Die vorliegende Bachelorarbeit beschäftigt sich mit dem methodischen Unterschied zwischen Kants Kritik der reinen Vernunft und seinen Prolegomena. Kant erklärt in den Prolegomena, dass er in der Kritik der Vernunft nach der synthetischen Methode vorgeht, während er in den Prolegomena seine Argumente mithilfe der analytischen Methode vorträgt. Es wird der Versuch unternommen, eine Antwort auf die Frage zu liefern, inwiefern sich diese beiden Methoden voneinander unterscheiden.
Was ist das Gesuchte, von dem ausgegangen wird, als sei es gegeben, und was sind die Bedingungen? Unterscheiden sich die beiden Methoden in logisch-argumentativer Hinsicht voneinander? Um diese Fragen zu beantworten, werden im Folgenden ausgewählte Kapitel aus der Kritik und den Prolegomena (nämlich die mit den Titeln "Transzendentale Ästhetik" und "Wie ist reine Mathematik möglich?") zunächst dargestellt, um anschließend mit Bezug auf die zuvor erörterte Argumentation zu zeigen, was bei Kant die Synthetizität oder die Analytizität der jeweils angewandten Methode ausmacht und inwiefern sich diese Methoden dementsprechend voneinander unterscheiden. Die These ist, dass es sich beim Gesuchten um die Möglichkeit gewisser synthetischer Urteile a priori handelt. Darüber hinaus wird die These vertreten, dass die beiden Methoden sich nicht hinsichtlich ihrer logisch-argumentativen Struktur unterscheiden, sondern nur zwei Darstellungsweisen desselben Arguments sind.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Hauptteil
2.1. Transzendentale Ästhetik und die synthetische Methode
2.1.1. Inhalt und Aufbau
2.1.2. Einführung der Terminologie und Erklärung der Vorgehensweise in der Ästhetik
2.1.3. Raumargumente
2.1.4. Exkurs: Das ‚Über-den-Begriff-Hinausgehen‘. Zur Analytizität und Synthetizität von Urteilen
2.1.5. Zeitargumente
2.1.6. Zur methodischen Synthetizität in der transzendentalen Ästhetik
2.2. ‚Wie ist reine Mathematik möglich?‘ und die analytische Methode
2.2.1. Inhalt und Aufbau
2.2.2. Argumentation
2.2.3. Zur methodischen Analytizität in ‚Wie ist reine Mathematik möglich?‘ und dem Unterschied zwischen der synthetischen und der analytischen Methode
3. Schluss
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht den methodischen Unterschied zwischen Immanuel Kants Kritik der reinen Vernunft und den Prolegomena, um zu klären, inwiefern sich die dort angewandte synthetische bzw. analytische Methode unterscheiden und ob diese Differenz lediglich in der Darstellungsweise begründet liegt.
- Untersuchung der synthetischen Methode in der Transzendentalen Ästhetik.
- Analyse der analytischen Methode im Kontext der Frage nach der Möglichkeit reiner Mathematik.
- Kritische Aufarbeitung des Verhältnisses von Anschauung und Begriff bei Kant.
- Argumentation für die These, dass beide Ansätze logisch-argumentativ dasselbe Ziel verfolgen.
Auszug aus dem Buch
2.1.4. Exkurs: Das ‚Über-den-Begriff-Hinausgehen‘. Zur Analytizität und Synthetizität von Urteilen
Zunächst einmal ist zu bemerken, dass Erkenntnis nach Kant immer in Urteilen geschieht und dass die kantische Urteilstheorie drei Klassen von Urteilen kennt: analytische Urteile a priori, synthetische Urteile a posteriori und synthetische Urteile a priori, wobei Kant sich in der Kritik der reinen Vernunft hauptsächlich mit der Frage danach beschäftigt, wie und nicht ob letztere möglich sind. Um zu verstehen, was das ‚Über-den-Begriff-Hinausgehen‘ bedeutet, ist vor allem das Begriffspaar ‚analytisch-synthetisch‘ wichtig, welches Kant in der Kritik unter dem Titel Von dem Unterschiede analytischer und synthetischer Urteile einführt:
In allen Urteilen, worinnen das Verhältnis eines Subjekts zum Prädikat gedacht wird, (wenn ich nur die bejahenden erwäge: denn auf die verneinenden ist die Anwendung leicht) ist dieses Verhältnis auf zweierlei Art möglich. Entweder das Prädikat B gehört zum Subjekt A1) als etwas, was in diesem Begriffe A (versteckterweise) enthalten ist; oder B liegt ganz außer dem Begriff A, ob es zwar mit demselben in Verknüpfung steht. Im ersten Fall nenne ich das Urteil analytisch, im andern synthetisch. […] Die ersten könnte man auch Erläuterungs-, die andern Erweiterungs-Urteile heißen, weil jene durch das Prädikat nichts zum Begriff des Subjekts hinzutun, sondern diesen nur durch Zergliederung in seine Teilbegriffe zerfällen, die in selbigen³ ) schon (obgleich verworren) gedacht waren: dahingegen die letzteren zu dem Begriffe des Subjekts ein Prädikat hinzutun, welches in jenem gar nicht gedacht war, und durch keine Zergliederung desselben hätte können herausgezogen werden.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Bedeutung von Kants Kritik der reinen Vernunft ein und formuliert die Forschungsfrage zur methodischen Differenz zwischen der Kritik und den Prolegomena.
2. Hauptteil: Der Hauptteil untersucht detailliert die Vorgehensweisen in den beiden Werken, wobei die transzendentale Ästhetik als Anwendung der synthetischen Methode und der Abschnitt zur reinen Mathematik als Anwendung der analytischen Methode analysiert wird.
2.1. Transzendentale Ästhetik und die synthetische Methode: Dieses Kapitel arbeitet Kants Argumentation zur Rolle von Raum und Zeit als reine Anschauungsformen heraus und dokumentiert die synthetische methodische Vorgehensweise.
2.1.1. Inhalt und Aufbau: Kurze Vorab-Einführung in die Argumentationsstruktur von § 1 der Ästhetik.
2.1.2. Einführung der Terminologie und Erklärung der Vorgehensweise in der Ästhetik: Erläuterung der kantischen Begriffe von Empfindung, Erscheinung und Anschauung.
2.1.3. Raumargumente: Darstellung der metaphysischen Erörterung des Raumes bei Kant.
2.1.4. Exkurs: Das ‚Über-den-Begriff-Hinausgehen‘. Zur Analytizität und Synthetizität von Urteilen: Analyse der grundlegenden Unterscheidung zwischen analytischen und synthetischen Urteilen als Voraussetzung für das Verständnis der Methoden.
2.1.5. Zeitargumente: Darstellung der Argumente zur Zeit als subjektive Form der inneren Anschauung.
2.1.6. Zur methodischen Synthetizität in der transzendentalen Ästhetik: Zusammenfassende Betrachtung der synthetischen Methode, bei der von den Bedingungen zum Gesuchten geschritten wird.
2.2. ‚Wie ist reine Mathematik möglich?‘ und die analytische Methode: Dieses Kapitel widmet sich der Analyse der analytischen Methode im Abschnitt über die reine Mathematik aus den Prolegomena.
2.2.1. Inhalt und Aufbau: Überblick über die Fragestellung und den Umfang des Kapitels in den Prolegomena.
2.2.2. Argumentation: Aufarbeitung der kantischen Argumentation zum mathematischen Vorgehen durch Konstruktion der Begriffe in der Anschauung.
2.2.3. Zur methodischen Analytizität in ‚Wie ist reine Mathematik möglich?‘ und dem Unterschied zwischen der synthetischen und der analytischen Methode: Diese Untersuchung zeigt, dass die analytische Methode von dem Gesuchten ausgeht und zu den Bedingungen aufsteigt, was als reziprokes Verfahren zur synthetischen Methode identifiziert wird.
3. Schluss: Zusammenfassung der Ergebnisse der Bachelorarbeit und Reflexion über die methodische Äquivalenz der beiden Darstellungsweisen.
Schlüsselwörter
Kants Philosophie, Kritik der reinen Vernunft, Prolegomena, synthetische Methode, analytische Methode, transzendentale Ästhetik, reine Anschauung, synthetische Urteile a priori, Raum, Zeit, Analytizität, Erkenntnistheorie, Geometrie, Mechanik, Metaphysik.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit befasst sich mit dem methodischen Unterschied zwischen Kants Kritik der reinen Vernunft und seinen Prolegomena hinsichtlich der Anwendung einer synthetischen gegenüber einer analytischen Methode.
Welche zentralen Themenfelder behandelt die Untersuchung?
Im Zentrum stehen die transzendentale Ästhetik, die Theorie synthetischer Urteile a priori sowie die Frage, wie ein Wissen, das mathematische Gewissheit beansprucht, möglich ist.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage der Arbeit?
Die Arbeit untersucht, worin genau der methodische Unterschied zwischen den genannten Werken besteht und ob dieser Unterschied logisch zu begründen ist oder lediglich unterschiedlichen didaktischen Darstellungsweisen folgt.
Welche wissenschaftliche Methode verwendet die Autorin oder der Autor?
Die Arbeit nutzt eine textanalytische und komparative Methode, um Kants Argumentationslinien in ausgewählten Kapiteln der Kritik und der Prolegomena nachzuvollziehen und kritisch zu vergleichen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung der synthetischen Methode (anhand der Raum-Zeit-Argumente) und die Analyse der analytischen Methode (anhand der Frage nach der reinen Mathematik), gefolgt von einer methodenkritischen Synthese.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit am besten?
Zu den Kernbegriffen gehören: synthetische und analytische Methode, transzendentale Ästhetik, Urteilstheorie, reine Anschauung, apriorische Erkenntnis und das ‚Über-den-Begriff-Hinausgehen‘.
Was bedeutet das ‚Über-den-Begriff-Hinausgehen‘ bei Kant?
Dieser Begriff beschreibt das Wesen synthetischer Urteile: Das Prädikat wird dem Subjekt hinzugefügt, ohne bereits durch Zergliederung in diesem enthalten zu sein, wodurch die Erkenntnis erweitert wird.
Wie unterscheidet sich die analytische von der synthetischen Methode nach Ansicht der Arbeit?
Die Arbeit kommt zu dem Schluss, dass der Unterschied nicht in der zugrunde liegenden logischen Struktur liegt, sondern darin, ob vom Gesuchten zu den Bedingungen aufgestiegen wird (analytisch) oder von den Bedingungen zum Gesuchten abgestiegen wird (synthetisch).
Was ist das Hauptergebnis bezüglich der methodischen Differenz?
Die Autorin oder der Autor argumentiert erfolgreich, dass es sich primär um zwei verschiedene Darstellungsweisen desselben zugrunde liegenden Arguments handelt, die durch die didaktische Absicht der Prolegomena motiviert sind.
- Citation du texte
- Daniel Okpoto (Auteur), 2022, Synthetizität und Analytizität. Der methodische Unterschied zwischen Kants "Kritik der reinen Vernunft" und den "Prolegomena", Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1361272