Der Anteil der über 65 - Jährigen wird gemäß der von der Bundesregierung durchgeführten Modellberechnung von 10,8 % im Jahr 1960 auf 30,6 % im Jahr 2040 ansteigen. (Grieswelle 2002, S. 38) Der Altenquotient, der das Verhältnis der Personen im Rentenalter zu Personen im erwerbsfähigen Alter angibt, steigt sogar von 17,9 % im Jahre 1960 auf 56,2 % im Jahre 2040 an, weist also einen drastischen Anstieg aus. (Grieswelle 2002, S. 38) Diesem Sachverhalt kann allerdings entgegenhalten werden, dass die Festlegung der dem Altenquotienten zugrundeliegenden Parameter wie z.B. die angenommene Entwicklung von Lebenserwartung und Geburtenrate oder auch die Definition des Erwerbsalters je nach Intention variabel sind und die Intervalle für diese Parameter so festgelegt werden können, dass ein ganz bestimmtes – durch die Wahl geeigneter Intervalle unter Umständen absichtlich herbeigeführtes – Ergebnis für den Altenquotienten dabei herauskommt. So wird der Altenquotient in der Politik häufig als Instrument verwendet, um die sozialen Sicherungssysteme in Frage zu stellen. (Reuter 2004, S. 1, ff.) Außerdem berücksichtigt der Altenquotient weder den Produktivitätsfortschritt noch die Tatsache, dass das Erwerbspersonenpotential nicht gleichzusetzen ist mit der Anzahl der Menschen, die tatsächlich erwerbstätig sind. (Reuter 2004, S. 3)
Andererseits ist die Anzahl der Erwerbstätigen natürlich immer abhängig von der Größe des Erwerbspersonenpotentials, da sie immer nur einen Teil dieses Potentials ausmachen kann. Besorgniserregend mag daher für manchen die Information sein, dass das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (im folgenden: IAB) nach 2010 eine deutliche Verringerung des Erwerbspersonenpotentials in Deutschland prognostiziert, nämlich eine Abnahme von 38,5 Mio. Menschen im Jahr 2010 auf 24,8 Millionen Menschen im Jahr 2040. Dieser Prognosevariante liegt die Annahme zugrunde, dass es in Deutschland keine Zuwanderung geben wird. Ferner wird von gleichbleibender Erwerbsbeteiligung ausgegangen. (Grieswelle 2002, S. 38, f.)
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Tendenzen demografischen Wandels
2.1 Ursachen, Ausmaß und Konsequenzen
2.2 Auswirkungen auf Sozialsysteme und Arbeitsmarkt
3 Verhältnisse der Generationen zueinander
3.1 Generationenbeziehungen in der Gesellschaft
3.2 Familiäre Bindungen und Wohnverhältnisse
3.3 Pflegebedürftigkeit
3.4 Kinderarmut
4 Generationenvertrag im demografischen Wandel
4.1 Soziale Sicherung, Generationenvertrag und deren Abhängigkeit vom Arbeitsmarkt
4.2 Aktuelle und zukünftige Finanzierungsprobleme der gesetzlichen Rentenversicherung
4.3 Gerechte Beteiligung der Generationen an der Erwerbsarbeit
4.4 Lösungsansätze
4.5 Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die Auswirkungen des demografischen Wandels in Deutschland auf die soziale Sicherung, die Generationenverhältnisse und den Arbeitsmarkt. Im Zentrum steht die Frage, ob und wie der Generationenvertrag unter den Bedingungen einer alternden Gesellschaft und einer sinkenden Geburtenrate aufrechterhalten werden kann, ohne dass es zu eskalierenden Konflikten kommt.
- Ursachen und Auswirkungen der demografischen Entwicklung
- Die Stabilität und Legitimität des Generationenvertrags
- Herausforderungen in der Pflege und bei alternativen Wohnformen
- Problematik der Kinderarmut und intergenerationelle Aspekte
- Perspektiven für den Arbeitsmarkt und die Beschäftigung älterer Generationen
Auszug aus dem Buch
3.1 Generationenbeziehungen in der Gesellschaft
Die bereits beschriebenen demografischen Entwicklungen beeinflussen natürlich auch die Verhältnisse der Generationen zueinander, sowohl in der eigenen Familie als auch in der sonstigen Gesellschaft. Bei den außerfamiliären Kontakten zwischen den Generationen sind zunächst die Kontakte im Arbeitsleben zu nennen. Nach Ausscheiden aus dem Beruf durch Pensionierung können diese sich allerdings schnell reduzieren.
Bei Alleinstehenden, die über keinen oder einen nur sehr überschaubaren Freundeskreis verfügen, besteht dann unter Umständen die Gefahr der Vereinsamung und Isolation. Allerdings sind diese beiden Begriffe auf keinen Fall gleichzusetzen, denn das Gefühl der Einsamkeit definiert sich in diesem Kontext vielmehr dadurch, welche Erwartungshaltung an die sozialen Kontakte gestellt werden, während bei der Isolation die Anzahl der Kontakte das entscheidende Kriterium ist. (Schinkel 2007, S. 56) Dennoch fühlt sich so mancher nach der Pensionierung nicht mehr gebraucht, empfindet sein Dasein vielleicht sogar als überflüssig. Das hängt damit zusammen, dass ältere Menschen zwar über langjährige Erfahrungen und Kompetenzen verfügen, die Gesellschaft Ihnen aber nur wenige Möglichkeiten einräumt, diese auch zur Geltung bringen zu können. Bereits gegründete Vereine und Selbsthilfeinitiativen älterer Menschen zeigen, dass ihre Potentiale bei weitem das übertreffen, was ihnen von Institutionen und Gesellschaft zugestanden wird. (Olbrich 1997, S. 182) So entsteht auf der einen Seite ein Gefühl der Nutzlosigkeit, auf der anderen Seite werden Ressourcen wie z.B. Erfahrungen und soziale Kompetenzen nicht ausgeschöpft.
Langsam aber scheint die Gesellschaft diesen Misstand zu erkennen und geht allmählich dazu über, Modellprojekte ins Leben zu rufen und Initiativen zu gründen, in denen Senioren die Möglichkeit haben, ihre Kompetenzen einzubringen und Verantwortung zu übernehmen. Als Beispiel hierfür sei die Initiative „Jung bis Alt“ genannt, die in der bayerischen Stadt „Germering“ im Rahmen des Projekts „Forum Familie“ vom Bayerischen Sozialministerium ins Leben gerufen wurde. (Eder 2006, S. 35)
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung führt in das Thema des demografischen Wandels in Deutschland ein und beleuchtet die damit verbundenen Chancen und Risiken für die soziale Sicherung und das gesellschaftliche Miteinander.
2 Tendenzen demografischen Wandels: Dieses Kapitel analysiert die Ursachen wie steigende Lebenserwartung und sinkende Geburtenraten sowie die Auswirkungen auf Sozialsysteme und den Arbeitsmarkt.
3 Verhältnisse der Generationen zueinander: Hier werden die zwischenmenschlichen Aspekte des demografischen Wandels untersucht, darunter soziale Kontakte im Alter, familiäre Bindungen, Pflegebedürftigkeit und das Risiko der Kinderarmut.
4 Generationenvertrag im demografischen Wandel: Das letzte Kapitel diskutiert die Finanzierungsprobleme der Rentenversicherung, die Integration älterer Menschen in den Arbeitsmarkt sowie Lösungsansätze für eine nachhaltige soziale Sicherung.
Schlüsselwörter
Demografischer Wandel, Generationenvertrag, Altersvorsorge, Sozialsysteme, Arbeitsmarkt, Erwerbspersonenpotential, Kinderarmut, Pflegebedürftigkeit, Lebenserwartung, Geburtenrate, Altenquotient, Generationenkonflikt, Rentenversicherung, soziale Sicherung, soziale Kompetenzen.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit den gesellschaftlichen und ökonomischen Folgen des demografischen Wandels in Deutschland und den daraus resultierenden Auswirkungen auf die verschiedenen Generationen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die Finanzierbarkeit der sozialen Sicherungssysteme, die Stabilität des Generationenvertrags sowie das Verhältnis zwischen Jung und Alt in Familie und Arbeitswelt.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie sich die demografische Entwicklung auf Deutschland auswirkt und welche Maßnahmen ergriffen werden können, um Konflikte zu entschärfen und die Systeme zukunftsfähig zu gestalten.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer interdisziplinären Literaturanalyse, die verschiedene sozioökonomische Studien und Prognosen zum demografischen Wandel auswertet.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine Analyse der demografischen Trends, eine Untersuchung der zwischenmenschlichen Generationenbeziehungen und eine detaillierte Auseinandersetzung mit dem Generationenvertrag und dessen Anpassungsmöglichkeiten.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Demografischer Wandel, Generationenvertrag, Rentensysteme, Arbeitsmarktfähigkeit Älterer sowie gesellschaftliche Teilhabe.
Warum ist die Integration älterer Arbeitnehmer so wichtig?
Da das Erwerbspersonenpotential in Deutschland langfristig sinkt, ist eine stärkere Einbindung der über 50-Jährigen essenziell, um den wirtschaftlichen Fortschritt zu stützen und Generationenkonflikte zu vermeiden.
Welche Rolle spielt Kinderarmut in diesem Kontext?
Kinderarmut wird als ein Risikofaktor behandelt, der die Lebenschancen der nächsten Generation beeinträchtigen und den Generationenvertrag durch eine potenzielle intergenerationelle Weitergabe von Armut belasten kann.
- Citar trabajo
- Joachim Schween (Autor), 2008, Konfliktpotentiale durch veränderte Bevölkerungszusammensetzung, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/136311