Verehrung oder Vergöttlichung - War Augustus noch ein Mensch oder schon ein Gott auf Erden?


Seminararbeit, 2004

20 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Die Ehrungen des Augustus
2.1. Nach der Schlacht von Actium
2.2. Beim Staatsakt im Jahr 27 v. Chr
2.3. Nach der Lösung der Partherfrage

3. Augustus und sein Herrscherkult
3.1. Augustus und Apollo
3.2. Regionale Unterschiede
3.2.1. Die östlichen Provinzen
3.2.2. Die westlichen Provinzen
3.2.3. Rom und Italien
3.3. Vergöttlichung nach dem Tod

4. Schlussfolgerung

Quellen- und Literaturverzeichnis:

1. Einleitung

Die Suche nach der Antwort auf die Frage, ob Augustus schon zu seinen Lebzeiten als Gott galt oder ob die endgültige Apotheose erst nach seinem Tod erfolgte, gestaltet sich insbesondere deshalb schwierig, weil bei den antiken Autoren zu diesem Thema Stellungnahmen auftauchen, die miteinander nicht vereinbar sind. Sueton berichtet, dass Augustus nicht zuließ, dass ihm in den Provinzen Tempel errichtet wurden, es sei denn, sie seien gleichzeitig auch der Göttin Roma gewidmet.[1] Cassius Dio relativiert zwar diese Aussage, indem er die Existenz von Tempeln im Osten des Reiches bestätigt, die mit Zustimmung des Augustus nur für ihn selbst bestimmt waren, jedoch habe diesen Schritt kein Kaiser in Italien oder Rom je gewagt.[2] Tacitus hingegen nimmt eine konträre Position ein, indem er betont, Augustus habe "nichts den Göttern an Ehren vorbehalten, da er in Tempeln und im Götterbild durch Flamines und Priester verehrt werden wollte."[3] Dieser Widerspruch spiegelt sich auch in der Forschungsliteratur wider: einige Autoren, hier sei stellvertretend Lily Ross Taylor genannt, folgen Cassius Dio und kommen zu dem Schluss, dass die Person Augustus zumindest in Italien und Rom bis zu seinem Lebensende nicht als Gott verehrt wurde: "Thus Dio's statement [...] is shown to be in a sense true, for the cult was offered not to the emperor in person but to his shadowy attendant spirit."[4] Andere Autoren folgen in ihrem Urteil Tacitus. Für sie ist eine Vergöttlichung des Augustus im gesamten Reich schon zu Lebzeiten offensichtlich. Zur Weihung eines Altares des "Numen Augusti" in Rom im Jahr 6 v. Chr. schreibt z. B. Manfred Clauss: "Weil Augustus längst Gottheit war, konnten ihm nun auch weitere göttliche Qualitäten zugeschrieben, konnte er mit anderen älteren Gottheiten gleichgesetzt werden."[5]

Gegenstand dieser Arbeit im ersten Teil soll es sein, sich anhand von

zahlreichen Ehrungen, die Octavian bzw. Augustus im Laufe seines Lebens zuteil wurden, der Frage "Mensch oder Gott?" zu nähern. Waren diese Ehren noch angemessen für einen – sicherlich "großen" – Menschen, oder wurde Augustus durch sie schon in göttliche Sphären gehoben? Alle Ehren zu berücksichtigen, die der Prinzeps erhielt, würde allerdings im Rahmen dieser Arbeit zu weit führen und ist auch zur Beantwortung der Frage nicht notwendig. Aufgrund dessen beschränkt sich die Untersuchung auf drei Zeitpunkte bzw. Ereignisse, zu denen sich die Ehrungen häuften.

Im zweiten Teil soll es zum Einen um die Frage gehen, wie Augustus zu seiner "Göttlichkeit" stand, ob er sich selbst eventuell als Gott sah. Es ist natürlich nicht möglich, in den Menschen Augustus "hineinzusehen", doch lässt ein Blick auf sein Verhältnis zu seinem persönlichen Lieblingsgott Apollo einige Rückschlüsse zu. Zum Anderen soll der Herrscherkult im römischen Reich in seinen verschiedenen (regionalen) Ausprägungen beleuchtet werden. Es ist besonders die Frage von Interesse, wo, wann und in welchem Umfang Augustus den Kult seiner Person oder seiner Schutzgeister förderte oder bremste, und was die jeweiligen Motive für sein Handeln waren. Auch in diesem Fall können Augustus' Beweggründe natürlich nicht mit letzter Sicherheit festgestellt werden, da nur er selbst sie kannte.

Die Vielfalt der Kulte, Weihestätten und Ämter kann im Rahmen dieser Arbeit nur angeschnitten werden und eine detailliertere Beschreibung dieser, wie sie in der verwendeten Quellenliteratur vorkommt, ist ebenfalls in der Kürze nicht möglich. Zur Beantwortung der Frage kann jedoch auch das Grundsätzliche dienen.

Wenn auch noch zu klären ist, ob Augustus schon zu Lebzeiten ein Gott war, so besteht doch kein Zweifel daran, dass seine Aufstieg unter die Götter spätestens direkt nach seinem Tod erfolgte.

Diesem offiziellen und endgültigen Prozess der Vergöttlichung widmet sich der letzte Teil dieser Arbeit kurz.

2. Die Ehrungen des Augustus

Augustus wurden zu allen Zeiten seiner politischen Aktivität Ehrungen zuteil, von denen einige für einen – wenn auch sehr außergewöhnlichen – Menschen angemessen scheinen, andere ihn jedoch bereits zu Lebzeiten in die Nähe der Götter rückten. Dies wäre in der Geschichte Roms etwas völlig Neues. Zu bestimmten Anlässen häuften sich diese Ehrungen, und diese Zeiträume sollen hier eingehender untersucht werden.

2.1. Nach der Schlacht von Actium

Bereits vor und auch nach seiner seiner Rückkehr aus dem Osten im Jahr 29 v.Chr beschloss der Senat für Octavian zahlreiche Ehren. Die Aufnahme seines Namens in die Gebete der Staatspriester und der Eid, den die neu antretenden Beamten zu Beginn eines jeden Jahres auf ihn schwören mussten, gehörten noch nicht zu den Ehrungen, die ihn in eine göttliche Sphäre rückten.[6] Auch waren die Errichtung eines Triumphbogens sowie die Triumphzüge durch die Stadt nicht völlig außergewöhnlich. Diese Ehre war auch schon anderen großen Feldherren vor ihm zuteil geworden. Die Schließung des Janus-Bogens als Zeichen für Frieden im gesamten Reich war zwar eine äußerst ungewöhnliche und hohe Ehrung, jedoch war auch dies bereits zwei Mal zuvor geschehen und kein direktes Zeichen für seine Göttlichkeit. Die Aufnahme der Tage seiner Siege in Actium und Alexandria, des Tages seiner Rückkehr nach Rom sowie seines Geburtstages als Festtage in den Staatskalender hingegen können bereits als Zeichen für eine Vergöttlichung angesehen werden.[7] Gleiches gilt für den Beschluss, Octavian solle stets einen Lorbeerkranz tragen. Dieser galt sowohl als Symbol des Triumphators als auch des Apoll selbst.[8] Am deutlichsten in den Kreis der Götter gerückt wurde Octavian jedoch durch die Aufnahme seines Namens in das Kultlied der Salier, eine auf Romulus zurückgehende Priesterschaft, sowie durch das Trankopfer, das seinem Genius bei jedem

öffentlichen oder privaten Gastmahl dargebracht werden sollte.[9]

Der Umgang mit diesen Ehrungen war für Octavian zu diesem Zeitpunkt schwierig, da seine zukünftige Stellung im Staat noch nicht genau definiert war.[10] Eine offensichtliche Vergöttlichung des Herrschers zu Lebzeiten, ein charakteristisches Merkmal des hellenistischen Gottkönigtums, hätte seine Herrschaft für alle sichtbar zur Monarchie gemacht. Dieser Konflikt spielte auch für die Ehrungen der späteren Jahre, als Octavians Stellung im Staat klarer umrissen war, weiterhin eine große Rolle.

2.2. Beim Staatsakt im Jahr 27 v. Chr.

Im Rahmen des Staatsaktes im Januar des Jahres 27 v. Chr. erfolgten die wichtigsten Schritte zur Neuordnung des Staates, die als "Wiederherstellung der Republik" (res publica restituta) gefeiert wurde. Der Prinzeps war von nun an verfassungsmäßig in den Staat eingebunden und die administrativen Unklarheiten beseitigt. Neben den ordnenden Regelungen kam es auch bei dieser Gelegenheit wieder zu zahlreichen Ehrungen für Octavian.

Am ersten Tag dieses Staatsaktes wurde Octavian die Bürgerkrone aus Eichenlaub überreicht, die er über seiner Tür aufhängen durfte. Desweiteren durfte an den Pfosten seiner Haustür zwei Lorbeerbäume pflanzen. Diese Symbole können als geeignet erachtet werden, "vom republikanisch gesinnten Hochadel geschluckt zu werden"[11], da sie im Gegensatz zu prunkvoller Kleidung, Thron und Zepter eher "unköniglich" wirken. Doch die Eiche war der Baum Juppiters, der Lorbeer der Baum Apollos. Dies kann also auch als Annäherung Octavians an die Götter interpretiert werden.[12]

[...]


[1] Vgl. Suet. Aug 52.

[2] Vgl. Cass. Dio 51, 20, 6-8.

[3] Tac. Ann. 1, 10, 6.

[4] Vgl. Taylor, L.R., The Divinity Of The Roman Emperor, Middletown/Conn. 1931 (ND Philadelphia/Penn. 1975), 218. (Künftig zitiert: Taylor, Divinity)

[5] Vgl. Clauss, M., Kaiser und Gott. Herrscherkult im römischen Reich, München - Leipzig

1999 (ND München - Leipzig 2001), 69. (Künftig zitiert: Clauss, Kaiser und Gott)

[6] Vgl. Taylor, Divinity, 150.

[7] Vgl. Ebd. 150 f.

[8] Vgl. Clauss, Kaiser und Gott, 62.

[9] Cass. Dio 51, 19, 7: "At all banquets, not only public but private as well, everybody was to pour a libation to him."

[10] Vgl. Bleicken, J., Augustus. Eine Biographie, Berlin 2000, 299. (Künftig zitiert: Bleicken, Augustus)

[11] Alföldy, A., Die zwei Lorbeerbäume des Augustus, in: Wlosok, A. (Hrsg.), Römischer

Kaiserkult, Darmstadt 1978, 403-422 (=ders., Die zwei Lorbeerbäume des Augustus,

Antiquitas Reihe 3, Bd. 14, Bonn 1973), 404. (Künftig zitiert: Alföldy, Lorbeerbäume)

[12] Vgl. Bleicken, Augustus, 331.

Ende der Leseprobe aus 20 Seiten

Details

Titel
Verehrung oder Vergöttlichung - War Augustus noch ein Mensch oder schon ein Gott auf Erden?
Hochschule
Westfälische Wilhelms-Universität Münster  (Seminar für Alte Geschichte)
Veranstaltung
Proseminar: Das Zeitalter des Augustus
Note
1,3
Autor
Jahr
2004
Seiten
20
Katalognummer
V136095
ISBN (eBook)
9783640447169
ISBN (Buch)
9783640446742
Dateigröße
527 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Geschichte, Alte Geschichte, Antike, Augustus, Römisches Reich, Personenkult
Arbeit zitieren
Ulrike Busch (Autor), 2004, Verehrung oder Vergöttlichung - War Augustus noch ein Mensch oder schon ein Gott auf Erden?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/136095

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