Der Panegyrikus des jüngeren Plinius auf den Kaiser Trajan

Eine Lobrede als politisches Programm?


Hausarbeit, 2009
11 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Hauptteil
2.1 Panegyrikus des Plinius auf den Kaiser Trajan
2.1.1 Redesituation
2.1.2 Inhalt und Aufbau
2.2 Funktion
2.2.1 Der Panegyrikus als persönliche Mission?
2.2.2 Der Panegyrikus als aktuelle Herrschaftsdarstellung und Zukunftsprogramm
2.2.3 Plinius’ Absichten

3. Schluss

4. Literatur

1. Einleitung

Am ersten September des Jahres 100 n. Chr. tritt der Senator Gaius Plinius Caecilius Secundus, kurz Plinius der Jüngere, im Alter von 38 Jahren das Amt des Suffektkonsulats an und krönt somit seine außergewöhnliche und bemerkenswerte Ämterlaufbahn. Aus diesem Anlass hielt er, dem Brauch entsprechend und im Namen des Staates, an seinem ersten Amtstag vor dem vollständig versammelten Senat von Rom und dem ebenfalls anwesenden Kaiser Marcus Ulpius Trajanus eine Dankesrede, die uns als Panegyrikus überliefert ist.[1]

Um ein Grundverständnis der literarischen Gattung „Panegyrikus“ zu schaffen, soll eine kurze Definition hilfreich sein: in der Spätantike wird der Panegyrikus als eine Lobrede auf den Kaiser bezeichnet. Dabei sollte man dennoch unterscheiden, dass der Begriff Panegyrikus nicht jeden Text lobenden Inhalts integriert, sondern ihn auf das Lob gesellschaftlicher Instanzen (z.B. Städte) festlegt. Lobreden können oft auch Tadelreden sein, da sie das Gegenbild darstellen, um das Ideal zu verdeutlichen. Auf diese Weise verurteilt auch Plinius mit dem Lob an Trajan den ehemaligen Kaiser Titus Flavius Domitianus.[2]

Die klassische Rhetorik fasst alle lobenden und tadelnden Prosagattungen zum genus demonstrativum, also zu Gelegenheitsreden (Begrüßung, Abschied, Feier, Tod) zusammen. Der klassische Panegyrikus hingegen wird mehr zur Gattung der Beratungsrede gezählt, da er ein politisches Ziel verfolgt[3]: zum Beispiel kann das Lob tadelloser Herrscher als Lehre für schlechte Kaiser dienen. Außerdem kann der Panegyrikus auch in materieller Hinsicht als Bitte für ein Gemeinwesen oder eine einzelne Person aufgefasst werden.[4]

Besonders für die Darlegung der Herrschaft Trajans zählt der Panegyrikus des Plinius zu den wichtigsten und wenigen Quellen für die Jahre 96- 100 n. Chr. . Da es sonst nur eine sehr lückenhafte Überlieferung dieser Zeit gibt, gewinnt die Rede unter anderem wegen der vielfältigen historischen und programmatischen Anspielungen und Hinweisungen somit automatisch an Bedeutung.[5] Auch wenn man durch den Verfasser, den Adressatenkreis und die Themen einen Einblick in grundlegende Probleme seiner Zeit bekommt, wie zum Beispiel das Verhältnis des Kaisers zur Senatsaristokratie, wirft der Panegyrikus einige Fragen auf[6]: Welche Zwecke erfüllte Plinius mit seiner prunkvoll ausgefeilten Rede? Sollte sie Teil kaiserlicher Propaganda sein? Oder war diese Lobrede als politisches Programm der Senatsopposition gedacht? Was hält Plinius selbst für die Funktion seiner Rede und wie wollte er verstanden werden? Um diesen Fragen eine Antwort zu geben, sollen im ersten Teil dieser Arbeit zunächst Inhalt und Aufbau untersucht werden. Im zweiten Teil, im Kern der Arbeit, wird unter anderem durch die Briefe 3,13, 3,18 und 6, 27 des Plinius, in denen er sich selbst zu seiner Lobrede äußert, die Funktion des Pangyrikus erarbeitet.

2. Hauptteil

2.1 Panegyrikus des Plinius auf den Kaiser Trajan

2.1.1 Redesituation

Während der Regierungszeit Trajans, Januar 98 bis 117 n. Chr., übernahmen im Jahre 100 zwei nachgerückte Konsuln das Amt des Suffektkonsuls. Normalerweise wurden römische Magistrate für die Dauer eines Jahres gewählt. Wenn jedoch ein Magistrat schon vor Ende seiner Amtszeit ausschied oder sogar starb, musste ein Suffektkonsul gewählt werden. Das heißt, ihre Amtszeit betrug nicht länger als vom 1. September bis zum 31. Oktober des Jahres 100, um dann wieder einem neuen Paar für die letzten zwei Monate des Jahres den Weg frei zu machen.[7]

Nun verlangt ein Senatsbeschluss, dass einer der beiden Konsuln eine Rede in Form einer Danksagung, gratiarum actio, vor dem vollständig versammelten Senat vorträgt, indem er gute Kaiser lobt, und schlechte hingegen darauf aufmerksam macht, was sie eigentlich leisten sollten.[8] Es gab schon zahlreiche Prozess- und Senatsreden des Plinius, in denen er seine tiefgründigen rhetorischen Fähigkeiten mit Erfolg einsetzen konnte und die auch veröffentlicht wurden. Die Bestätigung dafür, dass Plinius auch diese Rede gelungen war, zeigt sich in seiner weiteren Laufbahn als Mitglied des kaiserlichen consilium (Ratsversammlung) und seiner Sonderstatthalterschaft.[9]

Vor allem die von Plinius gewählte Form des Panegyrikus, die er an drei aufeinander folgenden Tagen aus seiner Schrift vorgetragenen hatte, fand großen Beifall. Erstmals gab es in Rom eine Lobrede mit literarischem Anspruch und im Umfang eines ganzen Buches, welches dem regierenden Kaiser gewidmet ist. Außerdem ist der Panegyrikus, im Gegensatz zu seinen vielen Prozess- und Senatsreden, nicht nur veröffentlicht worden, sondern auch in seiner erweiterten Form, welche Plinius unmittelbar nach seinem Vortrag im Jahre 101 in schriftlicher und überarbeiteter Form publizierte, erhalten geblieben.[10] Bei dieser Überarbeitung begrenzte Plinius sich nicht nur auf seine eigene Meinung, sondern fragte nach Kritik, indem er zum einen die Rede im Freundeskreis vortrug und zum anderen auch in Form von Briefen, indem der den Text verschickte.[11] Jedoch kann aus dem uns erhaltenen Text nicht mehr auf das Ausmaß der im Nachhinein hinzugefügten Ergänzungen geschlossen werden.[12]

2.1.2 Inhalt und Aufbau

Der Panegyrikus, so wie er uns überliefert wurde, besteht aus fast hundert in lateinischer Sprache verfassten Seiten. Wenn man ihn in einer beeindruckenden Art und Weise, das heißt einschließlich Pausen, vortragen würde, würde man mit Sicherheit fünf Stunden dafür brauchen. Jedoch ist und bleibt es unmöglich herauszufinden, was die originale Rede enthielt und was im Nachhinein hinzugefügt wurde.[13]

[...]


[1] Vgl. Kühn, Panegyrikus, 1

[2] Vgl. Schowalter, The Relationship, 58

[3] z.B. auch Isokr. paneg.

[4] Vgl. Dingel, Panegyrik, 242- 243

[5] Vgl. Strobel, Zu zeitgeschichtlichen Aspekten, 9

[6] Vgl. Häfele, Historische Interpretationen,1

[7] Vgl. Kühn, Panegyrikus, 1

[8] Vgl. Plin. paneg. 4,1

[9] Vgl. Ronning, Herrscherpanegyrik, 129

[10] Vgl. Seelentag, Taten und Tugenden Trajans, 214

[11] Vgl. Fell, Optimus Princeps, 13

[12] Vgl. Fell, Optimus Princeps, 14

[13] Vgl. Kennedy, The Art of Rhetoric, 545

Ende der Leseprobe aus 11 Seiten

Details

Titel
Der Panegyrikus des jüngeren Plinius auf den Kaiser Trajan
Untertitel
Eine Lobrede als politisches Programm?
Hochschule
Ludwig-Maximilians-Universität München
Veranstaltung
Proseminar
Note
1,3
Autor
Jahr
2009
Seiten
11
Katalognummer
V136051
ISBN (eBook)
9783640445622
ISBN (Buch)
9783640445318
Dateigröße
403 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Zwei Seiten Literaturverzeichnis
Schlagworte
Panegyrikus, Plinius, Kaiser, Trajan, Eine, Lobrede, Programm
Arbeit zitieren
Nicole Kumpfmüller (Autor), 2009, Der Panegyrikus des jüngeren Plinius auf den Kaiser Trajan, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/136051

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