Gegenstand der ersten Teilaufgabe der vorliegenden Einsendearbeit ist es, die Operationalisierung des Konstrukts Unternehmensreputation und die Konzeption eines vollständigen qualitativen Interviewleitfadens. Ziel des Interviewleitfadens ist es, diesen bei der Befragung zur Unternehmensreputation der wichtigsten Stakeholder eines Unternehmens einzusetzen. Als Unternehmen wurde die British Airways PLC gewählt.
Verzerrungen im Interview sind oft nicht vermeidbare unerwünschte Nebeneffekte von Interviews. Trotz größten Bemühungen verhindert ein hoher Grad an Standardisierung und Objektivität keine Verzerrungen in Befragungen. Die Einflüsse können sowohl von Seiten des Befragten als auch des Interviewers ausgehen. Im zweiten Kapitel möchte ich sowohl die Ursachen, die auf den Befragten, als auch die, die auf den Interviewer zurückzuführen sind, beleuchten. Anschließend werden Möglichkeiten erörtert, die den Grad der Verzerrung bei Interviews verringern können.
Ziel der Inhaltsanalyse ist es, aus einer Kommunikation stammendes Material zu analysieren. Hierbei geht es jedoch nicht nur um die reine Betrachtung des Inhaltes, sondern auch um formale Aspekte. Zu diesen Formalien zählen bspw. Wort- oder Satzkorrekturen, unvollständige Sätze oder Wiederholungen bestimmter Wörter. Gegenstand der Inhaltsanalysen ist also das was von Menschen gesprochen und geschrieben wird. Menschen drücken durch Wort und Schrift ihre Absichten, Einstellungen, Wissen und Annahmen über die Umwelt aus. Da diese durch das soziokulturelle System mitbestimmt werden, spiegeln die gesprochenen beziehungsweise geschriebenen Worte nicht nur die Persönlichkeitsmerkmale der Autoren wider, sondern auch der umgebenden Gesellschaft. Zudem ermöglicht die Inhaltsanalyse es, Rückschlüsse von sprachlichem Material auf nicht-sprachliche Phänomene zu ziehen.
Inhaltsverzeichnis
1. Aufgabe B1
1.1 Das Qualitative Interview
1.2 Das Konstrukt Unternehmensreputation
1.3 Operationalisierung des Konstrukt
1.4 Konzeption des Interviewleitfadens
1.5 Durchführung und Aufbau
1.6 Auswahl der Stakeholder
1.7 Sampling
2. Aufgabe B2
2.1 Interviewereffekte
2.2 Befragteneffekte
2.3 Minimierung von Verzerrungen
3. Aufgabe B3
3.1 Inhaltlich strukturierende Inhaltsanalyse
3.1.1 Ablauf einer inhaltlich strukturierenden Inhaltsanalyse
3.2 Evaluative Qualitative Inhaltsanalyse
3.1.2 Ablauf einer evaluativen qualitativen Inhaltsanalyse
3.3 Unterschiede beider Analysemethoden
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit befasst sich mit der methodischen fundierten Durchführung qualitativer Befragungen sowie der Auswertung der erhobenen Daten im Kontext der Unternehmensreputation am Beispiel der British Airways PLC.
- Methodische Grundlagen qualitativer Leitfadeninterviews
- Operationalisierung des Konstrukts Unternehmensreputation
- Analyse und Minimierung von Verzerrungseffekten bei Befragungen
- Vergleichende Darstellung der inhaltlich strukturierenden und evaluativen Inhaltsanalyse
Auszug aus dem Buch
1.1 Das Qualitative Interview
Das Leitfadeninterview ist als qualitative Methode vergleichsweise gut ausgearbeitet und ausdifferenziert, um qualitative Daten zu erheben. Wie der Name bereits verrät, ist die Führung des Interviews über einen vorbereiteten Leitfaden gestaltet. Das Leitfadeninterview kann auch als halbstrukturiertes Interview bezeichnet werden. Die Gestaltung der Interviewsituation ist sehr ausschlaggebend, da hiervon die Güte und Brauchbarkeit der erzeugten Daten abhängen. Eine zentrale Frage bei der Erzeugung von Inhalten in einem Interview ist, inwiefern das Sprechen der interviewten Person gesteuert und/oder beeinflusst wird, indem der Interviewablauf gezielt geformt und strukturiert wird. Eine weitere, auf diese Frage aufbauende Frage betrifft die Rollengestaltung der am Interview beteiligten Personen. Das Rollenverhältnis in einem solchen Interview ist asymmetrisch und entspricht nicht der üblichen Alltagssituation. Der Interviewer spricht die interviewte Person in einer bestimmten Rolle an, während die Interviewten ihre eigene Rolle und ihr Verhältnis zum Interviewer und zur Situation deuten und einordnen.
Der Leitfaden dient als eine vorstrukturierte Vorgabe zur Gestaltung des Interviews. Ein Leitfaden kann recht unterschiedlich angeordnet sein, enthält als Elemente aber immer Aufforderungen, vorformulierte Fragen oder Stichworte für frei formulierbare Fragen. Der Leitfaden vertritt die bewusste methodologische Entscheidung, eine maximale Offenheit einzuschränken, folgt allerdings dem Prinzip, das Interview so offen wie möglich und so strukturiert wie nötig zu gestalten. Dies geschieht aus Gründen des Forschungsinteresses. Das Leitfadeninterview bietet einen gewissen Handlungsspielraum für den Interviewer, ohne dass die Daten unstrukturiert erhoben werden, dadurch werden die Daten vergleichbar. Der Interviewer kann auch Fragen umformulieren oder zu einem anderen Zeitpunkt stellen, wodurch die nötige Offenheit gewährleistet wird, ohne dass wesentliche Aspekte der Forschungsfrage verloren gehen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Aufgabe B1: Dieses Kapitel erläutert die Konzeption eines qualitativen Leitfadeninterviews zur Untersuchung der Unternehmensreputation bei British Airways PLC, inklusive der Methodik der Stichprobenziehung.
2. Aufgabe B2: Hier werden typische Verzerrungseffekte (Response Errors) durch Interviewer und Befragte analysiert sowie Strategien zu deren Minimierung diskutiert.
3. Aufgabe B3: Dieser Abschnitt vergleicht die inhaltlich strukturierende Inhaltsanalyse nach Mayring mit der evaluativen Inhaltsanalyse hinsichtlich ihrer Abläufe, Zielsetzungen und Einsatzgebiete.
Schlüsselwörter
Qualitative Sozialforschung, Leitfadeninterview, Unternehmensreputation, Operationalisierung, Sampling, Interviewereffekte, Befragteneffekte, Inhaltsanalyse, inhaltlich strukturierende Inhaltsanalyse, evaluative Inhaltsanalyse, Kategoriensystem, Codierprozess, Forschungsfrage, British Airways, Datenauswertung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit widmet sich grundlegenden Methoden der qualitativen Forschung, spezifisch der Durchführung von Experten- oder Leitfadeninterviews und der anschließenden systematischen Datenauswertung.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentral sind die Interviewführung, die Operationalisierung von Konstrukten, der Umgang mit Verzerrungseffekten sowie die Techniken der inhaltlich strukturierenden und evaluativen Inhaltsanalyse.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das primäre Ziel ist die Entwicklung eines fundierten Leitfadens zur Messung der Unternehmensreputation der British Airways PLC unter Berücksichtigung methodologischer Standards.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird der Ansatz des qualitativen Leitfadeninterviews sowie die systematische qualitative Inhaltsanalyse (insbesondere nach Mayring und Kuckartz) angewandt.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil behandelt die Konzeption von Interviewleitfäden, die Fehlerquellen in Interviews, Sampling-Methoden sowie die Phasen der Inhaltsanalyse.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den Kernbegriffen zählen Qualitative Interviews, Unternehmensreputation, Verzerrungseffekte, Inhaltsanalyse und Kategoriensysteme.
Warum wurde British Airways als Fallbeispiel gewählt?
Das Unternehmen dient als konkretes Beispiel, um das ansonsten abstrakte Konstrukt "Unternehmensreputation" praktisch anhand von Stakeholder-Befragungen operationalisierbar zu machen.
Welche Rolle spielen "Incentives" bei der Befragung?
Incentives werden als Anreizinstrumente diskutiert, um die Teilnahmebereitschaft zu erhöhen, wobei jedoch kritisch betrachtet wird, dass sie die Datenqualität durch eine mögliche Erwartungskonformität beeinflussen können.
Worin besteht der Hauptunterschied zwischen der strukturierenden und der evaluativen Inhaltsanalyse?
Während die strukturierende Inhaltsanalyse auf das Filtern und Systematisieren von Themen fokussiert, zielt die evaluative Inhaltsanalyse primär auf die skalierende Einschätzung und Bewertung von Inhalten ab.
- Citation du texte
- Xenia Rosewood (Auteur), 2020, Operationalisierung des Konstrukts Unternehmensreputation und Konzeption eines vollständigen qualitativen Interviewleitfadens, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1363848