Der Ostseeraum war und ist seit Jahrhunderten ein beliebtes Ziel für die Landschaftsmaler. Auch konnten sich an einigen Orten regelrechte Künstlerkolonien oder immer wieder bevorzugte Plätze heraus kristallisieren. Das gilt für die Insel Vilm im Greifswalder Bodden insbesondere im 19. Jh, für die Orte Ahrenshoop und Schwan bei Rostock oder für die Inseln Rügen und Hiddensee. Beschaut man sich allein die Quantität der künstlerischen Motive und Bilder, so zeigt sich bis in die Gegenwart eine gewisse Bevorzugung der Insel Rügen, gleichwohl bezogen auf das Gebiet, welches heute Mecklenburg-Vorpommern darstellt. Dabei ist interessant, dass bestimmte Orte sich entsprechend unterschiedlicher Landschaftsauffassungen und Naturideale in einem äußerst diversen Kolorit und den jeweiligen Kunstströmungen und Techniken angepassten Weise darstellen und immer wieder Motiv künstlerischer Auseinandersetzung sind.
Inhaltsverzeichnis
1. Die Landschaftsmalerei im 17 und 18 Jahrhundert
2. Die Landschaftsmalerei im 19 Jahrhundert
3. Die Landschaftsmalerei im 20 und 21 Jahrhundert
4. Zusammenfassung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die historische und künstlerische Entwicklung der Landschaftsmalerei auf der Insel Rügen über einen Zeitraum von mehr als 200 Jahren und analysiert dabei, wie sich wechselnde gesellschaftliche Ideale, Kunstströmungen und Naturauffassungen in den Darstellungen der Insel widerspiegeln.
- Die Bedeutung der Insel Rügen als zentrales Motiv der Landschaftsmalerei vom 17. bis zum 21. Jahrhundert.
- Einfluss bedeutender Künstler wie Caspar David Friedrich, Philipp Otto Runge und Jakob Philipp Hackert auf die Wahrnehmung Rügens.
- Die Wandlung von der barocken und romantischen Landschaftsdarstellung hin zu modernen und abstrakten Stilformen.
- Der Einfluss politischer und gesellschaftlicher Umbrüche auf das künstlerische Schaffen und die Künstlerkolonien auf der Insel.
Auszug aus dem Buch
1. Die Landschaftsmalerei im 17 und 18 Jahrhundert
Ein frühes Zeugnis der Landschaftsmalerei stellen die Kartonentwürfe von RUTGER VON LAGERFELD aus dem Jahr 1695 dar. Sie zeigen die Landung des Großen Kurfürsten Preussens auf der Insel Rügen (Abbildung 1). Wenngleich auch im Bild die kurfürstliche Gesellschaft in den Mittelpunkt des Bildes gestellt ist, so gilt das Bild nach VOGEL und LICHTNAU (1993) doch als eines der frühsten Zeugnisse der Landschaftsmalerei von der Insel Rügen. Die Szenerie zeigt die Landung des Kurfürsten im Bereich des Greifswalder Boddens im südlichen Teil der Insel Rügen beim Ort Groß Stresow. Im hinteren Teil des Bildes sind die hügeligen Züge von Mönchgut zu sehen.
Als die ersten Landschaftsdarstellungen von Rügen dürften jedoch die Rügenradierungen JACOB PHILIPP HACKERTS (1737-1807) gelten. Er hielt sich von 1762 bis 1765 in Stralsund auf, bevor es ihn 1768 für immer nach Italien zog. 1763 war er Gast des Barons OLTHOFF in Boldevitz, und dort entstanden nach Naturstudien die Rügenblätter. In der Raumkomposition mit Diagonalgassen, Staffage und Versatzstücken, wie Bäumen oder Felsen bezog sich HACKERT auf die barocke Tradition der Landschaftsdarstellung.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Die Landschaftsmalerei im 17 und 18 Jahrhundert: Dieses Kapitel behandelt die Anfänge der malerischen Rügen-Dokumentation, geprägt durch barocke Traditionen und erste Naturstudien von Künstlern wie Rutger von Lagerfeld und Jacob Philipp Hackert.
2. Die Landschaftsmalerei im 19 Jahrhundert: Der Schwerpunkt liegt auf der Romantik und dem Wirken Caspar David Friedrichs, dessen Werke eine neue, religiös aufgeladene Naturwahrnehmung auf die Insel brachten, gefolgt von einer zunehmend sachlichen Dokumentation im Biedermeier.
3. Die Landschaftsmalerei im 20 und 21 Jahrhundert: Dieses Kapitel analysiert die künstlerische Entwicklung von der Pleinair-Malerei der Jahrhundertwende über den Expressionismus und die Neue Sachlichkeit bis hin zu zeitgenössischen Positionen, die Rügen als Ort kontinuierlicher Inspiration bewahren.
4. Zusammenfassung: Abschließend wird die Rolle Rügens als beständige Quelle für Kunstschaffende hervorgehoben und die Bedeutung der Landschaftsmalerei als historisches Dokument der Kulturlandschaft betont.
Schlüsselwörter
Landschaftsmalerei, Insel Rügen, Romantik, Kunstgeschichte, Caspar David Friedrich, Naturdarstellung, Künstlerkolonien, 18. Jahrhundert, 19. Jahrhundert, 20. Jahrhundert, Kulturlandschaft, Pleinair-Malerei, Expressionismus, Neue Sachlichkeit, Pommern.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit?
Die Arbeit befasst sich mit der Entwicklung der Landschaftsmalerei auf der Insel Rügen und analysiert, wie sich Künstler über Jahrhunderte hinweg von der einzigartigen Natur der Insel inspirieren ließen.
Welche zentralen Themenfelder werden abgedeckt?
Zentral sind der kunsthistorische Wandel von barocken zu modernen Darstellungsweisen, der Einfluss der Romantik und die Bedeutung von Rügen als Nische für künstlerisches Schaffen in politisch bewegten Zeiten.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es aufzuzeigen, wie sich durch die künstlerische Auseinandersetzung mit der Insel Rügen das europäische Denkmuster, Natur als Landschaft wahrzunehmen, entwickelt und transformiert hat.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Die Autorin/der Autor wendet eine kunsthistorische Analyse an, indem Bildzeugnisse verschiedener Epochen in ihren jeweiligen zeitgeschichtlichen und stilistischen Kontext gestellt werden.
Was behandelt der Hauptteil?
Der Hauptteil gliedert sich chronologisch in die Phasen vom 17. bis zum 21. Jahrhundert und untersucht detailliert die Werke und Ansichten bedeutender Maler, die auf Rügen tätig waren.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Begriffe sind Landschaftsmalerei, Romantik, Rügen, Künstlerkolonien und der sozio-kulturelle Wandel in der Wahrnehmung der Küstenregion.
Warum spielt Caspar David Friedrich eine so zentrale Rolle auf Rügen?
Friedrich wird als maßgeblicher Romantiker hervorgehoben, der durch seine Rügenserie die Insel stärker in den Fokus der Kunstwelt rückte und das Verhältnis des Menschen zur „gottbeseelten“ Natur neu definierte.
Welche Bedeutung hatten die Boldevitzer Wandtapeten?
Sie stellen ein frühes, topografisch komponiertes Zeugnis der Landschaftsdarstellung auf der Insel Rügen dar, das die barocke Tradition der Landschaftsgestaltung widerspiegelt.
Inwiefern beeinflussten politische Ereignisse die Kunst auf Rügen?
Sowohl das Aufkeimen der nationalsozialistischen Ideologie als auch die deutsche Teilung wirkten sich massiv auf die Arbeitsmöglichkeiten aus, wobei Rügen oft als Zufluchtsort für eine eigenständige Kunstentwicklung diente.
- Citation du texte
- Oliver Thaßler (Auteur), 2009, Landschaftsmalerei auf der Insel Rügen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/136487