmanenten Untersuchung naturalistischer Motive und Darwinscher Konzepte.
Welche Aspekte stehen im Hauptteil der Untersuchung im Fokus?
Der Hauptteil gliedert sich in die Analyse der "Animalism"-Konzeption, die Untersuchung familiärer Machtverhältnisse bei den Johnsons sowie die detaillierte Betrachtung verschiedener Konfliktszenen (familiäre Streitigkeiten, Kinderbanden-Kämpfe, das Arbeitsleben) als Ausdruck animalischen Verhaltens.
Wie lässt sich diese Arbeit anhand von Schlagworten charakterisieren?
Die Arbeit ist im amerikanischem Naturalismus verankert und lässt sich durch Begriffe wie Determinismus, Entmenschlichung, Tiermetaphorik und sozialen Überlebenskampf definieren.
Warum wird im Roman besonders häufig auf Insekten und Raubtiere als Referenz verwiesen?
Die Tiere dienen als Spenderfelder für Metaphern, die Bedrohung, Parasitismus (Insekten) und Aggression (Raubtiere) ausdrücken, um das Leben in der Bowery als einen primären Überlebenskampf in einem „Dschungel“ zu unterstreichen.
Welche Rolle spielen die Gebäude in der beschriebenen Umgebung?
Die Gebäude werden oft animistisch dargestellt, indem sie mit Augen, Lippen oder Eingeweiden beschrieben werden, wodurch die lebensfeindliche Umgebung selbst als eine Art bedrohliches, lebendiges Raubtier wahrgenommen wird.
Weshalb ändert sich die Metaphorik im Kapitel über den Kampf zwischen Jimmie und Pete so stark?
Der schnelle Wechsel der Metaphern führt zu einer surrealen Wirkung, die den Leser auf Distanz zu den Kämpfenden gehen lässt, da diese ihre Identität verlieren und eher als ein diffuses „Etwas“ statt als konkrete Tiergattung wahrgenommen werden.
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- Anonym (Autor), 2010, Tiermetaphorik und soziale Determination in Stephen Cranes "Maggie: A Girl of the Streets", Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1360135