Bereits bei der ersten Seminarsitzung zum Thema „Kreatives Schreiben in allen Fächern“ konnte ich mir die gedankliche Anmerkung „außer in der Mathematik“ nicht verkneifen. Dennoch habe ich mich entschlossen mich auf die Suche nach kreativen Schreibanlässen im Mathematikunterricht der Grundschule zu begeben.
Das „Kreative Schreiben“ ist nach K.H. Spinner „ein Schreiben, das nicht der Reproduktion von vorgegebenen Mustern besteht, sondern die eigene Gestaltungskraft des Schreibenden in Anspruch nimmt“ (Spinner 1994).
Zunächst beschränke ich mich auf eine Betrachtung und Untersuchung des Lernplans Mathematik für die Grundschule des Landes NRW unter der Berücksichtigung der Begriffe „Schreiben und Kreativität“.
Im Anschluss daran werde ich drei verschiedene Umsetzungsmöglichten des „Kreativen Schreibens“ im Mathematikunterricht kurz beleuchten und deren Grenzen und Möglichkeiten aufzeigen.
Inhaltsverzeichnis
1. Kreatives Schreiben im Mathematikunterricht ?
2. Schreiben und Kreativität im Mathematikunterricht – Der Lehrplan
3. Kreatives Schreiben im Mathematikunterricht
3.1 Kreatives Schreiben als Medium: Schreiben als Ausdruck mathematischer Kreativität
3.2 Kreatives Schreiben als Brücke zur Realität: Rechengeschichten
3.3 Kreatives Schreiben als Lernmethode: Der Einmaleins-Rap
4. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das Potenzial und die Anwendungsmöglichkeiten des kreativen Schreibens im Mathematikunterricht der Grundschule. Ziel ist es, Vorurteile gegenüber der Kombination von Mathematik und kreativen Ausdrucksformen abzubauen und aufzuzeigen, wie das Schreiben als Werkzeug zur Artikulation mathematischer Gedanken, als Brücke zur Lebenswirklichkeit und als Lernhilfe eingesetzt werden kann.
- Analyse des Lehrplans Mathematik für die Grundschule NRW hinsichtlich schreibbezogener Kompetenzen.
- Einsatz von kreativem Schreiben als Ausdruck mathematischer Kreativität und Denkprozesse.
- Verzahnung mathematischer Konzepte mit der Lebenswelt durch das Verfassen von Rechengeschichten.
- Nutzung von Musik, Rhythmus und Reimen zur Verinnerlichung mathematischer Inhalte am Beispiel des Einmaleins.
Auszug aus dem Buch
3.2 Kreatives Schreiben als Brücke zur Realität: Rechengeschichten
Das Formulieren von Rechengeschichten wird explizit im Lehrplan erwähnt und stellt die größte Verbindung zwischen kreativem Schreiben und Mathematikunterricht dar.
Dröge betonte 1991 die Idee, Schülerinnen und Schüler eigene Rechengeschichten schreiben zu lassen um ihnen einen persönlichen Zugang zur mathematischen Sache und eine mathematische Modellierung von Alltagsaspekten zu ermöglichen.
Die Umsetzung von eigenständigem Schreiben von Rechengeschichten im Mathematikunterricht läuft Gefahr, dass lediglich ein Abkupfern bekannter Textaufgaben vollzogen wird und die Formulierung von sinngemäßen, alltagsnahen Handlungserfahrungen verfehlt wird.
Nach Dröge ist ein Verzahnen von mathematischen Zusammenhängen mit der Lebenswirklichkeit der Schülerinnen und Schüler dann gewährleistet, wenn Rechengeschichten aus individuellen Erfahrungen, Assoziationen zu eigenen Erlebnissen und auch mathematisch irrelevanten Details bestehen.
Das Schreiben zu alltagsrelevanten Themen wie Haustiere, Einkaufen oder Kirmes kann zu einer Bewusstmachung von realen Problemsituationen führen wie z.B. „Wie teuer ist ein Hund?“ oder „Was mache ich, wenn ich an der Kasse zu wenig Geld habe?“ Das Schreiben führt zu einer Auseinadersetzung mit solchen Problemen und deren Lösung mittels der Zuhilfenahme von Daten, Ergebnissen und Fakten.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Kreatives Schreiben im Mathematikunterricht ?: Der Autor beschreibt seine anfängliche Skepsis gegenüber dem kreativen Schreiben in der Mathematik und das Ziel, kreative Schreibanlässe in diesem Fach zu erforschen.
2. Schreiben und Kreativität im Mathematikunterricht – Der Lehrplan: Eine Untersuchung des Lehrplans NRW verdeutlicht, dass Schreiben und Kreativität auch im Mathematikunterricht prozessbezogene und inhaltsbezogene Kompetenzen unterstützen.
3. Kreatives Schreiben im Mathematikunterricht: Dieses Kapitel führt in drei Konzepte des kreativen Schreibens ein: als Medium, als Brücke zur Realität und als Lernmethode.
3.1 Kreatives Schreiben als Medium: Schreiben als Ausdruck mathematischer Kreativität: Es wird erörtert, wie Schüler durch eigene Aufzeichnungen und das Erfinden von Aufgaben mathematische Denkprozesse artikulieren und ihr Verständnis festigen können.
3.2 Kreatives Schreiben als Brücke zur Realität: Rechengeschichten: Dieses Kapitel erläutert, wie durch das Verfassen eigener Geschichten ein persönlicher Bezug zwischen mathematischen Problemen und der Lebenswelt der Schüler hergestellt wird.
3.3 Kreatives Schreiben als Lernmethode: Der Einmaleins-Rap: Die Anwendung von Rhythmus und Reimen wird als motivierende und lernunterstützende Methode zur Automatisierung mathematischer Grundlagen, wie dem Einmaleins, analysiert.
4. Fazit: Der Autor zieht ein positives Resümee und ist nach der Auseinandersetzung mit dem Thema überzeugt von der Bedeutung des kreativen schriftlichen Umgangs mit mathematischen Alltagsproblemen.
Schlüsselwörter
Kreatives Schreiben, Mathematikunterricht, Grundschule, Lehrplan NRW, Rechengeschichten, prozessbezogene Kompetenzen, Lernmethode, Einmaleins, mathematische Fachsprache, Kreativität, Modellieren, Alltagsprobleme, Schreibanlässe, Lernvokabeln, mathematisches Bewusstsein
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Integration des kreativen Schreibens in den Mathematikunterricht der Grundschule und untersucht, wie diese Kombination die mathematische Bildung fördern kann.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Im Zentrum stehen die prozessbezogenen Kompetenzen des Lehrplans, die Funktion des Schreibens als Ausdrucksmittel, die Verknüpfung mit der Realität durch Rechengeschichten und der Einsatz von musikalischen Lernhilfen.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, dass Mathematik und kreatives Schreiben keine Gegensätze sind, sondern dass kreative Schreibanlässe das mathematische Verständnis und die Artikulationsfähigkeit der Schüler stärken können.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse sowie der Untersuchung des offiziellen Lehrplans Mathematik für die Grundschule des Landes NRW unter Berücksichtigung pädagogischer Konzepte.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil analysiert drei konkrete Konzepte: das Schreiben als Medium für eigene Gedanken, das Schreiben von Rechengeschichten zur Realitätsbezug-Herstellung und das Nutzen von Musik/Rhythmus für das Lernen von Inhalten.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Kreatives Schreiben, Mathematikunterricht, Rechengeschichten, prozessbezogene Kompetenzen, mathematisches Bewusstsein und Grundschule sind die tragenden Begriffe der Untersuchung.
Welche Rolle spielen "Rechengeschichten" bei der Vermittlung von Mathematik?
Rechengeschichten dienen als Brücke zwischen der abstrakten Mathematik und der subjektiven Lebenswirklichkeit der Schüler, wodurch mathematische Probleme greifbarer und motivierender werden.
Warum wird der "Einmaleins-Rap" als Beispiel für Lernmethoden angeführt?
Der Rap zeigt, dass die Verbindung von traditionellen Schulthemen mit Elementen der Jugendkultur und Musik Lernprozesse durch die Aktivierung mehrerer Lernkanäle (Motorik, Gehör) unterstützt.
Inwiefern beeinflusst der Lehrplan NRW die Argumentation der Arbeit?
Der Lehrplan dient als Beleg dafür, dass sowohl die mündliche und schriftliche Ausdrucksfähigkeit als auch kreative Kompetenzen offiziell als bedeutende Ziele des Mathematikunterrichts verankert sind.
Kann kreatives Schreiben auch das Verständnis mathematischer Konzepte vertiefen?
Ja, der Autor argumentiert, dass durch das aktive Formulieren von Sachverhalten, etwa bei der Beinanzahl von Tieren zur Erklärung von Malaufgaben, ein tieferes konzeptuelles Verständnis erreicht wird.
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- Catharina Belinghausen (Author), 2009, Kreatives Schreiben im Mathematikunterricht, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/136426