1. Einleitung
Die Hanse war die erste Wirtschaftsgemeinschaft auf dem europäischen Kontinent, die über einen längeren Zeitraum Bestand hatte. Ihr Einflussgebiet umfasste rund 200 Städte und reichte von Finnland bis nach Thüringen und von den Niederlanden bis nach Novgorod. Mit dem Schutz von Kaufleuten begann die Geschichte der Hanse und weitete sich zu einer wirtschaftlichen Vormachtstellung im nördlichen Europa aus.
Am Ende des 14. Jahrhunderts war die Hanse auf dem Höhepunkt ihrer Macht. Jedoch steigerten sich die sozial bedingten Spannungen in den Städten. Nach ersten Erhebungen in Braunschweig wurden weitere Hansestädte von Unruhen erschüttert. Auch Lübeck blieb nicht verschont. Nach mehreren Aufständen sollte die geschwächte Stadt zum Schauplatz einer Revolte werden.
Zum Forschungsstand ist festzuhalten, dass in der Geschichtsschreibung der DDR die Rolle der Handwerker eine besondere Gewichtung erhält, denn sie würden sich allein gegen die Vormachtstellung des Rates, dem im Werk Schildhauers häufig der Begriff Patrizier zukommt, stellen.
Diese Arbeit befasst sich mit Ereignissen innerhalb der Hanse, die dem Knochenhaueraufstand von 1384 vorausgingen. Vor allem rücken in dieser Betrachtung die Unruhen nach dem Krieg mit Dänemark und der erste Knochenhaueraufstand von 1380 in den Blickpunkt. Anschließend soll der Verlauf und vor allem die Konsequenzen des zweiten Knochenhaueraufstandes betrachtet werden.
Zuletzt soll das Geschichtswerk Lübecks, die Stadtchronik, untersucht, die Bedeutung in der Forschung dargestellt und bewertet werden. Im Fazit wird noch einmal auf den Aufstand Bezug genommen und die Auswirkungen auf den weiteren Werdegang der Hanse angedeutet.
Inhaltsverzeichnis
1.) Einleitung
2.) Historische Ausgangssituation
2.1) Die äußere und innere Situation der Hansestädte
2.2) Der erste Knochenhaueraufstand von 1380
3.) Der Knochenhaueraufstand von 1384
3.1) Die Planung und die Beteiligten des Aufstandes
3.2) Die Verschwörung und die Reaktion des Rates
4.) Charakter der Chronik
4.1) Die Entstehung der lübeckischen Stadtchronik
4.2) Die Sichtweise der lübeckischen Chronik
5.) Ergebnis und Ausblick
6.) Literaturverzeichnis
6.1) Quelle
6.2) Literaturliste
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht die Ursachen, den Verlauf und die politischen Konsequenzen der Knochenhaueraufstände in Lübeck im späten 14. Jahrhundert. Dabei wird insbesondere analysiert, wie der Lübecker Rat auf diese sozialen Spannungen reagierte und inwiefern die zeitgenössische städtische Chronistik diese Ereignisse subjektiv verarbeitete, um die Machtverhältnisse innerhalb der Hansestadt zu legitimieren.
- Historischer Kontext der Hanse und soziale Spannungen in den Städten
- Analyse der Knochenhaueraufstände von 1380 und 1384
- Untersuchung der Rolle des Rates und der Handwerkergruppen
- Bedeutung und subjektive Perspektive der lübeckischen Stadtchronik
- Langfristige politische Auswirkungen auf die Machtstruktur Lübecks
Auszug aus dem Buch
3.1) Die Planung und die Beteiligten des Aufstandes
Ähnlich dem ersten Knochenhaueraufstand von 1380 und den Unruhen zuvor ging auch dem zweiten Aufstand von 1384 ein Kompromiss von Rat und Ämtern voraus, der für die Ämter nicht zufrieden stellend war. Angefacht wurden die erneuten Unruhen durch die Erfolge der Aufständischen in Braunschweig. Dort gelang es unter Anwendung von Gewalt die Vorherrschaft des Rates zu brechen und die Verfassungszustände nachhaltig zu ändern.
Unter den Unzufriedenen in Lübeck tat sich vor allem der Kaufmann Hynryck Paternostermaker hervor. Er nutzte die gegebenen sozialen Umstände und fasste nach den erfolglosen Versuchen der Handwerker mit einer offenen Konfrontation den Plan durch eine Verschwörung die Vormachtstellung des Rates zu brechen.
Hynryck Paternostermaker war der Sohn des 1332 in Lübeck eingewanderten Johann van Coesfelde, der sich 1341 in Paternostermaker umbenannte. In Lübeck waren auf Grund fließender sozialer Übergänge innerhalb von wenigen Generationen starke Auf- und Abstiege möglich. Johann Paternostermaker profitierte vom seit dem 13. Jahrhundert anhaltenden wirtschaftlichen Aufschwung in den Hansestädten. Er gehörte zu diesen lübeckischen Phänomenen und stieg in kürzester Zeit vom Bersteindreher und Fertiger von Rosenkränzen zum wohlhabenden Kaufmann auf. Schnell gewann er ein sehr hohes Ansehen. 1362 stieg er sogar als Deputierter der Gemeinde bei einer Ausfertigung einer notariellen Vollmacht Lübecks in eine Stelle von höchstem Ansehen auf.
Bei seinem Sohn Hynryck hingegen zeigte sich schnell, dass er es nicht vermochte die Geschäfte gewinnbringend weiterzuführen. Die Geschäfte entwickelten sich so schlecht, dass er seinen Besitz nahezu vollständig verpfänden oder verkaufen musste. Aufgrund seiner aussichtslosen wirtschaftlichen Lage begann eine Annäherung an die Knochenhauer, die zumeist ähnliche Motive aufweisen konnten.
Zusammenfassung der Kapitel
1.) Einleitung: Die Einleitung gibt einen Überblick über die Bedeutung der Hanse und führt in die Thematik der städtischen Unruhen des 14. Jahrhunderts ein, wobei das Forschungsinteresse auf den Lübecker Aufständen liegt.
2.) Historische Ausgangssituation: Dieses Kapitel beleuchtet die äußeren Konflikte mit Dänemark und die internen sozialen Spannungen, die durch das Machtmonopol des Rates und die wirtschaftliche Benachteiligung der Handwerkerämter entstanden.
3.) Der Knochenhaueraufstand von 1384: Hier werden die Akteure, insbesondere Hynryck Paternostermaker, sowie die Planung und das Scheitern der Verschwörung gegen den Rat detailliert dargestellt.
4.) Charakter der Chronik: Das Kapitel untersucht die Entstehungsgeschichte der lübeckischen Stadtchronik und analysiert deren subjektive Darstellung der Ereignisse unter dem Einfluss des Ratsinteresses.
5.) Ergebnis und Ausblick: Das Fazit fasst zusammen, dass die Niederschlagung des Aufstandes eine Zäsur darstellte, die zu einem konsequenteren Handeln des Rats in der gesamten Hanse führte.
6.) Literaturverzeichnis: Auflistung der verwendeten Quellen und der wissenschaftlichen Literatur zur fundierten Auseinandersetzung mit dem Thema.
Schlüsselwörter
Hanse, Lübeck, Knochenhaueraufstand, Mittelalter, Stadtchronik, Rat, Handwerker, soziale Unruhen, Hynryck Paternostermaker, Machtmonopol, Hansestädte, Detmar, Historische Stadtgeschichte, Handelsboykott, Zunftwesen
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit analysiert die sozialpolitischen Konflikte im Lübeck des 14. Jahrhunderts, fokussiert auf die sogenannten Knochenhaueraufstände gegen die Vormachtstellung des städtischen Rates.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Zentrale Themen sind die Machtstruktur der hansischen Küstenstädte, die sozialen Spannungen zwischen Patriziern und Handwerksämtern sowie die Interpretation dieser Ereignisse durch die zeitgenössische Geschichtsschreibung.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, den Verlauf und die Konsequenzen des zweiten Knochenhaueraufstandes von 1384 aufzuzeigen und die Rolle der Stadtchronik bei der Legitimierung der Machtverhältnisse kritisch zu bewerten.
Welche wissenschaftliche Methode wird in dieser Arbeit verwendet?
Es handelt sich um eine historische Analyse, die auf der Auswertung zeitgenössischer Quellen, insbesondere der lübeckischen Stadtchronik, sowie einschlägiger fachwissenschaftlicher Sekundärliteratur basiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung der historischen Ausgangssituation, die konkrete Analyse der Aufstände von 1380 und 1384 sowie die Untersuchung des Charakters der lübeckischen Chronik.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit ist geprägt durch Begriffe wie Hansestadt, Zunftaufstand, soziale Hierarchie, städtischer Rat und zeitgenössische Historiographie.
Warum war der Aufstand von 1384 für den Lübecker Rat von besonderer Bedeutung?
Der Aufstand markierte für den Rat eine Zäsur, da er eine konsequentere Unterdrückung von Unruhen in anderen Hansestädten einleitete, um das Auseinanderbrechen des Städtebundes zu verhindern.
Welche Rolle spielte Hynryck Paternostermaker bei dem Aufstand von 1384?
Er fungierte als zentraler Organisator der Verschwörung, indem er soziale Unzufriedenheit und seine persönliche wirtschaftliche Notlage nutzte, um ein Bündnis aus Handwerkern und adligen Kräften gegen den Rat zu schmieden.
Inwiefern beeinflusste der Rat die Darstellung in der Stadtchronik?
Der Rat beauftragte Chronisten, die Ereignisse zu dokumentieren, was zu einer subjektiven Darstellung führte, die das Vorgehen des Rats als durch die göttliche Ordnung legitimiert darstellte.
Wie wurde das Amt der Knochenhauer nach der Niederschlagung des Aufstandes sanktioniert?
Das Amt wurde zunächst aufgelöst und später mit stark eingeschränkten Rechten neu gegründet, wobei unter anderem die Anzahl der Meister halbiert und das Präsentationsrecht entzogen wurde.
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- Arne Ostheim (Autor), 2006, „Der Lübecker Knochenhaueraufstand von 1384“, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/136225