Die Kulturlandschaften der Insel Rügen

Materielle und immaterielle Dimensionen einer kulturell wertvollen Landschaft


Studienarbeit, 2009
36 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Inhalt

1. Grundzüge der Landschaftsentwicklung der Insel Rügen

2. Zur aktuellen Wahrnehmung der Kulturlandschaften Rügens
2.1. Landscape as perceived by people
2.1.1 Assoziation Landschaft auf Rügen
2.1.2. Assoziation Literatur auf Rügen
2.1.3. Assoziation Malerei auf Rügen

3. Assoziative Landschaften

4. Beispiele assoziativer Landschaften Rügens
4.1. Im Land der Mönche (Halbinsel Mönchgut)
4.2. Klanglandschaften der Kreideküste (Halbinsel Jasmund)
4.3. Heiligtum der Ostseeslawen (Halbinsel Wittow)

5. Die Zukunft rügener Kulturlandschaften

Quellenverzeichnis

1. Grundzüge der Landschaftsentwicklung der Insel Rügen

Die Landschaft Rügens und die Hauptformen des heutigen Reliefs gehen auf nordische Gletschermassen des Eiszeitalters (Quartär) zurück. Nachdem vor über 12 000 Jahren Stauch-und Satzendmoränen, Gletscherzungenbecken und Toteisbecken in einem arktischen Klima entstanden, formten nacheiszeitliche Prozesse das Gelände und hinterließen eine vielfältig strukturierte Landschaft (DUPHORN ET AL. 1995). Die zuerst aufkommende, spätglaziale Tundrenvegetation wich mit Aufkommen eines gemäßigten Klimas einer Waldlandschaft (Birken-Aspen-Kiefernwälder). Waren die Menschen in dieser Zeit noch als Rentierjäger organisiert, können dann im Übergang vom Boreal zum Atlantikum Kulturgruppen auf Rügen ausdifferenziert werden, die als Maglemose- Gruppe und Lietzow- Gruppe bekannt wurden (HERFERT 1990).

Erst vor 5000 Jahren in der Jungsteinzeit begann mit der Trichterbecherkultur die Auflichtung von Wäldern infolge von Siedlungstätigkeit, Ackerbau und Viehhaltung. Zu dieser Zeit entstehen die ersten Kulturlandschaften, die durch persistente Kulturlandschaftselemente wie Großsteingräber und eine anthropogene Veränderung der Pflanzendecke beschrieben werden können. Neben den zu dieser Zeit auf Rügen herrschenden Eichenmischwäldern entwickelte sich eine parkartige Landschaft mit verschiedenen Destruktions- und Regenerationsstadien. Nach LANGE ET AL. (1986) kommt die neolithische Auflichtung des Eichenmischwaldes vor allem im Abfall der Kurven von Linden und Ulmen in mehreren Pollendiagrammen zum Ausdruck. Ruderalisierte Wohnplätze sind durch Chenopodium und Urtica, kleine Äcker und Weideland durch Cerealia, Plantago, Artemisia, Rumex, Calluna gekennzeichnet. Gelichtete und ihrer Zusammensetzung veränderte Rest- und Randwälder werden von Hasel und Birken-Beständen dominiert.

In Folge der bronzezeitlicher Besiedlung (3800-2600 Jahre vor heute) fand ein Ausbau der seit dem Neolithikum erschlossenen Kulturlandschaft statt. Es entstanden Siedlungskammern und -gebiete unter Zurückdrängung des Waldes und damit die Herausbildung erster anthropogener Ersatzvegetation. Mit dem Beginn des Subatlantikums ab 2700 Jahren vor heute wurde das Klima zum natürlichen Hauptfaktor der Landschaftsentwicklung. Die zunehmende Humidität des subatlantischen Klimas führt zur Versumpfung zahlreicher kleiner Hohlformen in den End- und Grundmoränenlandschaften. Auf Verlandungs- und Versumpfungsmooren setzte erneutes Moorwachstum ein. Auch wurde durch das feuchtere Klima die Ausbreitung von Buche und Hainbuche in Eichenmischwäldern auf Mineralböden begünstigt. Wie LANGE ET AL. (1986) aufzeigen konnten, verweisen Pollendiagramme und Summenkurven siedlungsanzeigender Pflanzen auf eine mehr oder weniger kontinuierliche Besiedlung zwischen der Jungbronzezeit und der Völkerwanderungszeit. Mit der Eisenerzeugung- und Verhüttung kam es zu einer verstärkten Nutzung der Waldareale. Das kühlfeuchte Klima ermöglichte hingegen innerhalb weniger Jahrzehnte die Wiederbewaldung aufgelassenen Siedlungslandes.

Mit dem Übergang von einer überwiegend auf Tierhaltung orientierten Wirtschaft der Germanen zu einer stärker ackerbaulich orientierten Wirtschaft der Slawen vollzog sich dann eine erhebliche Wandlung der Landnutzung (LANGE 1976a, b). Die Einwanderung der slawischen Siedlungsgruppen leitete die bis dahin intensivste, anthropogene Prägung der Vegetationsdecke ein.

Die slawische Landnahme ist eine entscheidende Phase in der Herausbildung der rügener Kulturlandschaft. Der Wald wurde nach LANGE ET AL. (1986) innerhalb von fünf Jahrhunderten auf die Hälfte seines ursprünglichen Areals zurückgedrängt. Archäologische Siedlungsnachweise belegen die Ausweitung der Siedlungsareale in bisher unbewohnte Waldgebiete ebenso wie der Verlauf von Gehölz- und Siedlungsanzeigerkurven in den Pollendiagrammen. In den verbliebenden Wäldern kommt es zur Massenausbildung der Buche. Aufgrund der erfolgten Entwaldungen im 10.-12. Jh. ist die Vernässung von Geländesenken und die starke Zunahme der Torfbildungsraten in allen Moortypen zu beobachten. Siedlungsland mit Ruderalfluren, Äcker, Brachen, Weiden und Restgehölze ersetzen die ehemals ausgedehnten Wälder. Gegenüber früheren Siedlungsperioden weiteten sich in der Slawenzeit die Kulturlandschaften aus und zeichnen sich in Pollendiagrammen mit ausgeprägten Gipfeln der Kurven von Getreide, Plantago, Rumex, Artemisia, Chenopodiaceae und Poaceae deutlich ab (LANGE ET AL. 1986, vgl. JACOMET & KREUZ 1999).

Während des Mittelalters erfolgte die Herausbildung der heute als natürlich betrachteten Vegetation, der historischen Ersatzvegetation, der historischen Wald-Feld-Verteilung und des historischen Siedlungsbildes (LANGE ET AL. 1986). Unter dem Einfluss der Christianisierung (Bau von Backsteinkirchen) setzte sich die Landnutzung in kleinbäuerlichen Strukturen bis 1600 fort. Das Siedlungsbild war durch Einzelhöfe und Weiler bestimmt. Ende des 16. Jh. kam es zu sozio-ökonomischen Veränderungen, die zur Verdrängung des Bauerstandes und in der Folge zu einer tiefgreifenden Umgestaltung des Siedlungs- und Landschaftsbildes führten. Die Konjunkturlage landwirtschaftlicher Produkte begünstigte die Entstehung von Gutswirtschaften. Das von den Adligen auf Zeit verpachtete Land wurde annektiert und zum Eigenland des Ritters geschlagen, brachliegendes Land in Kultur und die Allmende in Besitz genommen. Es entstanden die ersten Rittergüter mit größeren burgähnlichen Gutshäusern, die in der Folgezeit das Bild der rügenschen Agrarlandschaft prägen. Der Ackerbau wurde als 4-5-gliedrige Felderwirtschaft betrieben. In den Wäldern herrschten Eichen und Buchen vor, die als Mastbäume für Schweine genutzt wurden. Übermäßiger Holzeinschlag und Waldweide hatten bereits zu diesem Zeitpunkt gebietsweise zu völliger Entwaldung und umfangreicher Walddegradation geführt (LANGE ET AL. 1986, KALÄHNE 1954).

Ab 1830 erfolgten dann systematische Aufforstungen der brach gefallenen Hutungen, so dass im Verlauf des 19. Jh. der Waldanteil wieder erhöht werden konnte. Zugleich wurde eine geregelte Forstwirtschaft eingeführt. Beides führte zu einer Begünstigung von Nadelhölzern. Ab der zweiten Hälfte des 18. Jh. kam es dann zu bewussten Landschaftsgestaltungen auf Rügen. Von besonderer Bedeutung ist die großflächige Umgestaltung des Putbuser Schlossparks zu einem Landschaftspark englischen Stils und der Bau einer klassizistischen Stadtanlage in Putbus als Residenz- und Badeort durch Fürst Wilhelm Malte ab 1808 (THAßLER 2003, VOGEL 2003). Um 1900 entwickeln sich an den Ostküsten mehrere Badeorte mit markanter Bäderarchitektur. Neben diesen bewusst nach ästhetischen Gesichtspunkten gestalteten Landschaften werden ab Mitte des 19. Jh. Folgen der Industrialisierung auf Rügen deutlich: Der Bau von Eisenbahnstrecken, die Etablierung eines zusammenhängenden Straßennetzes, der Kies- und Kreideabbau auf Jasmund. Hiermit veränderte sich das Bild der vorindustriellen gutherrschaftlich geprägten Kulturlandschaft erneut.

So wurde die Siedlungsstruktur nicht nur durch Einzelhöfe und Weiler, Gutshöfe mit Herrenhäusern, Wirtschaftsgebäude und Einliegerkaten geprägt, sondern auch durch das aufkommende Schienen- und Straßennetz und die Spuren zunehmend rationalisierter Produktionsverfahren in der Forst- und Landwirtschaft.

Waldflächen wurden vermehrt in Ackerstandorte überführt und aufgrund verstärkter Grünlandnutzung der Niederungsgebiete kam es zur Anlage von Entwässerungsgräben zur Trockenlegung von Kleingewässern, Mooren und Brüchen. So wurden z.B. zwischen 1837– 1940 auf den Flächen der heutigen Gemeinde Putbus 86 % der Feuchtgebiete entwässert (THASSLER 2003).

Im 20. Jahrhundert erfolgte dann eine weitere Umgestaltung der Insellandschaft. Die Landwirtschaft wurde mit der Einführung maschineller Bodenbearbeitungs- und Erntetechniken sowie synthetischer Pflanzenschutz- und Düngemittel weiter intensiviert. Es entstanden die für den Norden und Westen Rügens typischen großschlägigen Ackerbaulandschaften. Heute wird auf dem Großteil der landwirtschaftlichen Flächen Rügens eine intensive exportorientierte Landwirtschaft betrieben. Auch die zumeist privatwirtschaftliche Nutzung der Wälder bleibt fast ausschließlich auf die Produktionsfunktion des Waldes beschränkt. Eine Ausnahme bilden lediglich die Flächen der seit den 1990er Jahren eingerichteten Großschutzgebiete auf Jasmund und im Südosten der Insel. Der weitere Ausbau des Straßennetzes und neue Anbindungen an Rügen (Rügenbrücke, 21. Jh.) verursachen den Verlust historischer Alleen. Die Ausweisung neuer Siedlungs- und Industrieflächen, die Orientierung auf Tourismus mit dem damit verbundenen Neubau von Hotels, Pensionen und Ferienhäusern gehen einher mit einem hohem Flächenverbrauch bei gleichzeitigem Verfall innerörtlicher Kerne und alter Bauernhäuser. Verbliebene Gutshäuser, Schlösser sowie weitere denkmalgeschützte Gebäude und Parkanlagen werden hingegen oftmals von Privatleuten restauriert (z.B. Zürkvitz bei Wiek) oder deren Sanierung und Instandhaltung wird mit öffentlichen Geldern unterstützt (vgl. GROß 2007).

Mit diesen Transformationen haben sich auch die Vegetationsstruktur und landschafts-ökologische Qualitäten Rügens im 20. Jh. verändert. Der Kultureinfluss auf die Ökosysteme ist deutlich ablesbar. So ist heute auf Rügen eine oligo- bzw- mesohemerobe Vegetation fast ausschließlich auf Schutzgebiete beschränkt, das sind naturnahe Wälder (Vilm, Goor, Jasmund), Reste von Mooren und mesotrophe Gewässer (Granitz/Schwarzer See). Meso- und eu-hemerobe Vegetation findet sich stellenweise in Form artenreicher Ackerwildkrautfluren, wo eine organische Landwirtschaft betrieben wird (Bisdamitz). Standörtlich differenziertes Gras- und Grünlandland kommt reliktartig dort vor, wo z.B. Schafbeweidung im Rahmen der Landschaftspflege organisiert ist (Biosphärenreservat Südost-Rügen). Der Großteil der Vegetationsmosaike auf Rügen gehören jedoch dem Spektrum eu- und polyhemerober Lebensräume an. Die Ackerfluren sind floristisch stark verarmt (West und Nordrügen). Anstelle der Feucht- und Frischwiesen ist ein artenarmes Saatgrünland in den Niederungen zu finden. Nitrophile Staudenfluren und Ruderalfluren stehen vor allem in industriell-urbanen Bereichen und an Verkehrswegen (Stadt Bergen, Sassnitz). Die Gewässer haben hypertrophen Charakter und weisen eine verarmte oder fehlende Makrophytenvegetation auf (Schmachter See).

2. Zur aktuellen Wahrnehmung der Kulturlandschaften Rügens

Diesen Befunden zum Trotz ist auf der Insel auch heute noch eine sehr differenzierte und mannigfaltige Kulturlandschaft zu finden. Die Landschaft weist die typische Dichotomie von Stadt/Dorf und unbebauter Landschaft auf. Die Dorfstrukturen repräsentieren verschiedene Architekturstile und -epochen: Das ländliche Bauen, exemplarisch repräsentiert durch das Hallenhaus, dass später durch den Klassizismus in Putbus beeinflusst wurde, prägt bis heute einige Dorfbilder (Nistelitz). Zum Teil kam es zur Herausbildung von rügentypischen klassizistischen Bauernhäusern (ROCKEL 1999). Die klassizistischen Bauten, die mit der Gründung und Umsetzung der fürstlichen Residenzstadt Putbus einen Schwerpunkt im Kernland Rügens haben und überregional ausstrahlen, werden aktuell aufwändig restauriert und sind Teil der baulichen Eigenart Rügens. Die Bäderarchitektur aus dem letzten Viertel des 19. Jahrhunderts, die sich an den Badeorten der Oststrände etablierte, dient noch heute vielen als Ferienunterkunft (KNAPP 1997). Zugleich „wuchern“ jedoch auch neuzeitliche Bauten mit Stahl, Beton und großen Glasflächen, sowie typische Einfamilienfertighäuser in die offene Landschaft (Sellin-Baabe).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Manteldachhaus, gebaut bis Ende des 18 Jh.

Handwerkerhaus aus Putbus, erste Hälfte 19 Jh.

Bauernhaus aus Vilmnitz, Mitte des 19 Jh.

Abbildung 1: Baustilentwicklung im 19. Jahrhundert auf Rügen (aus: ROCKEL 1999)

Die naturräumlichen Gegebenheiten (Geologie, Klima, Wasserhaushalt, Vegetation) der hügeligen Endmoränenzüge und flachwelligen Grundmoränen, der Kreidelandschaften von Jasmund und der Seesand- und Küstendünenlandschaften bilden eine reizvolle Synthese mit den kulturhistorischen Spuren (neolithische Großsteingräber, bronzezeitliche Grabhügel, slawische Burgwälle, mittelalterliche Backsteinkirchen, alte Alleen, Schlösser und Parke). Damit beherbergt Rügen trotz der rasanten Entwicklungen des 20. Jh. attraktive Kulturlandschaften, die jährlich von Millionen Urlaubern besucht werden.

2.1. Landscape as perceived by people

Landschaft ist ein vom Menschen wahrgenommenes Kulturgut. Wie BRUNS (2007) festhält, umfasst „der Landschafsbegriff im Sinne der Europäischen Landschaftskonvention somit Landschaft als Lebensraum der in und mit ihr lebenden Menschen und bleibt keinesfalls auf das Landschaftsbild beschränkt. Der Begriff „ as perceived by people “ beinhaltet in den verbindlichen englisch- und französischsprachigen Versionen das Wahrnehmen, Erkennen und Verstehen von Landschaft mit allen Sinnen, bis hin zur Formung mentaler Bilder und Konzepte, die unter anderem durch Erfahrungseinflüsse zustande kommen“. Inwiefern die Ausprägung und Zusammensetzung der Rügener Kulturlandschaften für den Besucher und die Einwohner als besonders reizvoll erscheint und auch bevorzugt aufgesucht wird ist noch weitgehend ungeklärt. Wie MARSCHALL (2007) bemerkt, gibt es kollektive Erinnerungen an die Landschaften und individuelle Präferenzen: „. Zugleich existieren aber auch weiterhin mehrheitsfähige Vorstellungen von attraktiven Landschaften, da diese kulturell überliefert oder z.B. auch durch die Tourismusbranche konkret vermarktet werden“.

Im Rahmen eines Proseminars „Kulturtransparenz“ wurden 35 Passanten in der Stadt Sassnitz/ Rügen auf der Straße nach Rügen und Landschaften befragt. Es handelt sich dabei um Stichprobenbefragungen, die keinen Anspruch auf Repräsentativität haben, doch zumindest geben sie ein Meinungsbild wieder. Antworten wurden nicht vorgegeben. Folgende Fragen wurden an männliche, wie weibliche, ältere (45-70 J.) und jüngere (17-45 J.) Passanten (Einheimische und Urlauber) gestellt:

- 1. An welche Landschaften denken Sie beim Begriff Insel Rügen ?
- 2. Welche Literatur bringen Sie mit der Insel Rügen in Verbindung?
- 3. Welche Malerei bringen Sie mit der Insel Rügen in Verbindung?
- 4. Wie sieht ihre (auch virtuelle) Ideallandschaft aus?

2.1.1. Assoziation Landschaft auf Rügen

Zur Frage 1 waren zwei Nennungen möglich. Die Fragen wurden auch nicht erläutert, um nicht Ergebnisse sozialer Erwünschtheit zu erzielen. Dem ist es geschuldet, dass nicht nur Landschaften im klassischen Sinne, d.h. durch einheitliche Struktur (Naturausstattung und Landnutzung) und gleiches Muster von Wirkungsgefügen (Funktionsweise) geprägter Teil der Erdhülle (BASTIAN U. SCHREIBER 1999), genannt werden, sondern auch biotische Einzelelemente (Bäume), zoologische Arten (Möwen) oder auch architektonische Typologien (Weiße Häuser). Zur besseren Übersicht der Antworten wurden sie bei gleichem oder ähnlichem Inhalt geclustert und in farbigen Gruppen zusammengeführt. Die Antworten lassen sich grob in 13 (verschiedenfarbige) Cluster fassen. In Abbildung 2 sind die Antworten in einer Tabelle zusammengefasst. Die Personenanzahl zeigt die Häufigkeit der Nennungen, denn es wurden auch gleiche Begriffe benutzt.

Des Weiteren folgte eine Klassifizierung auf Landschaftsebene. Meteorologische Ereignisse wie z.B. Wind wurden mit astronomischen Nennungen wie z.B. Sonne in einer Gruppe gefasst und als chorisch/ Biosphäre bezeichnet. Die chorische Dimension bezeichnet einen Maßstabsbereich, in welchem heterogene Räume (Gefüge, Verbände, Mosaike) untersucht werden, die sich aus topischen Grundeinheiten zusammensetzen (EBENDA 1999, S. 548). Handelt es sich bei den Nennungen um Landschaftstypen wie z.B. Felder, Wälder, Strände ist von chorischen Landschaftstypologien die Rede.

Einige Nennungen konkretisieren z.B. Wald und sprechen von Kiefernwald oder konkretisieren Strand als Sandstrand. Dort wird mit der Bezeichnung Kiefernwald ein Waldsystem mit der vorherrschenden Baumart Pinus sylvestris beschrieben. Diese konkreteren Nennungen werden dann als topische Landschaftstypologien bezeichnet. Die topische Dimension ist ein Maßstabsbereich, in welchem Objekte mit homogenem bzw. quasihomogen gesetztem Inhalt untersucht werden, um Struktur und Dynamik der elementaren Grundeinheiten der Landschaftssphäre zu kennzeichnen (EBENDA 1999, S. 548).

Bei Antworten, die Regionen oder bestimmte Orte der Insel zum Inhalt hatten, werden Regionen wie z.B. Jasmund als chorisch inselgeographisch bezeichnet und Orte wie z.B. der Königsstuhl (auf der Halbinsel Jasmund) als topisch inselgeographisch. Auch gab es einige wenige Nennungen von Architektur wie z.B. Leuchttürme, die als topisch anthropogen bezeichnet werden. Nach der Frage an welche Landschaft sie bei dem Begriff Insel Rügen denken würde, antwortete eine Urlauberin: „Nette Menschen.“ Diese Antwort ist trotzdem unter sozial anthropogen aufgeführt, auch wenn damit keine Landschaft im Sinne eines Geoökosystems bezeichnet wird. Gleichzeitig führt dies Antwort vor Augen, dass erstens der Mensch Teil der Landschaft ist und nur leicht abgewandelt gefragt: An welche Elemente der Landschaft denken Sie beim Begriff Insel Rügen? die Antwort gerade Sinn ergibt, auch vor dem Hintergrund der Europäischen Landschaftskonvention. Zweitens impliziert die Frage eine mentale, assoziierte Landschaftsvorstellung. In der Antwort kann sich so auch eine Phantasie niederschlagen, die beim Begriff Insel Rügen evoziert wird, aber mit den realen (im Sinne der Landschaftsökologie) Landschaften der Insel nichts zu tun hat. Die Befragung erstellt insofern eine mentale Landkarte Rügens.

[...]

Ende der Leseprobe aus 36 Seiten

Details

Titel
Die Kulturlandschaften der Insel Rügen
Untertitel
Materielle und immaterielle Dimensionen einer kulturell wertvollen Landschaft
Hochschule
Universität Kassel  (Fachgebiet Landnutzung und Landschaftsplanung)
Note
1,0
Autor
Jahr
2009
Seiten
36
Katalognummer
V136490
ISBN (eBook)
9783640449453
ISBN (Buch)
9783640449316
Dateigröße
921 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Kulturlandschaften, Insel, Rügen, Materielle, Dimensionen, Landschaft
Arbeit zitieren
Oliver Thaßler (Autor), 2009, Die Kulturlandschaften der Insel Rügen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/136490

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