Die Epoche der frühen Neuzeit (15. – 18. Jahrhundert) brachte viele der bedeutendsten Philosophen heraus, die einen starken Einfluss auf die weitere Geschichte ausübten. Die Entwicklung der bürgerlichen Gesellschaft, die steigende Bedeutung der individuellen Freiheit und die Idee eines demokratischen Rechtsstaates waren die wesentlichen Forschungsfelder dieser Zeit.
Bedroht durch viele Kriege und mehrere Revolutionen war die damaligen Machtverhältnisse in der Weltpolitik ein zentrales Thema, dem sich viele Denker angenommen haben. Neben Thomas Hobbes, John Locke und Jean-Jaques Rousseau, wären an dieser Stelle noch Charles-Louis Montesquieu, der die Gedanken Lockes fort führte ebenso zu erwähnen, sowie Immanuel Kant. Die Vordenker, der über all diesen Philosophen genannt werden müssen, sind keine geringeren als Sokrates und Platon, von denen sich die einzelnen Ideen mitunter sehr weit entfernten. Gravierende Veränderungen in den Gesellschaften, dabei im Wesentlichen die Veränderungen der Staatswesen, des Freiheitsverständnisses, der Herrschaft und des Bürgertums waren die Folge dieser Entwicklungen.
Der Staat und das Individuum standen im Zentrum der innergesellschaftlichen Veränderungen. Sowohl die einzelnen Individuen, als auch politische Entwicklung waren von den Folgen einer Fort- und Weiterentwicklung der Staatsform abhängig. Der Staat übernahm zusehends die Rolle einer Institution, die das Leben der Staatsbürger untereinander regelt und damit nicht mehr nur indirekt ihr Leben beeinflusst.
Die drei Vertragstheoretiker, Hobbes, Locke und Rousseau hatten dabei sehr unterschiedliche Ansichten von der Staatsführung, die sie aus ihrem teils kontroversen Naturzustand und Menschenbild abgeleitet haben.
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Inhaltsverzeichnis
I. Einleitung
II. Thomas Hobbes
III. John Locke
IV. Jean-Jacques Rousseau
V. Vergleich der Vertragstheoretiker
1. Menschenbild
2. Naturzustand
3. Vertrags – und Staatsform
VI. Schluss
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit untersucht und vergleicht die unterschiedlichen Staatstheorien von Thomas Hobbes, John Locke und Jean-Jacques Rousseau, um aufzuzeigen, wie ihre jeweiligen Menschenbilder und Auffassungen vom Naturzustand zu verschiedenen Modellen der Staats- und Regierungsform führen.
- Biographische Einordnung der drei Vertragstheoretiker
- Analyse der jeweiligen Menschenbilder und Naturzustände
- Vergleich der Konzepte von Staatsgründung und Gesellschaftsvertrag
- Gegenüberstellung von Souveränität, Regierungsformen und politischer Teilhabe
Auszug aus dem Buch
III. John Locke
Lockes Naturzustand ist mit dem von Thomas Hobbes nicht zu vergleichen. Locke ist zwar, ähnlich wie Hobbes, der Meinung, dass alle Menschen mit gleichen Voraussetzungen auf die Welt kommen, denn sie sind alle das Werk eines Schöpfers, doch es herrscht ein Zustand vollkommener Freiheit, der nur durch Naturgesetze begrenzt ist. (Meermann, 2005: 32) Es gibt zwischen den Menschen keinerlei Unterschiede und kein Mensch hat das Recht sich am Eigentum anderer zu bedienen oder dessen Freiheit oder Gesundheit gefährden. Einzige Ausnahme stellt dabei die Verfolgung eines „edelen Zwecks“, dessen Herbeiführung unter Anwendung von Gewalt gerechtfertigt ist. (Locke, 2005: 14) Damit soll einer Straftat in einem solchen Maße begegnet werden, wie es nötig ist und damit nicht nur den Straftäter, sondern auch die Mitmenschen von einer weiteren Zuwiderhandlung ab zu schrecken. Dabei hat jeder Mensch das Recht eine Straftat zu ahnden.
Von einer hemmungslosen Bestrafung zur einen Wutbefriedigung soll dabei jedoch Abstand gehalten werden. Lockes Beschreibung des Naturzustandes ist doppeldeutig. So wird sein Naturzustand auch als „doppelter Naturzustand“ bezeichnet. (Nonnenmacher, 1989: 73) Es kann der Eindruck aufkommen, Locke zeichnet zwei unterschiedliche Naturzustände. Der erste zeichnet sich dank der natürlichen Gesetze, mit Ordnung und Freiheit aus, während der zweite erst im Kriegszustand augenscheinlich wird. Er beschreibt in seinem Werk, dass es im vorstaatlichen Naturzustand zum Krieg kommen kann, wenn zum Beispiel jemand die Absicht hat, einem anderen die Freiheit zu nehmen oder etwas anderes zu rauben – denn dadurch „versetzt er sich selbst gegenüber diesem Menschen in den Kriegszustand“. (Locke, 2005: 12)
Zusammenfassung der Kapitel
I. Einleitung: Dieses Kapitel führt in die Epoche der frühen Neuzeit ein und benennt die zentralen Fragestellungen der Staatsphilosophie sowie die drei zu behandelnden Denker.
II. Thomas Hobbes: Hier wird der Lebenslauf von Hobbes dargestellt sowie sein Menschenbild und die daraus abgeleitete Theorie des Leviathans erläutert.
III. John Locke: Dieses Kapitel porträtiert John Locke und seine liberale Staatstheorie, die durch das Recht auf Eigentum und eine konstitutionelle Regierungsform geprägt ist.
IV. Jean-Jacques Rousseau: Es folgt eine biographische Skizze Rousseaus sowie die Erläuterung seiner Theorie des Gesellschaftsvertrags und des Gemeinwillens.
V. Vergleich der Vertragstheoretiker: Die zentralen Konzepte – Menschenbild, Naturzustand sowie Vertrags- und Staatsform – werden hier direkt gegenübergestellt und analysiert.
VI. Schluss: Dieses Kapitel fasst die Ergebnisse der Untersuchung zusammen und bewertet die Bedeutung der Theorien für den modernen Rechtsstaat.
Schlüsselwörter
Vertragstheorie, Thomas Hobbes, John Locke, Jean-Jacques Rousseau, Leviathan, Gesellschaftsvertrag, Naturzustand, Menschenbild, Staatstheorie, Souveränität, Gewaltenteilung, Freiheit, Eigentum, Gemeinwille, Aufklärung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit einem rechtsphilosophischen und politikwissenschaftlichen Vergleich der Staatstheorien von Hobbes, Locke und Rousseau.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Im Zentrum stehen die drei Dimensionen Menschenbild, Naturzustand sowie die daraus resultierende Vertrags- und Staatsform der drei Philosophen.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist es, die Unterschiede und Gemeinsamkeiten der drei Denker hinsichtlich der Begründung und Notwendigkeit eines Staates im Vergleich herauszuarbeiten.
Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?
Es handelt sich um eine vergleichende Literaturanalyse politischer Schriften, die die Theorien systematisch gegenüberstellt.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in biographische Darstellungen der Philosophen und einen anschließenden strukturierten Vergleich ihrer jeweiligen Staatstheorien.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Vertragstheorie, Leviathan, Gesellschaftsvertrag, Volkssouveränität und Naturrecht.
Inwiefern unterscheiden sich die Menschenbilder von Hobbes und Rousseau?
Während Hobbes den Menschen als von Natur aus egoistisch und habgierig („homo homini lupus“) beschreibt, sieht Rousseau den Menschen als von Natur aus gut, der jedoch durch die Zivilisation in Ketten gelegt wird.
Welche Rolle spielt die Gewaltenteilung bei John Locke?
Locke gilt als Wegbereiter der Gewaltenteilung, indem er die Legislative als höchste Gewalt und die Exekutive zur Ausführung unterscheidet, um die Macht des Monarchen zu begrenzen.
Was versteht Rousseau unter dem Begriff „Gemeinwille“?
Der Gemeinwille (volonté générale) bezeichnet bei Rousseau nicht die bloße Summe von Einzelinteressen, sondern das auf das Gemeinwohl ausgerichtete Ziel, dem sich die Bürger unterordnen, um als Gemeinschaft souverän zu handeln.
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- Andreas Uffelman (Author), 2009, Vergleich der Vertragstheoretiker Hobbes, Locke und Rousseau. Naturzustand, Menschenbild, Vertrag, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/136457