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Typologisches Denken im Tristanroman

Title: Typologisches Denken im Tristanroman

Term Paper (Advanced seminar) , 2008 , 15 Pages , Grade: 2,3

Autor:in: Sebastian Runkel (Author)

German Studies - Older German Literature, Medieval Studies
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Ich möchte mich in dieser Hausarbeit mit ausgewählten Textstellen aus dem Tristanroman Gottfrieds von Straßburg beschäftigen. Zwei Fragestellungen sollen dabei im Mittelpunkt stehen:
(1) Inwiefern finden sich Formen der Adaption und Überbietung von antiken Stoffen in Gottfrieds Roman?
(2) Gibt es Hinweise darauf, dass Gottfried nicht nur Stoffe und Personen der Antike zu überbieten versucht, sondern auch seine ‚Zeitgenossen’?
Bei der Untersuchung der Textstellen, so meine These, wird sich herausstellen, dass sich bei Gottfried ein ausgeprägtes Maß an typologischem Denken feststellen lässt. Es wird nicht einfach von der Helena des alten Griechenlands gesprochen, das wäre zu einfach. Kurz darauf findet man die Überbietung dieser Person, natürlich durch Personen oder Begebenheiten des Gottfriedschen Textes. Das Alte wird gelobt, um durch die Überbietung des Gelobten das Eigene noch größer zu machen. Diese These soll anhand mehrer Textstellen auf ihre Richtigkeit geprüft werden.
Doch möchte ich noch eine zweite Frage damit in Verbindung bringen. Belässt es Gottfried dabei, die Antike zu überbieten? Um diese Frage zu klären, muss man sich, wie ich denke, dem berühmten Literaturexkurs Gottfrieds zuwenden. Denn hier unterzieht der Autor selbst seine ‚Kollegen’ der Kritik. Nachdem er sich seiner Unfähigkeit anscheinend bewusst geworden ist und diese vehement beteuert, lobt er die meisten seiner Zeitgenossen über die Maßen wegen ihrer Dichtkunst. Doch wurde immer wieder angenommen, dass Gottfried dieses nur als Mittel zum Zweck verwendet, um sich selbst auf ganz subtile Art und Weise zu stilisieren. Da er sich selbst noch über die so gerühmten Kollegen stelle, betont er durch das zunächst erwähnte Lob für die Kollegen ganz besonders seiner herausragende Position, die über allen anderen steht. Ich schließe mich dieser These an und möchte anhand von Ausschnitten des Literaturexkurses diese begründen.
So lässt sich im Vorfeld folgende Position formulieren: Gottfried stellt sich in seinem Roman über die Antike und deren Überlieferungen. Doch belässt er es nicht dabei, sondern gibt in seinem Roman auch ganz deutlich zu verstehen, dass er auch über den besten und gerühmtesten Dichtern seiner Zeit steht.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Typologie

3. Typologisches Denken im Tristanroman

4. Der Literaturexkurs

5. Fazit

6. Bibliographie

Zielsetzung und Themen der Arbeit

Diese wissenschaftliche Arbeit untersucht die Anwendung des typologischen Denkens in Gottfrieds von Straßburg „Tristanroman“. Das primäre Ziel ist es, nachzuweisen, inwiefern der Autor durch die bewusste Adaption und Überbietung antiker Stoffe, Mythen und zeitgenössischer Dichter seine eigene herausragende künstlerische Position innerhalb der mittelalterlichen Literatur legitimiert und etabliert.

  • Analyse der typologischen Methode als literarisches Gestaltungsmittel bei Gottfried von Straßburg.
  • Untersuchung der Überbietung antiker Vorbilder (z.B. Helena, Sirenen) durch neue, christliche bzw. „wahre“ Idealgestalten.
  • Deutung des sogenannten Literaturexkurses als Instrument der Selbststilisierung und Abgrenzung gegenüber zeitgenössischen Dichtern.
  • Bewertung des Einflusses antiker Rhetorik auf die Romanpoetik und das Selbstverständnis des Autors.

Auszug aus dem Buch

3. Typologisches Denken im Tristanroman

Eine ganz eindeutige Stelle, in der Gottfrieds Bestreben, die Antike zu überbieten, erkennbar ist, handelt von Isolde und ihrer Schönheit. Tristan ist soeben von seiner Reise nach Irland an den Hof von König Marke zurückgekehrt (V. 8226ff.) und schwärmt begeistert von der jungen Isolde. Im Text wird deutlich, dass die Begegnung Tristans mit Isolde diesen von der herkömmlichen Ansicht abgebracht hatte, dass Helena die schönste Frau sei. Griechenland und Helena sind nur schattenhafte Präfigurationen dessen, was Tristan erschienen ist. Dies kommt in dem Ausdruck ganzlichiu (V. 8275) sehr deutlich zum Ausdruck, Tristan hat die vollkommene Schönheit gesehen, die in Griechenland nie erstrahlte (V. 8275f.), sondern eben in Isolde. Bezeichnend ist auch die Benennung Isoldes als niuwe sunne (V. 8280). Vor dieser neuen Sonne, die gleichsam im irischen, christlichen Westen aufgeht, verblasst und versinkt die der Antike. Das Adjektiv novus wie auch verus ist als fester Bestandteil typologischer Fügungen belegt, man denke beispielsweise auch an novum testamentum. Somit ist die Tatsache, dass Gottfried hier ganz bewusst antike Denkweisen in der Erzählung über Isolde überbietet, augenscheinlich.

Eine weitere bemerkenswerte Stelle stellt die Episode des Verweilens Tristans und Isoldes in der Minnegrotte dar. Tristan und Isolde übertreffen die mythische Vorgeschichte und die Antike, wie sie Artus übertreffen, den britannischen Geschichtshelden des Mittelalters: Swaz aber von der fossiure, Von alter aventiure, Vor hie ie was bemaeret, Daz wart an in bewaeret. Diu ware wirtinne, Diu haete sich dar inne, Alrerste an ir spil verlan. Swaz e dar inne ie wart getan, Von kurzewile oder von spil, daznlief niht ze disem zil. Ezn was niht von meine, So luter noch so reine, Als ir spil was under in. (V. 17225-17237)

Die Minnegrotte stammte – nach Gottfried – aus alter heidnischer Zeit und diente Riesen als Unterschlupf, wenn selbige mit minnen umbe gan wollten (V. 16696). In dem Zitat sagt Gottfried, was auch immer aus alter Zeit an Kunde von dem Minnetreiben bekannt war, jetzt fände es seine wahre Erfüllung. Das heißt, das Liebesleben der Riesen von damals ist gleichsam nur eine schwache Präfiguration dessen, was Tristan und Isolde jetzt in der Grotte tun.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Hier werden die zentralen Fragestellungen zur Adaption antiker Stoffe und zur kritischen Auseinandersetzung mit Zeitgenossen in Gottfrieds Werk dargelegt.

2. Typologie: Dieses Kapitel erläutert den Begriff der Typologie als bibelexegetische Methode und deren Übertragung auf die mittelalterliche Literatur.

3. Typologisches Denken im Tristanroman: Anhand ausgewählter Textstellen, wie der Beschreibung Isoldes oder der Minnegrotte, wird die bewusste Überbietung antiker Vorbilder analysiert.

4. Der Literaturexkurs: Der Autor untersucht, wie Gottfried seine eigene Dichterkunst durch die kritische Bewertung und gleichzeitige Überlegenheit gegenüber anderen Dichtern seiner Zeit stilisierte.

5. Fazit: Diese Zusammenfassung resümiert, dass das typologische Denken ein komplexes, teils indirektes Instrument ist, mit dem Gottfried seine künstlerische Souveränität betont.

6. Bibliographie: Ein Verzeichnis der verwendeten Primär- und Sekundärliteratur, die der wissenschaftlichen Fundierung der Arbeit dient.

Schlüsselwörter

Gottfried von Straßburg, Tristanroman, Typologie, Überbietungstopos, Mittelalter, Antike, Literaturkritik, Literaturexkurs, Hartmann von Aue, Helena, Minnegrotte, Poetik, Selbststilisierung, höfische Dichtung, Motivgeschichte.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?

Die Arbeit untersucht das typologische Denken in Gottfrieds von Straßburg „Tristanroman“, insbesondere wie der Autor antike Stoffe nutzt, um durch Überbietung sein eigenes künstlerisches Ansehen zu festigen.

Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?

Die thematischen Schwerpunkte liegen auf der literarischen Methode der Typologie, der bewussten Überbietung antiker Mythen sowie der Selbstdarstellung des Dichters im berühmten Literaturexkurs.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Die Arbeit fragt danach, inwiefern Gottfried antike Vorlagen nicht nur adaptiert, sondern durch „Überbietung“ als minderwertig erscheinen lässt, um die eigene überlegene Position gegenüber der Antike und seinen zeitgenössischen Kollegen zu untermauern.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es wird eine literaturwissenschaftliche Textanalyse angewandt, die sich auf das Konzept der Typologie stützt und insbesondere den Vergleich zwischen antiken Präfigurationen und deren moderner Erfüllung im Tristanroman fokussiert.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Im Hauptteil werden konkrete Textstellen analysiert, unter anderem die Beschreibung von Isoldes Schönheit, die Minnegrotte-Episode, der Sirenenvergleich und die Dichterschau, in der Gottfried über seine Kollegen reflektiert.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Untersuchung?

Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Typologie, Überbietungstopos, Tristanroman, Gottfried von Straßburg, Selbststilisierung und höfische Dichtung charakterisieren.

Warum ist die „Minnegrotte“ für die typologische Untersuchung so bedeutend?

Die Minnegrotte dient als Beispiel dafür, wie heidnische Vorbilder als „schattenhafte Präfigurationen“ genutzt werden, um das Liebesleben von Tristan und Isolde als deren „wahre Erfüllung“ darzustellen.

Wie nutzt der Autor den sogenannten „wahren Helikon“ zur Selbststilisierung?

Durch die Anrufung des „wahren Helikon“ grenzt sich Gottfried von seinen Zeitgenossen ab und beansprucht für sich eine tiefere, wahrhaftige poetische Kraft, wodurch er sich als überlegen gegenüber den anderen Dichtern positioniert.

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Details

Title
Typologisches Denken im Tristanroman
College
University of Constance  (Fachbereich Literaturwissenschaft)
Course
Formen der Adaption antiker Literatur in mittelalterlichen Texten
Grade
2,3
Author
Sebastian Runkel (Author)
Publication Year
2008
Pages
15
Catalog Number
V136162
ISBN (eBook)
9783640440566
ISBN (Book)
9783640440764
Language
German
Tags
Tristan Gottfried Straßburg Typologie Überbieten Topos Stoff Höfisch Roman Isolde Schwertleite Kleidung Minne Minnegrotte
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Sebastian Runkel (Author), 2008, Typologisches Denken im Tristanroman, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/136162
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