Ziel dieses Referats ist, den Bergarbeiterstreik von 1889 – bei besonderer Berücksichtigung
der Rolle des Staates – unter dem Gesichtspunkt „Sozialer
Wandel – Konflikt – Innovation“ zu analysieren. Daher erfolgt im ersten Teil
der Arbeit eine kurze Darstellung der Auswirkungen des sozialen Wandels an
der Ruhr in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, die gleichzeitig Ursachen
des Streiks von 1889 waren.
Es schließt sich eine Darstellung des Konfliktverlaufes an, wobei besonderes
Gewicht auf die Rolle des Staates gelegt wird.
Abschließend soll versucht werden, die Ergebnisse des Konflikts, jeweils bezogen
auf die beteiligten Gruppierungen, im Hinblick auf Innovationen zusammenzufassen.
Der Komplex „Sozialer Wandel – Konflikt – Innovation“ basiert dabei hauptsächlich
auf dem Beitrag A. Gladens in dem Werk „Soziale Innovation und sozialer
Konflikt“, herausgegeben von Otto Neuloh, und Klaus Tenfeldes „Sozialgeschichte
der Bergarbeiter an der Ruhr im 19. Jh.“.
Für die Schilderung des Streikverlaufs wurde hauptsächlich das schon etwas ältere
Werk von H.G. Kirchhoff „Die staatliche Sozialpolitik im Ruhrbergbau
1871-1914“ verwendet, während sich die Darstellung der Rolle der Regierung
auf die Quellen in P. Grebes 1938 in der HZ erschienenen Beitrag stützt.
Inhaltsverzeichnis
I. Intention und Vorgehensweise der Arbeit
II. Sozialer Wandel
II.1 Ursachen des Streiks
II.2. Anlass des Streiks
III. Konflikt/ Streikverlauf
IV. Ergebnisse des Streiks/ Innovation
V. Anhang/ Streikstatistik
VI. Verzeichnis der verwendeten Literatur
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit analysiert den Bergarbeiterstreik von 1889 im Ruhrgebiet unter besonderer Berücksichtigung der staatlichen Rolle und unter dem theoretischen Blickwinkel von sozialem Wandel, Konflikt und Innovation.
- Strukturwandel im Bergbau und Proletarisierung der Bergleute
- Ursachen und Anlässe des Streiks von 1889
- Verlauf des Konflikts und die Rolle staatlicher Akteure
- Folgen des Streiks für die Arbeiterbewegung und staatliche Sozialpolitik
Auszug aus dem Buch
II. Sozialer Wandel
Die bedeutendste soziale Folge dieses Prozesses war eine Dekorporierung der Bergleute: Nach der (clevisch-märkischen) Bergordnung von 1766 waren die Bergarbeiter de facto vom Staat angestellt; es entstand eine privilegierte ständische Organisation der Bergleute, der anzugehören eine gute Ausbildung und soziale Sicherheit (u.a. Knappschaften) versprach, und deren Korpsgeist sich in Umzügen, Fahnen und Uniformen manifestierte.
Mit der Einführung des freien Arbeisvertrages 1860 besaß der Bergmann nun lediglich den Status eines Lohnarbeiters, dem freien Spiel der Kräfte auf dem Arbeitsmarkt preisgegeben, was sozialen Abstieg (Proletarisierung) und damit eine erhöhte Konfliktbereitschaft zur Folge hatte.
Die Liberalisierung des Bergbaus führte gleichfalls zu einer insgesamten wirtschaftlichen Expansion, die einen Mangel an Arbeitskräften zur Folge hatte, welcher durch teilweise organisierten Zuzug aus den östlichen Provinzen des Deutschen Reiches gedeckt wurde. Die Dimension dieses Zuzugs wird am Beispiel des Oberbergamtsbezirks Dortmund deutlich. Waren hier 1850 12.700 Bergleute beschäftigt, so waren es 1885 101.800. Die Zugezogenen wurden von den ansässigen Bergleuten als Konkurrenten am Arbeitsmarkt begriffen und oft als „Polacken“ diskriminiert, wohingegen die Zugewanderten kaum eigene Vertretungen vorfanden und so desintegrierten. Somit bestand keine einheitliche Solidargemeinschaft der Bergarbeiter im Ruhrgebiet mehr.
Demgegenüber hatte die Überführung des staatlich dirigierten Bergbaus in private Unternehmerverantwortung zu einer uneingeschränkten Unternehmerherrschaft geführt. Die so möglich gemachte arbeitsrechtliche Diktatur – so konnte z.B. der Unternehmer eigenmächtig die Betriebsordnung bestimmen – führte zu einem „Grubenmilitarismus“ im Zechenbetrieb, der das Verhältnis zwischen Betriebsleitung und Belegschaft auf „Befehl und Gehorsam“ festlegte.
Zusammenfassung der Kapitel
I. Intention und Vorgehensweise der Arbeit: Einführung in die Fragestellung und Erläuterung der methodischen Vorgehensweise unter Nutzung relevanter Fachliteratur.
II. Sozialer Wandel: Analyse der strukturellen Veränderungen im Bergbau, insbesondere des Übergangs vom Direktionssystem zur privaten Unternehmerherrschaft und deren Auswirkungen auf die Bergleute.
III. Konflikt/ Streikverlauf: Detaillierte Schilderung der Ausbreitung des Streiks sowie der verschiedenen Reaktionen staatlicher Stellen und der Unternehmerseite.
IV. Ergebnisse des Streiks/ Innovation: Darstellung der langfristigen Auswirkungen des Streiks auf die gewerkschaftliche Organisation und die staatliche Sozialpolitik.
V. Anhang/ Streikstatistik: Tabellarische Auflistung der Teilnehmerzahlen während des Streikverlaufs.
VI. Verzeichnis der verwendeten Literatur: Auflistung der für die Arbeit herangezogenen wissenschaftlichen Quellen.
Schlüsselwörter
Bergarbeiterstreik, 1889, Ruhrgebiet, Sozialer Wandel, Preußische Berggesetzgebung, Proletarisierung, Grubenmilitarismus, Kaiser Wilhelm II., Bismarck, Alter Verband, Sozialpolitik, Arbeiterbewegung, Streikverlauf, Interventionismus, Arbeiterausschüsse
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?
Die Arbeit untersucht den großen Bergarbeiterstreik von 1889 im Ruhrgebiet, eingebettet in den Kontext von sozialem Wandel, betrieblichen Konflikten und gesellschaftlicher Innovation.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die zentralen Themen umfassen den Wandel der Arbeitsbedingungen durch die Liberalisierung des Bergbaus, den Konfliktverlauf, die staatliche Intervention und die Entstehung neuer organisatorischer Strukturen innerhalb der Arbeiterschaft.
Welches primäre Ziel verfolgt die Arbeit?
Das Ziel ist es, den Bergarbeiterstreik von 1889 unter besonderer Berücksichtigung der Rolle des Staates sowie der Dynamik zwischen Unternehmern und Bergleuten theoretisch einzuordnen und zu analysieren.
Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?
Es handelt sich um eine historische Analyse, die auf der Auswertung von Fachliteratur, zeitgenössischen Quellen wie Protokollen der Staatsministerialsitzungen und statistischen Daten basiert.
Was ist das zentrale Thema des Hauptteils?
Der Hauptteil befasst sich detailliert mit den Ursachen des Streiks, den Reaktionen der Regionalbehörden und der Reichsregierung sowie den Verhandlungen zwischen der Arbeiterdelegation und den Arbeitgebern.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?
Schlüsselbegriffe wie Ruhrbergarbeiterstreik, Proletarisierung, Grubenmilitarismus und staatliche Sozialpolitik kennzeichnen den inhaltlichen Fokus.
Welche Rolle spielte Kaiser Wilhelm II. im Konflikt?
Kaiser Wilhelm II. intervenierte persönlich in die Verhandlungen, beeinflusst durch Berater wie Hinzpeter, und drängte auf eine Prüfung der Forderungen der Arbeiter, während er gleichzeitig eine sozialdemokratische Unterwanderung fürchtete.
Was bewirkte der Streik für die Organisation der Bergleute?
Der Streik führte zur Gründung des "Alten Verbandes" (Verband zur Wahrung und Förderung der bergmännischen Interessen), was die gewerkschaftliche Organisation der Arbeiter nachhaltig stärkte.
- Citation du texte
- Ralf Wissner (Auteur), 1990, Der Ruhrbergarbeiterstreik von 1889, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/136480