Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit der Lautgeschichte der griechischen Sprache vom Urindogermanischen über das Mykenische bis zum alphabetischen Griechisch. Dabei wird der Schwerpunkt auf die mykenische Phonologie gelegt und versucht, die Besonderheiten des Mykenischen zu veranschaulichen, indem die lautlichen Veränderungen in Zusammenhang mit den Veränderungen in den späteren griechischen Dialekten und mit der indogermanischen Phonologie gestellt werden.
Da die Vokale keine großen Veränderungen erleben, wird hauptsächlich der Konsonantismus behandelt. Daher versteht sich diese Arbeit nicht als eine komplette, sondern vielmehr als eine selektive Darstellung von bestimmten Aspekten der mykenischen Phonologie. Unter den vielen Unklarheiten in der Forschung über die Sprache wird nur auf die Problematik des Wirksamwerdens vom Graßmannschen Gesetz im Mykenischen eingegangen. Außerdem wird das mykenische Phoneminventar mit ein paar Anmerkungen kurz vorgestellt und der Lautwandel skizziert.
Inhaltsverzeichnis
1. EINLEITUNG
2. MYKENISCHE PHONOLOGIE
2.1 DAS PHONEMINVENTAR
2.2 EINIGE BESONDERHEITEN ZUM VOKALISMUS
2.2.1 Diphthongen
2.2.2 Elision von Kurzvokalen
2.2.3 Ablaut
3. DER LAUTWANDEL
3.1 VERSCHLUSSLAUTE
3.2 DER ZISCHLAUT /S/
3.3 RESONANTEN
3.3.1 Syllabische Nasale und Liquidae
3.3.2 Approximanten
3.4 ERSATZDEHNUNG
4. GRAßMANNSCHES GESETZ
5. ZUSAMMENFASSUNG
6. BIBLIOGRAPHIE
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Lautgeschichte der griechischen Sprache, mit einem besonderen Fokus auf die mykenische Phonologie. Ziel ist es, die lautlichen Besonderheiten des Mykenischen im Kontext zwischen indogermanischer Phonologie und den späteren griechischen Dialekten zu analysieren, wobei der Schwerpunkt auf dem Konsonantismus liegt.
- Phoneminventar des Mykenischen
- Lautwandelprozesse (Verschlusslaute, Zischlaute, Resonanten)
- Phänomene der Ersatzdehnung im Vergleich zu späteren Dialekten
- Diskussion zur Datierung des Graßmannschen Gesetzes
Auszug aus dem Buch
3.1 Verschlusslaute
Das mykenische Griechisch hat drei Arten von Verschlusslauten wie die späteren Dialekte: Stimmlos, stimmhaft und aspiriert. Da es zu den centum-Sprachen gehört, fallen die palatalvelaren und die velaren Okklusiven zusammen und infolgedessen besitzt es keine urindogermanischen Palatalvelare mehr. Die idg. mediae aspiratae werden im Mykenischen zu stimmlosen aspirierten Verschlusslauten: */bh/ > /ph/, */dh/ > /th/, */gh/ > /kh/, */gwh/ > /kwh/. Bis auf die Labiovelare sind all die Verschlusslaute auch im alphabetischen Griechisch bewahrt. Was das Mykenische als konservativ markiert, liegt in der Tatsache, dass es die idg. Labiovelare in den meisten Positionen noch bewahrt: /kw/, /gw/, /kwh/, und sie werden durch die q-Serie in der LB-Schrift wiedergegeben, wie z.B. qo-uko-ro /gwoukolos/ ,Hirt‘. In der Nachbarschaft von /u/ geht aber das labiale Element verloren, wie in e-u-ke-to /eukhetoi/ (3. Pers. Präs. Med.) ,jemand verkündet‘ aus *eugwh-. Dabei trifft wahrscheinlich eine progressive Dissimilation ein und der Labiovelar wird dann zu einem einfachen Velar ( Bartoněk 2003: 139). Die Geschichte von den labiovelaren Okklusiven im Griechisch ist deutlich komplizierter und sie ist von Dialekt zu Dialekt unterschiedlich.
Zusammenfassung der Kapitel
1. EINLEITUNG: Einführung in das Thema der Lautgeschichte des Griechischen mit Fokus auf die methodische Abgrenzung der selektiven mykenischen Phonologie-Untersuchung.
2. MYKENISCHE PHONOLOGIE: Vorstellung des mykenischen Phoneminventars sowie Analyse spezifischer vokalistischer Besonderheiten wie Diphthonge, Elision und Ablaut.
3. DER LAUTWANDEL: Detaillierte Betrachtung der phonologischen Veränderungen bei Verschlusslauten, Zischlauten, Resonanten sowie den Prozessen der Ersatzdehnung.
4. GRAßMANNSCHES GESETZ: Untersuchung der Hauchdissimilation und der fachwissenschaftlichen Debatte über den Zeitpunkt ihres Wirksamwerdens im Mykenischen.
5. ZUSAMMENFASSUNG: Zusammenfassende Darstellung der konservativen Züge des Mykenischen und der offenen Forschungsfragen bezüglich spezifischer Lautwandelprozesse.
6. BIBLIOGRAPHIE: Auflistung der verwendeten Primär- und Sekundärliteratur als Grundlage der wissenschaftlichen Untersuchung.
Schlüsselwörter
Mykenisch, Griechisch, Indogermanistik, Phonologie, Lautwandel, Verschlusslaute, Graßmannsches Gesetz, Ersatzdehnung, Labiovelare, Konsonantismus, Vokalismus, Sprachgeschichte, Linear B, Aspiration, Hauchdissimilation.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Es geht um die Lautgeschichte der griechischen Sprache, wobei der Fokus auf dem Übergang zwischen dem Urindogermanischen und dem Mykenischen liegt.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die Arbeit behandelt schwerpunktmäßig die mykenische Phonologie, den Lautwandel, die Rolle der Verschlusslaute und Resonanten sowie die Entwicklung der Ersatzdehnung.
Was ist das primäre Ziel der Forschung?
Das Ziel ist es, die Besonderheiten des Mykenischen aufzuzeigen und diese in einen Zusammenhang mit der indogermanischen Phonologie sowie späteren griechischen Dialekten zu setzen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin führt eine komparative und sprachhistorische Analyse basierend auf fachwissenschaftlicher Literatur und mykenischen Belegen in Linear-B-Schrift durch.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden das Phoneminventar, spezielle lautliche Prozesse wie der Wandel von Verschlusslauten und Resonanten sowie der komplizierte Diskurs um das Graßmannsche Gesetz erörtert.
Welche Schlagworte charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Mykenische Phonologie, Lautgeschichte, Indogermanistik und Lautwandel charakterisieren.
Warum wird das Graßmannsche Gesetz kritisch hinterfragt?
Es herrscht in der Forschung keine Einigkeit darüber, ob die Hauchdissimilation bereits im Mykenischen aktiv war oder erst in einer postmykenischen Phase einsetzte.
Welche Rolle spielt die Linear-B-Schrift in der Analyse?
Die Linear-B-Schrift dient als primäres Quellenmaterial, dessen phonologische Interpretationen (z.B. bei Labiovelaren) zentral für die Thesen der Arbeit sind.
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- Rui Gao (Author), 2022, Lautgeschichte der griechischen Sprache. Vom Urindogermanischen über das Mykenische bis zum Altgriechischen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1364584