„Computerspiele machen aggressiv“ , „Alkohol macht aggressiv“ , Stress macht aggressiv“ oder „ Hitze macht Autofahrer aggressiv“ sind überall zu findende Aussagen, die als Ursache für aggressives Verhalten äußere Umstände nennen. Eine ständige Präsenz in den Medien hat die Diskussion um die mögliche aggressive Wirkung von gewaltverherrlichenden Computerspielen und es ist weit verbreitet, dass sich stark alkoholisierte Menschen häufig sehr aggressiv Verhalten.
Doch nicht jeder Mensch verhält sich bei den gleichen situationsbedingten Einflüssen in gleichem Maße aggressiv.
Das Geschlecht sowie das Alter spielen eine wichtige Rolle in der Differenzierung zwischen Art und Grad der Aggression.
In dieser Arbeit wird der Fokus jedoch auf die Persönlichkeitsmerkmale gelegt, die einen Einfluss auf aggressive Handlungen haben können.
Nach einer kurzen Einführung über den Begriff der Aggression und insbesondere deren Messbarkeit als wichtigen Aspekt der Aggressionsforschung, werden einzelne Charakterzüge und deren Einfluss auf Aggressionen behandelt.
Der Hauptaugenmerk wird auf die Rolle des Selbstwertes und der Selbstkontrolle gelegt.
Der Bezug von Selbstwert zu Aggression ist insofern interessant, da die behandelte Studie von Baumeister und Bushman von 1998 einen Bestätigung der Annahme liefert, die im Gegensatz zu einer lange Zeit in der Aggressionsforschung als bestätigt angenommen Hypothese stand.
Zunächst werden der Selbstwert und die Sonderform des Narzissmus charakterisiert, um im Anschluss einen Überblick über den Verlauf und das Ergebnis der Untersuchung zu liefern.
Die Studie von Baumeister und Boden von 2005 zu der Beziehung zwischen Aggression und Selbstkontrolle ist weniger auf Grund des Befundes als ihrer Methodenvielfalt interessant.
In der Beschreibung von fünf Experimenten wird deutlich, inwiefern eine Veränderung der Methoden zur Aggressionsmessung oder die Variation verschiedener Variablen wie Frustrationsgrad oder Beanspruchungsgrad der Selbstkontrolle im Vorfeld zu einem umfassenden und sehr genauen Gesamteindruck über den Zusammenhang zwischen Selbstkontrolle und Aggression führen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Aggression – Ein Überblick
2.1 Definition
2.2 Messbarkeit von Aggression
3. Persönlichkeitsmerkmale
4. Die Rolle des Selbstwertes: Studie Baumeister/Bushman
4.1 Allgemeines
4.2 Narzissmus
4.3 Annahmen
4.4 Studie 1
a) Methode
b) Ergebnis
4.5 Studie 2
a) Methode
b) Ergebnis
4.6 Ergebnis
5. Die Rolle der Selbstkontrolle: Studie Baumeister/Boden
5.1 Allgemein
5.2 Experiment 1
5.3 Experiment 2
5.4 Experiment 3
5.5 Experiment 4
5.6 Experiment 5
5.7 Ergebnis
6. Fazit
7. Literatur
8. Anhang
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht die psychologischen Einflüsse von Persönlichkeitsmerkmalen auf aggressives Verhalten, wobei der Fokus gezielt auf dem Selbstwert und der Selbstkontrolle liegt. Es wird analysiert, unter welchen Bedingungen diese Merkmale aggressives Handeln fördern oder hemmen, und ob eine erschöpfte Selbstkontrolle die Hemmschwelle für aggressive Impulse senkt.
- Zusammenhang zwischen Narzissmus, Selbstwert und Aggression.
- Methoden der Aggressionsmessung in der psychologischen Forschung.
- Einfluss von Selbstwertbedrohung auf aggressives Verhalten.
- Selbstkontrolle als begrenzte Ressource und ihr Einfluss auf Impulskontrolle.
- Relevanz der Ergebnisse für das schulische Umfeld und Lehrerverhalten.
Auszug aus dem Buch
(1) Lehrer-Lerner Paradigma
Diese Methode ist an das Experiment von Milgram zum Gehorsam angelehnt. Der Versuchsteilnehmer befindet sich in einem angeblichen Experiment zur Lerntheorie und wird mit der Aufgabe betraut einem fiktiven Partner eine Aufgabe zu stellen und ihn bei Versagen gegebenenfalls durch Stromstöße zu bestrafen. Die Dauer und Intensität der Stromstöße ist durch den Versuchsteilnehmer selbst regulierbar und spiegelt den Grad der Aggression wieder. Es gibt auch Varianten dieser Methode, in denen die elektrischen Schocks durch unangenehme Geräusche oder Hitze ersetzt wurden.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Thematik der Aggressionsforschung ein und skizziert den Fokus auf die Persönlichkeitsmerkmale Selbstwert und Selbstkontrolle.
2. Aggression – Ein Überblick: Dieses Kapitel definiert den Begriff der Aggression und erläutert etablierte Methoden zur Messung sozialen Verhaltens in der psychologischen Forschung.
3. Persönlichkeitsmerkmale: Hier werden verschiedene psychologische Konstrukte vorgestellt, die interindividuelle Unterschiede in der Neigung zu aggressivem Verhalten erklären können.
4. Die Rolle des Selbstwertes: Studie Baumeister/Bushman: Dieses Kapitel analysiert den Zusammenhang zwischen Narzissmus, Selbstwertbedrohung und Aggression anhand von zwei spezifischen Studien.
5. Die Rolle der Selbstkontrolle: Studie Baumeister/Boden: Hier wird Selbstkontrolle als begrenzte Ressource behandelt und in fünf Experimenten untersucht, wie deren Erschöpfung aggressives Handeln begünstigt.
6. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und diskutiert deren Bedeutung für den pädagogischen Alltag in Schulen.
7. Literatur: Verzeichnis der verwendeten wissenschaftlichen Quellen.
8. Anhang: Enthält ergänzende Grafiken zur Veranschaulichung der Studienergebnisse.
Schlüsselwörter
Sozialpsychologie, Aggression, Selbstwert, Selbstkontrolle, Narzissmus, Aggressionsmessung, Persönlichkeitsmerkmale, Impulskontrolle, Selbstwertbedrohung, Laborexperimente, Lehrer-Lerner Paradigma, Hot-Sauce-Verfahren, Psychologie, Gewaltprävention, Schulalltag.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht, wie bestimmte Persönlichkeitsmerkmale, konkret der Selbstwert und die Selbstkontrolle, die Entstehung und den Grad von aggressivem Verhalten bei Individuen beeinflussen.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die Arbeit deckt die Definition von Aggression, Methoden ihrer Messung im Labor, die Verbindung von Narzissmus und Ego-Bedrohung sowie die Selbstkontrolle als begrenzte psychische Ressource ab.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, auf Basis existierender Studien zu zeigen, dass Aggression oft nicht durch einfache äußere Umstände, sondern durch das Zusammenwirken von Provokation und individuellen psychischen Kapazitäten erklärt werden kann.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden analysiert?
Es werden verschiedene experimentelle Paradigmen wie das Lehrer-Lerner-Paradigma, das Hot-Sauce-Verfahren und das Stroop-Test-Verfahren zur Messung aggressiven Verhaltens vorgestellt.
Was steht im Hauptteil im Fokus?
Der Hauptteil analysiert detailliert die bahnbrechenden Studien von Baumeister und Bushman zum Thema Narzissmus sowie die Studien von Baumeister und Boden zur Selbstkontrolle.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die zentralen Konzepte sind Aggressionsforschung, Narzissmus, Selbstkontroll-Erschöpfung, Laborexperimente und die Interaktion von Provokation und individueller Reaktion.
Warum ist laut Autor der Selbstwert oft zweitrangig?
Der Autor argumentiert, dass nicht das Niveau des Selbstwertes allein entscheidend ist, sondern vielmehr dessen Stabilität und wie realistisch das Selbstbild ist, da insbesondere unstabile, narzisstische Selbstbilder anfällig für Aggression bei Kritik sind.
Welche Rolle spielt die Erschöpfung der Selbstkontrolle?
Die Selbstkontrolle wird als eine Art Muskel betrachtet; wenn sie durch anstrengende Aufgaben erschöpft ist, können aggressive Impulse nicht mehr effektiv gehemmt werden, was die Wahrscheinlichkeit für gewalttätiges Verhalten erhöht.
Welche Schlussfolgerungen zieht die Autorin für den Lehrerberuf?
Die Autorin schlägt vor, dass die Schule den Selbstwert der Kinder stärken und durch Pausen mit Bewegung die geistige Erschöpfung der Schüler minimieren sollte, um aggressives Verhalten im Unterricht zu reduzieren.
- Citation du texte
- Catharina Belinghausen (Auteur), 2008, Agression - Interindividuelle Unterschiede: Selbstwert und Selbstkontrolle, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/136425