Die Konzernsteuerquote, die Ende der neunziger Jahre noch ein Schattendasein in Lehrbüchern zur Bilanzanalyse führte, hat in den letzten Jahren enorm an Bedeu-tung gewonnen. Insbesondere Unternehmen, die ihre Konzernrechnungslegung auf internationale Rechnungslegungssysteme umstellen, finden eine wachsende Konfrontation über die Relevanz, sowie die Anwendung und Aussagefähigkeit der Konzernsteuerquote.
Mit zunehmender Kapitalmarktorientierung hat die Konzernsteuerquote immer mehr an Bedeutung gewonnen und ist „[…] inzwischen zu einem Diskussionsthe-ma auf Hauptversammlungen“ geworden. Dies lässt sich vor allem auf den Zu-sammenhang zwischen der Konzernsteuerquote und deren direktem Einfluss auf das Ergebnis Gewinn je Aktie (earnings per shares ) zurückführen. Die earnings per shares, eine Nachsteuergröße einer Unternehmung, ist umso höher je niedriger die Konzernsteuerquote ist, d.h. eine minimale Absenkung der Konzernsteuerquote bedeutet eine Verbesserung des Gewinns je Aktie. Bspw. stieg der Gewinn je Aktie der Fielmann AG von 1,88 Euro auf 2.50 Euro, wobei neben dem Anstieg des Gewinns die niedrige Steuerquote dazu beigetragen hat.
1.2 Gang der Untersuchung
Das Ziel der vorliegenden Arbeit ist, zunächst die Konzernsteuerquote und ihre Zusammensetzung darzustellen. Im Folgenden werden ihre Funktionen beschrie-ben und gleichzeitig ihre Verwendungsmöglichkeiten demonstriert. Es wird eine graphische Analyse der Konzernsteuerquote visualisiert und wiedergegeben, sowie die wesentlichen Einflussfaktoren untersucht, damit eine Beurteilung der Aussagefähigkeit dieser Kennzahl möglich ist. Dabei soll vertieft auf die Ermittlung der Konzernsteuerquote eingegangen werden. Anschließend wird auf die verpflichtende Überleitungsrechnung nach IAS 12 eingegangen. Des Weiteren wird die Konzernsteuerquote einer kritischen Würdigung unterzogen. Abschließend werden die wichtigsten Erkenntnisse, die sich aus dieser Arbeit ergeben, thesenförmig zusammengefasst
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Inhaltsverzeichnis
1 EINLEITUNG
1.1 PROBLEMSTELLUNG
1.2 GANG DER UNTERSUCHUNG
2. DEFINITION UND ZUSAMMENSETZUNG DER KONZERNSTEUERQUOTE
3. FUNKTIONEN DER KONZERSTEUERQUOTE
3.1. FUNKTION FÜR INTERNE ABSCHLUSSINTERESSENTEN
3.2 FUNKTION FÜR EXTERNE ABSCHLUSSINTERESSENTEN
4. ERMITTLUNG UND EINORDNUNG DER KONZERNSTEUERQUOTE
4.1 GRAPHISCHE DARSTELLUNG DER KONZERNSTEUERQUOTE
ABBILDUNG 1: KURVENVERLAUF DER KONZERNSTEUERQUOTE
4.2 EINFLUSSFAKTOREN DER KONZERNSTEUERQUOTE
4.3 TAX RECONCILIATION – DIE STEUERLICHE ÜBERLEITUNGSRECHNUNG
5. KRITISCHE WÜRDIGUNG
6. THESENFÖRMIGE ZUSAMMENFASSUNG:
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit zielt darauf ab, die Konzernsteuerquote als unternehmensspezifische Kennzahl zu definieren, ihre Funktionen und Einflussfaktoren zu analysieren sowie ihre Aussagefähigkeit und Vergleichbarkeit kritisch zu würdigen. Dabei steht die Frage im Mittelpunkt, wie die Konzernsteuerquote als Instrument der Steuerpolitik und der Kommunikation gegenüber externen Abschlussinteressenten fungiert.
- Definition und Zusammensetzung der Konzernsteuerquote (KSQ) bzw. Effective Tax Rate (ETR).
- Funktionen der KSQ für interne und externe Abschlussinteressenten.
- Graphische Analyse und Einflussfaktoren auf den Kurvenverlauf der KSQ.
- Bedeutung und Anwendung der steuerlichen Überleitungsrechnung (Tax Reconciliation).
- Kritische Würdigung der Aussagefähigkeit vor dem Hintergrund internationaler Rechnungslegung.
Auszug aus dem Buch
4.2 Einflussfaktoren der Konzernsteuerquote
Die Lage der Kurve wird durch diverse Einflussfaktoren (so genannte Treiber) bestimmt. Die wesentliche Faktoren durch die die Effective Tax Rate determiniert wird sind u. a. die internationale Aufstellung des Konzerns mit entsprechendem Steuergefälle, also die Verlagerung von Einkünften in Niedrigsteuerländer. Ein weiterer Einflussfaktor sind steuerfreie Erträge, da diese die Konzernsteuerquote reduzieren, das sind z.B. steuerfreie Dividenden (§ 8b Abs. 1 KStG), Tax Holidays, Subventionen. Nicht abziehbare Betriebsausgaben erhöhen wiederum die Quote, wie z.B. Bewirtungskosten, Reisekosten (§§ 3c, 4 Abs. 5 EStG, § 8b Abs. 3 KStG). Goodwill Abschreibungen erhöhen die KSQ und entstehen durch Konsolidierungsmaßnahmen, aber auch steuerfreie Dividenden bzw. Veräußerungsergebnisse sowie das Vorliegen von steuerlichen Verlusten sind Treiber der Konzernsteuerquote. Ergänzend nennen Kröner und Benzel weitere Einflussfaktoren, wie z.B. der durchschnittlich gewichtete, statuarische Steuersatz der verschiedenen Unternehmen innerhalb eines internationalen Konzerns. Der „Zeitpunkt der Bildung und Höhe von latenten Steueransprüchen und –verbindlichkeiten (deferred tax assets und deferred tax liablities)“ haben Einfluss auf den Kurvenverlauf. Die „Wertberichtigungen auf latente Steueransprüche (impairment); u.a. ist dies der entscheidende Einfluss auf den Kurvenverlauf bei Vorsteuerverlusten“.
Zusammenfassung der Kapitel
1 EINLEITUNG: Darstellung der wachsenden Bedeutung der Konzernsteuerquote im Kontext der Kapitalmarktorientierung und Erläuterung des Untersuchungsziels.
2. DEFINITION UND ZUSAMMENSETZUNG DER KONZERNSTEUERQUOTE: Definition der KSQ als Verhältnis von Steueraufwand zu Konzernergebnis vor Steuern und Erläuterung der Bedeutung latenter Steuern.
3. FUNKTIONEN DER KONZERSTEUERQUOTE: Analyse der KSQ als Steuerungs- und Kontrollgröße für interne Akteure sowie als Analyseindikator für externe Bilanzleser.
4. ERMITTLUNG UND EINORDNUNG DER KONZERNSTEUERQUOTE: Untersuchung der graphischen Darstellung, der Einflussfaktoren und der steuerlichen Überleitungsrechnung nach IAS 12.
5. KRITISCHE WÜRDIGUNG: Kritische Reflexion der Aussagefähigkeit, der Vergleichbarkeit und der Grenzen der KSQ als vergangenheitsorientierte Kennzahl.
6. THESENFÖRMIGE ZUSAMMENFASSUNG:: Zusammenfassende Darstellung der zentralen Erkenntnisse der Arbeit in Thesenform.
Schlüsselwörter
Konzernsteuerquote, KSQ, Effective Tax Rate, ETR, Steuerpolitik, Steuerplanung, IAS 12, Tax Reconciliation, Überleitungsrechnung, latente Steuern, Kapitalmarktorientierung, Bilanzanalyse, Steueraufwand, Jahresüberschuss, Steuerwettbewerb.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Konzernsteuerquote als einer zentralen Kennzahl in der Bilanzanalyse, die den effektiven Steueraufwand eines Unternehmens ins Verhältnis zum Konzernergebnis setzt.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Felder umfassen die Definition und Ermittlung der Quote, deren Funktionen für verschiedene Adressaten, die Analyse der Einflussfaktoren auf den Kurvenverlauf sowie die kritische Würdigung ihrer Aussagekraft.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist die Darstellung der Zusammensetzung der KSQ, die Beschreibung ihrer Funktionen, die Untersuchung der Einflussfaktoren sowie eine kritische Beurteilung ihrer Aussagefähigkeit für Investoren und Analysten.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine strukturierte Analyse und kritische Würdigung auf Basis der einschlägigen Fachliteratur, gesetzlicher Vorgaben (IAS/IFRS) und Bilanzanalyse-Methoden.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil behandelt die mathematische Zusammensetzung, die Funktionen für interne und externe Interessenten, die graphische Analyse der Kennzahl und die steuerliche Überleitungsrechnung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Konzernsteuerquote, Effective Tax Rate, Steuerpolitik, latente Steuern, Überleitungsrechnung, IAS 12 und Bilanzanalyse.
Welchen Einfluss haben latente Steuern auf die Konzernsteuerquote?
Latente Steuern wirken als Korrekturposten, die Schwankungen der KSQ begrenzen können (kompensatorischer Effekt), machen die Kennzahl jedoch auch empfindlicher für Steuerrechtsänderungen.
Warum ist die Vergleichbarkeit der Konzernsteuerquote oft eingeschränkt?
Die Vergleichbarkeit ist begrenzt, da Unternehmen unterschiedliche Rechnungslegungssysteme (HGB, IFRS, US-GAAP) anwenden und es für die Überleitungsrechnung kein obligatorisches Standard-Schema gibt.
- Quote paper
- Nilgün Yerdelen (Author), 2009, Konzernsteuerquote: Eine kritische Würdigung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/136066