Alter Tage schwere Last

Warum leiden sozial Benachteiligte häufiger an psychischen Krankheiten? Eine Untersuchung anhand des Beispiels der Alten


Hausarbeit, 2008

19 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsangabe

1. Einleitung

2. Begriffe erklärt
2.1 Soziale Benachteiligung
2.2 Alter
2.3 Psychische Störung

3. Feststellungen
3.1 Depression
3.2 Suizidalität

4. Gründe
4.1 Wandel der Familienstrukturen
4.1.1 Erwerbstätigkeit der Frau
4.1.2 Alleinlebend
4.1.3 Kleinere Familiennetzwerke
4.1.4 Kinderlosigkeit
4.2 Gesamtgesellschaftlicher Wandel
4.2.1 Finanzielle Unsicherheiten
4.2.2 Berufswelt
4.2.3 Die Darstellung der Alten in den Medien

5. Schlussbemerkungen

6. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Wer im 21. Jahrhundert ein bewusstes und gesellschaftsgebundenes Leben führt, kommt nicht umhin zu bemerken, wie rasant sich die Gesellschaft entwickelt. Innovationen finden sich nicht nur in der Wirtschaft und der Technik, sondern auch im kulturellen Bereich. Während man früher die Frauen an Kirche, Küche und Kind zu binden wusste, sind berufstätige Mütter heute keine Seltenheit mehr. Alle scheinen vom Fortschritt zu profitieren.

Die Frage ist, ob auch alle den progressiven Sprint durchhalten. Wenn wir uns in unserer Umwelt umschauen, so scheint alles auf Erfolg gemünzt zu sein. Nicht etwa aus Habgier, sondern weil dies die Regeln einer Leistungsgesellschaft sind – denn anscheinend gilt das Prinzip: Nur wer Leistung bringt, dem gebührt gesellschaftliche Anerkennung Wie aber steht es mit den sozial Benachteiligten?

Im Rahmen dieser Hausarbeit soll das Phänomen der Altersdepression und Alterssuizidalität näher betrachtet werden. Inwiefern bewirken negative soziale Einflüsse bei alten Menschen eine höhere Wahrscheinlichkeit an Depressionen zu erkranken oder Suizid zu begehen? Es ist hinreichend bekannt, dass Depressionen nicht monokausal sind. Viele Faktoren spielen bei der Erkrankung eine Rolle, etwa die genetische Veranlagung oder auch das individuelle Vermögen mit Lebenskrisen umzugehen. Ebenso ist zu beachten, dass die Kausalitätskette auch hier gilt, d.h. verschiedene Faktoren, die nicht unmittelbar mit dem Phänomen zu tun haben, können mittelbare Faktoren beeinflussen. Dies alles kann in dieser Hausarbeit jedoch nicht berücksichtigt werden. Hier sollen nur die sozialen Ursachen für eine Erkrankung im hohen Alter behandelt werden, um den Rahmen nicht zu sprengen.

Zunächst einmal werden die fundamentalen Begriffe „Soziale Benachteiligung“, „psychische Störung“ und das „Alter“ definiert, um eine Begriffsbasis zu schaffen. Danach werden die zwei Themen Depression und Suizidalität mit dem Alter in Verbindung gesetzt und statistisch erfasste Daten dargelegt. Es folgt schließlich eine Erläuterung der wesentlichen sozialen Faktoren, die mit den statistischen Untersuchungen einher gehen, um einen Kausalzusammenhang zwischen Krankheit und Gesellschaftseinflüsse herstellen zu können. In den Schlussbemerkungen sollen Zukunftsaussichten und Lösungsmöglichkeiten in kurzer Form geschildert werden.

2. Definitionen

Für das bessere Verständnis werden grundlegende Begriffe dieser Hausarbeit definiert und näher erläutert. Dabei geht es nicht um allumfassende Begriffserklärungen, sondern um für diese Arbeit relevante Definitionen.

2.1 Soziale Benachteiligung

Soziale Benachteiligung gilt, wenn „bestimmten Gruppen der Zugang zu gesellschaftlich anerkannten Werten (Prestige, höheres Einkommen, soziale Sicherheit, Bildung) durch Schichtgrenzen und Diskriminierung verwehrt oder erschwert ist und Macht, Einfluss und Besitz bei wenigen privilegierten Gruppen konzentriert ist.“[1]

In dieser Arbeit wird die Gruppe der Alten untersucht, die, vor allem, aber nicht nur aus der Unterschicht stammen.

2.2 Alter

Das Alter ist an für sich nicht leicht zu definieren, da es unterschiedliche Auffassungen, je nach Kultur und Situation, gibt. Ein 35jähriger Professor erschiene uns jung, ein gleichaltriger Student jedoch alt. Genauso gibt es verschiedene Meinungen darüber, ob das Alter biologisch oder psychologisch ermittelt werden sollte.

Im Rahmen dieser Hausarbeit sollen für uns jedoch 50jährige und (biologisch) ältere Menschen relevant sein, die nicht mehr berufstätig sind.

Es ist nun geboten zu klären, inwiefern Alte in die Gruppe der sozial Benachteiligten einzuordnen sind. Wenn man nach der o.g. Definition geht, so handelt es sich um die gesellschaftlich bedingte Benachteiligung eines Kollektivs. Das Alter eines Menschen ist nicht gesellschaftlich beeinflusst, wohl aber der Umgang mit dem Alter. Alten werden biologisch gesehen zwar bestimmte Aktivitäten erschwert, denn niemand kann mit 50 Jahren noch mit Leistungssportlern mithalten – eine soziale Benachteiligung liegt dennoch nicht vor. Soziale Benachteiligung ist, wie der Begriff bereits klarstellt, sozial bedingt. Somit fallen Alte nicht aufgrund ihres Alters in diese Gruppierung, sondern wenn die Gesellschaft einen eigenwilligen Umgang mit dem Alter pflegt. Dies kann sich durch verschiedene soziale Phänomene zeigen, im Falle dieser Hausarbeit wird jedoch nur das Image der Alten in den deutschen Medien untersucht.

2.3 Psychische Störung

„In DSM-IV wird jede psychische Störung als ein klinisch bedeutsames Verhaltens- oder psychisches Syndrom oder Muster aufgefasst, das bei einer Person auftritt und das mit momentanem Leiden (z.B. einem schmerzhaften Symptom) oder einer Beeinträchtigung (z.B. Einschränkung in einem oder in mehreren wichtigen Funktionsbereichen) oder mit einem stark erhöhten Risiko einhergeht, zu sterben, Schmerz, Beeinträchtigung oder einen tiefgreifenden Verlust an Freiheit zu erleiden.“[2] Verständliche (z.B. bei Trauer) oder kulturell bedingte Ursachen für eine bestimmte Reaktion, fielen jedoch nicht unter dem Begriff. Erst wenn eine Verhaltensstörung, psychische oder biologische Funktionsstörungen vorlägen, könne von einer psychischen Störung gesprochen werden. Normabweichendes Verhalten (politische, religiöse oder sexuelle Abweichung) fiele ebenso wenig in diese Kategorie, es sei denn das normabweichende Verhalten habe seinen Ursprung in den o.g. Symptomen.

In dieser Hausarbeit wird v.a. die psychische Störung Depression in Verbindung mit dem Alter gesetzt. Zusätzlich wird das Thema Suizidalität, aufgrund dessen nahen Verwandtschaft zu psychischen Störungen, behandelt.

3. Feststellungen

Die Altersstruktur unserer Industriegesellschaft verzeichnete im Jahr 2005 etwa ein Drittel der über 50jährigen Mitbürger, während für die Zukunft ein stetig wachsender Anteil prognostiziert wird.[3] Forstmeier und Maercker fanden heraus, dass nahezu jede/r Zweite über 70Jährige an irgendeiner Form von psychischer Störung leidet.[4]

3.1 Depression

Die Depression ist die häufigste psychische Krankheit, von der Alte betroffen sind. Die Major Depression, also das was man klassischerweise unter Depression versteht, tritt eher selten auf (4,8%). Die subsyndromale Depression hingegen, also eine (gemilderte) Depression, die nicht alle Symptome der Major Depression aufweist, erreicht einen nicht zu unterschätzenden Prozentsatz von 17,8%.[5] Bei Grond sind gar ein Viertel aller psychischen Beschwerden bei den über 65jährigen depressiver Natur, vor allem aber bei älteren Frauen.[6] So sind drei Viertel aller Frauen zwischen 80 und 90 Jahren depressiv.[7] Auch stellt Grond fest, dass der Aufenthalt in Heimen Auswirkungen auf die psychische Situation der Bewohner haben kann, wenn das Heim autoritär strukturiert ist – die Hälfte solcher Heimbewohner werden depressiv.[8]

Enorm wichtig bei der Untersuchung von Depressionen im Alter ist jedoch, dass die somatischen Ausdrucksformen der Depression von den Betroffenen selbst in den Vordergrund gestellt werden.[9] Bei der sogenannten larvierten (versteckten) Depression werden körperliche Symptome, wie Kopfschmerzen, Schwindel, Atemprobleme und Schlaflosigkeit, als dominierend wahrgenommen und verdrängen die gefühlten depressiven Beschwerden, wie Ängste, aus dem Focus.[10] Für Ärzte wird es dann umso schwerer die Depression zu erkennen. Gleichzeitig neigen ältere Patienten dazu ihre Versagensängste oder Trauergefühle, sprich die psychischen Symptome der Depression, zu untertreiben. Vor allem lässt aber die larvierte Depression auf eine hohe Dunkelziffer der älteren Erkrankten schließen auf die Ärzte nicht immer angemessen reagieren können.

[...]


[1] Iben, Gerd 1993: Soziale Benachteiligung. In: Fachlexikon der sozialen Arbeit. Deutscher Verein für Öffentliche und Private Fürsorge (Hrsg.). Frankfurt am Main. S. 846

[2] DSM-IV-TR, deutsche Ausgabe S. 979, zitiert nach: http://www.verhaltenswissenschaft.de/Psychologie/Psychische_Storungen/psychische_storungen.htm 16.10.2008

[3] Meier, Bernd, Schröder, Christoph 2007: Altern in der modernen Gesellschaft. Köln. S. 16

[4] Forstheimer, Simon, Maercker, Andreas 2008: Probleme des Alterns. S. 22

[5] Ibid., S. 22

[6] Grond, Erich 2001: Altersschwermut. München. S. 40

[7] Ibid., S. 40

[8] Ibid., S. 63

[9] Ibid., S. 15

[10] Schmauß, Max, Meller, J. 1988: Depressive und paranoide Syndrome im Alter. In: Psychiatrie für die Praxis 8. München. S. 15

Ende der Leseprobe aus 19 Seiten

Details

Titel
Alter Tage schwere Last
Untertitel
Warum leiden sozial Benachteiligte häufiger an psychischen Krankheiten? Eine Untersuchung anhand des Beispiels der Alten
Hochschule
Johannes Gutenberg-Universität Mainz
Note
2,0
Autor
Jahr
2008
Seiten
19
Katalognummer
V136090
ISBN (eBook)
9783640447145
ISBN (Buch)
9783640446728
Dateigröße
557 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Depression;, psychische Krankheiten;, Soziologie;, Soziale Ungleichheit;
Arbeit zitieren
Sadia Hübsch (Autor:in), 2008, Alter Tage schwere Last, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/136090

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