Die Landschaften der Insel Rügen weisen Spuren aus 5000 Jahren Kulturgeschichte des Menschen auf. Die Dichte an archäologischen und historischen Artefakten und Denkmälern ist auf der Ostseeinsel außergewöhnlich hoch. Damit eignet sich der Raum besonders gut für die Kartierung und Analyse der verschiedenen Kulturlandschaftselemente und ihrer kulturellen, geschichtlichen Bedeutung. Im Rahmen eines Proseminars und einer Kompakt-Exkursion an der Universität Kassel im Fachgebiet Landschaftsplanung/ Landnutzung wurden auf Rügen verschiedene archäologische und landschaftsplanerische Methoden angewandt, um
ausgewählte Landschaften Rügens mit ihren Elementen verschiedener zeitlicher Kulturepochen zu beschreiben. Dabei kamen analoge wie auch digitale Methoden zum Einsatz. Mit der gewonnenen Datengrundlage konnte dann die kulturelle Eigenart und Vielfalt
der untersuchten Räume herausgearbeitet werden.
Inhaltsverzeichnis
1. Forschungsgeschichte
2. Flächenauswahl
3. Exkurs in die Landschaftsgeschichte der Insel Rügen
3.1.Geologische Entwicklung
3.2. Vegetation und Landschaftscharakter
4. Material und Methoden
4.1. Kartierungsbögen
4.2. Fotografien und Vermessungen
4.3. Kunstzeichnungen
4.4. Literaturrecherche
5. Kulturlandschaftselemente auf der Insel Rügen
5.1. Das Hünenbett Nobbin
5.2. Das Ganggrab Nipmerow
5.3. Das Hügelgräberfeld Woorke
5.4. Das Kap Arkona
5.5. Ralswiek
5.6. Altenkirchen
5.7. Putbus
5.8. Sassnitz
5.9. Prora
5.10. Tagebau Klementvitz
6. Kulturtransparenz auf Rügen
Zielsetzung & Themen
Das Hauptziel dieser Arbeit ist die Kartierung und Analyse verschiedener Kulturlandschaftselemente auf der Insel Rügen, um deren kulturelle und geschichtliche Bedeutung sowie ihre Vielfalt methodisch zu erfassen und zu beschreiben. Es wird der Frage nachgegangen, wie archäologische und landschaftsplanerische Methoden zur Inventarisierung und Bewertung dieser Elemente beitragen können.
- Methodische Erfassung von Kulturlandschaftselementen unterschiedlicher Epochen
- Evaluierung digitaler Erfassungs- und Katastertools wie KLEKS
- Untersuchung des landschaftskulturellen Wandels durch historische Analysen
- Dokumentation der Bedeutung von Kulturgütern im Kontext von Denkmalschutz und Tourismus
- Interdisziplinärer Ansatz zwischen Archäologie, Landschaftsplanung und Kunstgeschichte
Auszug aus dem Buch
5.1.4. Kulturhistorische Bedeutung
Die Untersuchungen von EWALD SCHULDT konnten zwei Grabkammern innerhalb des Hünenbettes ausfindig machen. Neben dem Nachweis von Nachbestattungen, die in die Eisenzeit zu datieren waren, konnten außer Feuersteinartefakten und Keramikscherben nicht viel nachgewiesen werden. Die Anlage war wohl im Laufe der jahrhunderte mehrmals von Grabräubern heimgesucht worden. Außergewöhnlich gilt allerdings der Fund einer arabischen Münze, dessen Herkunft nicht geklärt werden konnte (SCHULDT 1971).
Die Grabanlage gehört von ihrer Dimension zu den größten auf der Insel Rügen. Schon im 19 Jh. wurde es als majestätisch bezeichnet: „das imposanteste, und zugleich am Besten erhaltene, welches wir noch auf der Insel gesehen haben…Die Steine, die es umgeben, sind 39 Gewaltige, mächtige Blöcke sind darunter, die beiden gewaltigsten aber bilden den Eingang und würden leicht einen Reiter zu Pferde bedecken“(PEREGRINUS PEDESTRIS, 1833: Der Holsteinische Tourist. Zitiert in: E. SPROCKHOFF, 1967). Auch wenn die Dichte an neolithischen Fundstellen nach Knapp 2008 zu den Höchsten innerhalb frühgeschichtlicher Siedlungsphasen gehört, ist das Hünenbett von Nobbin in seiner Dimension auf Rügen nur noch mit dem Hünenbett bei Dwasiden an den Küsten der Halbinsel Jasmunds zu vergleichen. Darin liegt insbesondere seine kulturhistorisch, hohe Bedeutung. Versuche die Art und Weise der Steinsetzung astronomisch zu interpretieren, führten bisher zu keinen schlüssigen Ergebnissen (vgl. BIELAS 1988).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Forschungsgeschichte: Dieser Abschnitt gibt einen Überblick über die historische Entwicklung der archäologischen und landeskundlichen Forschung auf Rügen, von ersten Erwähnungen im 17. Jahrhundert bis hin zu modernen, fachübergreifenden Forschungsprojekten.
2. Flächenauswahl: Hier werden die Auswahlkriterien für die untersuchten Plätze erläutert, die einen chronologischen Querschnitt von der Jungsteinzeit bis zum 20. Jahrhundert repräsentieren sollen.
3. Exkurs in die Landschaftsgeschichte der Insel Rügen: Dieses Kapitel erläutert die geologischen Grundlagen der Inselentstehung im Holozän sowie die sieben verschiedenen Naturraumtypen und deren typische Vegetation.
4. Material und Methoden: Beschreibt die angewandten Kartierungsmethoden unter Verwendung verschiedener Erfassungsbögen, digitaler Kataster (KLEKS), fotografischer Dokumentation, zeichnerischer Ansätze und Archivrecherchen.
5. Kulturlandschaftselemente auf der Insel Rügen: Das Hauptkapitel widmet sich detailliert zehn spezifischen Fallbeispielen, von prähistorischen Großsteingräbern über slawische Burgwälle bis hin zu klassizistischen Anlagen und industriellen Tagebau-Stätten.
6. Kulturtransparenz auf Rügen: Abschließend werden die Ergebnisse der Kartierungen bewertet, die methodischen Defizite der Katastersysteme diskutiert und die Rolle der Landschaft als kulturelles Erbe reflektiert.
Schlüsselwörter
Rügen, Kulturlandschaftselemente, Kartierung, KLEKS, Archäologie, Bodendenkmäler, Denkmalpflege, Landschaftsplanung, Frühgeschichte, Industriegeschichte, Historische Kulturlandschaft, Siedlungsgeschichte, Naturraum, Landschaftsanalyse, Kulturelles Erbe
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der Kartierung, Analyse und kulturhistorischen Einordnung bedeutender Kulturlandschaftselemente auf der Insel Rügen anhand ausgewählter Fallbeispiele.
Was sind die zentralen Themenfelder der Studie?
Die Schwerpunkte liegen auf der Erfassung archäologischer und historischer Denkmäler, der Bewertung der Anwendbarkeit verschiedener Kartierungsschlüssel sowie der Untersuchung der landschaftlichen Eigenart Rügens.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage der Arbeit?
Das Ziel ist es, durch die praktische Kartierung von zehn Standorten einen Überblick über das kulturgeschichtliche Spektrum der Insel zu geben und die Eignung bestehender Katastersysteme für eine wissenschaftlich fundierte Landschaftsplanung zu prüfen.
Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?
Es werden eine kombinierte Geländebegehung, die Anwendung von Erfassungsbögen (KLEKS und Brandenburger Systematik), Literatur- und Archivrecherchen sowie zeichnerische und fotografische Dokumentationen eingesetzt.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert zehn spezifische Standorte, darunter Großsteingräber, das Kap Arkona, den Seehandelsplatz Ralswiek, die Residenzstadt Putbus sowie das KdF-Bad in Prora hinsichtlich ihrer Geschichte, Bedeutung und ihres Schutzzustands.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Rügen, Kulturlandschaftselemente, Kartierung, Archäologie, Bodendenkmäler, Denkmalpflege und Siedlungsgeschichte definiert.
Welche Rolle spielt die KLEKS-Systematik in dieser Untersuchung?
KLEKS dient als digitales Kulturlandschaftselementekataster, dessen Systematik auf Rügen praktisch erprobt und kritisch auf ihre Differenzierungsmöglichkeiten hinsichtlich verschiedener Epochen und Gebäudetypen hin evaluiert wird.
Was schlussfolgert der Autor über die Behandlung des Denkmals in Prora?
Der Autor argumentiert, dass ein Abriss des Denkmals nicht zielführend ist und stattdessen eine kritische Auseinandersetzung mit der NS-Vergangenheit sowie eine Mischnutzung der Anlage angestrebt werden sollte.
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- Oliver Thaßler (Author), 2009, Kulturtransparenz, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/136488