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Das Verhältnis von Herrscher und Papst und sein symbolischer und ritueller Ausdruck im Früh-/Hochmittelalter

Titel: Das Verhältnis von Herrscher und Papst und sein symbolischer und ritueller Ausdruck im Früh-/Hochmittelalter

Seminararbeit , 2005 , 20 Seiten , Note: 1,0

Autor:in: Ulrike Busch (Autor:in)

Geschichte Europas - Mittelalter, Frühe Neuzeit
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Zusammenfassung Leseprobe Details

Die symbolische Konfliktführung und –beilegung im Mittelalter kann unter anderem am Verhältnis von Kaiser und Papst veranschaulicht werden. Dieses Verhältnis ist ein Thema mit Tradition in der Mittelalterforschung. Der symbolischen und rituellen Darstellung dieses Verhältnisses wurde jedoch lange Zeit in der Mittelalterforschung wenig Bedeutung beigemessen. Die intensive Erforschung der Funktionen symbolischer und ritueller Kommunikation im Mittelalter ist ein relativ junger Forschungszweig, der jedoch in Münster bereits institutionell als Sonderforschungsbereich 496 "Symbolische Kommunikation und gesellschaftliche Wertesysteme vom Mittelalter bis zur Französischen Revolution" verankert ist. Dabei geht es um die Fragen des Verständnisses von Ritualen, ihrer Veränderlichkeit im Laufe des Mittelalters sowie ihrer Bedeutung für die mittelalterliche Herrschaftsordnung. Es soll vor allem die in der Forschung lange vorherrschende Meinung der "Irr- und Vorrationalität" symbolischer Kommunikation im Mittelalter widerlegt und ihre zentrale Bedeutung für das Funktionieren der damaligen Gesellschaft gezeigt werden. In dieser Arbeit werden fünf Papst-Kaiser-Begegnungen aus drei verschiedenen Phasen des Früh- und Hochmittelalters, und zwar aus dem 8., dem 11. und dem 12. Jahrhundert, näher beleuchtet. Anhand dieser Beispiele sollen das Papst-Kaiser-Verhältnis und seine Veränderungen sowie sein Ausdruck in Symbolen und Ritualen veranschaulicht werden.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Beispiel I (8. Jhdt.): Die Karolinger und die Päpste

2.1 Ponthion 754

2.2 Paderborn 799

3 Beispiel II (11. Jhdt.): Heinrich IV. und Gregor VII.: Canossa 1077

4 Beispiel III (12. Jhdt.): Barbarossa und die Päpste

4.1 Sutri 1155

4.2 Der Frieden von Venedig 1177

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht das Verhältnis von Herrscher und Papst im Früh- und Hochmittelalter unter besonderer Berücksichtigung des symbolischen und rituellen Ausdrucks dieser Machtbeziehungen. Die zentrale Forschungsfrage fokussiert dabei auf die Rolle von Ritualen als Mittel der Konfliktführung und -beilegung und analysiert, inwiefern sich das Verständnis und die Ausgestaltung dieser symbolischen Akte im Laufe der Jahrhunderte gewandelt haben.

  • Symbolische Kommunikation und rituelle Konfliktlösung im Mittelalter
  • Die Entwicklung des Verhältnisses zwischen Papsttum und Kaisertum
  • Die Bedeutung zeremonieller Akte (z.B. Strator-Dienst, Fußkuss) als Machtausdruck
  • Der Investiturstreit und seine Auswirkungen auf das theokratische Königtum
  • Analyse ausgewählter Schlüsselbegegnungen vom 8. bis zum 12. Jahrhundert

Auszug aus dem Buch

3 Beispiel II (11. Jhdt.): Heinrich IV. und Gregor VII.: Canossa 1077

Das Verhältnis von Herrscher und Papst hatte sich zu dieser Zeit gegenüber dem 8./9. Jahrhundert gewandelt. Es war die Zeit des sogenannten Investiturstreits, der sich an der Frage der Einsetzung (=Investitur) von Bischöfen und Reichsäbten entzündete, jedoch eine weit tiefere Bedeutung hatte, nämlich die Frage nach der Machtverteilung zwischen Papsttum und Königtum. Dieser Streit begann Mitte des 11. Jahrhunderts und wurde mit dem Wormser Konkordat 1122 beendet. Er hatte eine grundlegende geistig-politische Änderung zur Folge; das Konzept des theokratischen Königtums, der Einheit von Staat und Kirche, wurde durch einen Dualismus der Gewalten abgelöst. Der Gang nach Canossa, den Heinrich IV. im Januar 1077 antrat, war einer der Höhepunkte des Investiturstreits.

Papst Gregor VII. (1073-1085) verfasste 27 Sätze, die sogenannten Dictatus Papae, die zwar nicht für die Öffentlichkeit bestimmt waren, aber als eine Art "Regierungsporgramm" zu verstehen sind. Darin betont er u.a. die absolute Sonderstellung der römischen Kirche, die Heiligkeit eines jeden Papstes schon zu Lebzeiten und auch das Recht des Papstes, in weltliche Angelegenheiten einzugreifen, und zwar auch durch die Absetzung von Kaisern. Das Ziel der sogenannten Gregorianischen Reform war die Freiheit der Kirche von weltlicher ‚Bevormundung’. Zu diesem Zweck mussten Herrschertum und Kirche klar getrennt, die enge Beziehung der karolingischen und ottonischen Zeit gelöst werden.

Vor diesem Hintergrund konnte Gregor VII. es sich nicht gefallen lassen, als Heinrich VI. 1075 eigenmächtig einen Angehörigen seiner Hofkapelle zum Erzbischof von Mailand und außerdem Bischöfe für Spolet und Fermo, beide im Kirchenstaat gelegen, ernannte. In einem Schreiben forderte der Papst den König auf, diese Entscheidungen rückgängig zu machen und "dem 'Apostelfürsten' Petrus zu gehorchen".

Zusammenfassung der Kapitel

1 Einleitung: Die Einleitung führt in die symbolische Konfliktführung im Mittelalter ein und umreißt die wissenschaftliche Relevanz der rituellen Kommunikation für das Verständnis der Herrschaftsordnung.

2 Beispiel I (8. Jhdt.): Die Karolinger und die Päpste: Dieses Kapitel beleuchtet das frühmittelalterliche Miteinander der Gewalten, das durch eine starke Position des Herrschers und ein eher friedliches Verhältnis geprägt war.

2.1 Ponthion 754: Untersuchung der Begegnung von Pippin und Papst Stephan II. als symbolisches Bündnis zwischen Frankenreich und Papsttum.

2.2 Paderborn 799: Analyse der Begegnung Karls des Großen mit Leo III. unter Berücksichtigung der Quellenproblematik und des rituellen Grundmusters.

3 Beispiel II (11. Jhdt.): Heinrich IV. und Gregor VII.: Canossa 1077: Das Kapitel behandelt den Investiturstreit als Wendepunkt, an dem das Konzept des theokratischen Königtums durch den Dualismus der Gewalten abgelöst wurde.

4 Beispiel III (12. Jhdt.): Barbarossa und die Päpste: Beschreibung des Konfliktpotenzials zwischen den Staufern und dem Papsttum, das aus neuen päpstlichen Machtansprüchen resultierte.

4.1 Sutri 1155: Erörterung der Differenzen zwischen Friedrich Barbarossa und Papst Hadrian IV. bezüglich des Stratordienstes bei ihrer ersten Begegnung.

4.2 Der Frieden von Venedig 1177: Darstellung der Versöhnung nach langem Schisma und der rituellen Inszenierung am Markusplatz, insbesondere der Bedeutung des Fußkusses.

Schlüsselwörter

Kaiser, Papst, Mittelalter, Rituale, Symbolische Kommunikation, Investiturstreit, Canossa, Barbarossa, Herrschaftsordnung, Zweigewaltenlehre, Stratordienst, Fußkuss, Sakralkönigtum, Venedig, Machtpolitik.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht das sich wandelnde Verhältnis zwischen Kaiser und Papst im Früh- und Hochmittelalter anhand von rituellen und symbolischen Handlungen.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die thematischen Schwerpunkte liegen auf der symbolischen Konfliktführung, der Entwicklung des päpstlichen Machtanspruchs und der rituellen Darstellung von Unterordnung oder Anerkennung.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Ziel ist es, die Bedeutung von Ritualen für das Funktionieren der mittelalterlichen Gesellschaft aufzuzeigen und die "Irrationalität" solcher Handlungen in der Forschung zu widerlegen.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es wird eine historisch-analytische Methode angewandt, die Quellen vergleicht und den rituellen Ablauf von Schlüsselbegegnungen rekonstruiert.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil analysiert fünf konkrete Papst-Kaiser-Begegnungen in den drei Phasen des 8., 11. und 12. Jahrhunderts.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Schlüsselwörter sind unter anderem Symbolik, Rituale, Investiturstreit, Stratordienst, Canossa und Herrschaftsordnung.

Warum war der Stratordienst ein so umstrittener Akt?

Der Stratordienst wurde je nach politischer Konstellation entweder als bloße Höflichkeit oder als demütigende Anerkennung der päpstlichen Superiorität durch den weltlichen Herrscher interpretiert.

Was änderte sich mit dem Gang nach Canossa 1077?

Der Gang nach Canossa markierte einen Wendepunkt, da der König sich dem geistlichen Richteramt des Papstes unterwerfen musste, womit das Zeitalter des unangefochtenen Sakralkönigtums endete.

Welche symbolische Bedeutung hatte der Fußkuss in Venedig?

Der Fußkuss diente im 12. Jahrhundert als demonstrativer Akt der Versöhnung und Anerkennung, wobei von weltlicher Seite betont wurde, dass er nicht der Person des Papstes, sondern Christus oder Petrus gelte.

Ende der Leseprobe aus 20 Seiten  - nach oben

Details

Titel
Das Verhältnis von Herrscher und Papst und sein symbolischer und ritueller Ausdruck im Früh-/Hochmittelalter
Hochschule
Universität Münster  (Historisches Seminar)
Veranstaltung
Proseminar: Krieg, Unruhe und Fehde im Mittelalter
Note
1,0
Autor
Ulrike Busch (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2005
Seiten
20
Katalognummer
V136126
ISBN (eBook)
9783640443727
ISBN (Buch)
9783640443499
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Geschichte Mittelalter Frühmittelalter Hochmittelalter Symbolik Rituale symbolische Kommunikation
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Ulrike Busch (Autor:in), 2005, Das Verhältnis von Herrscher und Papst und sein symbolischer und ritueller Ausdruck im Früh-/Hochmittelalter, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/136126
Blick ins Buch
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Leseprobe aus  20  Seiten
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