Die Arbeit skizziert die Sitten und Gebräuche sowie die Geschichte des Volkes der Herero seit seiner Auswanderung aus dem Kaokoveld und schätzt anhand der natürlichen Bedingungen und der geschichtlichen Ereignisse die Entwicklung und den Umfang seiner Bevölkerung ab. Ein besonderer Schwerpunkt liegt dabei auf den anscheinend wenig erforschten Katastrophenjahren 1896-1900 mit ihren Auswirkungen.
Mitte des achtzehnten Jahrhunderts begannen wagemutige Gruppen des Volkes der Herero sich vom heimatlichen Kaokoveld zu lösen und nach Süden vorzudringen. Bis gegen 1830 besiedelten diese die Gegend bis zum Swakop. Bei ihrer Landnahme verdrängten, vernichteten bzw. versklavten die Herero die in diesem Bereich seit vielen Jahrtausenden ansässigen San und Damara. Schließlich kamen sie in Kontakt mit den Nama, die unter dem Druck des weißen Mannes aus der Kapregion nach Norden wanderten und dabei ebenfalls die Urbevölkerung verdrängten.
Jahrzehntelang bekriegten sich die beiden Völker. Ab den Achtziger-Jahren des 19. Jahrhunderts geriet das Land mehr und mehr unter die Kontrolle deutscher Kolonisatoren. Während einer Reihe von Katastrophenjahren (1896-1900) wurden erhebliche Teile der Herden der Herero vor allem durch die Rinderpest vernichtet. Eine große Hungersnot war die erste Folge. Abertausend Tode forderten dann zahlreiche Krankheiten. Raubtier-, Heuschreckenplagen und Dürren und verschärften die Situation.
Nach dem Verlust ihrer Rinder waren die Herero verarmt und in Not. Harte und z. T. ungerechte Behandlung durch arrogante Weiße und unverschämte Händler vergrößerten die Verbitterung und den Hass auf die Eindringlinge. Das alles führte 1904 zum Aufstand. Nach Anfangserfolgen gerieten die Herero in die Defensive. Am Waterberg kam es zum Entscheidungskampf. Die Herero mussten schließlich den Widerstand aufgeben und abziehen. Bei der Absetzbewegung durch die Omaheke verdursteten und verhungerten Tausende. Um 1912 existierten noch etwa 20.000 Herero in DSWA. Wenige Tausend lebten als Flüchtlinge in Betschuanaland, im Kaokoveld, im Ovamboland und an anderen Orten. Das Volk war zerschlagen.
Inhaltsverzeichnis
1. Vorwort
2. Namibia
2.1. Lage
2.2. Klima
2.3. Besiedlung des Landes
3. Das Volk der Herero
3.1. Sitten und Gebräuche
3.2. Ernährung und Kleidung
3.3. Religion
3.4. Einteilung und Gliederung des Volkes
3.5. Familienverhältnisse, Lebenslauf
4. Frühe Geschichte
4.1. Herkunft der Herero
4.2. Gründe für die Auswanderung
4.3. Größe des Volkes beim Verlassen des Kaokovelds um 1750
5. Kampf um das Land
5.1. Die Landnahme
5.2. Kampf gegen die Nama und Afrikaner in der Zeit von ca. 1830 – 1840
5.3. Zwei Jahrzehnte der Herrschaft Jonker Afrikaners, Verarmung und Niedergang
5.4. Friedensversuche
6. Der Freiheitskrieg der Herero 1862 – 1870
6.1. Mahareros Auszug aus Okahandja
6.2. Kriegerische Ereignisse 1863
6.3. Kämpfe 1864
6.4. Überfälle und Gefechte 1865
6.5. Das Jahr 1867
6.6. Letzte Gefechte
6.7. Der Friede von Okahandja
7. Wiederaufbau des Landes 1870 – 1880
8. Der Zehnjährige Krieg, 1880 – 1890
8.1. Streitpunkte
8.2. Der Anlass zum Krieg – Zwischenfall von Gurumanas
8.3. Mahareros Rache – Die Blutnacht von Okahandja und Windhoeks Ende
8.4. Gegenangriffe der Nama
8.5. Mahareros Grenzziehung
8.6. Der neue Gegner - Hendrik Witbooi
8.6.1. Der Tag von Onguheva
8.6.2. Die Falle von Osona
8.6.3. Überfall auf Okahandja und Raubkrieg gegen die Herero
8.6.4. Hendriks Kampf im eigenen Lager
8.7. Das Ende des alten Südwestafrikas
9. Die letzten Jahre des 19. Jahrhunderts
9.1. Die Nachfolgefrage
9.2. Kämpfe mit Hendrik Witbooi und Friedensschluss
9.3. Divide et impera oder das System Leutwein
9.4. Konsolidierung der Macht Samuels
9.5. Die Grenzfrage
9.6. Aufruhr im November 1895
9.7. Der Aufstand von 1896
10. Rinderpest – Cattle Plague
10.1. Erscheinungsbild
10.2. Betroffene Spezies
10.3. Geschichte und Herkunft der Rinderpest
10.4. Die Große Afrikanische Rinderpestpanzootie
10.4.1. Auswirkungen in Äthiopien, Somalia und im Sudan
10.4.2. Die Rinderpest südlich des Äquators
10.4.2.1. Folgen der Rinderpest bei den Maasai
10.4.2.2. Die Rinderpest erreicht Südafrika
10.4.2.3. Folgen für das Sozialsystem
10.4.2.4. Folgen für das Transportwesen
10.4.2.5. Misstrauen und Aufstände
10.4.2.6. Der Zweite Matabele-Krieg
10.4.2.7. Die Langeberg-Rebellion
10.4.2.8. Die Reaktionen der Weißen
10.5. Suche nach einem Gegenmittel
10.6. Schutzimpfung
11. Die Rinderpest in DSWA/Namibia
11.1. Vordringen der Seuche
11.2. Der Kampf gegen die Seuche
11.3. Die Höhe der Verluste
11.4. Auswirkungen der Katastrophen
11.4.1. Dürre, Heuschrecken, Lungenseuche 1896
11.4.2. Malaria 1896-97
11.4.3. Rinderpest, Fieber, Hungersnot, Heuschrecken 1897
11.4.4. Katastrophenjahr 1898: Ojopesta, Jahr der Menschenepidemie, Hungersnot, Malaria, Typhus, Botulismus – Texasfieber, Lungenseuche, Rinderpest
11.4.5. Die Jahre 1899-1900
11.4.6. Folgewirkung der Katastrophenjahre: Überschuldung und Landverlust
12. Dem Aufstand entgegen
12.1. Die Verluste
12.2. Die Reservatfrage
12.3. Die Kreditverordnung
13. Der Ausbruch des Aufstandes
13.1. Vergebliche Suche nach Verbündeten
13.2. Anfangserfolge der Herero
13.3. Die Herero verlieren die Initiative
13.4. Das Imperium schlägt zurück
13.4.1. Leutwein greift an
13.4.2. Der neue Gegner – von Trotha
13.4.3. Von Trothas Plan
13.4.4. Die Gefechte am Waterberg
13.4.5. Abzug und Verfolgung
14. Konklusion
14.1. Auszug aus dem Kaokoveld, Vernichtung der Urbevölkerung
14.2. Kampf gegen Nama und Orlam
14.3. Eine neue Zeit
14.4. Der Aufstand
14.5. Die Überlebenden
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die historische Entwicklung und demografische Auswirkungen der Lebensweise des Volkes der Herero, insbesondere nach deren Auswanderung aus dem Kaokoveld. Ein zentrales Ziel ist es, anhand historischer Ereignisse und klimatischer Bedingungen die Bevölkerungsentwicklung seit der Mitte des 18. Jahrhunderts zu rekonstruieren, wobei ein besonderer Forschungsschwerpunkt auf den bisher wenig erschlossenen Katastrophenjahren von 1896 bis 1900 liegt.
- Soziokulturelle Sitten und gesellschaftliche Organisationsformen der Herero
- Die Auswirkungen von Kolonialherrschaft, bewaffneten Konflikten und Landverlust
- Analyse der katastrophalen Auswirkungen der Rinderpest-Epidemie (1896-1897)
- Demografische Fluktuationen und Überlebensstrategien in Krisenzeiten
Auszug aus dem Buch
3.1. Sitten und Gebräuche
Die Herero waren ein halbnomadisierendes Hirtenvolk. Gestützt auf eine Hauptsiedlung, die im Bedarfsfall ebenfalls verlegt werden konnte, wurde ein Großteil des Viehs eines Clans auf mehrere mobile Außenstellen verteilt und dort gehalten. Kernpunkt der Viehposten waren dabei die Wasserstellen, an denen die Tiere getränkt wurden. Dieses System optimierte die Nutzung der Weiden. Trotzdem mussten in Dürrezeiten oder bei übermäßigem Anwachsen der Herden neue Weidegründe gesucht werden.
Besonders verschrieben hatten sich die Herero der Rinderzucht, daneben hielten sie Ziegen und Schafe. Zusätzlich jagten sie Wild und sammelten Veldkost (Zwiebeln, Wurzeln, Beeren, Honig u. a.). Nach dem Auftreten europäischer Händler befriedigten sie ihre neu geweckten Bedürfnisse nach europäischen Waren, insbesondere nach Waffen, Alkohol und Kleidung, sowie Gegenständen des täglichen Gebrauchs durch Tausch mit Vieh. Zusätzlich organisierten die Herero in den 70er Jahren des 19. Jahrhunderts große Jagdzüge und brachten reichlich Straußenfedern und Elefantenzähne in den Handel. In späteren Jahren verdienten sie am Verkauf von Ochsen für das Transportwesen und traten auch selbst als Fuhrunternehmer auf.
Zusammenfassung der Kapitel
2. Namibia: Beschreibt die geografischen Rahmenbedingungen Namibias, einschließlich der klimatischen Faktoren, die die landwirtschaftliche Besiedelung maßgeblich beeinflussen.
3. Das Volk der Herero: Erläutert die traditionelle halbnomadische Lebensweise der Herero, ihre soziale Struktur, religiösen Vorstellungen sowie Fragen der Ernährung und Kleidung.
4. Frühe Geschichte: Analysiert die Herkunft der Herero, die Gründe für ihre Abwanderung aus dem Kaokoveld und schätzt die Bevölkerungsgröße um das Jahr 1750 ein.
5. Kampf um das Land: Dokumentiert die Landnahme der Herero, die kriegerischen Auseinandersetzungen mit anderen Gruppen wie den Nama und Afrikanern sowie die Auswirkungen der Herrschaft Jonker Afrikaners.
6. Der Freiheitskrieg der Herero 1862 – 1870: Zeichnet den Konflikt nach, in dem die Herero versuchten, die Vorherrschaft der Orlam und Nama zu brechen, was schließlich zum Frieden von Okahandja führte.
7. Wiederaufbau des Landes 1870 – 1880: Behandelt die Zeit nach dem Krieg, die durch einen fragilen sozialen und wirtschaftlichen Wiederaufbau geprägt war.
8. Der Zehnjährige Krieg, 1880 – 1890: Beschreibt die Eskalation neuer Konflikte zwischen den Herero und anderen Volksgruppen, die in einem langjährigen bewaffneten Ringen resultierten.
9. Die letzten Jahre des 19. Jahrhunderts: Analysiert die politische Konsolidierung Samuel Mahareros, das deutsche Eingreifen und die zunehmenden Spannungen vor dem Aufstand.
10. Rinderpest – Cattle Plague: Bietet eine eingehende wissenschaftliche und historische Betrachtung der Rinderpest als Panzootie und deren globale Auswirkungen.
11. Die Rinderpest in DSWA/Namibia: Untersucht das Vordringen der Seuche nach Namibia, die drastischen wirtschaftlichen Folgen und die sozialen Auswirkungen der darauffolgenden Hungersnot.
12. Dem Aufstand entgegen: Beleuchtet die Zuspitzung der Lage durch steigende Staatsverschuldung der Herero unter Druck der Händler und die ausbleibende Schutzwirkung der Kreditverordnungen.
13. Der Ausbruch des Aufstandes: Führt durch die Chronologie des 1904 beginnenden Krieges, von den ersten Schüssen bis zu den vernichtenden militärischen Maßnahmen der deutschen Schutztruppe.
14. Konklusion: Fasst die historischen Entwicklungen, demografischen Einschnitte und die Transformationen der Hererogesellschaft kontextuell zusammen.
Schlüsselwörter
Herero, Rinderpest, Namibia, Kolonialgeschichte, Samuel Maharero, Jonker Afrikaner, Katastrophenjahre, Viehwirtschaft, Landnahme, Freiheitskrieg, Schutztruppe, Missionsgeschichte, Bevölkerungsschwund, Landverlust, Widerstand
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Publikation rekonstruiert die Geschichte und die demografische Entwicklung des Volkes der Herero in Namibia von der Mitte des 18. Jahrhunderts bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts, mit einem Fokus auf die Rolle von Krisen und Kriegen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Kernpunkte umfassen die traditionelle Wirtschafts- und Sozialordnung der Herero, deren Konflikte mit benachbarten Völkern sowie die katastrophalen Folgen der Rinderpest-Epidemie und der deutschen Kolonialpolitik.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das primäre Ziel besteht darin, die Entwicklung und den Umfang der Herero-Bevölkerung anhand historischer und klimatischer Daten schlüssig abzuschätzen und die massiven Auswirkungen der Krisenjahre 1896-1900 aufzuzeigen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Der Autor stützt sich auf eine detaillierte Auswertung historischer Quellen, darunter Missionsberichte, Tagebücher von Kolonialoffizieren, statistische Aufzeichnungen und ökologische Analysen, um ein ganzheitliches Bild dieser Epoche zu zeichnen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich chronologisch: Von der Landnahme und den Kämpfen um das Land über die Freiheitskriege gegen Nama und Orlam bis hin zum Ausbruch des Aufstandes 1904, ergänzt durch eine ausführliche Analyse der Rinderpest.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Begriffe sind Herero, Rinderpest, Namibia, Samuel Maharero, Kolonialgeschichte sowie die sozialen und lebensweltlichen Umbrüche am Ende des 19. Jahrhunderts.
Inwiefern hat die Rinderpest die Sozialstruktur der Herero verändert?
Als Rinder das zentrale Statussymbol und die Lebensgrundlage waren, verursachte ihr Verlust nicht nur Hungersnöte, sondern zerstörte auch das traditionelle Brautpreissystem, die gesellschaftliche Hierarchie und das Vertrauen in traditionelle Glaubenssysteme.
Warum betrachtet der Autor die Jahre 1896 bis 1900 als besonders bedeutsam?
In diesem Zeitraum kumulierten Naturkatastrophen (Dürren, Seuchen) und wirtschaftliche Belastungen durch die Kolonialpolitik, die in ihrer Gesamtheit die Existenzgrundlage des Volkes vernichteten und den Boden für den späteren Aufstand bereiteten.
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- Rainer Tröndle (Autor), 2023, Aufstieg und Niedergang des Volkes der Herero. Vom Kaokoveld zum Waterberg, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1360702