Die Entwicklung von Bindungsverhalten und Bindungsstörungen aus der Sicht der Bindungstheorie


Studienarbeit, 2003
15 Seiten, Note: 1

Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Die Entwicklung der Bindungstheoretischen Konzepte
2.1. Die Grundannahmen der Bindungstheorie
2.2. Das Konzept der Feinfühligkeit
2.3. Das Programm der kindlichen Bindungsqualität
2.4. Die Kategorien der kindlichen Bindungsqualität
2.5. Konzept der Bindungspräsentation

3. Theorie der Bindungsstörungen
3.1. Diagnose und Einteilung von Bindungsstörungen
3.1.1. Nicht feststellbares Bindungsverhalten
3.1.2. Undifferenziertes Bindungsverhalten
3.1.3. Übersteigertes Bindungsverhalten
3.1.4. Gehemmtes Bindungsverhalten
3.1.5. Aggressives Bindungsverhalten
3.1.6. Rollenumkehrung als Bindungsverhalten

4. Bindungsstörungen bei Jugendlichen
4.1. Fallbeispiel Dissozialität und Delinquenz
4.2. Bindungstheoretischer Erklärungsansatz des Verhaltens

5. Fazit

6. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Das Thema dieser Ausarbeitung ist die Entwicklung von Bindungsverhalten und Bindungsstörungen.Um sich mit dieser Thematik auseinanderzusetzen erscheint es mir sinnvoll, sich zunächst einmal einen Überblick über die Grundannahmen der Bindungstheorie zu verschaffen. Das werde ich im ersten Kapitel dieser Arbeit tun.

Im zweiten Kapitel befasse ich mich mit den Grundannahmen der Bindungstheorien, wie sie von John Bowlby und anderen formuliert worden sind.

Im dritten Teil befasse ich mit der Theorie der Bindungsstörungen, wobei die unterschiedlichen Ausprägungen von Bindungsverhalten im Vordergrund stehen.

Im vierten Abschnitt zeige ich anhand eines Fallbeispiels aus der Literatur eine Bindungstörungen und deren Folgen bei einem Jugendlichen auf.

Das Fünfte Kapitel schließlich beinhaltet schließlich ein Fazit dieser Arbeit.

Ich habe mich für dieses Thema entschieden, weil es mir gerade als Student des Faches Soziale Arbeit wichtig erscheint, einen Eindruck davon zu haben, was das Verhalten der Menschen unter Umständen motiviert, gerade wenn die Ursache beziehungsweise das jeweilige Verhalten vordergründig nicht schlüssig erscheint.

2. Die Entwicklung der Bindungstheoretischen Konzepte

Martin Dornes bezeichnet John Bowlby (1907- 1990) und Mary Ainsworth als die beiden „Gründungsfiguren“ (Endres und Hauser 2000, S.18) der Bindungstheorie.

John Bowlby hat sich nach der Beendigung seines Medizinstudiums im Jahre 1933 als Erwachsenenpsychiater ausbilden lassen. 1936 folgte ein Wechsel an die Child Guidance Clinic in London, wo er seine psychoanalytische Ausbildung unter andrem bei Joan Rivere, einer Vertreterin der Theorien von Melanie Klein und Ella Sharpe fortsetzte.

Der Unterschied in den Auffassungen von Bowlby und Klein wurden offensichtlich, als ein dreijähriges hyperaktives Kind behandelt werden sollte, und Bowlby die seiner Meinung nach gestörte Mutter in die Behandlung integrieren wollte, was Klein ablehnte und sich nur auf das Kind konzentrieren wollte (vgl. Endres und Hauser 2000 S.20).

Während des 2. Weltkrieges war John Bowlby mit anderen Psychologen an der psychologischen Untersuchung von jungen Offizieren beteiligt.

Nach Ende des Krieges baute er die Abteilung für Kinderpsychatrie an der Tavistock Clinic auf (vgl. Brisch 2001, S. 30) und arbeitete in der Britischen Psychologischen Gesellschaft, wo er zahlreiche Schriften verfasste und Vorträge hielt. Im Rahmen dieser Tätigkeit fasste er auch den Entschluss, die Folgen der Trennung von Mutter und Kind stärker zu untersuchen (vgl. Endres und Hauser 2000, S.20). Im Rahmen einer Studie über die seelische Gesundheit heimatloser Kinder, die von der Weltgesundheitsorganisation WHO in Auftrag gegeben wurde, bot sich dazu Gelegenheit. Die Ergebnisse dieser Studie wurde unter anderem in der Monographie: „ Maternal Care and Mental Health“ (Bowlby 1951) veröffentlicht, und

„machte Bowlby mit einem Schlag zu einem berühmten Mann“ (Endres und Hauser 2000, S.20).

Die Erkenntnisse dieser Studien wurden im Laufe der Zeit relativiert und auch modifiziert, dennoch bleibt die Grundaussage bestehen, die da lautet:

Die Langandauernde Trennung des Kindes von der Mutter, bei ungenügendem Ersatz, ist ein erstrangiger Risikofaktor für die weitere seelische Entwicklung (vgl. Endres und Hauser 2000 S.21).

Der Forschungsgruppe von John Bowlby schloss sich neben anderen auch Mary Ainsworth und James Robertson an.

James Robertson, der als Hausmeister in einem Kindergarten gearbeitet hatte und dort die wissenschaftliche Beobachtung von Kindern gelernt hat, war nach dem Studium der Sozialpädagogik und einer psychotherapeutischen Ausbildung bei Anna Freud mit den Theorien von Bowlby in Berührung gekommen. Bowlby und er drehten 1952 einen Dokumentarfilm mit dem Titel: „A two year old goes to hospital“, in dem die unterschiedlichen Phasen des Verhaltens eines zwei Jahre alten Mädchens gezeigt wurden, das ohne seine Mutter in einem Krankenhaus aufgenommen wird (vgl. Brisch 2001, S. 31).

Eine Konsequenz aus den Erkenntnissen dieser Arbeit ist die Veränderung der Besuchzeiten in Kinderkliniken und die Möglichkeit, dass Eltern stationär mit aufgenommen werden können.→ Rooming – Inn.

Mary Ainsworth, die in Kanada Psychologie studiert und über die „Sicherheitstheorie“ von William Blatz promoviert hatte, kam 1950 an die Tavistock Clinic und untersuchte dort unter anderem die Auswirkungen früher Mutter - Kind - Trennungen auf die Persönlichkeitsentwicklung.

1953 ging Mary Ainsworth mit ihrem Ehemann nach Uganda, wo sie im Rahmen einer Felduntersuchung ein Forschungsprojekt über Mutter – Kind – Beziehungen im ersten Lebensjahr durchführte.

1963 und 1967 wurden die Ergebnisse dieser Feldstudie veröffentlicht. Mary Ainsworth hatte im Rahmen ihrer Forschung eine „Skala zur Messung mütterlicher Feinfühligkeit entworfen, die für ihre zukünftige Forschung von außerordentlicher Bedeutung werden sollte“ (Endres und Hauser 2000 S.26).

Hinzu kam noch eine Klassifizierung der einjährigen Kinder in drei Kategorien, die auf den Verhaltensweisen der Kinder in ihrer natürlichen Umgebung basierte. Es sind zu unterscheiden:

- sicher gebundene Kinder,
- unsicher vermeidend gebundene Kinder und
- unsicher ambivalent gebundene Kinder (Endres und Hauser 2000 S.28).

Das Schreiverhalten der Kinder wurde in dieser Klassifizierung als Indikator für das Bindungsverhalten angesehen. Ainsworth vertrat die Auffassung, dass sicher gebundene Kinder wenig schreien, unsicher gebundene Kinder schreien viel, und noch nicht gebundene Kinder lassen sich von einer anderen Person als der Mutter ebenso gut trösten.

Im Weiteren formulierte Mary Ainsworth die Auffassung, „daß Kinder, deren Eltern prompt und angemessen auf ihr Schreien reagieren, ein basales Sicherheitsgefühl entwickeln, das dazu führt, dass sie im weiteren Verlauf der Entwicklung weniger (d.h. kürzer) schreien“ (Endres und Hauser 2000 S.26).

Dieser Theorieansatz führte zu einer theoretischen Auseinandersetzung mit den Vertretern der Behavioristischen Theorie, die im Gegensatz zu Mary Ainsworth den Standpunkt vertraten, eine prompte Reaktion der Mutter auf das Schreien des Kindes werde von dem Kind als Belohnung aufgefasst. Dies hätte dann ein weiteres, beziehungsweise längeres Schreien der Kinder zur Folge.

Im späteren Verlauf dieser Debatte konnte in einer Studie von Hubbard und van Ijzendoorn 1987 nachgewiesen werden, dass bei Kindern, auf deren Schreien angemessen reagiert wird, das Schreien im weiteren Entwicklungsverlauf abnimmt. Dabei ist nicht unbedingt die prompte Reaktion der Mutter ausschlaggebend, sondern die Angemessenheit der Reaktion (vgl. Endres und Hauser 2000 S.26).

Nach ihrer Rückkehr aus Afrika begann die erneute gemeinsame Zusammenarbeit von Ainsworth und Bowlby.

Ihrem Ehemann folgend, ging Mary Ainsworth in die USA, wo sie in Baltimore eine Studie durchführte, die sie berühmt machen sollte.

In dieser Studie wurden 27 Eltern – Kind – Paare bezüglich folgender Aspekte untersucht:

- die face - to - face Interaktion,
- die Häufigkeit kindlichen Weinens,
- der kindliche Gehorsam,
- das Begrüßen der Mutter und
- das Nachfolgen bei Trennungen.

Es wurde festgestellt, dass es große Unterschiede beim Verhalten der Kinder in Abhängigkeit vom feinfühligen Verhalten der Mutter gab.

Diese Studien wurde dann um eine weitere Variante ergänzt, die so genannte „Fremde Situation“. Hierbei ging es darum zu untersuchen, welchen Einfluss die An- oder Abwesenheit der Mutter oder einer fremden Person auf die „Exploration“ (Endres und Hauser 2000 S.27) des Kindes hat. Mithilfe dieser Methode kann die kindliche Bindungsqualität untersucht werden. In Punkt 2.3 gehe ich darauf näher ein.

[...]

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Die Entwicklung von Bindungsverhalten und Bindungsstörungen aus der Sicht der Bindungstheorie
Hochschule
Hochschule Bremen  (Soziale Arbeit)
Veranstaltung
Entwicklungspsychologie
Note
1
Autor
Jahr
2003
Seiten
15
Katalognummer
V13606
ISBN (eBook)
9783638192170
ISBN (Buch)
9783640861323
Dateigröße
520 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Schlagworte
Entwicklung, Bindungsverhalten, Bindungsstörungen, Sicht, Bindungstheorie, Entwicklungspsychologie
Arbeit zitieren
Stefan Maschack (Autor), 2003, Die Entwicklung von Bindungsverhalten und Bindungsstörungen aus der Sicht der Bindungstheorie, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/13606

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